Benediction: The Dreams You Dread

In Österreich haben wir nicht nur die „großen Fische“ (Skalar Music), die beinahe täglich Leckerbissen von Rock bis Pop in den Hallen kredenzen, sondern auch die „kleinen Fische“, die für Schmankerln hier und dort sorgen; Einer jener nennt sich Boo-Kings, die mit einer gesunden Portion DIY-Mentalität seit zehn Jahren über 400 Bands eine Bühne boten. Nun feiert man mit den britischen Death-Metal-Heroen Benediction seinen runden Geburtstag.

 

Großbritannien war und ist der musikalische Nabel der Welt – und daran wird sich wohl auch in Zukunft nichts ändern. Das Inselvolk revolutionierte die Geschichte mit den Beatles und den Stones, zauberte mit Led Zeppelin und Deep Purple ein buntes Kaleidoskop an den grünlich-vernebelten Plafond, bevor Black Sabbath in die Himmelstrompeten bliesen und sich der Himmel über Europa drommetenrot färbte. Über Jahre hinweg galoppierten die apokalyptischen Reiter über Berg und Tal – von der Rue Morgue über die Acacie Avenue bis hin nach Avalon zog sich die Blutspur, die Eddie the Head und seine „Iron Maiden“ hinterließen, die Schreie der Darbenden verhallten unbarmherzig im Nichts. Erst nach fünf Jahren sollte der Höllenfürst erstmals persönlich auf die Erde steigen, sein Gesicht zeigen und seinen Namen nennen: Earache.

Krieg in Großbritannien

Earache ist – neben Relapse Records aus Colorado, USA – wohl das früheste und wichtigste Label im Extrem-Metal-Bereich, wurde 1985 in Nottingham nahe des Sherwood Forest (Robin Hood, anyone?) von Digby Pearson gegründet und zeichnet für einen Schub an unbarmherzigem Gedöns verantwortlich: Morbid Angel und Anal Cunt aus den Staaten, insbesondere aber Carcass und Napalm Death, die zur führenden Spitze des Grindcore reifen sollten, sowie Bolt Thrower, die seit Mitte der Achtziger am Steuer ihrer wahnwitzigen Kriegsmaschine (siehe Coverartwork von „Realm Of Chaos“) sitzen und munter ihre Salven feuernd bis dato die Uruk-hai des europäischen Death Metals geben.

Ein Sprung über den Teich, ins deutsche Donzdorf. Hier wurde 1987 eine weitere Krachschmiede gegründet: Nuclear Blast. Mit Impulse Manslaughter, Righteous Pigs oder auch unseren Lokalmatadoren Pungent Stench und Disharmonic Orchestra wurde konsequent fortgesetzt, was in Nottingham begonnen wurde – nicht minder, als man zum Jahrzehntewechsel ein paar langhaarige Gestalten aus Birmingham unter Vertrag nahm: Benediction.

Im Fahrtwasser

Benediction wurden 1989 von Barney Greenway – unverkennbar: sein heiseres Geröchel mit starkem Akzent – sowie den Gitarristen Darren Brookes und Peter Rew, nebst der Rhythmusfraktion Paul Adams (Bass) und Ian Treacy (Drums) gegründet. Barney hatte zu dieser Zeit aber auch noch einen anderen Job: Als Sänger Lee Dorian im selben Jahr Napalm Death verließ und Cathedral gründete (und heute mit Rise Above eines der wichtigsten Labels im Bereich Stoner/Doom führt), wurde Greenway engagiert.

Unter der Schützenhilfe von Mick Harris (Napalm Death) wurde das Demo „The Dreams You Dread“ eingeprügelt, das den Deal mit Nuclear Blast besiegelte. Auf dem folgenden Debütalbum „Subconscious Terror“ ist Barney noch dabei, bevor er seiner Stammband den Rücken kehrte um sich voll und ganz Napalm Death zu widmen – und bis dato („Apex Predator – Easy Meat“) zeigt, wo der Bartel den Most holt. Ugh. Der Bruch bei Benediction schien rückblickend aber nicht sonders tragisch – mit Dave Ingram wurde mehr als passender Ersatz gefunden, wie u.a. die „Dark Is The Season“-EP, vor allem aber dann die folgende „Transcend The Rubicon“-LP beweisen sollten.

