99 Duelle und 1 Duett

Klaus Eckel und Günther Lainer standen nun anderthalb Jahre gemeinsam für 99 auf der Bühne – als Klinkenputzer für Lebensentwürfe. Dabei fanden sie weitaus mehr Zuspruch als die GIS und die Zeugen Jehova, wollen aber ab Sommer wieder getrennte Wege gehen. Klaus als Dominospieler, Günther als Restaurantkritiker mit Werner Gruber – oder so.

Rückblickend: War die gemeinsame Zeit ein Duell oder ein Duett?

Klaus Eckel und Günther Lainer (unisono): Schöne Frage! (lachen)
Günther: Schau wie synchron! Vom Stück her war es natürlich ein Duell, beruflich ein Duett. Es waren schöne anderthalb Jahre, es hat schon eine Zeit gedauert, bis es sich eingespielt hatte. Nach ein paar Vorstellungen war es wirklich ein Duett, da wurde es mir dann wirklich bewusst: Jetzt sind wir zu zweit auf der Bühne. Jetzt ist das schon total vertraut.
Klaus: Unsere Figuren haben eine ziemliche Spannung auf der Bühne, manchmal nehmen wir die auch mit in die Garderobe. Wir verbringen schon viel Zeit miteinander, da schwankt die Beziehung natürlich. Wir sind da in jeder Hinsicht sehr intensiv. Anfangs stand da ja schon einiges am Spiel, aber mittlerweile haben wir so viel Zustimmung bekommen – das ist für uns, in der Beziehung, dann viel einfacher. Mit Erfolg kann man halt viel leichter umgehen als mit Misserfolg.
Günther: Für uns war das als einmaliges Projekt gedacht, aber jetzt glauben die Leute: Aha, die machen kein zweites gemeinsames Programm mehr, jetzt sind sie wirklich zerstritten, nicht nur auf der Bühne. Aber wir sind nicht zerstritten, wir mögen uns nur einfach nicht (lacht).

Für dich, Klaus, war das Spielen im Duett ja gewissermaßen eine Jungfernfahrt, du Günther standest ausschließlich zu zweit auf der Bühne. Wie unterschiedlich war eure Herangehensweise an 99?

Klaus: Der verstorbene Chef vom Theater am Alsergrund, der Andi Hutter, war ein gemeinsamer Freund von uns. Der ist für die Kabarettszene eine Seele, hat stets den Nachwuchs gefördert und uns beide unabhängig voneinander immer wieder motiviert, Kabarett zu machen. Einmal meinte er, ich solle etwas gemeinsam mit Günther machen. Er starb dann plötzlich, aber seitdem trage ich viele seiner Worte mit mir mit – wie auch diese gemeinsame Sache mit dem Günther. Ich habe ihm immer vertraut – wenn er das sagt, wird das schon passen. Das war dann die Motivation, dem Günther meine Idee von den zwei Standelverkäufern vorzuschlagen.
Günther: Was noch dazu kommt: Wir haben beide am 1. Mai Geburtstag und da war die Idee, auch rund um den ersten Mai etwas gemeinsam zu machen. Sowas ist halt auch immer eine Zeitfrage, Klaus hat seine Soloprogramme, ich habe mit Linhart weniger gespielt … Mit der ganzen Vorbereitung waren das jetzt drei intensive Jahre.

Die wann genau ein Ende hat?

Günther: Am Wiener Kabarettfestival am 22. Juli.

Das heißt, ihr habt jetzt noch zwei Monate Zeit, euch gewichtstechnisch anzunähern, immerhin habt ihr versprochen, ihr hört erst auf, wenn du, Klaus, mehr wiegst als Günther?

Klaus: (lacht) Das war die Ursprungsidee, die haben wir aufgegeben. Da müssten wir beide noch achtmal reinkarnieren und bräuchten einen Werbeauftrag von McDonalds. Ich habe mich ja schon ein bisschen angenähert, aber leider ist der Günther nicht runtergegangen.
Günther: Ich hätte mir ja gewünscht, dass ich abnehme. Aber das ist bei uns das Schöne: der Gegensatz. Das schwierigste am Programm war ja nicht das Schreiben oder das Proben, sondern, dass wir einen Pullunder finden, der uns beiden passt.
Klaus: Es hat ja in der Komik schon eine Tradition, der Dicke und der Dünne. Da rennen automatisch ganz viele Klischees in den Köpfen ab – von Dick und Doof bis Bud Spencer und Terrance Hill und Asterix und Obelix. Diese auch immer körperliche Reibung – der eine Agile, der andere der Behäbige – hat mich schon als Kind fasziniert. Das sind zwei Extreme, die aufeinander prallen und die Gesellschaft steht dazwischen.
Günther: Ein Bauchmensch und ein Hirnmensch.

