10 jähriges Jubiläum des STP Metal Weekend

STP Metal Weekend

Das STP Metal Weekend wird 10! Anstatt auf Clowns und Zauberer freuen wir uns u.a. auf Deserted Fear und Bodyfarm, zum Schenkel- anstatt Topfschlagen lädt Richard Metfan.

STP Metal WeekendFunfact: St. Pölten ist seit der Steinzeit bewohnt und gilt somit als die älteste Stadt Österreichs – somit ist es durchaus verständlich, dass in St. Pölten so viel los ist, wie eben los ist: nichts. Verglichen mit den umtriebigen Enkerln Wien oder Graz beispielsweise ist die niederösterreichische Landeshauptstadt ein graumelierter Großvati, der mit seiner Pfeife gemächlich schaukelnd im Lehnstuhl verweilt und über längst verflossenen Zeiten sinniert, ab und an zum kleinen Beistelltischchen greift und sich aus einem auf einem Häkeldeckchen stehenden Kristallschälchen ein Schinkenblättchen stibitzt, und sich selbiges mit einem seligen Lächeln zwischen die zittrigen Lippen schiebt. Mit glasigen Augen blickt er durchs Fenster hinaus in die seelenruhige Landschaft und genießt die Stille – denn Motörhead, die ohrenbetäubend immer noch aus der Stereoanlage donnern, die hört er schon lange nicht mehr.

Lediglich zweimal im Jahr erwacht Großvati aus seinem Wachkoma. Einmal am vorletzten Augustwochenende, wenn alljährlich ein paar besonders coole und unabhängige Zeitgeister durch seinen Vorgarten trampeln: Lässig blinzeln sie durch ihre Ray-Bans, schleppen dabei ihr komplettes Hab und Gut in versifft stinkenden Jutebeutelchen mit sich, die linke Hand ist krampfhaft um eine Zipfer-Bierdose geschlungen, mit der rechten formen sie mit einem grenzdebilen Grinsen zum Gruße das Victory-Zeichen. Großvati kann die kecken Aufdrücke auf ihren T-Shirts zwar nicht mehr wirklich entziffern, aber man hat ihm gesagt, sie seien frech; „Ansaparnier“ stünde auf dem einen, „Nua ned hudln“ auf dem anderen. Großvati schüttelt den Kopf, erhebt sich langsam mit einem Ächzen in den Knochen und stolpert behäbig vor die Tür, unterm Arm einen Packen dünner Magazine, angelehnt an den Wachturm der Zeugen Jehova hat er sein mit Schreibmaschine verfasstes Magazin The Watcher getauft, eines seiner Lieblingsstücke von Motörhead. Mit zittriger Hand und blau schimmernden Adern unter der bleichen Haut streckt er sie den vorüberziehenden Jugendlichen entgegen – er weiß, sie sind auf dem Weg zum alljährlich abgehaltenen Frequency-Festival, aber er möchte den Verfall der Gesellschaft nicht weiter hin nehmen. „Zu seiner Zeit“, brüllt er da immer erbost mit erstaunlich starker Stimme, „hätte es das noch nicht gegeben!“ Die Jugendlichen nehmen ihn nicht ganz ernst, wenn er zetert und scheinbar ins Nichts komische Namen brüllt: „Motörhead! Slayer! Cirith Ungol! Asphyx! Ministry! Led Zeppelin! Savatage! Heir Apparent! Exxplorer!“ Aber im Grunde ist er ganz harmlos, sagen die Dorfältesten, die ihn noch aus besseren Zeiten kennen. Also nehmen die Teenager freundlich nickend eines seiner Magazine ab. In ihnen können sie Korrespondenzen aus dem Jahre Schnee nachlesen, als Großvati noch am Zahn der Zeit war und mit allen Granden der Musik plauschte, mit Mikkey Dee und Lemmy Kilmister, mit Enid Williams, Denis „Snake“ Belanger oder Pepper Keenan. Ins sanfte Abendrot sieht Großvati die Partytiger davon schlurfen und freut sich, ihnen einen guten Rat mit auf den Weg gegeben zu haben …

Aber noch einmal erwacht Großvati im Jahresverlauf – nur wenige Wochen später Mitte September, wenn am Wochenende das zweitägige STP Metal Weekend im frei:raum St. Pölten abgehalten wird. Auweh, da juchezt er schon früh Morgens und zwängt sich in eines seiner alten T-Shirts. „Auf denen“, so denkt er sich vor dem Spiegel grübelnd, „standen noch keine dümmlichen Sprüche. Da gab es Totenschädel, Flammen und Inferno!“ Die wenig verbliebenen, grauen, strähnigen Haare bindet er sich zu einem Zopf zusammen und gießt sich eine Flasche Grantler Hell der Schlossbrauerei Herrngiersdorf, der ältesten Privatbrauerei der Welt, über seine Cornflakes. Und dann macht er sich schon auf und schlurft gen frei:raum, denn seit 10 Jahren ist heute sein Tag! Da fühlt er sich wieder jung und frisch, beinah keinen Tag älter als 124 Jahre, und weiß, wie es alltäglich seinen fidelen Enkerln gehen muss: „Heute gibt es wieder was voll auf die Zwölf“, denkt er sich da mit verschmitztem Grinsen. Und gerade auf das 10-jährige Jubiläum seines STP Metal Weekends freut sich der Großvati ganz besonders, denn heuer ist das Line-up besonders amtlich geworden: Als Headliner am Freitag wurden die Holländer Bodyfarm verpflichtet. „In den melodischen Phasen sind sie erhaben wie Amon Amarth es einmal anno dazumal waren, in den leichten Thrash-Zügen dürfen sie durchaus Slayer-Luft schnuppern“, fachsimpelt der Senior, und führt aus: „Das niederländische Quartett klingt weit mehr nach Old-School-Schwedentod als heutzutage manch eine übrig gebliebene Legende längst vergangener Tage.“ Dass auch Großvati eine Legende ist, sagen ihm seine Enkerl nicht, weil das ist ihm dann gar arg unangenehm – auch wenn es wahr ist.


