Aloe Blacc – Der Soul-Rapper hinter Avicii

Einen eigenen Song hörte er selbst zum ersten Mal im Campus-Radio auf der Highschool, jetzt kann Aloe Blacc in jedem Land, jede Frequenz aufdrehen und wird auf seine Hits stoßen. Nach Ohrwürmer wie I Need A Dollar oder Love Is Killing Me schallt derzeit der Avicii-Welthit Wake Me Up aus aller Welten Boxen. Beim Plausch mit TICKET merken wir schnell: an Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht.

Wie bist du dazu gekommen, mit Avicii Musik zu machen?

Aloe Blacc: Avicii ist auf mich zugekommen. Er hat einen Soul-Künstler, der auf seinem neuen Album singen sollte. Zunächst fragte er Mike Shinoda von Linkin Park, der sagte: „Du solltest Aloe Blacc darauf haben.“ Daraufhin hat mich Avicii ins Studio eingeladen, wir haben ein paar Songs aufgenommen und ein paar Wochen später rief er an und sagte: „Ich bin gerade im Studio mit Mike Einziger von Incubus, ich möchte gerne, dass du einen Song schreibst und singst.“ Bevor ich dann in das Studio gefahren bin, hatte die Lyrics für Wake Me Up schon in meinen Notizen. Als ich da war, war Mike Einziger an der Gitarre und spielte die Musik für Wake Me Up, ich sang und wir nahmen es auf. Avicii nahm die Akustik-Version und machte einen Dance-Hit daraus.

Da gab es bestimmt ein paar Konflikte?

Aloe: Nein! Wirklich! Avicii vertraute, die besten Lyrics zu schreiben und die beste Melodie zu singen, er vetraute Mike, am besten Gitarre zu spielen und wir vertrauten Avicii den besten Dance-Mix daraus zu machen. Wir stiegen uns nicht gegenseitig auf die Füße, sondern ließen jeden machen, was er am besten kann.

Wie passen Soul, Funk und House zusammen?

Aloe: Funk und Soul passen gut zusammen. Disco ist das erste Beispiel dafür, das ist ein ähnliches Format wie Soul-Elektro. Soul und Funk gingen ja eher in die Disco-Richtung. Aber ich glaube nicht, dass House das neue Disco ist. Es ist nur, wozu alle tanzen.

Lift Your Spirit ist bei Vertigo Berlin (Universal) erschienen.

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Glaubst du, dass deine Texte oder eine einprägsame Melodie wichtiger sind?

Aloe: Eine einprägsame Melodie ist der erste Schritt, aber meine Texte sind wichtiger, weil ich Menschen eine bewusste Idee mitgeben möchte. Aber ohne eine gute Melodie werden sie diese nicht mitnehmen. Es gibt viele Melodien, die Menschen dazu bringen, Dinge zu singen, von denen man nicht will, dass sie deine Kinder singen. Du hörst Kinder Texte singen und denkst dir „Oh mein Gott, ihr wisst nicht, was ihr da sagt.“ Ich bin mir sicher, du weißt, wovon ich spreche. Ich möchte Songs machen, die Ihnen etwas anderes geben. Deshalb sind die Wörter wichtig.

Deine Frau Maya Jupiter ist auch Rapperin. Unterhält ihr euch dann zu Hause in Freestyle-Rap?

© Osher Günsberg Holy Night dieses Jahr in Rap-Version? Aloe ist mit der australischen Rapperin Maya Jupiter verheiratet.

© Osher Günsberg
Holy Night dieses Jahr in Rap-Version? Aloe ist mit der australischen Rapperin Maya Jupiter verheiratet.

Aloe: Das ist etwas, was wir noch nicht ausprobiert haben. Aber gute Idee, das werden wir machen.

Was war das Schrägste, was du jemals von dir selbst gelesen hast?

Aloe: Viele Leute haben gedacht, ich sei aus England.

Weil du so gut angezogen bist?

Aloe: Ja ich glaube Europäer ziehen sich gut an, Amerikaner sind ziemlich schleißig.

Was ist das Seltsamste, das du hier in Österreich gesehen hast?

Aloe: Ist Schnitzel das Seltsamste in Österreich? Es ist schön hier,  Ich mag es. Die Menschen haben mich und meine Musik immer willkommen geheißen. Ich hatte eine meiner Lieblings-Tours durch Österreich, das war die Secret Concert Tour mit meiner Band. Wir waren an seltsamen Orten wie den Tunnel, der nach Italien geht. Der wurde zu dieser Zeit noch gebaut und wir waren mitten drin, um ein Konzert zu geben oder in Wien hatten wir ein Konzert direkt vorm Parlament in einem Zelt.

Wo schreibst du normalerweise deine Songs?

Aloe: Überall. Ich habe Wake Me Up im Flugzeug von Genf nach Los Angeles geschrieben. Ich schreibe oft im Flugzeug oder immer wenn ich reise. Ich summe dann auch die Melodien, was manchmal seltsam ist. Dann gehe ich auf die Toilette, um mich zu verstecken. Dann glauben die Leute manchmal, dass ich jemanden anrufen. Aber nein, ich mache den nächsten großen Welthit.

Wer bestimmt, ob ein Song gut ist?

Aloe Blacc: Nur ich. Ich spiele vielen meine Lieder vor, aber erst, wenn ich beschlossen habe, dass sie gut sind. Dann ist das umso besser.

Und wenn jemand sagt: „Nein, dieser Song ist nicht so toll“?

Aloe Blacc: Dann liegt er falsch (lacht). Ich bin nicht sehr selbstkritisch. Ich bemerke nur, dass ein Song niemals fertig ist. Man hat eine Deadline, bringt den Song heraus und verändert ihn dann auf der Bühne, so wie du ihn haben möchtest. Dann Covern in andere und hören nicht auf, ihn zu verändern. Das ist wie ein Baum, der immer wächst. Wenn du einen Song machst, ist er nicht mehr deiner.

Neujahr ist im Anmarsch. Welche großen Laster wolltest du dieses Jahr loswerden?

Aloe: Naja, mit meinem Vorhaben, Deutsch zu lernen war ich eher schleißig. Ich würde vor allem gerne Österreichisches Deutsch lernen.

Wie feierst du Weihnachten?

Aloe: Weihnachten feiere ich an zwei Orten. Entweder in Sydney oder in Süd Kalifornien, also manchmal ist es ein bisschen sonnig, manchmal richtig sonnig, das hängt von der Hemisphäre ab. Ich hatte schon lange keinen Schnee mehr zu Weihnachten. Ich war auch in der Weihnachtszeit schon in Europa und habe wunderschöne Weihnachtsmärkte gesehen. Das ist eine Tradition, die wir in den USA nicht haben. Ich liebe das hier.

Interview: Astrid Radner

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