Alles Clare, Alex?

Mit dem Track Too Close katapultierte sich Alex Clare in die obere Liga der Dubstep-Szene, auch wenn sich seine Tunes nicht wirklich in diese Schublade stecken lassen. Und wie so viele Senkrechtstarter verdankt der gebürtige Londoner seinen Erfolg der Werbung: Denn erst als Microsoft den Titel in einem Internet Explorer-Spot einsetzte, knallte auch das Album The Lateness Of The Hour in den internationalen Charts. TICKET erreichte den abgehetzten Star am Telefon.

TICKET: Hat dich der Erfolg von Too Close sehr überrascht?

Alex Clare: Klar hat mich das sehr überrascht. Ich hoffte, dass die Menschen meine Songs mögen, aber ich hätte mir nie erwartet, dass ich einen derartigen Erfolg haben würde. Das ist großartig!

TICKET: Wie fühlt sich das an – von Zero zum Hero?

Alex: Nicht viel anders als zuvor, ich würde derzeit nur gerne mehr Zeit haben und weniger Stress.

TICKET: Hat der Werbedeal mit Microsoft extrem geholfen?

Alex: Das war natürlich eine große Hilfe.

TICKET: War es eigentlich schwierig, deinen einzigartigen Stil zu entwickeln?

Alex: Das kommt von der enormen Masse an Musik, die ich in meinem Leben gehört habe. Ich liebe Musik, und das haben meine Eltern schon gefördert. Ich habe keine Scheu, Grenzen zu anderen Genres zu überschreiten, mich von ihnen beeinflussen zu lassen und das in meinen Songs zu zeigen. Als ich das Album aufgenommen habe, wollte ich mich von nichts einschränken lassen. Das ist mir, glaube ich, auch gelungen.

TICKET: Man steckt dich in die Schulblade Dubstep. Die passt doch gar nicht?

Alex: Als ich das Album aufgenommen habe, war Dubstep noch gar nicht so angesagt. Die Aufnahmen sind immerhin bereits zwei Jahre alt. Seitdem schaffte es Dubstep in den Mainstream. Das ist vielleicht auch der Grund, warum das Album gerade jetzt erfolgreich ist. Damals haben die Menschen nicht realisiert, dass man die elektronischen Dubstep-Beats verwenden kann und sie mit klassischem Singer-Songwriter-Stil kombiniert. Ich würde die CD nicht Dubstep nennen und fühle mich in dieser Schublade nicht besonders wohl.

TICKET: Vor allem bei dem großartigen Song Love You merkt man deine Vielseitigkeit.

Alex: Danke für das Kompliment. Für mich ist es wichtig, nicht von einem einzigen Sound gelangweilt zu werden. Meine Songs müssen einfach nur gut sein. Welchen Stil ich verwende hängt davon ab, in welcher Stimmung ich am Morgen aufwache. Manchmal setze ich mich ans Klavier oder nehme die Gitarre, manchmal drehe ich den Computer auf und bastle an Beats.

TICKET: Wie schreibst du deine Songs?

Alex: Normalerweise beginnt alles in meinem Schlafzimmer mit der Gitarre. Selten habe ich die Beats am Anfang, 80% der Songs schreibe ich mit der Gitarre. Humming Birds ist eine Ausnahme. Da habe ich die Bass-Line vor mich hin gesummt, immer und immer wieder. Dann haben wir sie mit einem Synthesizer aufgenommen und den Beat dazu entwickelt.

TICKET: Wieso hast du gerade einen Prince-Titel für eine Coverversion ausgewählt?

Alex: Ich liebe seine Musik und wir verdanken ihm viel, was die moderne Produktionsweise betrifft. Er ist eine der ganz großen Legenden. Ich mag den Song When Doves Cry und wollte meine eigene Version machen. Natürlich musste die völlig anders klingen als seine, und ich hoffe, er ist nicht sauer auf mich. Prince mag es ja nicht, wenn man seine Songs covert. Aber ich habe noch nichts von ihm gehört. (lacht)

TICKET: Demnächst gibt’s Live-Shows. Wie lässt sich dein Sound bei Konzerten umsetzen?

Alex: Das ist ganz einfach. Die klassischen Instrumente und die Chöre werden auf eine Harddisk überspielt, denn das wäre zu aufwändig, all diese Musiker mit auf Tournee zu nehmen. Der Bassist und der Keyboarder sind zwei sehr gute Freunde von mir mit denen ich schon lange zusammen arbeite. Die Tour wird sicher ein Riesenspaß!

Interview: Alexander Haide

Live:

Dubstep oder nicht? Am 22. Oktober kann man sich im Wiener Gasometer selbst ein Bild von Alex Clares fantastischer Musik machen.

The Lateness Of The Hour ist am 13. April bei Island (Universal Music) erschienen.

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