Applaus für Hellers neues “Afrika! Afrika!”

Von der Zeltshow zum Theaterereignis: Österreichs künstlerischer Tausendsassa Andre Heller hat seinen einstigen Showerfolg “Afrika! Afrika!” grundlegend überarbeitet und aus einem auf Artisten fokussierten Zirkus ein multimediales Ereignis kreiert. Am Dienstagabend feierte die neue Show im deutschen Baden-Baden ihre umjubelte Uraufführung als Auftakt einer großen Tournee.

Diese bringt das energiegeladene Event auch in sieben österreichische Städte. Da die zweite Ausgabe von Heller speziell für Theaterbühnen erarbeitet wurde, gastiert man etwa in Salzburg im Haus für Mozart oder im Bregenzer Festspielhaus.

Herzstück der Neuinszenierung ist eine 140 Quadratmeter große LED-Leinwand, die mit beinahe dreidimensionalen Effekten überrascht und die 20 einzelnen Acts mit kleinen Geschichten untermalt. Mal huscht Josephine Baker über die Leinwand, mal ein Ausschnitt aus Rene Clairs dadaistischem Meisterwerk “Entr’acte” und dann wieder afrikanische Wildtiere. Die minimalistischere Präsentation der hochkomplexen Artistiknummern der ersten Ausgabe weicht somit einem multimedialen Kunstwerk, auch wenn der Fokus weiterhin auf den Darstellern mit ihren teils atemberaubenden Fähigkeiten liegt.

So haben Heller und sein Choreograf Georges Momboye erneut Schlangenmenschen mit offensichtlich nicht-menschlichem Knochenbau, Jonglierer mit Ball, Tisch und Vasen oder Handstandakrobaten mit offensichtlich nicht-menschlichem Muskelbau vereint. Die Basketball- und Hip-Hop-Kultur kommt zu ihrem Recht, wenn der klassische Breakdance durch Künstler aus Südafrika der aus Brooklyn stammenden neuen Variante “Bonebreaking” gegenübergestellt wird. Als Meister des Balles erwies sich die Gruppe Acrodunk, die spektakuläre Basketballartistik zeigt.

http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=5AqdBet2ZdE

Als verbindendes Band durchzieht wieder Musik und Tanz das Geschehen, wenn die gestenreichen Tänze des Senegals mit den schnellen Füßen der Elfenbeinküste kontrastiert werden oder der Protest von Diamantminenarbeitern sich zum Gumboot-Tanz wandelt. So bedient natürlich auch “Afrika! Afrika!” Klischees des Kontinents, wenn auch die positiven: Alle tanzen stets und sind gut drauf, während im Hintergrund Zebras über die LED-Leinwand huschen. Allerdings wirkt diese Energie und Kraft so ansteckend, dass letztlich auch das distinguierte Publikum des Baden-Badener Festspielhauses zu stehenden Ovationen hingerissen wurde. Und Heller wurde von seinen Darstellern auf Händen, sprich auf Schultern getragen.

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Quelle: APA

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