Bock auf Barock

In den letzten Jahren fällt eine zunehmende Renaissance des Barocks auf – und zwar nicht nur im elitären Kreis der Alten Musik, sondern auch im Mainstream. Opulenz liegt wieder stark im Trend .

Die Zeit des Barocks prägt die Kunst- und Kulturgeschichte von ca. 1575 bis 1770 in Europa und ist bis heute noch spürbar. Ausgehend von Italien entfaltet sich der Barock mit all seiner Pracht im katholischen, aber auch im protestantischen Europa. In Österreich hinterlässt vor allem das 18. Jahrhundert unter Maria Theresia und ihrem Sohn, Joseph II., Spuren: nicht nur kulturell sondern auch politisch, denn gegen Ende des Jahrhunderts spürt man immer mehr einen Prozess der Dynamisierung und Zentralisierung, aber auch einen Niedergang der höfischfeudalen Gesellschaft.
Teatrum mundi
In Österreich wird nie zuvor und auch nicht danach so viel Geld in den Bau von Kirchen, Klöstern, Schlössern und Parks investiert wie im Barock. Alle Mächtigen wetteifern darin, ihren Status auch durch Bauwerke in pompösem Ausmaß zu demonstrieren. Die Selbstinszenierung erlebt ihre Hochblüte und im Sinne des Welttheaters, dem Teatrum mundi, sehen sich alle gleichsam als Schauspieler auf der Weltenbühne. Deutlich wird dies bei prunkvoll inszenierten Hoffesten, in denen nach einem strengen Zeremoniell die absolute Macht durch Opulenz und Glanz demonstriert wird:
Kunst macht Politik. Dabei wird die Illusion immer wichtiger, und so ist es vor allem die Malerei, der hervorragende Bedeutung zukommt. Prachtvolle Innenausstattungen, vor allem 3D-artige Deckenmalereien, entführen die Betrachter in eine oftmals allegorische, teilweise himmlische Welt. In
Österreich zeugen von barocker Architektur u. a. das Schloss Schönbrunn, das Belvedere, Stift Melk sowie die Stiftsbibliotheken in Admont und St. Florian.

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Barock in Wien
Schloss Schönbrunn nach der endgültigen Fertigstellung
1748 auf einem Ölgemälde von Canaletto

Musik, Tanz und Theater
Bei barocken Festen darf natürlich die Musik, der eine immer stärkere Bedeutung zukommt, nicht fehlen. Der italienische Komponist Claudio Monteverdi (1567–1643) prägt den Frühbarock mit Neuerungen in der Kompositionstechnik, die u. a. von dem deutschen Komponisten Heinrich
Schütz (1585–1672) aufgegriffen werden. In Frankreich ist es Ludwig XIV. (1638–1715), der den italienischen Hofmusiker Jean-Baptiste Lully (1632–1687) maßgeblich fördert. Ludwig XIV. ist ein begeisterter Tänzer und durch seinen Auftritt in dem ballet de cour „La Nuit“, in dem er die Rolle der Sonne übernimmt, erhält er den Beinamen „Der Sonnenkönig“. 1661 gründet er die Académie royale de danse und legt damit den Grundstein für eine professionelle Tanzausbildung. Deshalb ist die Fachsprache des Balletts bis heute Französisch und ein Großteil der Schritte ist auf das 17.Jahrhundert zurückzuführen. Gleichzeitig ist am Pariser Hof der Schauspieler und Autor Jean-Baptiste Molière (1622–1673) tätig. Wichtige Komponisten des Barocks sind u. a. Arcangelo Corelli (1653– 1713), Henry Purcell (1659-1695), Georg Philipp Telemann (1681–1767), Antonio Vivaldi (1678–1741). Zu Lebzeiten mehr als Organist denn als Komponist bekannt ist Johann Sebastian Bach (1685–1750); zur gleichen Zeit wirkt in England Georg Friedrich Händel (1685–1759). Nicht wegzudenken aus der weltlichen Barockmusik, vor allem der Oper, sind Kastraten wie Senesino (1686–1758), Farinelli (1705–1782) und Caffarelli (1710– 1783), die man durchaus als erste Superstars bezeichnen kann. Der Kastratenstimme liegt die Idee zugrunde, etwas zu schaffen, das alles Menschenmögliche übersteigt. Heute singen diese Rollen vor allem Countertenöre.
Vieles im heutigen Theater lässt sich auf die Theaterformen des Barocks zurückführen. So entwickelte sich damals die „Guckkastenbühne“, die durch einen Vorhang vom Zuschauerraum getrennt war, und es wurde immer aufwendigere Bühnenmaschinerie eingesetzt, um die Kulissen zu bewegen.

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Deckenpracht
Das Fresko von Paul
Troger im Stift Melk ist ein Musterbeispiel
für barocke Deckenmalerei.

Historische Aufführungspraxis
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entwickelt sich die Musik weiter, Barockmusik wird als veraltet betrachtet, nicht mehr aufgeführt und gerät daher immer mehr in Vergessenheit. So wird auch Antonio Vivaldi erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder einer breiten Öffentlichkeit bekannt.
In den 1970er-Jahren kommt es durch die historische Aufführungspraxis, bei der die damaligen Mittel und Spielweisen eingesetzt werden, zu einer Wiederbelebung der Barockmusik. Diese erfreut sich immer mehr großer Beliebtheit. Vielleicht gerade weil sie uns in eine opulentere Zeit und eine andere Sphäre entführt. Den Kompositionen scheint etwas für uns Unbeschreibliches und nicht Greifbares innezuwohnen, das eine anziehende Faszination ausübt.

termine

  • „La Canterina“ und „Leonardo und
    Blandine” – Teatro Barocco, Stift Altenburg,
    10.–27. Juli
  • „Les Roses Sauvages“ – Barockkonzert,
    Landschloss Ort Gmunden, 4. August
  • „Musica bellissima – komponieren Frauen anders?“ – Barockkonzert mit dem
    Ensemble ConCorda und Olivera Ticevic, Pfarrkirche Altmünster, 6. August
  • Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, 12.–31. August

In der Saison 2014/15 ist ein Schwerpunkt im Theater an der Wien dem Barock gewidmet. Seit Kurzem kann man im neu geschaffenen Salzburger „DomQuartier“ einen Rundgang durch vier Museen und das barocke Salzburg machen.

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