Beziehungsarbeit: über das Verhältnis zwischen Pferd und Mensch

Pferdesport

Bis heute fesselt uns das Wesen der Pferde, sei es im Sport, Lifestyle oder bei Shows. Wobei auch hier, so wie in jeder Beziehung, Vertrauen die wichtigste Grundlage ist.

ApassonataJede funktionierende Beziehung besteht aus Geben und Nehmen, das ist auch zwischen Mensch und Tier nicht anders. Gerade Pferde reagieren hochsensibel auf ihr (menschliches) Gegenüber, ihr Vertrauen muss man sich erst verdienen, bevor man sich in den Sattel schwingt. Zügel in die Hand und los geht’s? So einfach funktioniert die Sache nicht. Wir haben uns mit Alma Hanslik, Co-Trainerin bei RV Centauros und auf eine 23-jährige Reitsporterfahrung zurückblickend, über das Verhältnis zwischen Mensch und Pferd unterhalten.

Was macht für dich persönlich die Faszination am Reitsport aus?

Abgesehen davon, dass Pferde wunderschöne, starke Tiere sind, sind sie immer ehrlich und reagieren prompt auf dein Verhalten ihnen gegenüber. Sie lehren dich Respekt, Geduld und Selbstreflexion und auf ihrem Rücken findet sich immer ein Stückchen Freiheit und Abstand zur umliegenden Welt.

Wann hast du mit dem Reiten angefangen?

Ich habe im Alter von 4 Jahren mit Reitunterricht und Voltigieren angefangen. Die Leidenschaft wurde mir von meiner Mutter in die Wiege gelegt, die ebenfalls seit Kindheitstagen reitet.

Sollte man mit dem Reiten besser als Kind beginnen, oder kann man auch als Erwachsener jederzeit „einsteigen“?

Eigentlich kann man jederzeit einsteigen, aber es ist mit Sicherheit so – wie auch bei den meisten anderen Sportarten – dass man sich als Kind leichter tut, beziehungsweise sehe ich bei unseren Kindern oft eine Unbeschwertheit, die den Erwachsenen meistens fehlt, die den Umgang mit den Pferden unter richtiger Anleitung ungemein erleichtert.

Welche körperlichen Voraussetzungen sind für den Reitsport wichtig?

Natürlich hängt das von dem jeweiligen Ziel ab, das ich verfolge. Möchte ich mit dem Partner Pferd eine schöne Zeit ohne allzu große sportliche Ambitionen verbringen, wird zwar trotzdem eine gewisse körperliche Grundfitness von Vorteil sein beziehungsweise sich mit der Zeit entwickeln, aber ich kann als Reiter selbst die Intensität bestimmen.
Trainiere ich mein Pferd für den Sport, oder möchte ich es geistig und körperlich mehr fordern, muss ich an sein Training wie an das eines menschlichen Athleten herangehen. Ein gesundes Verhältnis zwischen Arbeit und Entspannung muss gefunden werden, körperliche Dysbalancen müssen bearbeitet werden. Und weil das für das Pferd meistens nicht unanstrengend ist, muss auch der Reiter da durch.

Früher galt Reiten oft als „etwas für Mädchen“ – wieso sind viele Mädchen so pferdebegeistert?

Ich denke, dass es eine kritische Phase für Burschen im Reitsport gibt. Wir haben im Stall durchaus eine Menge junger Buben, die sich für Pferde begeistern, aber die Anfänge der Pubertät scheinen oft – wahrscheinlich durch Druck von außen; Freunde, vielleicht auch männliche Familienmitglieder – dazu zu führen, dass sie Pferdesport als „etwas für Mädchen“ wahrnehmen und sich lieber typischen „Burschenbeschäftigungen“ zuwenden. Ich hatte schon öfter Kunden, die als Erwachsene wieder mit dem Reiten beginnen wollten, nachdem sie als Jugendliche genau deswegen aufgehört hatten.

Handelt es sich bei dem „Mädchensport“ mittlerweile um ein Klischee?

In der Freizeitreiterei dominieren wohl noch immer die Frauen. Im Spitzensport halte ich das Verhältnis für relativ ausgeglichen.

Was sind die größten Vorurteile/Irrtümer im Reitsport beziehungsweise gegen Reiter?

Als erstes Vorurteil fällt mir ein, dass Pferdebesitzer oft für wohlhabend gehalten werden. Dies mag bei vielen zutreffen, aber ich kenne genug Menschen, mich eingeschlossen, die hart dafür arbeiten müssen und auch auf vieles verzichten, damit sie sich ihr Pferd leisten können.
Abgesehen davon scheint es für vom „Pferdevirus“ Befallene nur mehr den Reitsport zu geben. Wir reden ausschließlich über unsere Pferde, verbringen jede freie Minute im Stall und jeder Cent wird in das Tier gesteckt. Auf Facebook wird eingehend vor pferdeaffinen Partnern gewarnt! 😉

Deiner Erfahrung nach: Werden Pferde oft lediglich als „Statussymbole“ gehalten?

