Aus Liebe zum Beat

Electric Love

Alles nur Unz-Unz-Unz? Von wegen! Elektronische Musik hat in Österreich ihre wachsenden Fanscharen, Electric Love Festival und Co. machen es vor. Das liegt nicht nur an den Beats selbst, sondern vor allem an dem Lebensgefühl, das sie vermitteln.

EL2_Klemen Stular

EDM oder Trance, Dub oder Downbeat, Drum ’n’ Bass oder Minimal – die Zeiten, in denen elektronische Musikrichtungen allesamt als „Elektro“ vereinheitlicht wurden, sind lange passé. Zu dem Genre Techno haben sich weitere Genres hinzugesellt, nicht zuletzt wegen ihres kleinsten gemeinsamen Nenners: tanzen, als gäbe es kein Morgen. Genau darum geht’s bei der Liebe zum Beat, die in Österreich ungebrochen bleibt. Das wissen auch Nachwuchs-Beatbastler und Veranstalter, denn das Event-Angebot wird immer kreativer, die Locations immer opulenter. Laute Beats etwa im ehrwürdig-kirchlichen Ambiente? Die Veranstaltungsreihe Electric Church in Stephansdom, Mariendom und Co. boomt – im wahrsten Sinne des Wortes – so sehr, dass selbst Dompfarrer Toni Faber zum Fan wurde. Sogar die noble Wiener Balltradition hat die elektronische Szene erobert, statt „Alles Walzer“ heißt es „Alles Techno“ am Technoball.

Lebens- und Liebesgefühl

Woher kommt die Faszination? Sich von den rhythmisch-monotonen Beats und deren Trance-Wirkung in Kombination mit bunten Visuals mitreißen zu lassen, macht einen wesentlichen Reiz aus. Dieser Effekt wird in einer Menschenmenge noch verstärkt, man zelebriert das gemeinsame „Loslassen“. Nicht umsonst fallen bei elektronischer Musik häufig Schlagworte wie „Liebe“ und „Friede“. Seinen Ursprung hatte dieser Leitgedanke bereits in der Techno-Bewegung der 1990er-Jahre, als mit der berühmten Loveparade in Deutschland erstmals das Motto „Love, Peace & Unity“ oder auch „Friede, Freude, Eierkuchen“ aufkam – und man sich nicht mehr als Underground, sondern als futuristisch-avantgarde „neue Hippie-Bewegung“ sah. Ideale der Liebe und neue Formen der Selbstentfaltung wurden propagiert, Offenheit und Ausgelassenheit zur Schau gestellt, was auch durch ausgefallene Formen in der Mode – man denke an die schrillen Neonfarben – ausgedrückt wurde.

Seinen Höhepunkt hat dieses Lebensgefühl in ekstatischen Raves, die neben ohrenbetäubenden Klängen auch eine ordentliche Dosis Serotonin (a.k.a. Glückshormon) entladen. Und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Denn nach wie vor stehen bei Events rund um elektronische Musik (ganz gleich welchen Genres) neben gesellschaftspolitischen Botschaften vor allem Hedonismus und der Fun-Faktor im Vordergrund – Ausgelassenheit, die verbindet. Und dass dabei als Ergänzung mitunter auch die eine oder andere berauschende Substanz konsumiert wird, ist ebenso kein Geheimnis.

All You Need Is (Electric) Love

Den „Love & Peace“-Gedanken griff man ebenfalls beim Electric Love Festival auf, „drei Tage voller Liebe und Musik” werden auch dort versprochen.

Wobei das Festival nicht unbedingt aus einer weltverbessernden Gesinnung entstand: Alles begann an der HTL Salzburg, wo der party-affinen Jugend jahrelang der Schulball verwehrt wurde. Kein Zustand, befand eine Freundesgruppe rund um die Salzburger Thomas Priewasser und Tim Moser, woraufhin sie die Planung kurzerhand selbst übernahmen – und 800 Tanzwütige auf ihrer „Semester Ending Party“ versammelten. Das war die Geburtsstunde der Firma Revolution Event, die heute das Electric Love ausrichtet. „Wir wollten eines der größten Electronic-Festivals aufziehen, das man in Österreich je gesehen hat“,  so ihr Ziel. Das Vorhaben ist gelungen: Im Billboard-Ranking landete es 2015 auf Platz 9 der „25 European Dance Music Festivals You Can’t Miss“. 45.000 Beat-Liebhaber aus 44 Nationen strömten im vergangenen Jahr zum restlos ausverkauften Gelände am Salzburgring – pro Tag. Und 2016 dürfte sich der Erfolg wohl wiederholen

 

„Drei Tage voller Liebe und Musik“ verspricht das Electric Love Festival im Juli am Salzburgring, mit dabei sind u. a. Hardwell, Brennan Heart, Headhunterz und Odesza. Bereits zum Monatswechsel Juni/Juli lädt das Nu Forms im burgenländischen Wiesen mit Künstlern wie AndyC, Maduk, Current Value, Black Sun Empire, Rockwell und vielen mehr zum Erdbeerklauben und gemeinsamen Vernaschen ein. Ende Juli lädt der Schwarzlsee in Unterpremstätten bei Graz dazu ein, im Rahmen des Lake Festivals zu Klängen von Dimitri Vegas & Like Mike, Martin Garrix, Gudrun von Laxenburg und anderen in den knappen Bikini und die Badehose zu schlüpfen. Den Jahresabschluss bildet, am 25. Oktober, das Beatpatrol in St. Pölten – u.a. mit Scooter. Notiz am Rande: Diese Saison fällt das alljährliche Urban Art Forms leider aus.

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