Alkbottle: Für immer tierisch gut drauf

Beinahe berühmt-berüchtigt ist Trapattonis Ausfall von wegen „schwach wie eine Flasche leer“. Beim Meidlinger Schimpforchester jedoch konnte man sich stets sicher sein, dass die Flasche kaum geleert sogleich wieder aufgefüllt wurde – und nun haben Alkbottle „neues Album fertig“ und donnern den runden Silberling ins Tor. I wird narrisch! Genug Anlass also, dass sich TICKET mit Frontflascherl Gregory auf ein Pläuschchen traf …

 

Für immer ist tierisch geworden, nicht nur tierisch gut, sondern da kreucht und fleucht es tatsächlich an allen Ecken und Enden. Katzen müssen nicht immer Pussys sein, beißen kann auch das Krokodil, affig war man schon immer ein bisschen, Underdogs statt Hot-Dogs und Hamsterradläufer kommen ebenso zum Handkuss. Wie kommt es – wurde Mubu nun endlich als vollwertiges Mitglied eingeführt?

Textlich hatten wir ja immer schon einen leichten Hang zu Tiergeschichten, wie zum Beispiel bei Die Gier is a Hund, Lauter wie die Sau, Der tuat nix, Ottakringa Hunzviech und vielen mehr. Nun haben wir unseren kleinen Streichelzoo etwas ausgeweitet. Bei Ich habe Katze handelt es sich textlich um meine ganz persönliche Abrechnung mit zwei Babykatzen, die ich im vorletzten Urlaub glaubte, retten zu müssen und nach Wien in die Wohnung mitgenommen hab. Als Dank haben sie mir neben zahlreichen Einrichtungsgegenständen binnen zwei Monaten sämtliche Zimmerpflanzen ruiniert – darunter auch meinen heiß geliebten Bonsai, den ich bis dahin 25 Jahre lang gehegt und gepflegt habe. Als sich dann meine längst abgelegt geglaubte Allergie wieder meldete, war mir klar, dass es ein großer Fehler war, die Tiere aus ihrer natürlichen Umgebung rauszureißen. Sie konnten ja nichts dafür, dass ich in einem Anfall der Selbstüberschätzung geglaubt habe, in die natürlichen Gesetze eingreifen zu müssen. Um mich mit meinem Karma wieder zu versöhnen, sorgte ich mich um einen bestmöglichen Platz: Sie leben heute auf einem Pferdegestüt in den Prater Auen und dürfen dort den ganzen Tag Mäuse fangen.

In einem anderen Song wird die Haustierhaltung auf ein noch größeres Extrem getrieben …

Ja, in Babykrokodil geht’s um die pervertierte Weiterführung der Haustierhaltung. Um Menschen, die sich in ihrer 30 Quadratmeter großen Gemeindebauwohnung exotische, nicht selten gefährliche Wildtiere glauben halten zu müssen. Ich weiß nicht, ob sich schon jemals ein Arschloch gefragt hat, was passiert, wenn er seine Anakonda vorm Urlaub im Park aussetzt. Es geht aber meistens nicht um das Tier selbst, sondern eher um das Verhältnis zum Menschen.

Der Leitsatz dieses Albums ist vielleicht auf Titel 8 mit der Zeile „Der Mensch ist ein seltsames Tier“ zu finden. Biologisch gesehen sind wir ja auch Tiere, wenn auch die am weitesten entwickelten. Wie wir aber unsere evolutionäre Überlegenheit einsetzen, mit Kriegen, Zerstörung des eigenen Lebensraums und so weiter, kann man nur bedingt sagen, dass wir hier die intelligente Spezies sind. Wenn der Planet selbst entscheiden könnte, wer ihm am meisten am Arsch geht, wäre die Wahl wohl eindeutig.

Chris Zitta wird auf eurer Webpräsenz zitiert: „Ich hab mir jetzt einmal die Letzte ganz durch angehört und ich finde, das können wir besser.“ Was war am Rock ‘n‘ Roll misslungen, wieso fetzt die Neue wie Nachbars Lumpi?

