AC/DC, Rihanna, Justin Bieber & mehr: Östtourreich

Österreich zählt zu den kleineren Märkten Europas, dennoch spielen die größten internationalen Top-Stars von AC/DC über Rihanna bis Justin Bieber auf den Bühnen der Alpenrepublik.

ACDC

Diese Tatsache ist ein kultureller Segen, der auf einem funktionierenden Angebot/Nachfrage-Gefüge basiert: Justin Bieber bringt den Kreischpegel in der Wiener Stadthalle in rekordverdächtige Höhen, Black Sabbath zelebrieren ihre schwarze Messe zum Karriereabschluss noch einmal in der Bundeshauptstadt und die Red Hot Chili Peppers werden nach mehrjähriger Österreich-Pause die burgenländischen Pannonia Fields II mit Funk-Rock-Hymnen beim Nova Rock erschüttern. Für den heimischen Connaisseur internationaler Spitzenmusiker ist es längst selbstverständlich, dass er innerhalb der Landesgrenzen das „Who is Who“ der Rock-, Pop- und auch Electro-Welt geliefert bekommt. Dem war noch vor wenigen Jahren nicht so, denn da war die Republik einst tiefstes Transdanubien für die Konzertveranstalter. Keine Festivals, nur eine Handvoll Großkonzerte und auch die vielen kleineren Shows aus der „zweiten Reihe“ waren Wunschdenken.

Wirtschaftlich und menschlich
„Vor etwa 15 bis 20 Jahren war Österreich ein weißer Fleck auf der Konzert-Landkarte“, erzählt Ewald Tatar, Festivalintendant des Nova Rock und Booker, „bis heute hat sich das aber stark verändert.“ Das liegt in erster Linie auch an ihm selbst und seinem Unternehmen, das 2005 mit dem Nova Rock dafür sorgte, dass Österreich ein ernst zu nehmender Player im globalen Musikgeschäft wurde. Doch neben dem Verhandlungsgeschick mit den internationalen Touring-Agenten gehört auch in diesem wirtschaftlich knallharten Business die menschliche Komponente dazu, wie Benedikt Haupt, Booker und Projekt-Manager der LS Konzertagentur, verrät: „Passen die persönlichen Beziehungen nicht, sinken die Chancen auf eine erfolgreiche Verhandlung rapide. Der österreichische Markt genießt ob seiner fehlenden Größe nicht die Hauptpriorität, deshalb muss das Miteinander passen.“

2015 veranstaltete LSK mit AC/DC in Spielberg (Ausgezeichnet als “Konzert des Jahres”, Live Entertainment Award 2016) und dem Wien-Doppelkonzert von Helene Fischer die zwei größten Shows des Jahres, mit den australischen Rockern gibt es im Mai 2016 im Ernst-Happel-Stadion ein Dacapo. Bei Künstlern dieses Kalibers muss natürlich alles perfekt funktionieren. „Bei solchen Bands ist auch deren Umfeld hochprofessionell. Wenn da einmal etwas nicht klappt, dann wirst du sie wahrscheinlich nicht noch einmal veranstalten“, gibt Haupt einen Einblick in das Veranstalterwesen, „bei vielen Bands, die man vom Bekanntheitsgrad etwas darunter ansiedeln würde, kann man eventuell Termine verhandeln. Einer Band wie AC/DC ist das natürlich egal, ob sie am Samstag in Österreich spielt oder ob der nächste Tag ein Feiertag ist. Und wenn sie – so wie im Vorjahr – eben lieber mit dem Zug von Graz nach Spielberg fahren, obwohl sich neben der Location ein Riesenflughafen für Militärjets befindet, dann werden wir auch das in letzter Minute einfädeln.“

Standortnachteil
Mit einem großen Mythos möchte Haupt gerne aufräumen: „Viele glauben, dass die Top-Stars oft sehr absurde Wünsche haben, aber unerfüllbar sind meist solche, die mit der Technik zu tun haben. Wenn etwa jemand nicht auftreten möchte, weil es in der Halle warm ist und sich sein Instrument dauernd verstimmt, wirst du bei einer Stadthallen-Show im Juli trotz laufender Klimaanlagen keine Änderung herbeiführen können. Aber alles, was im Rahmen des Möglichen und rechtlich Erlaubten ist, versuchen wir zu erfüllen.“

Die österreichischen Veranstalter müssen neben der Verfügbarkeit von Künstlern und knallharten Kalkulationen auch eine gewisse Risikobereitschaft an den Tag legen und mit dem Standortnachteil zurechtkommen. „Objektiv gesehen spricht leider nicht viel für Österreich“, erzählt Silvio Huber, Chef-Booker der brandneuen Arcadia Live GmbH, „von Hallen bis hin zum Personal ist bei uns alles teurer als bei unseren europäischen Nachbarn, zudem wurde die Umsatzsteuer bei Tickets auf 13 Prozent erhöht. Das ist fast das Doppelte verglichen mit Deutschland.“

