Beatpatrol: Can’t Stop the Hardcore

beatpatrol

Seit über zwei Dekaden im Business, und noch kein bisschen leiser: Kaum eine Band nimmt im deutschsprachigen Raum einen ähnlichen Status wie Scooter ein. Fans können sich am Beatpatrol Festival auf ein Wiedersehen mit H.P. Baxxter und Co. freuen.

BeatpatrolMan kann sie lieben oder hassen, Fakt ist: Die oftmals viel bemühte Bezeichnung „Kultband“ trifft auf die deutsche Rave-Techno-Formation Scooter wie die Hyper-Faust auf‘s Auge. Denn lässt man ihre bereits über 20 Jahre andauernde Karriere Revue passieren, muss man sich anstrengen, eine andere deutschsprachige Band mit ähnlichen Erfolgen zu finden: Über 30 Millionen verkaufte Tonträger gingen seit ihrer Gründung anno 1993 über den Ladentisch, der große Durchbruch kam bereits 1994 mit der Stampf-Hymne „Hyper Hyper“, die europaweit zum Hit wurde – kein Wunder, war es doch die Blütezeit von Loveparade und Co. Der Song wurde zum Techno-Party-Schlachtruf für eine ganze Generation, Scooter manifestierten sich als Herrscher am Beat-Olymp, ohne als One-Hit-Wonder zu versauern. Im Gegenteil: Bis 2014 veröffentlichten sie insgesamt 17 Alben mit satten 23 Top-10-Charttiteln und sammelten nebenbei über 90 Gold- und Platin-Awards rund um den Globus ein. And the beat goes on. Bis heute gab und gibt es keine Musikgruppe, die in ihrem Genre einen ähnlichen Status einnimmt. Warum das so ist, wissen Frontmann H.P. Baxxter, mit bürgerlichem Namen Hans Peter Geerdes, und seine Mannen auch nicht so genau: „Wir haben uns schon in den 90er-Jahren gewundert, dass es da keine andere Band gibt. Es gab DJs ohne Ende, aber so einen richtigen Live-Act kaum, außer The Prodigy aus England. Ich weiß auch nicht, wieso“, wunderte sich der wasserstoffblonde Sänger selbst 2014 in einem Interview mit der Kronen Zeitung.

„Move Your Ass!“

Was nicht heißt, dass Scooter im Laufe der Jahrzehnte nicht auch ihr Fett an Kritik abbekommen haben. „Immer der selbe Baller-Sound“ oder „Kirmes-Technoband“ gehörten noch zu den schmeichelhafteren Bezeichnungen, die ihnen Musikkritiker und Szene-Kollegen an den Kopf geworfen haben. Dennoch füllten ihre Fans unermüdlich die Konzerthallen, trotz mancher Talfahrten. Auch mit ihrem jüngst veröffentlichten Album „Ace“ hat das Trio seine Kritiker schlussendlich erneut zum Schweigen gebracht. Das Erfolgsgeheimnis des „Scooter-Phänomens“? Vielleicht gerade die sancta simplicitas ihres Stils, dem sie trotz zahlreicher Verrisse und auch Mitgliederwechsel stets treu geblieben sind: Bewusst größenwahnsinnige Bühnenshows, gängige, zum Mitstampfen animierende Melodien und Techno-Beats, die das englische Befehlshaber-Shouting von H.P. Baxxter tragen, der mit stoischer Miene Kommandos in die Mengen brüllt. „We’re Getting Faster – Harder – SCOOTER!“, „How Much Is The Fish“, oder „Move Your Ass!“ heißt es da wenig tiefgründig, was aber dennoch – oder gerade deswegen – für kollektives Auszucken auf den Dancefloors sorgt. Apropos „Move Your Ass“: Ausreichend Gelegenheit dazu gibt es am Beatpatrol, auf dem Scooter als Special Guest Feuer unterm Allerwertesten machen werden. In diesem Sinne: „Döp Döp Döp DöDö Döp Döp Döp …“

 

Beatpatrol Gudrun von LexemburgEbenfalls mit dabei am Beatpatrol ist die heimische Techno-Punk-Band Gudrun von Laxenburg. Zur Einstimmung aufs Festival haben uns die drei sympathischen Wiener ein Mixtape ihrer Lieblingshits zusammengestellt! Die Playlist findet ihr auf unserem YouTube-Channel youtube.com/ticketmagazin!

Daniel wählt:
The Shoes – „Time to dance“: Diesen Song begleitet nicht nur ein beeindruckendes Video, er verbindet auch roughe, dreckige Punkrockattitude mit großartigen Synthesizer-Klängen.
Digitalism – „Idealistic“: Dieses unglaubliche Album mit dem scheppernden Track „Idealistic“ hat mir die Ohren auf Anschlag zurückgelegt! Der mittenlastige und scharfe Sound in der Elektronik war etwas komplett Neues für mich und wurde von mir abgefeiert.
LCD Soundsystem – „Someone Great“: Wenn ich jemals eine Ballade schreibe, sollte sie so klingen! James Murphy ist einer der genialsten Produzenten der Gegenwart, sein Können an den Synthesizern ist unangefochten.
Erasmus (aka Soulwax) – „Ti Ricordi Di Me (Belgica Soundtrack)“: Soulwax waren immer eine große Inspiration für mich. Ihr Auftritt vor rund zwölf Jahren am Frequency war mein Augenöffner für elektronische Musik und wegbestimmend für Gudrun von Laxenburg.

 July wählt:
Nerve – „Loot“: Nerve ist die Band des weltbekannten Drummers JOJO Mayer. JOJO Mayer war schon immer eine große Inspiration für die Umsetzung von elektronischen Beats auf einem akustischen Drumset.
Boys Noize – „Let’s Buy Happiness“: Jeder Sound trifft. Ich liebe es, wie Boys Noize es mit diesem Track geschafft haben, aus wenig Sounds Großes heraus zu holen und eine harte Attitude zu erzeugen.

Christoph wählt:
DJ Shadow – „Nobody Speak (feat. Run The Jewels)“: Großartiges neues Album, DJ Shadow hat sich selbst wiedererfunden, ohne dabei zu klingen, als versuche er, sich selbst oder andere zu kopieren. Hip Hop at its best!
Daft Punk – „Derezzed (Tron Legacy Soundtrack)“: Ein unterschätztes Werk, das viel mehr Aufmerksamkeit verdient hat und definitiv besser als das Remake des Films ist. Der Track dauert nur 1,5 Minuten, aber das Riff hat es in sich.
Justice vs. Simian – „We are your Friends“: Mittlerweile zehn Jahre alt, demonstriert der Song das gelungene Mashup eines Indie- vs. Electronic-Acts.

 

Das Beatpatrol Festival findet am 25. Oktober im VAZ St. Pölten statt. Mit dabei sind neben Scooter u.a. Robin Schulz, Gudrun von Laxenburg, Netsky, Steve Aoki, Deorro u.v.m.! Karten gibt es bei oeticket.com!

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