Hier regiert der Rock ‘n’ Roll war 2008 eine Art Standortbestimmung, ein Versuch, nach elf Jahren Studioalbenabstinenz wieder den Anschluss an unsere Alben der 90er zu finden. Vielleicht haben wir uns etwas zu sehr bemüht, nach Alkbottle zu klingen als Alkbottle zu sein. Wir haben uns nach zwei Besetzungswechseln vorrangig darauf konzentriert, die Flasche aus den Scherben der Vergangenheit neu zusammen zu picken, anstatt für herausfordernden Inhalt zu sorgen, wofür die Band vom Publikum eigentlich geschätzt wird. Dafür war das Album aber trotzdem das Beste was wir zu der Zeit zu machen im Stande waren und zudem erfreulicherweise recht erfolgreich. Ein paar Tausend verkaufte Stück und eine Amadeus Nominierung sind sich immerhin ausgegangen. Aber wie von meinem lieben Kollegen schon ganz richtig gesagt, es war an der Zeit, einen noch eindrucksvolleren Abdruck zu hinterlassen.

Für immer wurde in Berlin eingezimmert. Berlinern sagt man in Punkto Humor und Lebensgefühl eine Nähe zum Wiener nach. Abgesehen davon, dass das Studio „eh super“ war und „alle ganz professionell“ – was piefkenisisch ist, wird dennoch gut?

Mit Humor und Lebensgefühl sind wir gesegnet, dafür hätten wir auch in Meidling bleiben können. Wir waren dort auch nicht zum Spaß haben, sondern zum Machen. Obwohl wir im Partybezirk schlechthin (Friedrichshain) einquartiert waren, haben von Berlin in den zwei Wochen gerade einmal unser Appartement, den Späti (Nahversorger) und den Weg zum Studio mitbekommen. Es gab viele Gründe, die ausschlaggebend dafür waren, dass wir in Berlin aufgenommen haben:

Zum ersten, dass wir mit den zwei gebürtigen Wienern Niko Stössl und Daniel Bren die Möglichkeit mit zwei jungen Produzenten hatten, die uns einerseits gut kannten, andererseits ihre Nase bereits über den schnitzelförmigen Tellerrand geschoben haben, um sich eben in Berlin international zu etablieren.

Zweitens wollten wir das Album nicht zur Nebensache verkommen lassen, sondern uns diesmal zu 100 % darauf konzentrieren. Keine Termine, keine Auftritte, keine Frau, die dir für den Heimweg vom Studio noch schnell die Einkaufsliste fürs Wochenende diktiert. Also möglichst weit weg von daheim. Es gab in den zwölf Tagen nichts, was uns davon abgelenkt hätte, ein geiles Album zu produzieren. Ich denke, wir haben’s hingekriegt.

Der Pressetext verspricht, dass Alkbottle „immer“ Alkbottle bleiben werden. Dennoch zeigt man sich vermehrt nicht nur von einer durstigen, sondern auch nüchternen Seite. Was machte die Marke Alkbottle dereinst, im Hoch der Neunziger, aus, was heute? Wie lebt es sich mit dem Klischee, eine herumtingelnde Bagage an goschaten Sau(f)fratzen zu sein?

Alkbottle war immer schon mehr als dieses Klischee. Natürlich gab und gibt es immer noch viele Leute, die das nicht wahr haben wollen und erst gar nicht an dem Thema anstreifen wollen. Das wird sich auch nicht ändern, die werden sich auch dieses Album nicht anhören – schon allein weil Alkbottle draufsteht. Und sie werden für immer die gleichen Nummern wie Schiffn oder 6 Bier heranziehen, die ihnen dieses Klischee eher bestätigen, um uns wieder in der Schublade verschwinden zu lassen. Aber dagegen kann ich auch nichts machen – das ist halt so. Das hätte ich mir wahrscheinlich mit 14 überlegen müssen, als ich den Bandnamen erfunden habe. Im Nachhinein betrachtet würde ich aber alles genauso wieder machen.

Die Band besteht aus verantwortungsvollen, erwachsenen Persönlichkeiten, die eine Art Bewusstseins-Vergnügungspark für sich und ihre Fans aufgebaut hat, der es erlaubt, alles raus zu schreien, was in einer politisch und moralisch korrigierten Welt vielleicht nicht so opportun wäre. Das hat sich bis heute nicht verändert, es ist nur ein Haufen Lebenserfahrung dazu gekommen. Der große Unterschied zu Alkbottle der 90er ist, dass wir keine 18 mehr sind und auch nicht so tun wollen, als wären wir es noch. Wir decken heute ein breiteres Spektrum der Unterhaltung ab. Und Unterhaltung ist für mich mehr als die Leute nur zum Lachen zu bringen. Hauptsache es wird nie langweilig.