Wenn Geld keine Rolle spielt und/oder ich das Pferd nur als Mittel zum Zweck eines sportlichen Erfolges betrachte, vielleicht. Für den Großteil sind sie zum Glück Teil des Lebens, ein fester Bestandteil des Familiengefüges.

Reiten als „Lifestyle“ – welches Lebensgefühl vermittelt der Reitsport, was macht ihn im Vergleich zu anderen Sportarten so einzigartig?

Die Arbeit mit einem Tier stellt dich vor große Herausforderungen. Du musst zuallererst an dir selbst arbeiten, dir ganz bewusst sein, was du möchtest und wo du hin willst und das dann fair aber bestimmt an deinen Partner Pferd vermitteln. Es tut nichts, um dir zu gefallen, behandelst du es korrekt und hast die Geduld, ihm auch Sachen beizubringen, die ihm im ersten Moment vielleicht unlogisch erscheinen, dann kann sich aus einem Pferd/Reiter Paar ein zusammengeschweißtes Team bilden, dessen Beziehung von gegenseitigem Respekt, Vertrauen und Loyalität geprägt ist.

Pferde sind sowohl Flucht- als auch Herdentiere. Wie gewinnt man als Reiter das Vertrauen des Pferdes?

Wenn man sich dieser beiden Eigenschaften bewusst ist, ist schon viel gewonnen. Pferde reagieren aus unserer Sicht nicht immer logisch. Ich muss mich in das Pferd hineinversetzen und die Kommunikation von Pferden untereinander nutzen, um mich in die Position des Alphatieres zu bringen, das von den anderen Herdenmitgliedern respektiert wird.

Spüren es Pferde, wenn der Reiter etwa unter Stress steht oder Angst hat?

Definitiv. Wie es darauf reagiert, hängt vom Charakter des Pferdes und der Beziehung zum Reiter ab.

Bei RV Centauros setzt ihr „Therapeutisches Reiten“ ein – wie können Pferde in therapeutischer Hinsicht helfen? Und bei welchen Erkrankungen?

Wir nutzen ihre eingangs erwähnten Eigenschaften. Pferde sind völlig vorbehaltlos, sie kennen keine Vorurteile, sie bemitleiden nicht. Menschen aus schwierigen sozialen Verhältnissen oder mit Verhaltensauffälligkeiten können ihnen ganz anders begegnen als einem menschlichen Therapeuten. Vertrauen kann ganz neu aufgebaut werden, vielen Menschen fällt der Zugang zu Tieren außerdem leichter – und über diesen Umweg auch der Zugang zum Heilpädagogen. Außerdem ist das Setting ganz ein anderes, viel freier, ungezwungener, man kommt raus aus der üblichen Laborsituation. Bei körperlichen Behinderungen etwa wird der Klient je nach Schweregrad passiv vom Pferd bewegt, oder die Beweglichkeit und die Muskulatur werden durch Übungen am Pferd entsprechend geschult.
Außerdem beobachten wir oft, dass in der Gegenwart von Pferden viel Spannung gelöst wird, alle Sinne werden aktiviert und man spürt eine Beziehung entstehen.

Auch in Literatur und Film wird die Beziehung Mensch – Pferd seit jeher thematisiert. Hast du einen „Lieblings-Pferdefilm“?

Eigentlich nicht. Die meisten Filme zu diesem Thema sind unsagbar kitschig, bzw. rührselig und mein Filmgeschmack geht da ganz klar in eine andere Richtung. Meine Reitschüler empfehlen allerdings oft „Ostwind“. Ich habe den Film aber nie gesehen, also gebe ich keine Gewähr!

Das Schönste am Reiten ist für dich … ?

Wenn ich am Pferd sitze, bin ich ganz beim Tier, nirgendwo sonst.

 

RV CentaurosDer Reit-und Voltigierverein Centauros widmet sich bereits seit Jahren dem sportlichen und therapeutischen Reiten und Voltigieren. In Aspersdorf bei Hollabrunn kann unter der Anleitung der erfahrenen Reitlehrerin Alma Hanslik das Westernreiten erlernt werden, beziehungsweise fährt die mehrfache österreichische Meisterin auch in Reitställe der Umgebung, um Menschen mit eigenem Pferd zu unterstützen.
In Aspersdorf und am zweiten Standort in Wien arbeitet die Heilpädagogin Mag. Elisabeth Hanslik mit Kindern und Erwachsenen mit besonderen Bedürfnissen.
Mehr Informationen erfahren Sie auf der Homepage des Vereins, unter www.pferde-therapie.at.

Veranstaltungen für Pferdebegeisterte:

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Am 1. April erleben Sie in der Wiener Stadthalle (D) mit „Cinema of Dreams“ die neue Show von Apassionata: Bei einer atemberaubenden Zeitreise durch die Moderne wird der Zuschauer Zeuge eines neuen, traumhaften Programms, das sich um die große Zeit des Films dreht …

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