30 JAHRE NOCKALMQUINTETT

Gary Lux tourte bereits mit Ambros, Fendrich und Danzer, war musikalischer Leiter vom Grand Prix der Volksmusik und der Starnacht am Wörthersee – und traf für TICKET Gottfried Würcher von den „Nockis“. 30 Jahre Nockalm Quintett sind eine lange Zeit – und der richtige Zeitpunkt für ein Blick zurück und nach vorn!

TICKET: 30 Jahre Nockalm Quintett sind eine lange Zeit. Wie geht’s euch damit?

Gottfried Würcher: Ich glaube, wenn man so lang unterwegs ist und gemeinsam auf der Bühne steht, muss es einfach passen. Wenn dem nicht so wäre, wäre die ganze Sache sicher nicht rund, dann hätte man ja auch keine Freude gemeinsam auf die Bühne zu gehen und zusammen gute Leistung zu bringen. Ich bin nicht der typische Chef, der Sachen vorgibt, sondern eher der Kumpeltyp. Disziplin, aber auch ein Verstehen ist die „geheime“ Waffe – und wenn die floriert, dann kann man mehrere Jahrzehnte glücklich, positiv und erfolgreich überstehen. Man muss sich einfach schmecken können! Wir sind ja auch seit 14 Jahren immer die gleichen Leute, für andere wäre ein dauernder Wechsel frischer Wind, neues Know-How, aber uns ist es wichtig, konstant mit den gleichen Leuten gut arbeiten zu können!

TICKET: Stunde null – wie hat eigentlich die Erfolgsgeschichte angefangen?

Gottfried: Ich war in einem Kinderchor …

TICKET: … wie jeder gute Kärntner!

Gottfried: (lacht) Der Wilfried, der war mit mir im selben Chor. Wir haben uns dann allerdings für vier Jahre aus den Augen verloren, kamen dann aber wieder zusammen, als sie fürs Quintett eine Aushilfe brauchten. Ich helfe jetzt eigentlich seit 30 Jahren aus, habe eigentlich nie fix gesagt, dass ich dabei bin (lacht)! Ich habe ja damals im Klagenfurter Stadttheater eine Gesangsausbildung gemacht, habe in der Zauberflöte und der Tosca gesungen. Das hat schon gut getan, jeden Tag im Sommer fünf, sechs Stunden üben zu müssen, davon zwei Stunden nur Theorie, Stimmübung.

TICKET: Was macht eigentlich Kärnten zu so einem musikalischen Bundesland? Es singt ja wohl jeder bei euch da unten!

Gottfried: (lacht) Ach, es gibt da auch genügend unmusikalische Leute! Aber wenn du in ein Gasthaus gehst, dann hast du schon gute Chancen, mehrstimmig ein Lied anstimmen zu können! Das ist einfach diese südländische Mentalität, wie sie auch die Slowenen haben, die haben ja noch weit mehr drauf als wir Kärntner! Aber es ist nicht Kärnten allein, der Wiener singt ja auch sehr gern und ich glaube, es gibt kein Tal wie das Zillertal, das so oft besungen wird! Für mich ein bisschen übertrieben, aber dieser Heimatstolz ist bis zu einem gewissen Maß schon auch etwas Schönes.

TICKET: Wie schaut’s mit der Musik in der Familie aus?

Gottfried: Mein Vater war auch sehr musikalisch, er hat Steirische Harmonika gespielt! Eine schöne Erinnerung an ihn ist die, dass wir einmal ein Zeltfest in meinem Geburtsort Untertweng gemacht haben, und irgendwann ist aus heiterem Himmel mein Vater gekommen und hat gemeint, dass wir jetzt endlich etwas Gescheites spielen, zusammen. Die Leute haben freilich gewusst, wer er ist – aber auch mit 65 Jahren hat er noch die 1000 Leute gut unterhalten!

TICKET: Mit dem Nockalm Quintett ging es ja sehr rasch bergauf!

Gottfried: Edelmetall haben wir seit 1988, angefangen haben wir 1982 und fest gearbeitet! Da war ich schon ein bisschen die treibende Kraft mit Visionen dahinter. Immer habe ich das nicht geschafft und den Jungs dann auch schon gesagt, dass ich meinen eigenen Weg gehen möchte, aber wir haben uns immer wieder zusammengerauft. Wenn du dir zum Beispiel die Oberkrainer anhörst, das sind studierte Musiker, Jazzer – wir mussten uns damals abheben, deutschen Schlager machen! Wir wollten einfach einen eigenen Sound kreieren, mittlerweile kennt man ja den Nockalm-Sound, unvergleichlich und mit einem hohen Wiedererkennungswert! Wir haben die weißen Anzüge zwar nicht erfunden, aber sogar das versuchen uns schon einige Gruppen nachzumachen. Anfangs hatten wir ja immer unterschiedliche Anzüge an, aber dann haben wir beschlossen, wir tragen ab jetzt eine weiße Weste (lacht)!

 TICKET: Was macht eigentlich ein Konzert von euch aus?

