BEAT IT! – Eine Hommage an Michael Jackson

Beat It

Mit BEAT IT! kehrt Pop-Mythos Michael Jackson auf die (österreichischen) Bühnen zurück – naja, fast zumindest. Dabei ist das Gebotene ein Hybridwesen wie der Ausnahmekünstler selbst: Musical, Popkonzert der Superlative und Tribut-Show zugleich.

Beat ItDas musikalische Glücksrad der Jukebox-Musicals dreht sich munter weiter: Nach Rainhard Fendrich, Udo Jürgens, ABBA und Whitney Houston ist jetzt der King of Pop höchstpersönlich an der Reihe: „BEAT IT!“ huldigt, anlässlich des 60. Geburtstags von Michael Jackson, die unvergleichliche Karriere des Weltstars. Da dürfen natürlich alle großen Hits nichts fehlen, von den Jackson 5-Disco-Krachern wie „ABC“ bis zu Stilprägendem wie „Billie Jean“, „Black or White“, „Thriller“, „BAD“ oder, logisch, „Beat It“. Und weil es ja quasi ein Geburtstagsfest ist, bei dem man so viele Freunde einlädt, wie nur geht, um den Gefeierten hochleben zu lassen, ja, ihm eine (gar nicht so letzte, denn wie wir alle wissen ist Michael unsterblich und lebt wahrscheinlich sogar noch!) letzte Ehre zu erweisen, geht’s bei „BEAT IT!“ genauso spektakulär, laut, atemberaubend und magisch realistisch zu, wie es einem Pop-Phänomen wie Jackson nun mal gebührt.

Zeitlose Schönheit in modernem Tribut-Gewand

Strenggenommen (muss ja auch manchmal sein!) ist „BEAT IT!“ kein Musical, sondern präsentiert sich viel mehr im Gewand eines gigantischen Jackson-Tribut-Konzerts. Die Spielszenen beschränken sich, vor allem im ersten Teil, auf ein Minimum, dafür gibt’s Diana Ross als Diva-Mama und etwas zum Weinen und Lachen gleichzeitig. Das Publikum wird immer wieder direkt angesprochen, es ist bisserl eine Märchenstunde, nur nicht fad. Erzählt wird die unvergleichliche Karriere Michael Jacksons, angefangen als Frontman der Family-Boyband „Jackson 5“ bis hin zu Hits wie „What about us“ und „Man in the Mirror“, hinter denen so viel mehr steckte als pure Unterhaltung und in eingängigen Melodien verpackter künstlerischer Perfektionismus – vielmehr wollte Jackson damit die Welt verändern, sie zu einem „better place“ machen. Choreographien, Outfits und Bühneneffekte stehen echten Jackson-Konzerten um (beinahe) nichts nach und lassen all die überbordenden, auch für uns selbst nicht immer ganz begreiflichen Emotionen, die Jackson während seines Hypes in uns auslöste, wieder aufleben. Die vielleicht größte Leistung eines Tribut-Abends.

Hier wurden keine Kosten und Mühen gescheut, Erfolgsproduzent Oliver Forster (u. a. „FALCO – Das Musical“ – der Gute kennt sich mit Exzentrikern also ganz gut aus!), Andreana Clemenz (Show Director), Alex Burgos (Choreograph) und Marin Subasic (Musical Director), unterstützt von Star-Choreograph Detlev Soost, üben sich bei „BEAT IT!“ nicht in vornehmer Zurückhaltung oder eleganter Bescheidenheit, dafür umso mehr in Authentizität, die im Verlauf des Abends immer wieder im Prunk, bisserl Prahlerei und durchaus auch Pathos baden darf: Wenn Jackson das erste Mal seinen Glitzerhandschuh anlegt und die berühmte Pose einnimmt, dann hat dieser Moment etwas Biblisches, so, als ob Jesus gerade die Blinden heilt oder Moses die 10 Gebote für sich entdeckt. Einer der Highlights ist, neben dem Geschwister-Power-Duett „Scream“ und dem futuristisch inszenierten „Smooth Criminal“, sicherlich die Szene, in der Jackson gemeinsam mit all seinen Vorbildern (von Chaplin bis Brown) auf der Bühne eine heiße Sohle aufs Parkett legt und in diesem Moment eine Figur der Kunst erschafft, die schon bald zur Kunstfigur werden sollte.

Wir schämen uns plötzlich, uns in den letzten Jahren mit zweitrangigem Pop und Schunkel-Schlager-Musi zufrieden gegeben zu haben, wenn es doch larger-than-life Songs wie jene von Jackson sind, welche die wahre Essenz von Popmusik, nein, von Musik im Allgemeinen, ausmachen, einfangen, leben, moonwalken, glitzern, den Interpreten zum Heiland alles Musikalischen dieser Welt erheben, eindrucksvoll, totalitär und magisch realistisch. Denn, das wird einem bei „BEAT IT!“ einmal mehr bewusst: Jacksons Songs sind von einer derart zeitlosen Schönheit und Attraktion, ja Zauber, dass sie tatsächlich auf ganz eigenartige und dafür umso faszinierendere Weise aus der Zeit gefallen zu sein scheinen. Da muss man tatsächlich den ach so berühmten Jackson-Hut ziehen.

