American Football: Nichts für Milchmädchen

Nicht nur der Superbowl, sondern auch die Football-Europameisterschaft lockt die halbe Nation vor die Bildschirme. Denn der amerikanische Nationalsport erfreut sich auch hierzulande einer immer größeren Fan- und Spielergemeinde. Wann ein Footballer einen BH tragen muss und was hinter dem Sport wirklich steckt, erzählt uns ein Spieler einer Wiener Football-Mannschaft.

Man müsse schon ein verrückter Vogel sein, um Football zu spielen, meint Bernhard. Seit einem Jahr wirft er sich bereits für eine österreichische Football-Mannschaft der zweiten Liga drei Mal die Woche in die Cornetto-Figur zaubernde Ausrüstung. Wie viele Tassen im Schrank seiner Teamkollegen fehlen, sieht man etwa direkt vor einem Spiel. Da gibt es unterschiedlichste Vorbereitungsmethoden: Die einen schließen Wetten ab – der Verlierer muss mit rosa Tanga und BH über das Spielfeld laufen –, die anderen hören lautstark Musik – Steve Aoki, Dada Life oder System Of A Down wären besonders empfehlenswert – manche schreien sich auch einfach nur an. Wichtig ist in dieser Phase vor allem eines: in eine aggressive Stimmung zu kommen.

Ein passender Ohrenschmaus hierfür:

Brutal, aber mit Hirn

Denn beim American Football geht es richtig zur Sache. „Blaue Flecken, vor allem auf den Oberarmen sind ganz normal“, meint Bernhard achselzuckend. Er ist spielt im Offense als O-Liner, blockt die Gegner (Defense) beim Versuch den eiähnlichen Lederball in die Endzone zu bringen, zu blocken oder schiebt sie auf die Seite. Nicht zurückzucken, einfach den Gegner rammen, gegen seine Instinkte arbeiten und den Kopf ausschalten. Das sei eines der schwierigsten Dinge für den Offens. Nicht ein eher langweiliger Job? Natürlich schüttelt Bernhard vehement den Kopf „Das ist schon enorm wichtig, man

muss taktisch aufpassen und den Quarterback verteidigen.“ Ah der Quarterback! In welchem High School Film wird kein Tamtam um ihn gemacht. Kein Wunder! Er bekommt den Ball nach Anpfiff zuerst, managed die Taktiken des Spiels und hat alles im Überblick. Er hat drei Möglichkeiten: selbst mit dem Ball Richtung Endzone zu laufen und einen Touchdown zu liefern, den Ball an die Ballträger (Running Backs) oder die Pässe fangenden Spieler (Receiver) übergeben. Außerdem kann er die Spielstrategie während des Gefechts ändern.

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Österreichisches Team vorne dabei

Dieses Jahr wird außerdem die 13. EM-Endrunde, nach der WM 2011, wieder in Österreich ausgerichtet werden. Die Schauplätze: Die UPC-Arena in Graz, die NV Arena in St. Pölten und das Ernst-Happl-Stadion in Wien. Österreich hat in Footballkreisen außerdem einen besseren Ruf, als im anderen, namensverwandten Fußsport. „Innerhalb Europas hat Österreich im Football eine gute Stellung“, meint auch Bernhard. Österreichische Football Teams, allen voran die Vienna Vikings und die Raiders Tirol, sahnten in den letzten Jahren im Eurobowl ab. An die US-Spieler kommt man in Europa jedoch nicht heran. „Das liegt vor allem daran, dass die Spieler in Europa keine hauptberufliche Footballer sind und deshalb auch nicht bezahlt werden. Trotzdem sind die Spiele wahnsinnig spannend“, sagt der Kenner.

 © Hebert Kratky "Football hat viel mit Intelligenz zu tun." Das heimische Nationalteam beim Nachdenken.

© Hebert Kratky
“Football hat viel mit Intelligenz zu tun.” Das heimische Nationalteam beim Nachdenken.

Football-Mythen

Für einen ungeübten Zuseher geht dabei zunächst alles schnell – 10 Sekunden Spiel, 20 Sekunden Unterbrechung, das 4 mal 12 Minuten: „Oft ist man am Anfang überfordert. Am besten einfach dem Ball folgen“, rät Bernhard. So einfach ist es jedoch auch wieder nicht. Einer der größten Football-Mythen sei es, dass man zum Spielen ausschließlich Muskelmasse benötigt. Bernhard klärt auf: „Vor allem geht es um Intelligenz. Und Taktik“. Zumindest für O-Liner kann aber auch das nötige Körpergewicht zum Blocken nicht schaden. Spieler können da schon einmal 150 Kilo haben. Der Tipp eines typischen Football-Mahls nach amerikanischer Tradition deshalb: „Ein richtig fetter Burger“. What else?

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