Bon Jovi

Ö3-Musikredakteur Norbert Ivanek hat Jon Bon Jovi am 31. Oktober 2012 in einer Suite im noblen Hotel Savoy in London getroffen. Trotz der Unwetter in New York fand Jon Bon Jovi Zeit, seine Because We Can-Tour zu promoten, die am 17. Mai auch in Wien Station macht – und er ist glücklich und freut sich riesig, nach Österreich zurück zu kommen.

Ihr spielt dieses Mal nicht im Ernst-Happel-Stadion, sondern in der Pferderennbahn Krieau in Wien.

Jon Bon Jovi: Ich hoffe, die Pferde sind an dem Abend nicht da, weil ich nicht will, dass sie überall herum rennen und irgendjemandem irgendetwas passiert. Wir hatten in all den Jahren immer großartige Shows in Österreich und ich freue mich schon auf die neue Location Krieau und vertraue euch, dass ihr das Gelände ordentlich vorbereitet.

Was ist neu, was können wir von der Show erwarten, was kann uns Jon Bon Jovi versprechen?

Jon: Wir sind noch immer in der Planungsphase der Live-Produktion, um ganz ehrlich zu sein. Wir wollen diesmal etwas ganz Neues und ich hab mir unlängst ein paar Cartoons angeschaut, witzig animierte Bühnen mit kleinen animierten Sängern drauf und Gitarristen, also das ist wirklich lustig. Die Produktionsdesigner versuchen im Moment noch, mich in den Mittelpunkt zu stellen und wie das aussehen könnte. Also wir sind quasi in der Endphase und haben erst gestern ein paar Dinge fixiert. Das Album ist auf jeden Fall fertig, die Single heißt Because We Can, das Album What About Now und kommt im März 2013. Es ist ein großes Album mit großen Hymnen geworden. Wir haben das soziale Bewusstsein diesmal in den Vordergrund gestellt und das Album ist für unsere Verhältnisse prompt ziemlich schlau geworden, ich bin sehr zufrieden. Wir werden in der Krieau also  vor allem auch ein paar neue Songs spielen und natürlich alle Hits und wir werden auf keinen Fall bei der Produktion knausern, das kann ich euch versprechen. Diese Show wird wirklich groß.

Warum habt ihr Because We Can als Titel für diese Tour gewählt? So heißt zwar die Single, aber normalerweise bevorzugen Bands den Albumtitel.

Jon: Hahaha, ja stimmt! Ich würde dir gerne erzählen, dass da etwas Tieferes und wahnsinnig Gescheites dahintersteckt, aber die Wahrheit ist: Ich mochte die Phrase einfach, weil ich im Hinterkopf irgendwie schon den Werbeslogan gehört habe, du weißt schon (verstellt die Stimme): „Bon Jovi im Riesenstadion … tatata … weil wir können!“ (lacht), mit diesem gewissen Augenzwinkern (lacht). Aber ich weiß schon, das Album heißt jetzt What About Now und um jetzt wirklich ganz ehrlich zu sein, alle Alben- und Tourtitel, die ich je vorgeschlagen habe, haben noch nie jemandem  außer mir gefallen (lacht), denn wenn’s nach mir gegangen wäre, hätte das Album Because We Can geheißen, aber wir haben das ganz demokratisch gelöst, wobei jeder eine eigene Stimme hatte und ich habe schlicht verloren.

Hast du irgendwelche Erwartungen, was das Album betrifft?

Jon: Ich weiß nicht, es ist heutzutage ziemlich hart Erwartungen an ein Album zu knüpfen, denn die Plattenverkäufe sind lang nicht mehr das, was sie einmal waren. Das Business hat sich komplett verändert. Wenn du Glück hast, dann bist du ein Typ in einer Band wie der unseren, die wenigstens viele Tickets verkaufen kann. Das ist vielleicht der Maßstab an dem sich Erfolg in Zukunft messen wird, aber Millionen an Platten zu verkaufen, wie wir früher, wie viele Bands in den guten alten Zeiten, das ist vorbei. Ich bin wirklich stolz auf das Album und ich glaube, die Herausforderung heutzutage ist, wie viele Gelegenheiten man herausschlagen kann, es den Menschen zu Gehör zu bringen. Mach jede Menge Videos, tauche in Fernsehshows auf, Dinge die darauf abzielen, deine Songs den Leuten vorzuspielen, immerhin haben wir hart daran gearbeitet und wir wollen das mit den Fans teilen.

Bon Jovi ist nach wie vor eine der erfolgreichsten Bands im Business, sowohl was Tongträger-, als auch Ticketverkäufe angeht, was ist das Geheimnis des Erfolges?

