Anastacia rambles on!

Led Zeppelin veröffentlichte soeben Celebration Day, die Foo Fighters gingen auf Hiatus und die Rolling Stones rockten um 8 Millionen Euro für Finanzguru Carmignac. Aerosmith reisen in „andere Dimensionen“ und Bon Jovi in die Krieau. Allen gemein ist: Ihnen und vielen mehr zollte Anastacia mit It’s A Man’s World Tribut.

In It’s A Man’s Man’s Man’s World beschreibt James Brown ein Weltbild, in dem der Mann für Produktivität verantwortlich zeichnet, dennoch aber auf die Frau im Hintergrund angewiesen ist. Wie weit hat sich dieses Rollenbild heute verschoben?

Cover von It´s A Man´s World

Cover von It´s A Man´s World

Anastacia: Auch heute noch sind Frau und Mann aufeinander angewiesen, die Positionen sind jedoch ausbalancierter als anno dazumal. Nehmen wir dazu als Mikrokosmos mein neues Album, an dessen Spitze mit mir zwar eine Frau steht, die aber auf männliche Mitspieler angewiesen war – angefangen bei Produzent Glen Ballard über meine Musiker und natürlich all jene, die die Songs eigentlich geschrieben haben.

Abgesehen von offensichtlichen optischen Merkmalen – wodurch unterscheiden sich Mann und Frau?

Anastacia: Auch in unserer hormonellen Ausrichtung unterscheiden wir uns erheblich, verarbeitet unser Hirn die Umwelt unterschiedlich; dadurch bleiben Mann und Frau in Balance.

Es fällt auf, dass für It’s A Man’s World Bands ausgewählt wurden, die nicht „nur“ aus Männern, sondern „wahren Kerlen“, aus Testosteron geladenen Bullen bestehen. Beabsichtigt?

Anastacia: Nein, ich habe die Künstler nicht aufgrund ihres Habitus ausgewählt – auch wenn ich gestehen muss, dass ohne ihren Charakter diese Stücke so freilich nie geschrieben werden hätten können. Mir ging es jedoch vielmehr um die Zähfestigkeit, der Kampf des Lebens und Überlebens, als um den sexuellen Faktor, den sie implizieren …

Das Spektrum der präsentierten Songs und Künstler ist ein breites, wenn auch unter „Rock“ in eine Schublade pressbar. Wie passierte die Auswahl jener Stücke?

Anastacia: Hier muss man Glen Anerkennung zollen – ich habe ihm ein schier endloses Spektrum vorgelegt, er hörte sich durch hunderte Songs durch und reduzierte die Auswahl auf etwa 50 Stücke. Aus diesen suchten wir dann gemeinsam jene aus, die schlussendlich den Weg auf das Album fanden, wobei hier die Texte die letzte ausschlaggebende Zündung gaben – ich muss vertreten können, was ich singe.

Wo lagen die Herausforderungen bei ihrer Interpretation?

Anastacia: Fremde Stücke zu singen ist generell eine Herausforderung, umso mehr bei Klassikern wie diesen. Diese Schwierigkeit hatten alle Stücke gemein – sie nach mir klingen zu lassen ohne respektlos mit dem Original umzugehen.

Also kurz: Der Versuch, Bon Jovi, Steven Tyler, Mick Jagger und Co. „das Wasser zu reichen“?

Anastacia: Ich wollte zumindest keinen Bruch erzeugen, ihren Charakter abändern. Mein Ziel war es, das Original um meine Stimme zu bereichern, hoffend, dass die Songs schlussendlich sowohl isoliert wie auch im Vergleich betrachtet „gut“ kommen.

Haben sich die Verfasser zu deinen Versionen bereits geäußert?

Anastacia: Noch nicht, aber ich hoffe sehr auf Gefallen!

Wie sehr verändert eine Interpretin den Charakter der Stücke?

Anastacia: Ich bezeichne meine Schublade gerne als „SPRock“, eine Abkürzung für Soul, Pop und Rock – und gerade derart ikonische Bands wie jene, die auf It’s A Man’s World zu finden sind, können als kraftgebende Basis meiner Musik gesehen werden. Es ist also vermutlich eine „logische Weiterentwicklung“, wenn du so willst …

Es mag vielleicht ungewöhnlich erscheinen, dass du auf AC/DC und Konsorten abfährst. Was wäre denn die abstruseste Platte in deiner Kollektion?

Anastacia_Corvette_010_v01AAnastacia: Als ich Kind war, war meine Mutter am Theater engagiert und demnach finden sich zahlreiche Bühnenmusiken in meiner Sammlung. Das mag einige vielleicht verwundern.

Zahlreiche Künstler produzieren Cover-Alben nicht nur, um ihre Wurzeln zu ehren, sondern auch um wieder in den eigenen Schreibprozess zu finden. War dies auch bei dir der Fall, liegt Heavy Rotation nun doch schon vier Jahre zurück?

Anastacia: Eigentlich wollte ich meine neue eigene CD vorziehen, aufgrund meiner Teilnahme an der Night Of The Proms (im Dezember auch in Deutschland, gemeinsam mit Mick Hucknall von Simply Red, u.a. – Anm.) fand BMG es ein besseres Timing, das Cover-Album vorzuziehen. Ich glaube, die Entscheidung war gut und richtig, weil diese intensive Auseinandersetzung mit meinen Wurzeln meinem eigenen Sound einen neuen Feinschliff, eine Auffrischung verpasst hat.

Welche Männer du wertschätzt, konnten wir ja hören – welchen Frauen zollst du Respekt?

Anastacia: Tina Turner, Bonnie Raitt, P!nk, Melissa Ethridge, Georgia, Adele, Céline Dion und Cher neben vielen anderen!

Von wegen Cher: Dein Album It’s A Man’s World folgt einer ähnlichen Idee wie Chers Album mit demselben Titel. War selbiges Initialzünder?

Anastacia: Bisher wusste ich ob des Albums gar nicht Bescheid (lacht), aber danke für die Information! Cher ist eine starke Frau und dafür bewundere ich sie sehr – und neben dem Titel vielleicht die einzige Gemeinsamkeit, die uns verbindet.

Weil du zuvor dein neues Album angesprochen haben – was wird hier zu erwarten sein?

Anastacia: Anastacia pur! Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich It’s A Man’s World und die Tour noch auf den Feinschliff der Stücke auswirken werden!

Männer Mitte 40 befinden sich gerne in einer Midlife-Crisis. In welchem Lebensabschnitt befindest du dich?

Anastacia: Auch wenn ich 44 bin ist keine Krise in Sicht! Künstlerisch befinde ich mich gerade am Zenit meines Schaffens, was It’s A Man’s World und mein Album kommendes Jahr wohl zeigen werden – sie strahlen Zufriedenheit, Freude und Dankbarkeit für all die Möglichkeiten, die mir offenbart werden, aus. BMG unterstützte mich hier vollends in meinen kreativen Entscheidungen, vertraute auf mich, stärkte mich und machte so meinen Kopf frei, mich ganz meiner Musik widmen zu können …

Interview: Stefan Baumgartner
 

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!