Angebot und Nachfrage
Dass der Markt in Österreich dennoch ein lukrativer ist, liegt auch an der Nachfrage. Gerade in Zeiten sinkender Albumverkäufe bevorzugt der Konsument das unvergleichbare, „echte“ Erlebnis einer Liveshow. Die Tortenstücke unter den Veranstaltern sind aber kleiner geworden, schließlich kämpfen durch deutsch-österreichische Joint Ventures immer mehr Branchen-Konkurrenten um die Gunst des Publikums. Wohin der Weg mit immer mehr und größeren Shows und einem weiteren Steigen der Festivallandschaft führen wird, ist aus heutiger Perspektive noch unklar. Die Gefahren und Risiken sind vorhanden: steigende Ticketpreise und eine mögliche Übersättigung durch die Quantität der Konzerte sind gegeben. Ob der konzertanten Zukunft entscheidet am Ende der Käufer, nicht der Veranstalter – und dieser Blickwinkel ist auch der kleinste gemeinsame Nenner aller Veranstalter und Promoter.

 

Am 4. April wurde in Frankfurt zum 11. Mal der PRG Live Entertainment Award an die Branchen-Besten des Live-Business verliehen. Hier bekommen zur Abwechslung einmal nicht die Musikstars, sondern die Macher hinter den Kulissen, die Impresarios, Manager und Spielstättenbetreiber, ein Gesicht. In der Kategorie “Konzert des Jahres” wurde die heimische Agentur LSK bedacht, die hinter dem AC/DC-Konzert in Spielberg stehen.

Veranstalter Walter Egle (LSK) nahm den Preis in Frankfurt entgegen.

Veranstalter Walter Egle (LSK) nahm den Preis in Frankfurt entgegen.

Wir sprachen im Vorfeld mit Prof. Jens Michow, Executive Producer der Gala des Deutschen Live-Entertainment Preises LEA und Präsident des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft.

Was ist der LEA?

Das Ziel des Live Entertainment Award LEA ist es, herausragende Leistungen im Live-Entertainment-Bereich in Deutschland auszuzeichnen und damit der Öffentlichkeit die „Macher“ und Manager hinter den Kulissen zu präsentieren. Der LEA ist ein Jury-Preis und wurde seit diesem Jahr erstmalig auch auf Österreich ausgeweitet. Die 24-köpfige Jury und Branchenexperten bewerten die Qualität des lebendigen Unterhaltungsangebots der gesamten Entertainment-Wirtschaft im deutschsprachigen Raum.

Was zeichnet eine qualitativ gute Veranstaltung nach der LEA-Philosophie aus?

Entscheidende Kriterien sind zum Beispiel die Professionalität und Originalität der Werbung, die audiovisuelle Umsetzung einer Veranstaltung, das Medien- und Publikumsecho, die Wahl einer besonderen Location, sowie die dortigen Rahmenbedingungen wie Security, Einlass-/Auslasssituation oder auch das Vorhandensein von ausreichenden Parkplätzen etwa bei Festivals.

Welche Bedeutung hat der Award im deutschsprachigen Raum?

Der LEA ist in den zehn Jahren seiner Existenz neben dem ECHO und dem Deutschen Filmpreis zweifellos zu einer der bedeutendsten Preisverleihungen des Kulturbetriebs avanciert. Nahezu alle großen deutschen TV- und Rundfunksender berichten über die Veranstaltung. Unsere Sponsoren und Werbepartner müssten gemäß einer aktuellen Analyse rund sieben Millionen Euro investieren, um gleichwertige Werbung derselben Größe und Reichweite wie mit Medienberichten über den LEA zu erhalten. Natürlich hat das auch längst erhebliche Auswirkungen auf die Nachbarländer.

 

AC/DC kommen am 19. Mai wieder nach Österreich, diesmal jedoch nicht nach Spielberg, sondern ins Wiener Ernst-Happel-Stadion und mit Axl Rose von Guns N’Roses als Sänger: das könnte spannend werden. Die ersten Eindrücke von kalifornischen Coachella sind vielversprechend (siehe folgendes Video). Tickets hierfür gibt es auf oeticket.com und unter 01/96096.

Weitere internationale Superstars, die demnächst nach Österreich kommen sind u.a. Rihanna am 9. August in die Wiener Stadthalle, die Red Hot Chili Peppers im Juni am Nova Rock, Queen mit Adam Lambert am 25. Mai im Linzer Stadion, Justin Bieber am 8. November in der Wiener Stadthalle, Black Sabbath am 28. Juni ebenda. Die Fantastischen Vier spielen im September am Grazer Nuke Festival und im Jänner in der Wiener Stadthalle, am 26. Oktober erleben wir The Cure in der Marx Halle, Iron Maiden und Rammstein im Juni am Rock in Vienna. Tickets hierfür gibt es auf oeticket.com und unter 01/96096.

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