Alles Waltz!

In „Big Eyes“, Tim Burtons neuem Film mit Christoph Waltz, zeigt der österreichische Topstar erneut seine Qualitäten.

 

Zu sagen, dass Christoph Waltz gut im Geschäft ist, wäre leicht untertrieben. Zu sagen, dass er einen langen und weiten Weg gegangen ist, bevor er unter den absoluten Superstars ankam, auch. Der große Ruhm, den ihm vor allen seine Oscar-prämierten Glanzleistungen in „Inglourious Basterds“ (2009) und in „Django Unchained“ (2012) einbrachten, kam spät im Leben des 1956 in Wien geborenen Schauspielers, der sich u. a. bei der ORF-Kindersendung „Am dam des“ herumtrieb, ehe er 1981 in Ernst Josef Lauschers zu Unrecht ein wenig vergessenem Film „Kopfstand“ eine Hauptrolle als verstörter Jugendlicher hatte. Peter Patzak besetzte ihn öfters, aber im wesentlichen bestand ein Großteil von Waltz’ Karriere aus Rollen in – mehr oder weniger gelungenen – deutschen bzw. deutschsprachigen Fernsehfilmen und -serien. Kinoauftritte wie in Leander Haußmanns „Herr Lehmann“ (2003) blieben eher klein und spärlich – bis ihn das unergründliche Genie Quentin Tarantino (Wie kommt der Mann auf so eine Besetzung?) als charismatischen Nazi-Fiesling in „Basterds“ ins weltweite Rampenlicht rückte. Wer dachte, Waltz könne diesen Geniestreich keinesfalls toppen, der sah sich getäuscht: Als deutschstämmiger Kopfgeldjäger-Zahnarzt Dr. King Schultz in „Django Unchained“ spielte er den armen Jamie Foxx förmlich an die Wand.
Böser Österreicher
Die Rolle als Oberbösewicht Oberhauser im Bond-Abenteuer „Spectre“ (Kinostart im November) ist ein weiteres Highlight für den Mann, der sich „eindeutig“ als Österreicher deklariert hat, als die Deutschen versuchten, ihn wegen seines deutschen Vaters und wegen seiner Fernsehrollen als einen der ihren zu reklamieren, und der sich kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es darum geht, seinen Landsleuten die eine oder andere unangenehme Wahrheit zu sagen.

Bizarre Realität
Wie gut Waltz ist, kann man nun anhand einer vergleichsweise (!) konventionellen Darstellung bei einem anderen großen Film-Exzentriker überprüfen: Im April startet Tim Burtons Verfilmung der Lebensgeschichte der heute 87-jährigen amerikanischen Malerin Margret Keane (Amy Adams), deren Markenzeichen Menschen mit großen Augen sind (daher der Filmtitel „Big Eyes“). Die Story ist so bizarr, als habe Burton sie erfunden, sie ist aber tatsächlich passiert: Walter, der Ehemann der extrem erfolgreichen Malerin, verkaufte ihre Bilder unter seinem eigenen Namen – eine Art Agreement zwischen den beiden. Nach der Scheidung jedoch beanspruchte Margret den Credit für ihre Bilder, was der Ex-Gatte ablehnte. Ein berühmter Prozess war die Folge, in dem der Richter die beiden aufforderte, eine der großäugigen Figuren zu malen …

Tim Burton gilt als Kenner und Sammler von Keane-Bildern und als erklärter Fan. Einem großen Filmvergnügen steht, zumal bei dieser Besetzung und diesem Regisseur, nichts im Wege.

 

„Big Eyes“ ist ab 23. April in österreichischen Kinos zu sehen.

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