Brachial wird es dann auch am Samstag zur später Stunde, denn Großvati hat Deserted Fear aus Thüringen eingeladen. „In Thüringen“, so erinnert er sich, „traf ich in meiner Jugend einmal auf den großen Reformator Martin Luther. Der nagelte etwas später dann seine Thesen an das Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg.“ Ähnlich kompromisslos an ihrer Vision arbeiten auch die drei Eisenberger, die erst unlängst beim Branchenriesen Century Media unterzeichnet und für Anfang 2017 ihren „Kingdom of Worms“-Nachfolger angekündigt haben – auch hier, so verspricht man, wird sich erneut der ehrwürdige Elchtod mit dem ursprünglichen Todmetal Amerikas zu einem brachialen Gebräu mischen.


In Gedanken an das tschechische Goregrind-Kommando Gutalax reibt sich Großvati mit einem verschmitzten Lächeln die Hände. Mittlerweile ist er zwar auf die Mithilfe dieser lustigen, blauen Pillen angewiesen, aber ein, zwei Mal im Jahr packen ihn immer noch Frühlingsgefühle – kein Wunder, Großmutti hat sich auch deutlich besser gehalten, sie schaut heute keinen Tag älter als 30 aus, und das kann zumindest eines der beiden Enkerl nicht von sich behaupten. Die leicht frivolen Songtitel – von „Cock Corn“ über „Dildo Pytlik of the Brown RIng Dildo Baggins“ und „Rectal Orakle“ bis hin zu „Robocock“ und „Anus Ice Cream“ – vor sich hinsummend, freut sich das Väterchen schon darauf, wenn „shit happens“ – und diesmal nur bildlich.


Aber auch die übrigen Bands, die der Rentner von seiner stolzen Pension – er war dereinst Beamter – für die Jubiläumssaison verpflichten konnte, sprechen für sich: Da sind natürlich die Lokalmatadoren Epsilon (Und der Haifisch, der hat Zähne, und die trägt er im Gesicht, und der Mecki, der hat ein Messer, doch das Messer sieht man nicht …), Defiled Utopia, Zeroton und Aeons Of Ashes, sowie Warcult aus dem benachbarten Loosdorf und Arkaeum aus Tulln.
Bereits jetzt kann man vermuten, dass die Qualitätszeitung Österreich an diesem bereits jetzt legendärem Wochenende so oder ähnlich titeln wird: „Die bedrohende Gefahr lässt nicht nach: Bundesheer wurde ein Todespanzer geklaut!“ Denn mit Mortal Strike hat sich wohl der Kettenpanzer aus der Bundeshauptstadt schlechthin angekündigt, ähnlich der martialischen ersten beiden „Terminator“-Teile brettert dieser unaufhaltsam mit seinem wiselflinken, brachialen Thrash-Geschmettere über Knochenberge und wird auch in St. Pölten das Jüngste Gericht einläuten. Apropos: Auch bei UGF aus dem oberösterreichisch-bayerischen Grenzgebiet darf man sich auf ein paar ordentliche Fotzen einstellen – denn die fette Mischung aus Metal, Hardcore und Sludge ist für die hippen Kasper des FM4 Frequency sogar lethal, heißt es in der Fachpresse. Wenn sich da der Magendarmtrakt von Innen nach Außen wölbt, sind Dhark sofort zur Stelle, beschäftigen sie sich textlich immerhin mit den Inneren und dem Äußeren des Menschen, angetrieben von der pulsierenden Wucht des Schlagzeuges. Nicht vergessen sei schließlich auf den groben Wüteriche Undertow, die die Gehhilfe viel mehr als Schlagwaffe einsetzen und zudem das STP Metal Weekend bereits 2014 beehrten – und wenn man, wie Großvati, bereits in einem Alter ist, wo einem die Freunde wie die Fliegen wegsterben, holt man die, die noch leben, freilich möglichst oft zu sich.
Durch den Abend führen wird diesmal erneut der einzig wahre Metal-Kabarettist Richard Metfan, der zuletzt erst pünktlich um 20 Uhr im Wiener Local einen Schlussstrich unter seine lange und erfolgreiche Karriere setzte – im Gegensatz zu seinen großen Idolen Metallica (oder auch Darkfall) weiß er, wann es Zeit zum Aufhören ist. Aber extra und exklusiv für die „Tales from the Moshpit“ in St. Pölten packt er noch einmal sein persönliches „St. Anger“ aus. Hurra!

Tickets für das STP Metal Weekend (16. und 17. September, frei:raum St. Pölten) sind bei oeticket.com um 19 Euro (gesamtes Wochenende) beziehungsweise 15 Euro (Tagestickets) erhältlich.

 

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