A-ha-Effekt

Sie können nicht mit und nicht ohne einander. A-ha, die Band um den Welthit, „Take On Me“ sind wiedervereint und back in town.

Als drei junge Norweger im Jahre 1982 eine Band gründeten suchten die nach einem Namen, den die meisten Menschen mit Positiven verbinden. Herauskam drei Buchstaben, besser gesagt, drei Buchstaben und ein Bindestrich: „a-ha“ als der Ausdruck der weit aufgerissenen Augen und hochgezogenen Brauen, der Ausdruck der endlichen Erkenntnis oder freudigen Nachricht. Mit „Take On Me“ wurde a-ha zur Weltband. Groß Augen dürften viele auch gehabt haben, als sie vom neuen Album „Cast in Steel“ und der kommenden Tour erfahren haben. Denn eigentlich hat sich die Band 2010 zum bereits zweiten Mal getrennt und verkündet, kein Album mehr zu machen. „Wir haben uns getäuscht“, sagt Keyboarder Magne Furuholmen. !ticket hat mit dem a-ha Mitbegründer gesprochen.

Ich habe gelesen, dass du auch Maler bist. Welches Bild würdest du heute von a-ha malen?

Es ist ein anderes Bild, als es damals war. Wir sind definitiv eine andere Band, als wir gestartet sind. Wir sind viel älter, vielleicht ein bisschen weiser, bestimmt sind wir in einer anderen Zeit unseres Lebens. Wir haben andere Interessen. Als wir zwanzig waren, war a-ha das Wichtigste für uns. Jetzt gibt es auch andere Dinge wie eben meine Malkarriere.  Ich glaube nicht, dass wir uns bezüglichder Musik, die wir mögen, verändert haben. Ich weiß, du hättest gerne, dass ich mich mehr malerisch ausdrücke. Aber das Konzept der visuellen Kunst ist für mich sehr ähnlich zur akustischen Kunst. Es ist aber auch etwas, das ich sehr ernst nehme und ich möchte es nicht als llustration etwas anderem verwenden.

Du hattest nun fünf Jahre ohne a-ha. Was hast du nicht vermisst?

Ich vermisse nicht viel während etwas geschieht. Wir wollten damals einfach aufhören, bevor etwas passiert, das wir nicht kontrollieren konnten.  Als wir entschieden haben ein neues Album zu machen, habe ich bemerkt, wie sehr ich das Schreiben für a-ha vermisst habe, ohne es zu realisieren. Das hat mich überrascht.

Als ihr euch vor fünf Jahren getrennt habt, war Morten glücklich aufzuhören, Pål wollte eigentlich weitermachen. Wie ist es dir damals gegangen?

Ich war damit einverstanden, es gehen zu lassen. Wir hatten viele tolle Dinge zusammen gemacht, auch Dinge, die vielleicht nicht so großartig waren. Ich glaube es ist immer schwierig eine lange Beziehung gesund und am Leben zu halten. Das war eine Art Realisieren, dass wir voneinander unabhängig wachsen müssen. In einer Band muss es auch immer ein gemeinsames Ziel geben und ich konnte nicht mehr fühlen, dass das der Fall war. Ich habe mich getäuscht, dass da nichts mehr ist. Immer, wenn wir eine längere Pause gemacht und unsere Meinung geändert haben, haben  einen Funken der Anfangsinspiration gefunden, der uns wieder zusammengebracht hat.  Es ist manchmal gesund Pausen zu machen und zu sehen, wie das funktioniert. Das Problem dabei ist, wenn du Songwriter bist, gibt es viele Menschen, die deiner Arbeit folgen. Die Menschen vermissen diese Aufmerksamkeit. Als wir jung waren, haben wir viel dafür getan, dort hinzukommen, wo wir dann auch waren. Die Fans waren immer sehr loyal, es gab immer E-Mails und Briefe, in denen stand: „Bitte bitte, macht mehr“.

Euer letztes Album „Foot Of The Mountain“ war sehr energiegeladen und ihr habt verschiedene Sounds ausprobiert. „Cast In Steel“ ist dagegen eher ruhig und emotional. Ist das euer Sound zum Come Back?