Wie eine Ehe.

Klaus: Stimmt. Meistens geben ja zuerst die Männer auf, was den Körper betrifft.
Günther: Die Frau wird schwanger, der Mann mitschwanger, die Frau bekommt das Kind und nimmt wieder ab, der Mann bleibt schwanger.
Klaus: Stell dir vor, der Günther hat noch mehr als zwei Kinder bekommen!
Günther: Wenn man davon ausgeht, dass man pro Kind fünf Kilo zunimmt, habe ich ohnehin schon vierzehn Kinder.

Wer ist in eurer Beziehung dann der weibischere Charakter?

Klaus: Also der Günther rasiert sich vor jeder Vorstellung die Haxen, also der Günther ist sicher die Diva bei uns.
Günther: Ah geh so ein Blödsinn!
Klaus: Zicke!
Günther: A hör auf! Wir schlafen wirklich in jedem Hotel, das einzige, was wir nur nicht machen …

… Gemeinsam?

Günther: Genau, getrennte Betten bei uns. Aber sonst sind wir nicht sehr anspruchsvoll.
Klaus: Uns geht es um die Leute, vor denen wir spielen, nicht um die Pension Anneliese, in der wir schlafen. Wir haben in der Szene ein sehr anspruchsloses Image. Wenn du am Land spielst, aber auf ein 4-Stern-Hotel bestehst, dann dürfen sie dich in die nächste Landeshauptstadt kutschieren.
Günther: Ein Zimmer kannst du im Hotel wie auch in der Pension zusammenhauen (lacht).

Apropos Landeshauptstädte: Kabarettistisch verklärt werden ja gerne Klagenfurt und St. Pölten. Wie steht‘s, Klaus, um Wien, und Günther, um Linz?

Günther: Das wäre bei mir thematisch „Gemütlichkeit“ – Bier und Schweinsbraten. Ich weiß nur nicht, ob man daraus ein Programm machen könnte.

Nun, mit Werner Gruber gemeinsam …?

Günther: Stimmt, er ist für den Schweinsbraten, ich für das Bier verantwortlich und die Leute im Publikum müssen leiden (lacht).
Klaus: Das Schöne an Wien hingegen ist: Es ist extrem pluralistisch. Das Wiener Klischee, den Raunzer, den Proleten – vom Mundl bis zum Kaisermühlen Blues –, das gibt es ja alles nicht mehr. Jeder Bezirk hat seinen eigenen Wiener, vom Bobo bis zum Supergespritzen, vom Proleten bis zum Migranten. Der Wiener ist nicht mehr fassbar, das war früher leichter. Heute parodierst du mit einer Wienerfigur eigentlich nur mehr 10 Prozent. Der Wiener ist nicht nur der Michi Häupl, der zum Heurigen saufen geht.
Günther: Zu Klagenfurt gibt’s aber eine schöne Geschichte – da haben wir die Premiere und Derniere gleichzeitig gespielt.
Klaus: Aber dennoch war der Auftritt an der Uni Klagenfurt einer der besten von uns! Es ist nur leider sauschwer da unten, kulturell etwas aufzuziehen – mal schauen, ob sich durch den roten Landeshauptmann etwas tut. Die FPK hat die Kultur ja nicht wahnsinnig gefördert.

Im September gibt’s in Velden ja auch wieder das Humorfestival, neben der Langen Nacht des Kabaretts, der Ybbsiade oder den Hyundai Kabaretttagen ein Festival von vielen. Bringen’s die, gerade für den Nachwuchs?

Klaus: Mir gefällt der Festivalcharakter an sich ja gut. Für die Leute ist’s super: Sie sehen das Beste eines jeden Künstlers, das zeigt dann auch die Vielfalt der Kleinkunst. Sicher ist’s auch ein Sprungbrett für die Jungen, ich habe vor 12 Jahren angefangen und weiß nicht, ob ich mich heute nochmal drüber trauen würde, es wird immer zacher. Es gibt kaum Bühnen, die die Kleinen fördern, die Nachwuchspreise haben keine Präsenz mehr, bei mir saßen da noch Kurier und Die Presse dabei. Es wäre ein Riesenbedarf für mehr solcher Festivals da, wo zum Beispiel der Hader spielt, der ja bekannt dafür ist, die Jungen zu fördern …

So wie er es im Alsergrund-Theater ja macht.