Jon: Ich wünschte, das könnte ich dir unser geniales Geheimnis verraten, wäre das nicht fantastisch (lacht)? Wir haben die Zutaten und wir mischen sie in diesem magischen Topf, aber die Wahrheit ist, wir arbeiten hart, wir schreiben jede Menge Songs und wir versuchen alles so echt und pur wie möglich zu halten, keinen Trends und Modeerscheinungen hinterherzujagen und Geschichten zu erzählen, die die Leute nachvollziehen können. Wir versuchen jedes Thema möglichst international, zeitlos und klassisch abzuhandeln und nur dann können sich die Menschen mit den Geschichten identifizieren und sie zu ihren zu machen. Wir sind in der glücklichen Position, den richtigen Ton getroffen zu haben und immer noch zu treffen, der die Leute anspricht.

Was sagt Jon Bon Jovi jetzt 2012 zu den Fans?

Jon: Heutzutage ist alles eine Art Realitäts-Check. Als wir vor vier Jahren We Weren’t Born To Follow  geschrieben haben, das von einem bestimmten politischen System und einer Wirtschaftskrise in Amerika inspiriert war und wir an das Versprechen eines großartigen Präsidenten geglaubt haben, finden wir uns vier Jahre später in der Wirklichkeit wieder. Unsere Botschaft jetzt ist also: What About Now? Was genau wirst du jetzt machen? Jemand muss den Vernachlässigten und Kleinen helfen, es ist also ein Reality-Check, aber natürlich gibt’s wie immer jede Menge Optimismus. Because We Can ist ein prototypischer, erbaulicher Bon Jovi Song mit der positiven Botschaft: Weil wir können!

Du hast von Österreich geschwärmt und wie toll das immer ist. Gibt’s da besonders schöne Erinnerungen, die du mit Österreich verbindest und was machst du, wenn du im Mai hier bist?

Jon: Alles in meinem Leben ist zu einer riesigen Unschärfe verkommen, die vielen Reisen und alles, aber wir hatten in Österreich viele großartige Shows im Laufe der Jahre, aber ich kann dir im Moment nichts Konkretes sagen, das wäre ein glatte Lüge. Um ehrlich zu sein habe ich mir das noch nicht überlegt. Im Moment kreisen meine Gedanken nämlich vor allem um das, was in New York und New Jersey durch diesen Hurrikan passiert ist. Ich hänge seit Stunden am Telefon, schaue mir die News an und meine Finger glühen vom SMS schreiben, denn meine Familie hat keinen Strom, das Haus meines Nachbarn ist komplett zerstört, es gibt wie gesagt keinen Strom in New Jersey und auch in meiner Wohnung in New York. Wir haben meine Familie also evakuiert und in einem Hotel untergebracht, aber ich bin jetzt vor allem froh, dass alles ok ist.

Steht dein Haus unter Wasser?

Jon: In meiner Wohnung in New York steht nichts unter Wasser, weil wir im zwölften Stock wohnen, aber es gibt kein fließendes Wasser und keinen Strom dort. Aber wir haben es geschafft, meine Familie da raus und in einem Hotel unterzubringen. In meinem Haus in New Jersey gibt es auf jeden Fall auch keinen Strom und das Dock – das Haus liegt ja direkt am Wasser – ist komplett weggerissen, das Boot fort, der Schuppen fortgerissen, alles weg. Eine unglaubliche Zerstörung. Es ist wie Armageddon mit Feuer und Regen und Überflutungen, keine Elektrizität. Niemand hat so etwas je erwartet. Ich wäre nicht nach London gekommen, hätte ich geahnt, wie schlimm es werden würde.

Ich habe mich ohnehin schon gewundert, dass du seelenruhig Promotion für die Tour und das Album machst, während zu Hause alles zerstört ist …

Jon: Ich weiß, aber wir hatten schon jede Menge Hurrikans in der Vergangenheit, aber das waren immer nur heftigere Regenschauer. New York ist so weit nördlich gelegen, dass uns normalerweise die Stürme kaum treffen und nichts passiert. Letztes Jahr beispielsweise hatten wir ebenfalls einen Hurrikan und es war so cool dass wir quasi im Regen getanzt haben, also habe ich mir dieses Jahr gesagt: Du kannst ruhig nach London fliegen und jetzt hänge ich fest. Der Flughafen ist unter Wasser, völlig überflutet. Aber bei der ersten Gelegenheit fliege ich sofort zurück.

Du bist bekannt, in solchen Situationen rasch zu helfen und dich in Sachen Charity zu engagieren …

Jon: In meinem Restaurant, der Soul Kitchen, gibt es keinen Strom und wir haben keinen Generator dort. So schnell wir können würden wir gerne den Betrieb wieder aufnehmen und dir Türen öffnen, um die Leute mit warmem Gratisessen zu versorgen. Aber als ich mit meiner Frau heute früh telefoniert habe hat sie mir gesagt, dass wir niemanden versorgen können, weil wegen des Wassers nicht einmal das Personal ins Restaurant kann und selbst, wenn sie rein könnten, haben wir keinen Generator. Im Moment sind wir alle einfach ziemlich hilflos.

Interview: Norbert Ivanek

Können auch Sie? Am 17. Mai in der Krieau Wien? Ja? Dann viel Spaß!

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