Andrea Berg

Das Showgeschäft ist ein eigener Planet und wenn es um das Thema Erfolg geht, dann wird da gerne geklappert bis die Ohren dröhnen. OK, das gehört zum Handwerk, aber da, wo ganz ohne Klappern die Halle bis zum Anschlag voll ist, die CDs wie warme Semmel weggehen, da ist der wahre Erfolg zu Hause. So wie bei Andrea Berg!

Freitagnacht. Die Tanzfläche ist brechend voll. Der DJ hat die Lage gut im Griff. Die Kugel mit den kleinen Spiegelstückchen, die unter der Decke rotiert, jagt bunte Lichter wie farbige Schneeflocken durch die Disco. Aus den Boxen groovt der Foxbeat in einer Art rhythmischen Sanftheit, denn es ist Tanzabend und nicht Clubbing. Friday Night Fever, so wie es von Bodensee bis Neusiedlersee jedes Wochenende in all den Tanzstadln, Tennen, Tanzbars abgeht. Ein Stern, der deinen Namen trägt ist genauso Fixstarter wie Zieh dich an und geh, aber irgendwann, im Lauf der Nacht, geht dann der Schlagerpunk ab: Das ganze Lokal singt laut: „Du hast mich tausend Mal belogen, ich bin mit dir so hoch geflogen, doch der Himmel war besetzt. Du warst der Wind in meinen Flügeln, hab so oft mit dir gelacht … Ich würd es wieder tun mit Dir heute Nacht“. Das Lied, ein Superhit. Die Stimme zu dem Song, sie gehört Andrea Berg. Frau Berg ist – womit wir nun beim Thema Erfolg wären – das, was man mit guten Gewissen einen Superstar bezeichnen kann.

Andrea Berg beim Amadeus Award 2005.

Andrea Berg beim Amadeus Award 2005.

Schlagerstar und Hotelier. Andrea Berg, Jahrgang 1966, ist, gemessen am Plattenverkauf, der in Deutschland und Österreich erfolgreichste deutsche Gesangsstar aller Zeiten. Bisher – und das wird sich auch noch lange ausgehen, dass sie das bleibt. Die Berg ein Phänomen? Nein, kein Phänomen, sondern das Ergebnis kontinuierlicher, harter Arbeit, aufgebaut auf dem, was im Showgeschäft die tatsächliche, harte Währung ist: Authentizität. Es ist sinnlos darüber zu schwadronieren, wer die über 12 Millionen Tonträger gekauft hat, die sie in der Bilanz stehen hat, oder über die Tatsache, dass ihr Best Of-Album seit nahezu 560 Wochen in den österreichischen Charts steht, also seit über 10 Jahren (!) hierzulande jede Woche neue Käufer findet. Es ist wie es ist und das ist gut so, denn es kommt bei Andrea Berg alles ohne großen Hype daher. Bodenständigkeit ist die Devise. Daheim in Kleinaspach, ein Ort in der Nähe von Stuttgart, führen Frau Berg und ihr Mann Uli Ferber das Hotel Sonnenhof, wo man sie auch schon einmal dabei erleben kann, wie sie den Gästen den Frühstückstisch deckt. Und zwar nicht nur wenn die Yellow Press zur Home-Story anrückt. Da schreibt sie auch ihre Kochbücher (Meine Seelenküche) und kümmert sich um ihre Tiere. Alles ganz normal bei Ferbers.

Nackter Vamp. Auf der Bühne und den Pressefotos hingegen, da regieren Overknees und Netzstrümpfe, High Heels, Mini Rock und Leder. Die rothaarige Berg als Vamp? Einem Reporter vom Stern diktierte sie vor fünf Jahren ins Mikro: „Als 42-jährige Frau muss man sich anstrengen, damit die Männer einem hinterhergucken.“ Die männlichen Besucher der Shows freut’s, den weiblichen Fans macht es Mut und so ist alles nicht so heftig wie es am ersten Blick daherkommt. So sind auch die neulich aufgetauchten Nacktfotos, aufgenommen in den frühen 90er Jahren, nicht der programmierte Skandal, als den ihn der Urheber gerne gesehen hätte. Ein kurzes Rauschen im Blätterwald, mehr war es nicht.

