3 Fragen an Alexander Hauer

“Bühne frei” für unsere neue Reihe “3 Fragen an…”, in der wir Persönlichkeiten (und deren Werk/e) der heimischen Kulturszene vorstellen. Der erste, der sich unseren Fragen stellte, ist Alexander Hauer mit seiner Uraufführung “Bartholomäusnacht” (Sommerspiele Melk).

Alexander Hauer stand uns im Gespräch Rede und Antwort!

Der Begriff der “Bartholomäusnacht” sagt den meisten von uns etwas – 1572 wurde in Frankreich aus der Aussöhnung zwischen der protestantischen und der katholischen Kirche ein Massaker an tausenden Zivilisten. Ein Theaterstück darüber gab es bis zu den diesjährigen Sommerspielen allerdings noch nicht. Warum fiel die Wahl genau auf diese historische “Bluthochzeit”?

Alexander Hauer (AH): Einerseits finde ich den besonderen Raum – also das Stift Melk – in den die Sommerspiele eingebettet sind, spannend, um einen religiösen Konflikt zu inszenieren. Den Wunsch die “Bartholomäusnacht” an sich auf die Bühne zu bringen, besteht schon länger. Wir haben die Aufführung aber absichtlich in diesen Sommer gesetzt, da die Reformation ihr 500-jähriges Jubiläum feiert. So begann Stephan Lack – der Autor des Stücks – vor etwa einem Jahr mit seiner Arbeit. Ich habe unsere Zusammenarbeit schon bei “Odysseus” sehr geschätzt, da Stephan eine einzigartige Mischung aus Genauigkeit und poetischer Sprache, die in die Beschreibung von süffigen Situationen münden kann, zustande bringt.

Stephan war dann auch bei den Proben stets anwesend und hat das Stück dementsprechend adaptiert – so floss nicht nur historisches aus der Bartholomäusnacht ein, sondern überdies Texte etwa über Konflikte in Indonesien, Ruanda und weiters Zeitungsausschnitte aus gegenwärtigen Konflikten in Syrien beispielsweise. Vom litauischen Außenminister über den Baptistenprediger bis hin zu Donald Trump ist verschiedenartiges vertreten. Auch wenn Religion bei etlichen der verwendeten Konflikten oberflächlich der Grund ist, eint doch alle, dass es letztlich um eine Macht geht, die sich der Religion bedient.

So sind also die Intrigen rund um die ´Mächtigen´ mit protestantischem beziehungsweise katholischem Glauben – Heinrich v. Bourbon, Caterina de Medici und Margarete von Valois etwa – entstanden. In diesen Handlungssträngen ist vor allem ein Element auf, beziehungsweise hinter der eigentlichen Bühne sehr präsent: das Stift Melk. Welche Bedeutung kommt der Baut in “Bartholomäusnacht” zu?

AH: Stimmt, erwähnt habe ich es bereits, dass ich das damit aufgemachte Spannungsfeld interessant finde. Das Stift steht in dem Stück für mich als Beispiel gebender Ort und als Symbol. Als Symbol für ein weltoffenes Haus, das Religionen, Kulturen und Menschen einen kann. Explizit das Melker Stift hat 35 syrische Flüchtlinge aufgenommen und zeigt in der Praxis, wie Integration an sich und über Bürgerlichkeit funktioniert. Denn Menschen aus der Bevölkerung helfen bei der Betreuung.

Ein weiteres wichtiges Element im Bühnenbild sind ja die vielen Plastikflaschen. Diese sollen die Dekadenz der damaligen Zeit verdeutlichen. Was passiert mit dem ganzen Plastik nach dem Sommer?

AH: Ja – die 9.000 Plastikflaschen, die im Bühnenbild stecken (und bisher keine einzige davon ausgetauscht werden musste), sollen die unnützen Verschwendungen dazumal veranschaulichen. Jene Verschwendung gibt es bei unseren Flaschen nicht: Es war ein Anliegen, Produkte aus Österreich zu erwerben, die nur einen Verbundstoff haben, weshalb sie gut recycelt werden können. Und Recycling wird dahingehend auf jeden Fall stattfinden! Der Plan ist, die Flaschen für das Training mit Lawinensuchhunden zur Verfügung zu stellen. Die Behältnisse eignen sich ideal, da sich Menschen unter ihnen verstecken können und sie zudem kaum Gewicht haben.

Das witzige bei Plastik ist ja: auf der Bühne fällt die Menge sofort auf, die jedoch nur dem Verbrauch an Plastik eines österreichischen Haushalts innerhalb eines Jahres entspricht und dort nicht derart wahrgenommen wird.

“Wer Religion ernst nimmt, kann in keinen Konflikt gehen.”

ALEXANDER HAUER ist als Künstlerischer Leiter für die Sommerspiele Melk und der Tischlerei Melk Kulturwerkstatt sowie als Künstlerischer Koordinator der beiden Festivals Internationale Barocktage Stift Melk und Wachau in Echtzeit zuständig. Er gestaltet damit ein Programm mit über 100 Veranstaltungen jährlich mit.
Seit 1989 führte Hauer in über 70 Inszenierungen vom Schauspiel über die Oper bis hin zum Kindertheater Regie. Darüber hinaus gestaltete, organisierte als auch moderierte er Kultur- und Festveranstaltungen.
2011 erhielt der Niederösterreicher den Kulturpreis des Landes Niederösterreich.
Darüber hinaus beweist der Regisseur soziales Engagement als Vorstandsmitglied des Mauthausen Komitees Österreich, als Koordinator der Gedenkinitiativen in Niederösterreich sowie in Wien und überdies als Obmann des Vereins “MERKwürdig. Vergessen” – in Erinnerung an die Opfer des Konzentrationslagers Melk.

Neugierig geworden? “Bartholomäusnacht” wird noch bis 05.08 2017 in der Wachauarena Melk gespielt. Tickets gibt´s hier!

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!