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Auffallend in der britischen Krachkiste: Während zu ihren Anfängen sämtliche Vertreter, gleich ob Carcass, Napalm Death, Bolt Thrower oder Benediction (und am Rande auch Paradise Lost) mit einem zwar unikalen, aber doch ähnlich-schwammigen Wabersound lärmten, entwickelten sich rasch, spätestens mit dem zweiten oder dritten Longplayer, ureigene Identitäten. Einzig Bolt Thrower und Benediction fuhren stets einen ähnlichen Walz-Kurs, wobei erste stets abgeschlagen an der Spitze, und die Birminghamer nicht ganz ungerechtfertigt (rumpeliger) „zweite Wahl“ blieben – dabei aber von ihren Freunden aus dem nahen Coventry unter den Fittichen „mitgezogen“ wurden: Kaum eine Headliner-Tour von Bolt Thrower, bei der Benediction nicht Main-Support gaben. 2002 erzählte mir Bolt-Thrower-Gitarrist Gavin Ward, was es mit der Freundschaft zum Tour-Buddy auf sich hat: „Wenn du eine ehrliche Band sehen willst, die hart arbeitet, dann schau dir Benediction an! Manchmal haben sie gottverdammte Scheiße auf CD gepresst, manchmal war es killer – aber zu jedem Zeitpunkt standen sie zu 100 Prozent hinter der Band! Sie sind keine Poser, sie geben nichts vor, das sie nicht sind – jeder einzelne von ihnen gibt zumindest 120 Prozent für die Band, und das macht es aus!“
Daran änderte nicht einmal die Tatsache, dass Dave Ingram Ende der Neunziger von Benediction zu Bolt Thrower wechselte, etwas, wie Gavin ausführte: „Sowohl Bolt Thrower als auch Benediction sind Profis und das ist eben Business, es gibt sicherlich Spannungen zwischen Dave und Benediction, aber keinesfalls zwischen uns und den Jungs. Wir sind nach wie vor gut befreundet und daran sollte sich auch nichts ändern.“ Auch Darren Brooks auf der anderen Seite sah die Sache ähnlich: „Wir waren immer gut befreundet mit den Jungs von Bolt Thrower, und das ist noch immer so. Unser Kontakt zu Dave beschränkt sich allerdings rein auf die geschäftlichen Belange. Wir sind gemeinsam auf Tour und versuchen, ihm so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen. Der Grund dafür ist, dass Dave uns damals betrogen hat! Er wusste schon seit Wochen, dass er zu Bolt Thrower gehen würde, hatte uns aber immer im Glauben gelassen, alles wäre bestens. Das war eine sehr schmerzhafte Erfahrung für uns. Der Mann, mit dem wir so lange zusammengearbeitet hatten und von dem wir dachten, er sei unser Freund, brachte es nicht fertig, uns gegenüber ehrlich zu sein! Aber wie gesagt, das hatte keinerlei Einfluss auf das Verhältnis zwischen uns und den anderen Bandmitgliedern bei Bolt Thrower!“

Eigenständig

Wie auch der Weggang von Barney zu Napalm Death hatte auch der von Dave zu Bolt Thrower etwas Gutes: Dank seines Nachfolgers Dave Hunt, der erstmals auf „Organised Chaos“ (2001) zu hören war, gab es eine leichte Stilkorrektur – und somit auch Loslösung vom Fahrwasser Bolt Throwers. Verschwunden waren die grummelnden Tieffrequenzen des Insel-Todmetals, ersetzt wurden selbige durch nicht minder aggressive old-school-Hardcore-Shouts, die zudem auch perfekt in die immer stärker revoltierende Welle des „Slam Death“ (Suffocation, Dying Fetus, Pyrexia) passen wollten. Anarchismus ohne großartige Experimente weiterhin, ja, aber nun endlich eigenständig.

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Perfektioniert wurde dies auf ihrem bis dato letzten Album, „Killing Music“ von 2008: Es ist dies ein derber Hassbatzen, der im Titel allein auf Napalm Death’s „Enemy Of The Music Business“ (2000) anspielt – ansonsten hat man sich spät, aber doch von der umgebenden Kollegschaft emanzipiert, geriet im fortgeschrittenen Alter endlich zu dem, was in etwa Unleashed für den schwedischen Death Metal sind, eine ballernde Walze mit massig Groove, die – im Gegensatz zu Bolt Thrower – nur selten ihr Tempo drosselt. Demnach – wenngleich das letzte Album nun doch schon sieben Jahre zurückliegt – ist es nicht nur gerechtfertigt, sondern viel mehr eine Freude, den „Grind Bastard“ Benediction endlich (nach Bolt Thrower Ende letzten Jahres) als Headliner in Wien erleben zu dürfen. „Sturm und Drang“ ist das heimliche Motto des Abends am 14. März in der ((szene)) Wien, der dabei von den heimischen Acts Brewed & Canned, Harmanic, Conessions Of Pain und Minatoria eröffnet wird. „The dreams you dread“, um Benediction selbst zu zitieren.

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