Gottfried: Wenn man bedenkt, dass es nur ganz wenige Menschen gibt, die keine Probleme und Sorgen haben, musst du als Künstler daran denken, dass die vielleicht mit ihrem letzten Geld auf dein Konzert kommen und deine Musik in dem Moment wirklich brauchen. Die stellen sich dann vielleicht vor, wie das wäre, wenn sie jetzt im Flieger nach Rhodos sitzen und vom Partner geküsst werden könnten, oder wie das wäre, einmal auf Teneriffa im schwarzen Sand spazieren zu gehen.
Uns ist es wichtig, dass unsere Besucher mit einer gewissen Stimmung nach dem Konzert heimgehen, vielleicht auch mit uns plaudern konnten und gern nächstes Mal wieder kommen. Für unsere Sommertournee hat der Andy Zahradnik ein neues Konzept entworfen, und er hat ja ein glückliches Händchen für die richtigen Ideen, die Liedauswahl, die Moderation. Viele Künstler würden sich so einen Aufwand nach 30 Jahren nicht mehr antun, aber wir haben noch Visionen, die wir auch gern fürs Publikum weiterhin so gut als möglich umsetzen wollen! Wenn es einmal nicht klappt, dann ist es halt in die Hose gegangen. Aber: Geht nicht, gibt’s nicht!

TICKET: Was hat der Grand Prix-Sieg für euch damals eigentlich bedeutet?

Gottfried: Pervers ausgedrückt war‘s nur eine Trophäe mehr im Schrank, aber du darfst nicht vergessen, dass du in der Zeit auch medial ganz weit oben stehst. Natürlich muss man auch sagen, dass der Grand Prix 2002 nicht mehr den Stellenwert wie in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern gehabt hat. Ich persönlich finde es ja schade, dass es den Grand Prix nicht mehr gibt, denn es war schon eine sehr starke Plattform, die dann leider ins Wackeln geraten ist. Aber man sieht das ja auch beim großen Grand Prix, von Udo Jürgens und Nicole redet man heute noch, aber erzähl‘ mir mal etwas aus den letzten Jahren! Nicole hat der Auftritt damals sicher mehr gebracht als uns, wir waren im Markt ja schon sehr gut vertreten, aber das Lied war sehr gut, auch wenn ich finde, dass Kinder eigentlich nicht auf die Bühne gehören, aber Nicole war mit 13 damals schon sehr weit! Für uns war es beim Grand Prix so: Uns ist es vorher nicht schlecht gegangen und nachher nicht viel besser!

TICKET: Wie privat könnt ihr noch sein?

Gottfried: Wenn man anfängt, Musik zu machen, dann will man am liebsten an einem Abend die Welt niederreißen, aber Rom ist ja auch nicht an einem Tag erbaut worden. Man muss die Früchte langsam reifen lassen, dann wächst man mit ihnen. Bei ein paar Künstlern ist es natürlich auch so, dass sie sich zuerst etwas in den Kopf setzen, und dann, wenn sie es erreicht haben, wollen sie es nicht mehr – wir sind da bodenständig und zum Angreifen geblieben. Uns ist es wichtig, dass der Gast nicht das Gefühl hat, unerwünscht zu sein. Wir stellen uns nach dem Konzert raus, reden, schreiben Autogramme – das macht auch nicht jeder! Öffentlichkeit gehört einfach dazu, damit musst du leben, und wir haben die Menschen ja auch gern!

TICKET: Du bist ja auch solo aktiv, was unterscheidet sich da zum Nockalm Quintett?

Gottfried: Wenn man eine Nockalm CD macht, dann erwarten sich die Leute 100 Prozent Nockalm, und das ist gut so, das bieten wir ihnen auch. Die neue CD ist vielleicht ein Eck moderner produziert, aber das tut niemandem weh, weil es einfach immer noch Nockalm pur ist. Bei meinem Soloalbum kann ich verschiedene Facetten, die ich zumindest glaube drauf zu haben, zeigen. Alle Titel werden ausschließlich von mir komponiert, da kann ich dann zum Beispiel auch einmal einen italienischen Titel singen, was beim Nockalm Quintett nicht funktionieren würde. Da geht’s nicht um Geld oder Erfolg, sondern nur darum, dass ich den Menschen zeigen will, dass ich auch noch etwas anderes kann!

TICKET: Welche Pläne hat das Quintett für die Zukunft?

Gottfried: Erfolg kann man vielleicht ein bisschen steuern, aber nicht programmieren. Erfolg ist ein Dankeschön vom Publikum an die Band! Wenn ich ein Haus baue, dann brauche ich einen Grund, ein gutes Fundament – und bei uns ist das genauso. Daher bauen wir auf unsere Gesundheit, die ist in unserem Alter schon sehr wichtig! Natürlich leben wir auch, ich trink gern mal mein Achterl Wein, ich brauch meine Freunde, mein Zuhause, ich brauche Gesellschaft wie auch meine Auszeit, dann male ich oder bin im Fitnessraum oder setze mich einfach ins Auto und fahre durch die Gegend, höre Ö2 und schalte so richtig gut ab. Das sind so die kleinen Sachen, die wichtig sind. Und natürlich: Zufriedenheit! Ich hab mich schon oft gefragt, wie das wohl wäre, wenn ich ganz viel Geld hätte, aber da wäre ich wohl sehr unglücklich, ohne Verzicht hat man keine Visionen mehr, man muss ein bisschen zehren können. Daher spielen wir ja oft auch für Benefizveranstaltungen, wo unser Management immer eine sehr gute Auswahl trifft. Wir schauen, dass wir den Menschen auch etwas zurück geben können!

 

Interview: Gary Lux

 

Live schwebt es sich gemeinsam mit den sympathischen Kärntnern am besten auf der Wolke 7, unter anderem am großen Schlager Open Air am Klopeiner See (9. Juni), am Fuschlsee Open Air am 7. Juli, im Rahmen der 3 Giganten der Volksmusik auf der Seebühne Mörbisch (4. September), am großen Nockalmfest in Millstatt (21. September), auf der Schlagernacht des Jahres in der Wiener Stadthalle (28. Oktober) und im Rahmen der Zauber der Weihnacht-Tournee ab 7. September in ganz Österreich!

Tickets gibt es hier! 

 

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