Wenn wir schon beim Image sind – dem Rocker wird unterstellt, stets besoffen wie ein Häusltschick zu sein, ein Fußballfan ist freilich ein Prolet, der das Gegenüber gern mal einem Mini nach einem Frontalbuserer gleich herrichtet. Was kann man diesem Vorurteilhype entgegensetzen, den ihr doch gerne spaßeshalber bedient und ausschlachtet?

Wie schon richtig assoziiert haben wir großen Spaß dabei diesen Ruf in karikierter Form zu pflegen und sich über die Leute lustig zu machen, die das ernst nehmen. Schon allein der Umstand, dass wir Alkbottle seit 23 Jahren betreiben, aber unsere Leberwerte immer noch im Spitzenbereich liegen, könnte ja schon zu denken geben, dass wir sehr wohl zwischen Show und Privatleben differenzieren können.

Daneben versuchen wir als Band bei möglichst vielen Projekten mit karitativem Hintergrund mitzuwirken. Aber nicht weil wir diese als Imagepolitur für Notwendig erachten, sondern viel mehr, um den Leuten die soziale Verantwortung vorzuleben, durch die sich schließlich auch unser Publikum definiert. Stichwort: „A Bottlehead – doch bei Gott ka Trottl ned“. Bei meiner Präsidentschaft beim SC Wiener Viktoria verhält es sich ähnlich. Da fielen wir anfangs überhaupt nur durch unsere Sozialprojekte auf, wie zum Beispiel unsere Winternotquartiere für Obdachlose, bevor sich dann nach und nach die Strukturen verbesserten und sich nun auch der sportliche Erfolg einstellte.

Image die zweite: „Ist der Ruf mal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.“ – Alkbottle liebäugelten mit dem ESC, Herr Gregory wagt sich in Strapsen ins Metropol und vor einiger Zeit sogar in eine ORF-Casting-Show, man spielt vor Black Sabbath, sodass die ganz Hartgesottenen einen Herzkasper bekommen und dennoch: Irgendwie läuft das Radl, und das ganz gut …

Die Vorstellung, das ganze Leben immer nur eine Tätigkeit auszuüben, ist mir eine Schreckliche. Dazu kann ich gleich irgendeinen Job annehmen und auf meine Pensionierung warten. Meine gelegentlichen Ausflüge in andere Projekte, seien sie thematisch noch so konträr, sind mir somit ein wichtiger Ausgleich. Wenn ich nicht von Zeit zu Zeit Abwechslung in meinem Tun erschaffe, laufe ich Gefahr, mich zu wiederholen und müde zu werden. Das ist für mich wie wenn man als Boxer immer nur gegen denselben Gegner kämpfen würde. Ich brauche die Herausforderung um aus mich heraus zu wachsen und werde auch weiterhin jede Gelegenheit dazu wahrnehmen. Adrenalin ist immer noch meine einzige Droge, die Familie mein Leben und der Rest ist Genussmittel.

Im Eröffnungsstück wird ein kleiner, zaghafter, ja unscheinbarer Seitenhieb auf die österreichische Musiklandschaft gewagt – kennt man auch schon vom Rockstar beispielsweise. Nachdem ihr nun doch schon ein Eckerl dabei seid: War’s früher besser oder doch mehr oasch? Und: Was ist die österreichische Vision von Europa, oder die Europäische Vision von Österreich?

Ich gehöre also wirklich nicht zu denen, die „die gute, alte Zeit“ glorifizieren, viele Dinge haben sich verbessert, aber trotz eines theoretisch riesigen, offenen Marktes durch das Internet wird es für kreative Musikschaffende in Österreich tatsächlich immer schwerer ihre Existenz davon zu bestreiten. Diejenigen, die sich durch die neuen Medien einen gewissen Bekanntheitsgrad geschaffen haben, müssen auch bald einsehen, dass man von hunderttausend YouTube-Klicks nicht satt wird. Abgesehen von der global grassierenden Gratis-Kultur vieler Musikkonsumenten, die mehr als zwei Drittel der CD-Verkäufe abgesaugt haben und mittlerweile eine professionelle Produktion für kleine Bands nahezu unfinanzierbar machen, gibt’s in Österreich noch zusätzliche Hürden, die dieses Land langsam in eine kulturelle Wüstenlandschaft verwandeln.