Günther: Genau. Ich sehe das aber schon eher problematisch bei solchen Festivals – die Leute kommen wegen den Bekannten …
Klaus: Naja, wenn du gut bist?
Günther: Mittlerweile kannst du ja vorselektieren, im Fernsehen oder auf YouTube. Da musst du nur aufpassen, dass du kein blödes Video drinnen hast. Das kann dir dann das Genick brechen. Zu mir sagen die Leute ja auch immer: „Beim Kabarett kriegst du nie Karten, da ist immer alles ausverkauft!“ – und dann zähle ich ihnen all die auf, wo es noch Karten gibt. Man muss sich nicht nur immer die Großen aussuchen, freilich: Von den kleineren Kabarettisten sind nicht alle gut, aber man kann sich die ja einmal anschauen … Aber man will heute halt kein Risiko mehr eingehen.

Stichwort „Nachwuchs“: Nenas 99 Luftballons ist einer der letzten großen deutschsprachigen Erfolgsstücke beim Songcontest gewesen, gestern hat Österreich ja erneut reversibel brilliert. Dafür lassen sich sicherlich 99 gute, politische Gründe finden, gibt’s an der Sache auch den einen positiven Aspekt?

Günther: Ich habe den Song ja wirklich gut gefunden, muss ich sagen. Aber: Das ist doch ein Kasperltheater. Es geht um die Show, nicht um die Qualität – also ist es dann vielleicht genau das eigentliche Qualitätsmerkmal, wenn man beim Songcontest nicht weiterkommt …? Der Alf Poier hat damals eine wahninnige Show gemacht, darum ist er auch sechster geworden. Musikalisch darf man den Alf mit der Kelly halt nicht vergleichen.
Klaus: Ich schaue mir das ja nicht mehr an, ich bin schon ganz müde von diesen Castingshows und der Songcontest war ja eine der ersten dieser Art. Den letzten Songcontest, den ich gesehen habe, war, 1987, wo Tozzi und Raf mit Gente di mare für Italien Platz drei machten. Großartiger Schlager! Heute ist das alles ja komplett wurscht, du präsentierst keine einzigartigen Songwriter mehr, der Text ist auch blunzen. Stefan Raab hat das mit Wadde hadde dudde da? an die Spitze getrieben. Warum sollst du für den Songcontest auch nur eine gute Zeile schreiben?
Günther: Man merkt, der

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Klaus wird älter, jetzt verklärt auch er schon das Früher! Jetzt ist er wirklich kein Nachwuchskabarettist mehr.

Auch wenn 99 auch seine musikalisch-tänzerischen Einlagen hat: Euch wird man also zusammen nie beim Songcontest oder Dancing Stars erleben?

Klaus: Ich glaube, im Leben ist es ganz wichtig, dass du Sachen auch auslässt. Machen kann man schnell was, aber man muss bei den richtigen Sachen auch einmal Nein sagen.
Günther: Wenn ich mitmachen würde, dann könnten allein vom Gewand her zwei andere mitmachen. Ich wäre ja schon allein ein Paar. Aber Songcontest könnte ich mir schon vorstellen, so ein Kabarettlied …

Christoph & Lollo?

Klaus: Ja, das wäre super – so ein kritischer Singer-Songwriter! Weg mit diesem ganzen Sequenzer-Sampler-Dreck, wieder hin zu akustischen Instrumenten. So ein gescheiter Alternativ-Songcontest, der nicht nur im Rabenhof gezeigt wird.
Günther: Der Protestsongcontest ist aber super.
Klaus: Ja, der hat Flair! Aber das könnte man, wenn man wollte, auch europaweit aufziehen. Die Leute sind schon müde von den ganzen blinkenden Lichtern und einer supergeilen Alten, die eh nur im Minikleid herumhupft.

Steht es eigentlich um den österreichischen Musik- oder Kabarettnachwuchs schlechter?

