Alf Poier liebt sein Leben

TICKET: Macht es dir was aus, dass dich manche als skurril-schnulzigen Rammsteinkasperl abstempeln?

Alf Poier: Ganz im Gegenteil, ich hab schon ganz andere Bezeichnungen gehört. Für die einen bin ich ein Guru oder Prophet, für die anderen eben ein Trottel oder Kasperl – Recht haben alle!

TICKET: Dein neues Programms verspricht viel. Dürfen wir auf enthüllende Stories hoffen wo du quasi auspackst?

Alf: Mehr oder weniger schon, denn  ein Normalsterblicher kann sich ja kaum vorstellen wie das Tourleben eigentlich aussieht.  Vom Leben mit dem Koffer von A nach B, die Erlebnisse im Tourbus,  aber auch mit dem jeweiligen Veranstalter vor Ort. Wenn du so wie ich fast 200 Tage pro Jahr unterwegs bist, da sammelt sich schon einiges an. Man ernährt sich hauptsächlich von Tankstellenkost und Wurstplatten. Wenn man dann von der Tour nach Hause kommt fühlt man sich wie ein alter, aufgeblähter Zirkuselefant! Auch das kommt im neuen Programm vor!

TICKET: Also ein bisschen weg vom Comedy-Trash?

Alf: Es wird schon ein wenig anders werden, aber ganz ohne Aktionismus geht’s bei mir nicht. Meine Objektkisten mit Requisiten dürfen ebenso wenig fehlen wie meine Gitarre. Diesmal werde ich mein Publikum auch ein wenig an meinem Privatleben teilhaben lassen. Denn wenn man von der Tour nach Hause kommt ist das Brot hart, die Milch sauer und der Kühlschrank leer. Ich bin ja als Bindungsphobiker nicht in der Lage einen Haushalt mit jemandem zu teilen!

TICKET: Ganz ohne Frauen geht’s aber auch nicht, oder?

Alf: Frauen sind total wichtig in meinem Leben, obwohl ich mich öffentlich kaum mit ihnen zeige. Man sagt ja auch, Wein, Weib und Gesang gehören dazu um das Leben so richtig genießen zu können. Leider ist es bei mir so, dass ich keinen Wein vertrage, singen kann ich eigentlich auch nicht wirklich, also bleiben nur die „Weiber“. Da wiederum fühle ich mich eher zu gepiercten und tätowierten Schönheiten hingezogen.  Panikattacken, Depressionen und Alkohol waren da noch die harmloseren Probleme, die diese mitbrachten. Aber vielleicht klappt es gerade deswegen eine Zeit lang, denn dieser Typ Frau ist mit den eigenen Problemen so beschäftigt, dass ich wiederum genügend Freiraum habe. Genauso wenig wie ich künstlerisch zu schubladisieren bin, so läuft es auch in meinen Beziehungen. Wenn mich jemand dazu zwingen würde den Typ Frau zu kategorisieren der mich am meisten anspricht, so würde ich sagen „sehr hübsch und intelligent, aber nicht lebensfähig“.

TICKET: Hast du deine philosophische Suche nun mehr oder weniger abgeschlossen?

Alf: Ich hab mich viele Jahre lang mit Philosophie und Meditation beschäftigt. Diese Zeit scheint nun endgültig vorbei zu sein. Ich hatte in letzter Zeit eher das Problem, dass ich nun schon fast 18 Jahre lang auf Tour bin.  Ich kenne sämtliche Autobahnen samt Raststationen auswendig. Da ist man schon mal ein wenig ausgebrannt. Daher habe ich mir eine freiwillige Auszeit gegönnt. Ich muss nichts mehr suchen, muss niemandem etwas beweisen und ich will auch kein Getriebener mehr sein. Nach einer Asienreise hab ich neue Erkenntnisse über mich gewonnen und der Abstand hat mir gut getan.

TICKET: Für eine Auszeit braucht man auch das nötige Kleingeld. Wie wichtig ist dir Geld?

Alf: Geld ist viel wert und braucht keinen Platz, daher ist es nicht ganz unpraktisch. Viele haben ja Geldprobleme, obwohl sie gar keines haben. Das ist in vielen Fällen auch gut so, denn man sagt ja Geld verdirbt den Charakter. Ich sage aber: „Geld verdirbt nicht den Charakter, sondern zeigt erst den wahren Charakter.“

TICKET: Hast du dabei auch ganz ans Aussteigen gedacht?

Alf: Im Zuge dieser Selbstreflexion hab ich schon daran gedacht, doch letztendlich hatte ich Schiss vor der Langeweile. Ich stelle mir auch jetzt noch manchmal die Frage, warum sich der Mensch nicht einfach so genügen kann, also nur so da sitzen kann und nichts tun. Doch ich habe genügend Aussteiger beobachtet, dass ich erkannt habe, dass dies überhaupt nicht zu mir passt. Ich will auch die Welt nicht mehr großartig verändern, so nach dem Motto:  früher sind wir ausgezogen um die Welt zu verändern, und irgendwann verenden wir selber ausgezogen!

TICKET: Was hast du in deiner Auszeit angestellt?

Alf: Dies und das, aber egal was ich versucht habe, den Kick welchen mir die Bühne bietet kann mir keine andere Beschäftigung geben. Als ich von Asien zurückgekommen bin, bin ich mit meiner Band kurz auf Tour gegangen. Das hat mir mehr gegeben als die ganze Reise davor!

TICKET: Ist deine Mütze so etwas wie eine Tarnkappe? Also ohne der echte Alf, mit die Kunstfigur Poier?

Alf: Auch das ist neu in meinem Leben. Seit kurzem trage ich die Alf-Mütze fast  ausschließlich nur noch beruflich. Der private Alf trägt meistens eine Baseballkappe. Das hat den Vorteil, dass mich auf der Straße weniger Leute erkennen und ich meine Ruhe hab. Außerdem kann ich mich so vom Bühnen-Alf etwas besser abgrenzen. Auf der Bühne ist man mehr oder weniger eh gezwungen  eine Rolle zu spielen, denn wenn ich vor dem Auftritt kotzen muss, muss ich trotzdem auf der Bühne meine Show abziehen.  Privat versuche ich natürlich mein Wesen so gut wie möglich zu leben, auch wenn das nicht immer Vorteile bringt.

TICKET: Auf was dürfen wir uns also bei Backstage freuen?

Alf:  Backstage findet nicht auf, sondern hinter der Bühne statt. Das Publikum sieht und hört, was es sonst nie zu sehen oder hören bekommt.  Dazu gibt es einen für mich neuartigen Bühnenaufbau und eine neue Herangehensweise. Trotzdem aber wird der alte Alf erhalten bleiben und zwischendurch ordentlich auszucken! Auch habe ich vor mein Publikum diesmal so zu emotionalisieren, dass es dem legendären Auftritt von Mohamed Ali bei der Verleihung der World Sports Awards gleichkommt. Deshalb rate ich dem Publikum jetzt schon genügend Taschentücher bzw. Wurschtigkeitstabletten einzupacken – je nach Veranlagung, denn der Grad von überschwänglicher Heiterkeit hin zu subtiler Traurigkeit ist sehr, sehr schmal!

Interview: Didi Rath
 

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