Angefangen bei den Radiosendern, die alle nur die gleichen 20 Titel spielen, weil sie eh alle die gleichen, deutschen Programmberater haben, die ihnen allen die größtmögliche Werbe-Zielgruppe versprechen und die, anstatt für ein interessantes Programm zu sorgen, die Hörer lieber pausenlos mit ihrem Selbstvermarktungsscheiß zumüllen. Diese Sender sind in jedem anderen Land dieser Welt ein Spiegel und eine Präsentationsfläche der heimischen Musiklandschaft und somit ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Bei uns sind das durch die Bank Abspielstationen international gehypter Fahrstuhlmusik in Endlosschleife, die höchstens mal einen 80er Jahre Austropop-Hit oder den verzweifelten Versuch eines willenlosen Castingshow-Opfers mit dem Unterhaltungswert einer Pendeluhr auf Sendung schicken. Texte in Dialekt sind besonders unbeliebt in deren Augen, weil ja so was von 70er, proleteoid und peinlich – weil man da ja auch den Text versteht. Da könnte jemand aufmerksam werden, das könnte vom Gequatsche des Moderations-Automaten und den Werbeblöcken ablenken oder ein paar Quoteneinbußen in Vorarlberg bedeuten. Lieber Englisch oder Hochdeutsch, da kann sich keiner benachteiligt fühlen.

Oder der heimischen Plattenindustrie, die weder über Potenzial noch Know-How verfügt, einen Musiker langfristig zu etablieren und mit sittenwidrigen Knebelverträgen und Gleichgültigkeit sowieso jede aufkommende Kreativität im Keim erstickt. Es gibt kaum mehr Idealisten in der Branche, die sich trauen, Entscheidungen zu treffen und länger als ein Geschäftsjahr durchhalten. So zieht sich der Faden immer weiter. So gibt es mittlerweile auch immer weniger Musiker, die es wagen, ihre heimische Sprach- und Musikkultur weiterzuentwickeln, sondern nur mehr versuchen, die Vorgaben dieser Konzerne zu erfüllen, um irgendwie wahrgenommen zu werden. Heute sind’s verstimmte Gitarren mit depressiven Koksphilosophien und nasalem norddeutschen Akzent, morgen Suaheli rückwärts gerappt. Kein Wunder, wenn der Veranstalter im Burgenland dann schon lieber zur ungarischen Rammstein- oder AC/DC-Coverband greift, anstatt heimisches, kreatives Potential zu fördern.

Apropos Visionen: Immer nur lügen, immer nur hackln, das sind ja zwei Themen auf Für Immer. Dreht’s der liebe Meister Stronach um?

Es wird immer absurder. Strohsack kauft Menschen, die uns dann vormachen sollen, dass sie nicht käuflich sind. Wie weit es in seiner Macht steht etwas zu bewegen, nämlich die Massen weg von ihm, hat er ja schon eindrucksvoll bei diversen Fußballvereinen bewiesen. Er bereichert nur das lächerliche Laientheater mit seiner Skurrilität. Doch ein gescheiter Mensch hat einmal gesagt: Jedes Volk hat die Politiker, die es verdient. Wir sollten uns vielleicht mal jeder selbst die Frage stellen, ob wir durch unser träges Verhalten solchen Betrügern nicht Vorschub leisten. Früher hätte man diese G’frasta mit Mistgabeln aus ihren Büros getrieben und am Marktplatz aufgehängt. Heute klicken wir auf einen Like-Button und glauben, dass der irgendwas bewegt. Dieses Album mag ein Sprachrohr für all diejenigen sein, die sich von oben verarscht fühlen.

Gewisse Familien haben Kätzchen als Haustiere, andere wiederum etwas Exotisches. Bei Alkbottle hat man einen Oliver. Wie kam es eigentlich dazu, was genau ist seine Position und braucht er mehr als nur ganz viel Liebe, Zuneigung und Bier?

Oliver stand gute 12 Jahre bei absolut jedem Konzert von uns in der ersten Reihe und  bildete jedes Mal die Speerspitze des tobenden Mobs. Er allein schien die erste Reihe voll auszufüllen. Ich beobachtete ihn oft. Keiner brüllte uns jede Textzeile so inbrünstig entgegen, keiner bemerkte genauestens jede Textabweichung, klatschte an den richtigen Stellen und konnte sogar den Takt dabei halten. Als er seinen Teilzeitjob verlor und ihm die Kohle ausging uns überall hin zu begleiten, war es eine Frage der Zeit, bis wir ihn in unsere Tourcrew integrierten. Die wenigen Konzerte, die ohne ihn stattfanden, waren grauenhaft. Er steht stellvertretend für alle Bottleheads da oben und ist irgendwas zwischen Haustier und Kühlerfigur. Wir behandeln ihn gut, waschen ihn von Zeit zu Zeit und geben ihm ausreichend Nahrung. Vorwiegend in flüssiger Form, denn er verlangt nach nichts anderem.

