Ahoi! Pop 2013: Zeitmusik am Hafen

In Linz beginnt’s, sprichwörtlich zumindest. Nachdem der Sager Qualtinger zugesprochen wird, muss zumindest etwas Wahres dran sein, auch wenn Österreich kulturell und veranstaltungstechnisch eindeutig eine Schlagseite zur Bundeshauptstadt hat. Aber auch so manch Landeshauptstadt hat über die Jahre Kleinodien von Hoch- bis Populärkultur etabliert: So ist im oberösterreichischen Linz der im Hafenviertel malerisch gelegene denkmalgeschützte Bauernhof Posthof seit den Achtzigern Dreh- und Angelpunkt der ansässigen Jugendkultur beinahe fließendes Verbindungsglied zwischen Kleinkunst und Musikkultur.

Ahoi! Pop – der Urban-Nahversorger

Einer der wichtigsten Programmpunkte feiert dieses Jahr zwar erst den dritten Geburtstag, hat sich aber nichtsdestotrotz bereits in der heimischen Kulturlandschaft als Pflichtprogramm für Fans, Freunde und Förderer alternativer Populärmusik etabliert. Die Rede ist freilich vom Ahoi! Pop Festival, das bereits in den ersten beiden Jahren mit einem fein säuberlich selektierten Programm aufwarten konnte, das neben anerkannten, etablierten Größen, nicht auf Newcomer mit nicht minderer Qualität vergisst.

An diesem Anspruch – das von den Veranstaltern mit dem Slogan „Nahversorger in Sachen aufregender urbaner Musik“ treffend umschrieben wird, ändert auch die dritte Geburtstagssause nichts, kredenzt wird zwar weder Schwarzwälder Kirsch noch Sahne-Baiser, dafür eine herrlich bunte Blumenwiese aus Alternative, Indie, Songwriter, House, Dub und Electro – und allem anderen, was irgendwo dazwischen auch blüht und gedeiht.

Ahoi! Pop – die Warm-Up-Party, das Programm

Das „freundliche Zeitkulturhaus“ lädt bereits ab dem 5. Oktober, an welchem die Stockholmer Formation Shout Out Louds (O.C. California!) fürs nötige Warm-Up vor dem Training sorgen, zu einer „funkensprühenden Ausgabe“ an Zeitgeschichte, die schließlich zwischen 30. Oktober und 2. November einen bunten Reigen tanzt. Die einzelnen Tage im Überblick:

Der Eröffnungstag Mittwoch steht unter der Schirmherrschaft von HVOB ganz im Zeichen von „Elektro, Indie und Funk“. Dass Wien und Berlin sich trotz Ländergrenzen ähnlich sind, in vielerlei Hinsicht sich die einzelnen kreativen Ergüsse gut zu einem neuen, besonderen Ganzen ergänzen, findet hierbei vollste Vollendung. Selten, dass bereits in Kinderschuhen Dreampop derart gekonnt mit einem treibenden Clubgroove verbunden wurde.
Zuvor gibt’s von Brandt Brauer Frick Ensemble, Kate Boy und Amateur Best noch erfrischende Experimentierfreude kredenzt, bevor DJ Fino aufs Tanzparkett bittet.

Ruhiger präsentiert sich der Songwriter-Donnerstag: Mit Just One Day ist die aktuelle EP der Mighty Oaks betitelt und zwangsweigerlich möchte man mit Goethe im Anschluss an jenen Abend reüssieren: „Verweile doch, du bist so schön“. Denn auch Damon Gough, der bereits zur Jahrhundertwende (nicht allein mit seinem Soundtrack für Nick Hornbys About A Boy) für Entzückungen sorgte und nun aus der Versenkung auftaucht, Ghostpoet und der australische Hüne Scott Matthew haben sich für jenen Abend bereits verpflichten lassen.
Ausklang findet Donars Ehrentag mit dem Soul Lobster DJ-Team.

Für den Freitag gibt’s zumindest im näheren Umfeld keine bessere Alternative, steht schließlich selbiges auch als übergeordneter Begriff über dem Billing. Wenngleich auch der Spiegel über Austras Lose It schrieb: „Dieses Lied kennt kein Entkommen.“, so kann man zweifelsohne jenes Statement auch auf die Soundexperimente von Slut, SOHN und Velojet übertragen – wenngleich alle Künstler zeigen, dass der Klangkosmos keine Grenzen hat und die einzige Gemeinsamkeit die Andersartigkeit ist.
Dementsprechend geht es auch anschließend ins All, wenn DJ Catekk Space Echo dafür sorgt, den Sprung meines Namenskollegen aus der Stratosphäre vergessen zu machen.

Aller guten Dinge sind drei, jedoch Linz legt noch eins nach: Am Samstag schippert die MS Indie in den Linzer Hafen, am Steuer steht nicht Käpt’n Iglo sondern Tomtes Thees Uhlmann, der die hamburgischen Gewässer verließ, um Brücken einzureißen und von der Nordseeküste in den oberösterreichischen Zentralraum zu schippern. Mit an Bord ist freilich auch eine starke Besatzung. Denn ohne Steuermann, Matrose und Maschinist ist auch der beste Kapitän verloren. So kehrt nach ihrem Auftritt am Ahoi! Pop-Debüt vor zwei Jahren Friska Viljor wieder, wie auch die Schotten Martin und James und Fiction. Life’s A Show heißt der aktuelle Longplayer von Martin Kelly und James O’Neill, und wenn es das Leben schon selbiges vielleicht nicht (immer) ist, so zumindest jener Abend – der vom Laming Hips Shy DJ-Team würdigen Ausklang findet.

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