Alexander Georg ist „homosexy“

Seit 2010 klärt der Wiener Kabarettist Alexander Georg in Schwul, aber nett das wissbegierige Publikum über schwules Leben auf. Nun war es für ihn an der Zeit, ein weiteres Programm zu gestalten. TICKET sprach mit ihm über HOMOSEXY – uferlose G’schichten, sein Publikum und seinen Werdegang als schwuler Kabarettist.

Begonnen hat alles als „Kasperl der Familie“ und mit dem üblichen Spruch „Du gehörst auf die Bühne“. Dann hielt er auf der 60er Feier seines Chefs eine „kleine Rede“, die zu einer Stand-Up Comedy ausartete. Er genoss es. Und steht seit 2010 tatsächlich im Rampenlicht.

Schwul, aber nett, wie ist es zu dem Titel gekommen und warum ein schwules Kabarett?

Alexander: Angefangen hat es überhaupt nicht als schwules Kabarett. Ich wollte auf die Bühne und hab überlegt was ich machen könnte. Und dann hab ich mir gedacht, ich rede einfach über mich. Angefangen vom Kennenlernen meiner Eltern, übers Heranwachsen und zum Merken, „Ok, da ist doch ein bisschen was anders bei mir“, bis hin zum ganz normalen schwulen Alltag. Der Titel ist mir durch Zufall eingefallen, weil man oft hört: „Du, ich kenn da einen Schwulen, aber der ist total nett.“ Dieses „aber nett“ macht mich total wahnsinnig, wobei ich mich auch schon selber erwischt habe, dass ich das gesagt habe.

Und du bist ja damit nicht nur bei einschlägigen Festivals aufgetreten.

Alexander: Ja, neben Auftritten im Pride Village, oder bei Andersrum ist nicht verkehrt bin ich auch im Metropoldi aufgetreten. Ich bin nämlich schon am Anfang drauf gekommen, dass ich das vor allem für Heteros mache. Weil ja viele Heteros das Leben von Schwulen überhaupt nicht kennen und auch anders einschätzen. Ich wollte denen erzählen, wie es ist und vor allem auch Fragen beantworten, die sie nicht zu fragen wagen. Offenbar war das später ein Drang in mir, solche Missverständnisse aufzulösen und Fragen zu beantworten.

Plakatsujet Alexander Georg (c) Alexander Georg

Plakatsujet Alexander Georg (c) Alexander Georg

Das neue Plakat hat mich an James Bond erinnert. Bist du James Bond Fan?

Alexander: Entstanden ist es so, dass ich dem Fotografen den Titel gesagt habe und er nicht wusste, was er damit anfangen soll. Und dann meinte er, er sieht mich als James Bond mit pinker Spritzpistole. Die Leute werden überrascht sein, dass ich gar nichts über James Bond erzähle. Und auch die rosa Spritzpistole war eigentlich orange …

Es geht aber auch wieder ums Schwul-Sein?

Alexander: Ja und Nein. Ich wollte das zweite Programm so gestalten, dass ich Beobachtungen des Lebens und der Menschen aus dem Blickwinkel eines Schwulen berichten möchte. Manche Sachen haben gar nichts damit zu tun. Ich muss ja nicht schwul sein um zu verstehen, dass gewisse Sachen nicht zu sein haben.

Denkst du, dass du das Programm vor zehn oder fünfzehn Jahren auch schon machen hättest können oder war jetzt die Zeit reif dafür?

Alexander: Ich und die Gesellschaft waren vor zehn, fünfzehn Jahren überhaupt noch nicht so weit. Ich bin ja ein 64er-Jahrgang und bin aufgewachsen in einer Zeit, in der ich nicht von meinem Auto zum damaligen Manhattan, der jetzigen Mango-Bar, über die Wienzeile gegangen bin, weil ich gefürchtet habe, dass mich ein Kollege sieht und genau weiß, dass ich in das Lokal gehe.

Wie setzt sich dein Publikum zusammen?

Alexander: Gerade die, von denen ich es am wenigsten erwartet habe, sind gekommen. Und die haben mir dann immer nach der Show erzählt, wie genial sie es fanden. Am wenigsten sind die Leute aus der schwulen Szene gekommen. Viele kamen auch durch Mundpropaganda und die Plakate vom Metropoldi. Manchmal waren Leute um die 70. Die haben mich in der Pause dann angesprochen und gemeint, sie haben sich schon lange nicht mehr so gut unterhalten und endlich einer, der das sagt. Und öfters kam dann auch: „Wir haben ja auch einen Freund der so ist, ein Verzauberter“.

Tickets bei oeticket.com

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!