Von wegen Menschen wie wir – kommen Frauen tatsächlich von der Venus, Männer vom Mars? Otto Weininger meinte ja, das Männliche und Weibliche seien nicht so einfach in Reinform in Körperformen zu pressen, also gänzlich anders als beim Gebräuten in die Flasche.

Die Gesellschaft versucht in ihrem mühevollen Gleichberechtigungsprozess die Entwicklung schneller voranzutreiben als es die Menschen zu verinnerlichen im Stande sind. Wir lieben und bewundern die Frauen. Wir verstehen sie halt einfach nur oft nicht.

Alkbottle – und von Roland Neuwirth Geh scheißen im Speziellen – wird nachgesagt, „urwienerisch“ zu sein, gewissermaßen das „Wienerlied 2.0“. Was macht neben dem ausgeprägten „l“ eigentlich den „echten“ Wiener / die Wienerin so interessant?

Das, was den Wiener nach außen hin interessant macht, wie eben die ewige Raunzerei, das Motschgan (Nörgeln), die Gemütlichkeit und so weiter, ist das, was dir als Bewohner dieser Stadt mit der Zeit am Meisten am Arsch geht. Der Wiener möchte das Rad der Zeit immer ein wenig anhalten und verlangsamen um sich dazwischen darüber zu beklagen, dass sich das Rad so schnell dreht. Bei Alkbottle sind die Fiakerpferde durch Motorräder ersetzt und das Riesenrad beschleunigt in drei Sekunden von o auf 100.

Alkbottle können nicht nur spielen, sondern auch vermarkten – kaum ein Musikerkollektiv abgesehen von KISS, das eigenständig auf derart einschlagende blöde Ideen kommt wie hauseigenes Bier, Bottlhead Of The Year und weiß der Teufel. Wann kommen Alkbottle-Rubbeltattoos? Wann Alkotester mit „I dablos di nimmer“?

Wir sind da ein völlig autonom agierender Mikrokosmos. Da wir weder an eine Plattenfirma noch an irgendwelche Verlage, Managements und Agenturen gebunden sind, können wir über unsere Vermarktungsstrategien und Merchandising-Artikel selbst entscheiden und verfügen, müssen die aber auch selbst finanzieren. Daher haben wir uns noch nie von den Plattenverkäufen und Merch-Einkünften etwas ausbezahlt, sondern immer wieder in neue Blödheiten investiert. So hält sich das Rad seit Jahren selbst im Laufen und beschäftigt dabei nebenbei ein paar, sonst unvermittelbare Arbeitskräfte. Rubbeltattoos vom Coverlogo sind bereits seit Oktober mit CD, T-Shirt und signiertem Plakat auf der Alkbottle Homepage vorbestellbar.

Die Christkindl-Konzerte stehen nun – dingding! – wieder vor der Tür. Darf man sich dieses Jahr nebst Schnapsengerl und The Meidling Chainsaw Massacre auf Neuerungen freuen?

Viele Neuerungen werden sich ja allein schon durch die Songs vom neuen Album ergeben, die wir den Besuchern bei der Christkindl-Tour teilweise zum ersten Mal um die Ohren knallen werden. Gewisse Showelemente sind jedoch längst Institution geworden und werden höchstens optimiert, da sich das Publikum schon das ganze Jahr darauf freut. Was glaubst, was wir uns anhören könnten, wenn wir den Biernachtsmann nicht mit auf Tour hätten?

Vermutlich ein deftig-heftiges „Geht scheißen!“. Lässt man Für immer einmal außen vor, kann man sich bandintern auf das „bestes Album“ der Band einigen?

Das wird wohl „für immer“ das erste Album No sleep till Meidling bleiben. Das hat uns den ganzen Wahnsinn erst so richtig eingebrockt. Es hat die Nummer eingeläutet aus der wir seit 23 Jahren nicht mehr heraus wollen.

 

Interview: Stefan Baumgartner

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