Nicht wirklich. Als ich in dieses Album-Projekt eingestiegen bin, hatten Morten und Pål schon an Songs gearbeitet. Ich habe dann auf diese reagiert und nach meinem Gefühl, lag mehr Reiz in den langsameren Songs. Ich habe auch beim Schreiben versucht, nicht zu sehr auf einen Gesamtplan zu schauen. Ich wollte einfach Songs schreiben, die etwas für mich bedeuten.

In manchen Songs am Album, zum Beispiel „The Wake“ oder „Forest Fires“ verwendet ihr Synthies, die mich an eurer erstes Album vor 30 Jahren erinnern. Was hältst du davon, wie etwa Indie-Bands Synthies heute verwenden?

Ich finde es lustig, weil wir schon an den Anfängen des Synth-Pops da waren und wir ihn für uns selbst definieren konnten. Neue Bands verwenden sie anders. Der Song „Forest Fires“ war eigentlich inspiriert von „One Way Trigger“ von The Strokes, der ein wenig wie „Take On Me“ klang. Viele a-ha Fans sagten dann: „Oh, die haben das von a-ha gestohlen“. Ich wusste, dass viele der Jungs von The Strokes a-ha sehr mögen. Dann dachte ich, warum nicht ein bisschen von ihnen zurück einfließen lassen.

Ihr habt viele Bands beeinflusst, Coldplay zum Beispiel. Und du hast auch mit Colplay zusammengearbeitet. Beeinflussen euch diese Bands also wieder zurück?

Ja, definitiv. Ich höre auch viel Coldplay und ich finde, sie sind fantastisch. Ich versuche so viel Inspiration von ihnen zurückzubekommen wie ich kann. Es ist cool, wenn sie darüber sprechen, wie wichtig a-ha für sie selbst war und außerdem hilft es, zu sehen, wie andere unsere Vergangenheit sehen und dass sie Teil der Musikgeschichte ist.  Dadurch entsteht eine Art respektvolle Freundschaft. Ich kenne die Jungs auch persönlich und ich habe viel Zeit mit ihnen verbracht. Sie wuchsen von der kleinsten Indie-Band zu der größten Indie-Band weltweit.

Gibt es in der Musik große Unterschiede zwischen Norwegen, Schweden und Finnland?

Schweden ist viel kommerzieller und auch international sehr erfolgreich, Norwegen geht ziemlich den gleichen Weg, ist aber ein bisschen vielseitiger und experimentierfreudiger. Das Spannendste an der norwegischen Musikszene ist für mich, dass es sehr viele Künstler mit ganz speziellen Persönlichkeiten gibt.  Finnland kenne ich nicht so genau, aber da gibt es auch tolle Musik.

Wenn du in deiner 30-jährigen Musikkarriere zurücksiehst, gibt es da etwas, das du bereust?

Ich glaube, wir haben uns am Anfang viel zu sehr damit beschäftigt, wie wir als Band gesehen werden. Aber ich glaube auch, dass Reue keinen Sinn macht. Deshalb tue ich das auch nicht mehr und ich würde auch nichts mehr verändern. Die Menschen haben auch einen sehr ausgeglichenen Blick auf uns und ich denke, wir haben gezeigt, dass unsere Musik länger hält als die Momente des Ruhms, die damit in Verbindung standen.

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Ja, ihr seid definitiv kein One-Hit-Wonder- Band. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass es nicht leicht war mit einem so großen Hit zu starten.

„Take On Me“ hat uns schon sehr früh definiert. Alles in allem also: kein Bedauern.

Wann wäre der Moment, wo du a-ha völlig loslassen könntest?

Ich konnte a-ha auch 2010 einfach loslassen. Ich habe nur den Prozess des Kunstschaffens enorm genossen, so hat es wieder begonnen. Du weißt nie, was in deinem Leben passiert. Du bist an einem Tag glücklich und am nächsten wirst du von einem Bus überfahren. Ich bin sehr glücklich damit, was ich bisher musikalisch gemacht habe. Ich würde gerne mehr machen, aber es ist für mich nicht notwendig eines nach dem anderen zu produzieren. Ich würde auch gerne mehr in meiner bildenden Kunst schaffen, aber das werden wir schon sehen.

 

Die wiedervereinigte Kult-Band kommt am 10. April 2016 in die Wiener Stadthalle. Tickets gibt’s hier!

 

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