Ben Mauro – Der Mann aus der zweiten Reihe

Viele Menschen haben Ben Mauro schon gehört, ohne zu wissen, dass er es war. Denn in seiner langen Karriere verlieh er schon manchem Superstar den perfekten Gitarren-Sound. Mit Lionel Richie arbeitet er seit zwölf Jahren, mit Britney Spears war er genauso auf Tournee wie mit Peter Frampton, spielte mit Christina Aguilera, Prince und John Fogerty. Nun tritt er mit seinem ersten Solo-Album Happily Ever samt Wien-Gig aus der zweiten Reihe hervor.

Wir trafen den sympathischen Wahl-Kalifornier im Best Western Plus Hotel „Das Tigra“

Christina Steinkellner (General Manager Das Tigra) & Ben Mauro © Ehnpictures

Weshalb hast du dir mit dem ersten eigenen Album so lange Zeit gelassen?

Ben Mauro: Ich habe einfach die ganze Zeit für andere Künstler gearbeitet und war ständig beschäftigt. Ich fühlte mich hauptsächlich als Gitarrist, auch wenn ich schon immer gesungen habe. Später nahm ich dann Gesangsunterricht und habe so Vertrauen in meine Stimme gewonnen. Ich habe schon immer eigene Songs geschrieben, aber erst als ich wusste, dass ich auch ein ganzes Konzert durchstehe, begann ich mit dem Album. Es ist ein völlig anderes Gefühl, wenn man seine eigenen Titel spielt.

Auch heute bist du ein sehr gefragter Gitarrist. Die Ausrede, keine Zeit zu haben, geht also nicht durch!

Ben: Ja, das stimmt (lacht). Wenn ich mit Lionel Richie spiele, dann ist das wirklich viel Arbeit, man ist ständig am Herumreisen. Davon muss man sicher erst erholen – und dann geht es auch schon wieder los. Wenn ich so busy, busy, busy bin, habe ich einfach keine Lust. Vor zwei Jahren legte Lionel eine Pause ein und ich hatte Zeit, meine Solo-Show zusammenzustellen. Ich wusste, das ist der perfekte Zeitpunkt.

Wie fühlt es sich an, ein „Mietmusiker“ zu sein?

Ben: Es kommt ganz auf den Künstler an, mit dem du arbeitest. Lionel ist großartig, ich spiele schon zwölf Jahre mit ihm. Er kennt alle Bandmitglieder beim Namen, umarmt sie zur Begrüßung, spricht mit der Crew. Es fühlt sich an wie eine Familie. Die Musik ist toll, es macht viel Spaß. Es gibt aber auch Künstler, die reden niemals mit der Crew oder der Band. Das ist schon komisch. Man hat zwar Arbeit, aber es ist seltsam. Trotzdem macht es Spaß und ich kann meine Rechnungen bezahlen. Ich bin sehr dankbar, denn es gibt nicht viele, die von der Musik gut leben können.

Hilft es bei der Solo-Karriere, dass du mit so vielen Stars gearbeitet hast?

Ben: Ich glaube, es hilft, denn als neuer Künstler gibt mir das eine gewisse Glaubwürdigkeit. Die Menschen denken sich hoffentlich: „Wenn er mit so vielen Stars gearbeitet hat, sollten wir uns seine eigenen Sachen auch anhören.“ Es wäre einfacher, weiterhin nur Jobs für andere zu erledigen, aber jetzt möchte ich mein eigenes Ding machen.

Unterstützen dich deine berühmten Arbeitgeber bei der Solo-Karriere?

Ben: Ich habe niemanden gefragt, auch nicht Lionel. Ich halte das auseinander. Die einzige Unterstützung, die ich mir von Lionel erhoffe, ist, dass er mich weiterhin anheuert und ich für ihn arbeiten kann. Ich konnte mein Album nur finanzieren, weil ich für ihn gespielt und gutes Geld verdient habe. Ich würde Unterstützung nicht ablehnen, aber ich frage eben nicht und dränge keine Stars, mir zu helfen. Vielleicht ergibt sich einmal die Gelegenheit.

Es gibt zwei Berührungspunkte mit Jimi Hendrix…

Ben: Er ist mein Gitarren-Hero. In meinem Zimmer hatte ich in meiner Jugend Posters von nur zwei Acts – von Led Zeppelin und Jimi Hendrix. Als ich später nach New York kam, musste ich auftreten, um Geld zu verdienen. Ich kannte niemanden, schlief auf unzähligen Sofas und bekam dann den Job in der Hausband des Café Wah?, fünf Tage pro Woche spielte ich jeden Abend, jede Nacht. Hendrix ist dort ebenfalls aufgetreten und wurde dort entdeckt. Und auf meiner YouTube-Seite gibt’s eine Coverversion seines Songs The Wind Cries Mary. Ich liebe den Titel einfach.

Auf dem Album findet sich ein Song namens Eleanor. Wer ist das?

Ben: (lacht) Ein Mädchen, mit dem ich einige Zeit zusammen war. Sie spielte in einem Horror-Film und ich besuchte sie eines Tages am Film-Set. Da entstanden die Ideen zum Text.

Die CD hast du Happily Ever genannt. Bist du immer happy?

Ben: (lacht) Ja, ich bin ein ziemlich glücklicher Typ. Ich habe das Glück, seit meinem 16. Lebensjahr von der Musik leben zu können. Zuerst wollte ich ja Profi-Fußballer werden, aber da war ich nicht gut genug. Ich versuche, die Dinge immer positiv zu sehen, deshalb passt der Titel absolut zu mir.

Auf YouTube hast du viele längere, selbstgedrehte Filme über die Städte und Länder, die du auf Tourneen bereist. Ist das nur ein Hobby?

Ben: Das ist ein Hobby, ja. Eigentlich habe ich wegen meines Vaters damit begonnen, der mich ständig drängte, dass ich Sightseeing machen soll. Als ich dann endlich damit anfing, machte das wirklich Spaß. Ich kaufte mir eine Kamera und zeigte meinem Dad die Filme. Bevor ich nach China reiste, kaufte ich mir eine HD-Kamera und dachte, ich könnte eine Art Reise-Sendung auf YouTube machen. Ich schneide das alles selbst am Computer, mische Musik dazu… und jetzt sendet eine kleine, lokale Kabelstation in den USA die Filme. Mal sehen, was daraus wird.

Aber es gibt keine Folge über Wien…

Ben: Ich habe einiges an Material gedreht, als ich im Vorjahr mit Lionel hier war. Außerdem werde ich jetzt, da ich hier bin, weitermachen. Ich hoffe, es gibt bald eine Folge über Wien!

 Interview: Alexander Haide

 

Hier dürfen wir noch ein paar Eindrücke von Ben Mauro live liefern, der uns im Rahmen der Eventreihe aLiVE! gemeinsam mit Michael Pobisch einen tollen Abend brachte.

http://www.leadersnet.at/foto-galerie/334760,alive-mit-ben-mauro-fotos-k-schiffl.html

 

 

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