Blues Pills: A High Class Woman

Mit ihrem neuen Album „Lady In Gold“ greifen die Blues Pills diesen Sommer nach den Chartsternen: ein Gespräch mit Sängerin Elin Larsson und Gitarrist Dorian Sorriaux über den Tod, Druck und Frauenquoten.

BluesPills2016dMit ihrem allerorts gefeierten  gleichnamigen Debütalbum erreichten die Blues Pills 2014 Platz vier in den deutschen Albumcharts. Der analoge Vintage Rock samt der ausdrucksvollen Stimme von Frontfrau Elin Larsson erfasste auf Anhieb den (Retro-)Zahn der Zeit und bewies eindrucksvoll, dass die Schweden dem Rest der Welt einen Schritt voraus sind. Mit „Lady In Gold“ kokettiert das Quartett nun mit breitflächigem Mainstream-Erfolg.

Im Sommer erscheint euer Zweitling „Lady In Gold“, der euch musikalisch von einer neuen Seite zeigt. Was sind deine ersten Emotionen, nachdem das Album jetzt einmal abgeschlossen ist?

Elin Larsson: Es ist eine riesige Erleichterung. Wir haben Ende 2014 begonnen daran zu arbeiten und es war sehr skurril, denn als wir das gemasterte Material abgaben, fragte mich unser Produzent schon, wann wir mit dem dritten Album beginnen würden (lacht). Man ist sich selbst der größte Kritiker und ich musste eine Schreibblockade überwinden, bin aber mit dem Ergebnis extrem glücklich.

Kam der Druck hauptsächlich von außen oder habt ihr euch damit selbst fertiggemacht?

Elin Larsson: Ich schrieb Texte, die ich unglaublich schlimm fand. Auf Tour war ich oft müde, weil so viele Termine anstanden, dass ich einfach keine Kraft mehr zum Schreiben hatte. In einem Moment habe ich verzweifelt meine Mutter angerufen, weil ich nicht mehr weiter wusste, und sie sagte mir dann, dass es manchmal so ist wie mit der Kaffeetasse vor dir – sie ist so nah, dass du zwangsweise an ihr vorbeischaust. Dann lief es tatsächlich besser.

Die beschriebene „Lady In Gold“ symbolisiert den weiblichen Tod.

Elin Larsson: Ich wollte eine weibliche Perspektive auf den Tod, von der anderen Seite haben wir das Thema ja schon mehrmals aufgerollt. Für mich ist der Tod nicht unbedingt ein Mann, so wie für viele auch Gott nicht unbedingt männlich sein muss. Die „Lady In Gold“ ist sehr schön, aber auch furchterregend und tödlich und stört das friedliche Leben. Ich habe sehr viel Kate Bush gehört: sie ist eine der besten Geschichtenerzählerinnen und inspirierte mich sehr.

Auf dem Song „I Felt A Change“ kommst du stimmlich auf ein anderes Level, sehr intensiv und direkt …

Elin Larsson: Das ist der einzige Song, den ich ganz alleine geschrieben habe – direkt nach der Tour. Für mich war die Nummer mehr wie eine Therapie, in der es um Verlust und Schuldgefühle, aber auch um die Liebe zu einem anderen Menschen geht. Ich musste ihn einfach rauslassen, so war wohl auch die Stimmlage in dem Song eine Art von Therapie. Ich dachte nicht, dass der Song überhaupt auf das Album kommt, weil er nur vom Piano forciert wurde und überhaupt nicht zum restlichen Material passte.

https://www.youtube.com/watch?v=W-1hn87q9_8

Wie siehst du eigentlich die Rolle der Frau in einer Band in der heutigen Zeit?

Elin Larsson: Es gibt heute noch viel weniger von uns (lacht). Frauen werden viel strenger beurteilt, auch von uns selbst – und da nehme ich mich gar nicht aus. Wenn Männer etwas auf der Bühne machen, ist das viel schneller mal toll, bei Frauen wird vieles oft nicht ernst genommen. Es wird auf jede Bewegung und das Aussehen geachtet. Heute ist es mir scheißegal, was die Leute über mich reden, früher war das nicht so, was ich rückblickend etwas bedaure.

Hast du schon oft Sexismus erlebt?

Elin Larsson: Auf jeden Fall. Es gibt so viele Typen, die mir sagen wollen, was das Beste für mich ist und wie ich mich auf der Bühne verhalten oder bewegen soll. Das weiß ich aber selber gut genug (lacht)! Zum Glück sind die Jungs in meiner Band sensibel, so wie ich. Es ist egal, ob ich jetzt die Vagina und sie die Penisse haben (lacht).

In Österreich gab es letztes Jahr die Diskussion, ob bei den großen Rockfestivals nicht zu wenige Frauen teilnehmen würden.

Elin Larsson: Man könnte vielleicht anders buchen, aber es gibt schlichtweg einfach weniger aktive Frauen als Männer. Das wird einem schnell klar, wenn man sich die Bandlage im Rockbusiness so ansieht.

Dorian Sorriaux: Ich würde da keinem Veranstalter eine Schuld geben, die Situation am Markt ist zurzeit einfach nicht anders lösbar. Sie wollen natürlich die größten Headliner, und das sind vornehmlich männliche Bands, das muss man sich ehrlich eingestehen.

Wie sieht es aus der Marketingperspektive aus? Verkauft eine Band wie die Blues Pills eben dadurch mehr Platten und Konzerttickets, weil sie eine attraktive Sängerin haben?

Elin Larsson: Es kann schon sein, dass das eine Hilfe ist. Es gibt Typen, die starren mich das ganze Konzert wie besessen an und ich merke, dass sie auf irgendeine Reaktion warten, aber diesen Gefallen tue ich ihnen nie. Ich hoffe natürlich, dass die Leute primär für die Musik kommen. Ich habe mich selbst nie als attraktive Person gesehen, war immer voller Selbstzweifel und nicht gerade glücklich mit meinem Aussehen. Dass mich gewisse Menschen als attraktiv ansehen ist für mich noch immer eine komplett neue Erfahrung.

Gerade im Pop-Bereich verkaufen sich Künstlerinnen wie Katy Perry oder Miley Cyrus selbst gerne als sexualisierte Objekte. Ist das nicht eine grundlegend falsche Botschaft, die sie damit an die jungen Menschen weitergeben?

Elin Larsson: Man sollte immer ehrlich zu sich selbst sein. Wenn sie der Meinung sind, sie fühlen sich so wohl, dann sollten sie sich auch so verhalten.

Dorian Sorriaux: Justin Bieber rennt ja oft ohne Shirt herum – das ist auch eine Art von sexualisierter Botschaft (lacht).

 

Blues Pills - Lady In Gold_4000px“Lady In Gold” ist bei Nuclear Blast erschienen. Am 12. August spielen Blues Pills am Picture On in Bildein. Im Herbst sind sie mit Kadavar auf Tour und machen hierzulande am 16. Oktober im Weekender Club in Innsbruck, am 17. im Linzer Posthof und am 18. in der Wiener SiMM City Station.

 

 

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