Klaus: Der Kabarettist hat einen großen Vorteil: Er lebt nicht vom CD- und DVD-Verkauf. Der Musiker muss vielmehr vom Verkauf der Tonträger leben, die treten zu viert und fünft auf, wir alleine oder zu zweit. Wenn du also als Kabarettist häufig spielst und beharrlich bist, kannst du rasch davon leben. Die Musiker gurken immer mit Techniker, Lichttyp und weiß der Teufel mit wem herum. Wir haben es da viel einfacher, wir sind nicht darauf angewiesen, dass die Leute zu uns so gefällig sind, nicht nur zu Auftritten zu kommen, sondern auch unsere Produkte zu kaufen und nicht runterzuladen.
Günther: Wir spielen halt auch viel schneller wo live, wir haben allein technisch schon geringere Voraussetzungen als eine Band.
Klaus: Musik spaltet auch die Geister ungemein, lachen wollen sie alle gern. Bei der Musik fragst dich bald einmal: „Ist des meins, wenn‘s meins ist, halt ich das zwei Stunden aus?“ Zwei Stunden lustige Leute druckst da schon leichter durch. Der Vorteil beim Kabarettisten ist der: Er bietet Zerstreuung, wir machen jetzt kein tiefgründiges Theater, erklären die Welt …

Immerhin seid ihr Kabarettisten, keine Zeugen Jehova.

Klaus: Eben. Unser Ziel ist, dass die Leute lachen und nicht über schwermütige Sachen nachdenken. Natürlich mit einem gewissen Niveau, aber einfach mal nur lachen. Wir sind keine Botschaftsgeber zur Wahl oder zum Thema Umwelt.
Günther: Jetzt redet der Klaus schon wieder die ganze Zeit. Stefan, du musst mal sagen: „Klaus, halt die Pappen, ich frag den Lainer was.“

Darauf komme ich zurück. Ihr beide seid bereits mehrfach ausgezeichnet, du Klaus, etwas mehr. Haben wir bei den Kabarettpreisen eine ähnliche Kausalkette wie beim Amadeus und dem Erfolg eines Musikers in Österreich vorliegen, oder sind eure Preise schon mehr als nur schirch zum Anschauen?

Günther: Ich habe ja nur zwei, den Grazer Kleinkunstvogel und das Kleines ScharfrichterBeil zu Passau …
Klaus: Bei dem hast du bestochen. Ehrlich hast du ja gar keinen bekommen.
Günther: Jetzt redest du schon wieder rein! Jetzt halt einmal die Pappen! Und du, du kannst das eins zu eins so abdrucken! Also: Der Kleinkunstvogel hat uns schon weiter gebracht, eigentlich wollten der Linhart und ich es dann gut sein lassen aber dann haben wir einstimmig den Preis gewonnen. Dann haben wir beschlossen: Wir müssen weitermachen. Das war eine Motivation. Das Beil hat da weniger gebracht, in Deutschland haben wir nur in Passau gespielt. Meine anderen Preise sind eher so Literaturpreise und Anerkennungspreise.

Also so wie das Pickerl in der Schule unter den Aufsatz?

Günther: Genau. Den Einser hast eh schon und jetzt kriegst noch einen Schmetterling dazu.
Klaus: Ich habe die Preise viel zu früh bekommen. Beim Salzburger Stier habe ich angerufen und gefragt, ob das nicht ein Irrtum ist – das war mir zu viel Ehre nach dem erst dritten oder vierten Programm. Hat mich aber doch sehr gefreut. Oder den Österreichischer Kabarettpreis, zwei Jahre vor Niavarani und Gernot, die das sowohl vom Publikum her wie auch von ihrer Tätigkeitsdauer her eher verdient hatten. Im Enddefekt fragt man sich schon: Kommen die Leute deswegen? Der Preis bringt dir vielleicht einen Artikel mehr hier oder da, spornt dein Ego an, aber kommen tun die Leute deswegen allein nicht. Natürlich nimmt man an, dass einer, der zehnfach preisgekrönt ist, auch etwas kann, aber … Ist schon etwas, wenn man eigentlich keinen Preis mehr gewinnen kann, weil man sie eh schon alle hat.
Günther: Das ist für mich natürlich etwas schade, wäre schon schön gewesen, wenn wir mit dem Programm auch einen Preis bekommen hätten.

Na dann verleihe ich euch halt einmal ganz spontan den imaginären oeticket.com-Kabarettpreis.

Günther: Juhu, die goldene Freikarte!
Klaus: Einzulösen für alle Veranstaltungen von oeticket.com!

Günther, nun speziell an dich: Du warst ja früher Pastoralassistent, bist ehemaliger Religionslehrer. Neben der Politik, die wir vorhin schon gestreift haben, ist ja auch die Religion ein beliebtes Thema der Kleinkunst. Wie steht‘s um den Dreck am Stecken?

