„A priori“ – die Saison 18/19 des Theater an der Wien

13 Premieren mit Werken voll an Zauber und Emotion bringt die Spielzeit 2018/19 im Opernhaus der Stadt Wien. Intendant Roland Geyer setzt in der 13. Spielzeit jedoch auf eine andere Zahl, nämlich die 4. 

Franz Patay (GF VBW), Barbora Horáková-Joly, Roland Geyer (Intendant) und Stefan Gottfried stellten die neue Spielzeit vor.

Die Zahl 4 ist wichtiger als die 13.
(Roland Geyer, Intendant Theater an der Wien)

Die magische 4

4 Tageszeiten, 4 Jahreszeiten, die Zahl 4 als einzige Primzahl zum Quadrat und laut Pythagoras „die Erzeugerin der Erzeugerin des Alls“- die Zahl 4 als strukturelle Klammer. Und so hat Roland Geyer die kommenden 4 Jahre seiner Intendanz am Theater an der Wien als ganzheitliches Programmkonzept entwickelt, das die 4 Saisonen als Tagesablauf gliedert. 2018 beginnt A Priori „Im Morgengrau“, die Tagesmitte 2019 steht unter dem Motto In medias res und der Vorabend zeigt 2020, was De facto auf einer Bühne und im Leben alles möglich ist, bevor die vierte Saison nächstens Summa summarum den Schlusspunkt setzt.

Dabei bilden die 4 Spielzeiten in ihren Konzepten und in Chronologie die Operngeschichte ab. Der Schwerpunkt in der Saison 2018/19 wird folglich vor alledem auf Werken, Komponisten als auch Dichtern des Barock wie der Wiener Klassik (17. beziehungsweise 18. Jahrhundert) liegen.

Und auch innerhalb der Saisonen spielt die 4 als „Zahl der Welt“ eine tragende Rolle. 4 Themenkreise fassen die Produktionen zusammen. Der Zauberkreis, der Schillerkreis, der Weberkreis und der Vierte Kreis bringen 2018/19 13 Premieren mit Werken voll Zauber und Emotion von unter anderem Georg Friedrich Händel, Giuseppe Verdi, Felix Mendelssohn Bartholdy, Jacques Offenbach, Leonard Bernstein und Maurice Ravel mit sich.

Die Magie lebt

4 magische Opern von Georg Friedrich Händel stehen beim Zauberkreis im Mittelpunkt. Eröffnet wird dieser, und damit ferner die neue Spielzeit, mit der Neuproduktion Alcina. Stefan Gottfried, der erste Conductor in Residence am Wiener Opernhaus, bildet zusammen mit Tatjana Gürbaca das Leading Team. Die Titelpartie singt Marlis Petersen. Im November folgt Teseo (Dirigat René Jacobs, Regie Moshe Leiser, Patrice Cuarier), ehe im April 2019 mit Orlando eines von Händels zukunftsweisendsten Werken als spektakuläre Inszenierung von Star-Regisseur Claus Guth und des Grammy-prämierten Dirigenten Giovanni Antonini auf dem Programm steht.

Der Händel-Schwerpunkt wird mit einer konzertanten Aufführung seines Rinaldo mit dem Ensemble Matheus fortgeführt. Barbora Horáková-Joly ergänzt den Zauberkreis mit L’enfant/Olympia, einer neu zusammengestellten Verknüpfung aus Maurice Ravel und Jacques Offenbach. Die „1/4-Wienerin“ gibt damit ihr Debüt am Theater an der Wien.

Ist Oper Literatur?

Im Schillerkreis wird anhand des „Dichters der Freiheit“ der Frage nachgespürt, wie sehr bestimmte literarische Meisterwerke als Vorlage für bestimmte Komponisten dienen. Mit Guillaume Tell, Don Carlos sowie Die Jungfrau von Orleans umfassen gleich drei Opernwerke die literarischen Vorlagen von Friedrich Schiller.

Die Zeit 1786-1826

Nikolaus Habjan lässt gemeinsam mit dem Dirigenten Thomas Guggeis sämtliche Puppen bei der Neufassung seiner Oberon-Idee tanzen. Geyer kommentiert das Dirigat des erst 24-Jährigen als Triumph: „In ein paar Jahren wird kein Opernhaus mehr an ihnen vorbeigehen können“. Weiters bringt Regisseur Christof Loy für den Weberkreis im März 2019 Euryanthe ans Theater an der Wien zurück. Ergänzt werden die beiden szenischen Produktionen mit konzertanten Aufführungen von Webers weitgehend unbekannter Jugendoper Peter Schmoll und seinem berühmtesten Werk Der Freischütz mit Laurence Equilbey am Pult des Insula orchestra.

Der Kreis schließt sich

Der Jahreskreis schließt sich beim Vierten Kreis mit wiederum 4 Zwillingen. Unter dem Regisseur Calixto Bieito und dem Dirigenten Jukka-Pekka Saraste, beide erstmalig am Theater an der Wien, findet Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium Elisas mit Christian Gerhaher in der Titelpartie seine szenische Umsetzung. In einer Oratorien-Paarung reicht das Werk im Dezember der konzertanten Aufführung des Messiah von Georg Friedrich Händel die Hand.

Zwei Opernabende mit raren Werken von Peter Iljitsch Tschaikowski, Mazeppa und Iolanta/Undine, bilden den zweiten Zwilling. Vervollständigt wird der Vierte Kreis mit dem Zwillingspaar La femme c’est moi von und mit Elisabeth Kulman und Leonard Bernsteins Candide sowie Leonardo Vincis Gismondo und Händels Serse.

Passend zum Gesamtkonzept des Theaters an der Wien, präsentiert sich die Stätte künftig als ein großes Haus und verzichtet auf die Aufteilung zwischen Kammeroper und Theater an der Wien. Auch auf „neu“ wurde im Untertitel „Das Opernhaus“ verzichtet.

Das Spektrum an KünstlerInnen und Werken verspricht jedenfalls eine neue Spielzeit des Theater an der Wiens mit Qualität auf höchster Ebene. Einziger Wehmutstropfen ist das laut Geyrer „so nicht mehr stattfindende Osterfestival“. Beim stattdessen anberaumten „Osterflash“ steigt die Spannung dennoch.

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