AC/DC: ROCK OR BUST

Ab einem gewissen Altern dauern gewisse Prozesse etwas länger – so auch bei den australischen Hardrockern AC/DC: Ganze sechs Jahre dauerte es, bis der “Black Ice”-Nachfolger fertig war. Eine Wartezeit, die sich gerechnet hat?

 

Manche Künstler müssen Millionen und Abermillionen für die Bewerbung neuer Alben ausgeben, „Rock Or Bust“, das 15. Studioalbum der australischen Hardrocker AC/DC, bekam kostenfrei ausreichend an Vorabberichterstattung – allerdings nicht von der guten Sorte. Im April wurde bekannt, dass Malcolm Young, Rhythmusgitarrist und treibende Kraft hinter den Herren aus Down Under, aus gesundheitlichen Gründen zumindest aussetzen wird müssen und von seinem Neffen Stevie ersetzt werden würde. Im September wurde dann sein permanenter Ausstieg bekanntgegeben, die Begründung: Demenz. Doch damit nicht genug: Am 6. November wurde Schlagzeuger Phil Rudd verhaftet, die Anklage: Anstiftung zum Mord und Besitz von „bewusstseinserweiternden Substanzen“. Erstes wurde mittlerweile fallen gelassen, aber dennoch spricht Angus Young von „Problemen“, sodass man aus „Sicherheitsgründen“ für die folgende Tour – die am 31. Mai auch in Österreich Halt machen soll – bereits einen Ersatzschlagzeuger „in petto“ habe.

AC/DCAller Wirren zum Trotz lassen sich die fünf Herren jedoch nicht lumpen und benötigen nur wenige Töne, um sich lautstark zurück zu melden: Der Titeltrack erinnert an „Stiff Upper Lip“, Brian Johnson liefert sich einen ausgeglichenen Schaukampf mit den gewohnt rasiermesserscharf einschneidenden „Riff-Raffs“, zahlreiche Licks quer über das Album verteilt sorgen aber dafür, dass eben doch nicht immer alles gleich klingt, wie taube und böse Zungen mit hochgezogener Augenbraue gern vermeinen. Natürlich: Bei jedem der elf neuen Stücke wähnt man im Hintergrund einen ihrer Klassiker herauszuhören – bei „Miss Adventure“ den „The Razors Edge“-Klassiker „Thunderstruck“ oder bei „Dogs Of War“ die „Black Ice“-Hymne „Rock ‚n‘ Roll Train“ oder auch „Money Talks“ der Gillette-Platte –, aber dennoch wird der geneigte Hörer mehrfach über die halbe Stunde hinweg dazu angehalten, mit geballter Faust in der Luft lautstark „Rock! Rock! Rock“ zu skandieren. Allerdings: Mit einer Spieldauer von haarscharf unter 35 Minuten löst „Rock Or Bust“ die 83er-Scheibe „Flick Of The Switch“ als das kürzeste Album der Bandgeschichte ab. Aber bekanntlich ist Masse ungleich Klasse, und Klasse ist auf „Rock Or Bust“ zuhauf zu finden.

Das steinerne Artwork, ein dreidimensionales Lenticular, lässt das ikonische Bandlogo förmlich ins Gesicht des Betrachters explodieren – und ähnlich ungezügelt schwitzen die Senioren querbeet, mit einem frechen Grinsen auf den Lippen. Zwar gibt mittlerweile eindeutig das Midtempo den Ton an, aber schließlich werden die Fans ja auch nicht jünger – einzig bei „Baptism By Fire“ werden einige der Anhänger der ersten Stunde wohl etwas ins Stolpern kommen. Der Albumtitel „Rock Or Bust“ ist zwar banal, der Inhalt jedoch riecht dafür nach harten Stahl, Bier und Stadion – warum man hierfür jedoch sechs Jahre brauchte, steht in den Sternen. Vielleicht war man zwischendurch dann doch mal Golfen.

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