Günther: In meinen Programmen mit Aigner dreht es sich ja um Kirche, Glaube und Religion, damit spielen wir auch hauptsächlich in Pfarren, also auch vor Katholiken. Es gibt also auch innerhalb der Kirche einen Teil, der aufgeschlossen ist und sich selbst kritisch betrachtet. Es gibt also nicht nur diesen konservativen Teil, aber ansonsten hat die Kirche einen riesengroßen Aufholbedarf. Die Kirche muss moderner, offener, toleranter werden – aber sicherlich gibt es auch die, die der Meinung sind, dass die Kirche genau dazu da ist: zum Ermahnen und Richtlinien vorgeben. Aber die Leute erreichen sie halt so nimmer. Es gibt ja auch immer mehr Angebote, spiritueller Natur. Da ist die Firmung für die meisten das Abschlussfest.

1998 und 2005 hast du dich mit Nachhaltigkeit und Nahversorgung auseinandergesetzt. Sind wir mittlerweile „zurück zum Ursprung“ entrückt?

Günther: Momentan redet jeder Bereich von „Nachhaltigkeit“, in Wirklichkeit ist’s aber ein Unwort und alles ohnehin nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, diese ganzen Bio-Linien. Dass ist ja nur, um das schlechte Gewissen der Großkonzerne abzudecken, man müsste viel früher ansetzen. Aber: Man geht ja auch erst dann zum Arzt, wenn man Schmerzen hat. Vorsorge schaffen wir nie, das ist einfach ein politischer Gag.

So ähnlich, wie wenn McDonalds einen Fußballverein sponsert.

Günther: Genau. Und wenn du denen zuhörst, hört sich das an wie ein kleiner Bioladen mit österreichischem Rindfleisch und ganz viel Recycling. Aber eigentlich ist’s nur Klumpert. Mit dem Thema zur Nahversorgung haben wir damals auch in Dörfern gespielt, wo gerade eben der Greisler zugemacht hat – da haben die Leute im Publikum geplärrt deswegen.

Klaus, du schreibst Kolumnen fürs vormagazin. Wann bist du das letzte Mal schwarzgefahren?

Klaus: Ich fahre eigentlich ständig schwarz, aber eigentlich nur, weil ich immer vergesse, einen Fahrschein zu kaufen. Aber ich hab mir überlegt: Wenn sie mich mal erwischen, nehme ich das Magazin her und sag, schau, ich arbeite da. Es gibt ja die 100 Ausreden, die bei den Kontrolleuren nichts nutzen – aber das steht eh nicht drauf. Im Juli kommt ja auch ein Buch von mir raus, mit allen Kolumnen und noch ein bissl mehr.

Auch von dir, Günther, kommt im Oktober ein Buch raus – hamham. Klaus, du feierst im September mit deinem neuen Solo im Wiener Stadtsaal Premiere …

Klaus: Genau, das heißt Weltwundern. Ein sehr pluralistisches Programm. Ich habe weltweit Schlagzeilen gesammelt, die einen aktuellen Trend aufzeigen, von dem ich aus der großen Welt einen Rückschluss auf das kleine Österreich ziehe. Ein bisschen geht’s auch um das Thema Nachhaltigkeit, generell versuche ich, die Welt auf den Kopf zu stellen. Verkehrte Logiken, alles hinterfragen, die Schubladen entrümpeln, neu sortieren, viele Fragen stellen. Ich gehe das Urheberrecht von einer neuen Perspektive heraus an, weil welcher Mensch ist schon ein Original? Wir alle kopieren, uns selbst und andere, ja ständig. Wir Menschen sind ja eine reine Urheberrechtsverletzung.

Klingt nach dem Untertitel „Der Mensch und der Doppler-Dominoeffekt“.

Klaus: Gut! „Warum ist der Mensch so, wie er ist?“, das ist die Kernfrage, warum ich eigentlich Kabarett mache. Dem will ich ein bisschen mehr auf die Schliche kommen – nicht begreifen, nur hinterfragen.
Günther: Der Klaus will der liebe Gott werden.
Klaus: Nein, ich will dem lieben Gott auf die Schliche kommen.
Günther: Siehst, das ist der Unterschied zwischen uns beiden: Ich schreibe einfach ein Büchlein mit 120 Umgangssprache-Gedichten, mit pointierten Situationen in meiner kleinen, regionalen Welt.

Ein G’stanzl zum Abschluss von 99?

Klaus: Ich würd dem Günther sagen: „Bleib so wie ich bin!“
Günther: Dann konter ich mit: „Bleib so wie du bist, jeder ist auf seine Art gut und du besonders!“
Klaus: Insgesamt war’s schön und anstrengend, schön anstrengend.

Interview: Stefan Baumgartner

Eckel & Lainer spielen 99 noch bis Ende Juli, Weltwundern von Klaus Eckel feiert im September im Wiener Stadtsaal Premiere.

 

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