Bonaparte – einfach anders

Die schrille Band um den gebürtigen Schweizer Tobias Jundt sorgt vor allem mit ihren exzessiven Live-Shows für Aufsehen, wo „jeder das machen darf, was er will“. Mit Sorry, We Are Open legt die Formation mit Lebensmittelpunkt Berlin ein neues, spektakuläres Album zwischen Electro-Rave und Punk-Rock vor. Zum TICKET-Date kam Mastermind Tobias natürlich im passenden Bonaparte-Outfit…

TICKET: Sorry, We Are Open klingt wie ein sehr elektronisches Album, daneben gibt’s herrlich dreckige Punk-Rock-Gitarren.

Tobias Jundt: Es ist alles eigenspielt worden, es gibt keine Samples, kein Midi-Irgendwas, keine virtuellen Instrumente und das finde ich schön. Das war kein Dogma, aber ich hab‘ nichts aus dem Computer gebraucht. Der war nur noch als Hilfe da, alles zusammenzuhalten.

TICKET: Der Opener des Albums überrascht, es ist ein Seemannslied, das mit dem Video zur Single Quarantine aber wieder Sinn macht…

Tobias: Das Album ist eine Seefahrt. Wir sind auf dem Wasserweg unterwegs, weil da andere Gesetze gelten, draußen auf dem Meer, Piratenradio und so. Unser Studio in Berlin ist am Wasser gebaut, wir haben den alten Hafen vor dem Fenster. Diese Reise ist symbolisch zu verstehen.

TICKET: Die Texte sind sozialkritisch wie immer. Ein wichtiger Punkt für dich?

Tobias: Die Texte sind sehr wichtig bei Bonaparte. Ich bin ein sehr lebensbejahender Mensch, aber das hindert einen nicht daran, zu hinterfragen, kritisch zu sein, Zustände zu beschreiben.

TICKET: Wenn man die Texte nicht wahrnehmen möchte, ist Sorry, We Are Open ein Gute-Laune-Album. Stört dich, dass sich viele um die Inhalte nicht kümmern?

Tobias: Nee, gar nicht, das machen viele ja kategorisch so. Ich finde das super, denn für mich sollte Bonaparte gute Laune sein – eine Komödie, die sollte unterhalten und einen zum Lachen bringen. Aber sie sollte eigentlich auch immer eine sozialkritische Message haben. Dann ist es eine gute Komödie.

TICKET: Eine schöne Textzeile ist „Make Fuck, Not Kill“…

Tobias: Das ist nicht von mir, sondern von einem amerikanischen Komiker aus den 70er Jahren. Es ist eigentlich „Make Love, Not War“. Er hatte einen Sketch zum Vietnam-Krieg in dem er meinte, es ist ja „Make Fuck, Not Kill“ gemeint.

TICKET: Freak zu sein ist bei euch ein Teil des Erfolgsrezepts?

Tobias: Für uns ist das nicht anders-sein. Natürlich laufen wir privat nicht immer wie auf der Bühne rum, aber schon oft. Als ich die Band damals in Berlin startete, war ich Tag und Nacht so unterwegs. Ich fuhr in meinem roten Rallye-Auto aus den 60er Jahren herum, dem Bonaparte-Mobil, und ich hatte meine Katzenmütze auf und Matrosen-Outfit an.

TICKET: Und Sex als Showelement?

Tobias: Nicht bewusst, es wird niemandem gesagt: Zeig‘ doch ein bisschen mehr. Ich ziehe mich grundsätzlich nur aus, wenn mir warm ist, so gegen Ende der Show. Ansonsten sehe ich keinen Grund, entblößt vor Leuten auf der Bühne zu stehen. Wenn Kate oder Molly das tun, ist das ein Ausdruck von dem, was sie in den zwei Stunden Show machen wollen. Ich will meine Songs singen.

Interview: Alexander Haide

Eine wilde Show – Katzenmütze inklusive – gibt es am 29. Oktober im Salzburger republic und am 30. Oktober im Wiener Gasometer zu sehen.

We Are Open ist am 17. August bei Warner Music erschienen.

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