Atlantis – Das Reisetagebuch des Lebens. Das neue Album von Andrea Berg erscheint am 6. September und wird den Titel Atlantis tragen. Warum Atlantis? Die Plattenfirma erklärt dazu: Im Reich von Atlantis hat der Verstand keinen Zutritt. Der interessiert sich nämlich nur am Rande für das, was Andrea Berg in ihren Liedern ansprechen will: das Gefühl. „Ich bin jetzt eine Frau in den besten Jahren“, sagt sie selbst, „mir ging es nie besser als jetzt und das ist die Botschaft: Der beste Moment ist immer jetzt.“ Das Album ist auch als Reisetagebuch des Lebens zu verstehen. Dazu Andrea Berg: „Das Leben anzunehmen wie es wirklich ist, ist die einzige Chance glücklich zu sein. Nur wer die Dunkelheit erfahren hat, tritt voller Demut und Dankbarkeit ins Licht.“

http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=gwslaM6ZCoc

Über das Leben, die Reise bis zum Ende, erfährt die Sängerin regelmäßig bei ihrer Arbeit im Hospiz. „Das erdet mich“, sagt sie, „dort bin ich kein Star, sondern ein ganz normaler Mensch.“ Atlantis wird ein Doppelalbum. Dazu erscheint für die Hardcore-Fans eine handsignierte, limitierte Sammlerbox. „Darin finden sich das Premium-Album, also CD und DVD, hochwertige Fotodrucke, ein Kalender, ein Film von der Show Heimspiel mit einem Blick hinter die Kulissen sowie ein Making Of unseres spektakulären Unterwasser-Fernsehspots“, verrät die Sängerin. Unterwasser-Spot? Doch, die Berg als Nixe. Das Foto dazu ziert auch das Cover der CD.
Produziert hat Atlantis der Pop-Titan Dieter Bohlen. 17 Mal Gold haben die beiden mit ihren gemeinsamen zwei CDs bisher eingespielt. Ob es eine dritte CD geben wird, wo Berg und Bohlen zusammenarbeiten, schien eine Zeit lang mehr als fraglich. 2012 haben sie das Ende der musikalischen Partnerschaft verkündet, worauf in den Buntblättern bereits die wildesten Spekulationen blühten und sogar Lionel Richie als zukünftiger Producer verdächtigt wurde. Alles wieder anders 2013. Bei DSDS war sie zu Gast und ab dem Moment war klar: Berg und Bohlen lassen die versunkene Insel Atlantis gemeinsam wieder auftauchen. Never change a winning team.

Ehemann Ulli und Andrea Berg: Zusammen betreiben sie ein Hotel in der Nähe von Stuttgart

Das Erfolgrezept. Andrea Berg singt oft in ihren Lieder von den Situationen, die meist sehr wehtun: Vom Verlassenwerden. 1000 Mal belogen ist die Hymne jener, denen die Liebe abhandengekommen ist. Bei dem Lied lässt sich der Herzschmerz wegtanzen. Bei einer Scheidungsrate von rund 50 Prozent ist die potentielle Zielgruppe schier unerschöpflich und für die Zukunft gesichert. Andrea Berg singt über Ängste und Zweifel, aber auch über Glücksmomente, Wunder, Träume. Das, gepaart mit dem stets präsenten Fox-Rhythmus, ist ein sicherer Bringer in den Diskotheken.

Strapse und Pippi Langstrumpf. „Bei der letzten Deutschland-Tournee habe ich immer einen einzelnen Straps aus meinem Stiefel rausgucken lassen. In Anlehnung an Pipi Langstrumpf, die auch immer einen Strumpfhalter getragen hat. „Einige finden das frivol, andere sehen darin einen Ausdruck von Lebensfreude.“, so Andrea Berg zu einem Reporter der Bild. (Andy Zahradnik)

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