Imitation aus der Ferne – und doch so nah

Zum Zauber des Tribut-Musical-Konzerts tragen natürlich erheblich die Jackson-Imitatoren (!) bei. Die „BEAT IT“-Macher haben sich nicht bloß mit einem (puh, das könnte ja jeder!) zufriedengegeben, sondern mit Dantanio Goodman als der erwachsene und Koffi Missah als der junge Michael gleich zwei der weltbesten Jackson-Imitatoren ins Boot und auf die Bühne geholt. Beide schaffen es, so gut es uns Normal-Sterblichen eben möglich ist, Jacksons „Sowohl-Als-Auch“ auf die Bühne bringen (androgynes Fabelwesen genauso wie moderner Peter Pan und Hybridgestalt) sowie natürlich dessen Tanzstil (ein komplexer Cocktail aus Rhythmik, Schwebezustand, Moonwalk und Genitalien-Betätschelung) und 3,5 Oktaven-Stimmakrobatik einzufangen und zum Leben zu erwecken. Manchmal gleichen all die Kiekser, Lustschreie, das engelsgleiche Falsetto und die grotesken Hihi-Artikulationen sogar so stark dem Original, dass man sich mitunter nicht sicher ist, ob der Gesang nicht doch vom Band stammt. Tut er nicht – dafür sorgt eine grandiose Live-Band, die uns zum Schluss sogar vorgestellt wird (womit einmal mehr die Konzert- und weniger die Musical-Atmosphäre unterstrichen wird).

Natürlich, die Kopie ist nicht das Original (aber hey, bei der ABBA-Tour gibt’s nur Hologramme, also sind wir hier eh schon gut dran!). Um genau das so gut wie möglich vergessen zu machen und die Illusion zu fördern, dem Realen anstatt der Imitation beizuwohnen, griffen die Macher zu einem klugen Kunstgriff: Sowohl Goodman als auch Missah sprechen die gesamte Aufführung (zumindest bis zum groooooßen Finale) kein einziges Wort, keine Dialoge, kein Nichts, das irgendwie eben diese für eine Tribut-Show so wichtige Illusion zerstören könnte. Sie singen und tanzen sich die Seele aus dem Leib, rühren auch oder gerade weil ohne viel Worte auskommend, zu Tränen. Ein Musical, in dem der Hauptdarsteller nichts spricht? Hey, wir sind schließlich bei einem Michael Jackson-Abend, da geht alles! Zudem, und das ist genauso mutig wie anziehend zugleich, nähert sich „BEAT IT“ dem Jackson-Mythos nicht nur mit großem Respekt, sondern auch ungewöhnlich distanziert: Wir erleben Jackson durch die Augen seiner Geschwister (Egomane! Weltverbesserer! Talent!), seiner Fans (Gott!; Gänsehaut-Moment, als Original-Footage von kreischenden und weinenden Fans eingeblendet wird!), seiner Tänzer (Perfektionist!), der Presse (Rätsel! Biggest Entertainer of the world! Cashcow!), aber niemals durch die Augen von Jackson selbst – zumindest nicht bis zur emotionalen letzten Minute, die … ach, besser selbst miterleben!

Natürlich, das Negative, der Fall von Jackson wird nicht ausgespart, aber nur ganz zart gestreift, angedeutet (nochmal: Fast-Finale! Wow!), aber niemals fokussiert. Wir wissen ja eh alle, wie das so war, bei der Geburtstagssause und beim –ständchen spricht man ja auch nicht davon, wie mühsam die Großtante und wie nervig manchmal die kleine Schwester ist. Das mag man jetzt gut finden oder nicht, aber all das trägt dazu bei, dass „BEAT IT!“ nicht nur Jackson als Ausnahmekünstler, sondern auch seinem unsterblichen Mythos gerecht wird.

Party im Publikum

Die wahren Stars an diesem Abend sind aber die Besucher, das Publikum. Die hält es schon ab dem zweiten Song nicht mehr auf den Sitzen, johlen, schreien und klatschen, als ob da tatschlich der echte Michael nur wenige Meter vor ihnen performen würde. Die Fans, von Jung bis Alt, von Frau über Mann bis irgendwas Dazwischen geben sich der Illusion hin, den wahren Michael Jackson noch einmal performen zu sehen. Reisen zurück in eine Vergangenheit, die ihnen so viel bedeutete, ihr Leben veränderte, sie nie mehr losließ – und werden somit erneut Teil eines Hypes, wie ihn die Welt davor und danach nicht mehr gesehen hat. Damen mit weißen Anzügen und Glitzerhüten schnipsen, schwingen und schunkeln in den Sitzen mit, ein kleiner Bub, ebenso komplett im Jackson-Outfit gehüllt (inklusive Glitzerhandschuh!) übt sich in der Pause gewissenhaft an einigen der Jackson-Signature-Moves.

Kein anderes Jukebox-Musical löst derart überschäumende Emotionen beim Publikum aus wie „BEAT IT!“ und schafft es, die Magie des gehuldigten Künstlers noch einmal zum Leben zu erwecken. In Zeiten von generalisiertem Misstrauen, Narzissmus, Angst, Feindseligkeit und Ausgrenzung erblüht an diesem Abend ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das nicht jeder verstehen muss, es deshalb aber nur umso besonderer macht. Kollektives Umarmen, Erinnern, Nachdenken, Trauern und Feiern: Michael Jackson wäre stolz gewesen.

„BEAT IT!“ gastiert im Februar in Salzburg und Graz, im März in Bregenz, Innsbruck, Wien, Linz und Wiener Neustadt. Für Graz, Innsbruck und Wien sind ticketPLUS+ Dinner-Angebote verfügbar. Tickets gibt es bei oeticket.com.

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