Bühne frei!

Sommertheater boomen: Dagmar Schellenberger, Intendantin der Seefestspiele Mörbisch, hat für die Saison 2014 das Musical „Anatevka“ auf den Spielplan gesetzt – und sich selbst auf die Bühne gestellt.

 

Landauf, Landab haben sich wunderbare Sommertheater-Festivals etabliert, und es ist immer eine ganz besondere Atmosphäre nicht im stickig-staubigen Theater zu sitzen, sondern unter freiem Himmel, oder neue, interessante Spielorte zu entdecken, die kein traditionelles Theaterhaus sind. Bei den Seefestspielen Mörbisch gibt es seit 1. September 2012 mit KS Dagmar Schellenberger eine neue Intendantin, die nun kurz vor der zweiten Spielsaison !ticket Rede und Antwort stand.

Wie haben Sie sich nach der 1. Saison eingelebt?

Ich wohne schon seit zweieinhalb Jahren in Mörbisch, bin sozusagen Mörbisch-Burgenländerin mit Migrationshintergrund. Ich wohne auch gerne dort mit dem freien Blick auf den See. Natürlich war der Umzug ein großer Einschnitt in meinem Leben, von Berlin direkt nach Mörbisch. Ich habe jetzt auch ein tolles Team beisammen, und es ist alles stimmig nach der ersten Saison.

Dagmar  Schellenberger Die gebürtige Oschatzerin studierte Gesang an der Hochschule für Musik Dresden. Im Laufe ihrer Karriere sang die Sopranistin nicht nur in Deutschland, sondern auch auf internationalen Bühnen wie in Zürich, New York, Mailand, Brüssel, Rom, Jerusalem und Tokio. 2004 sang sie in Mörbisch in der „Gräfin Mariza“, ein Jahr später in „Die lustige Witwe“.

Dagmar Schellenberger
Die gebürtige Oschatzerin studierte Gesang an der Hochschule für Musik Dresden. Im Laufe ihrer Karriere sang die Sopranistin nicht nur in Deutschland, sondern auch auf internationalen Bühnen wie in Zürich, New York, Mailand, Brüssel, Rom, Jerusalem und Tokio. 2004 sang sie in Mörbisch in der „Gräfin Mariza“, ein Jahr später in „Die lustige Witwe“.

Im Frühjahr 2013 gab es einen großen Umbau, vor allem mit dem überdachten Eingangsbereich. Wie ist dieser vom Publikum angenommen worden?

Sehr gut. Er wurde auch schon zwei Mal erprobt, als wir einen Abbruch hatten und in knapp zehn Minuten 6.000 ZuschauerInnen entfluchtet haben, was toll funktioniert hat. Die standen dann alle im überdachten Bereich, wurden von mir direkt informiert, wie es aussieht. Das wurde sehr geschätzt. Und dann natürlich auch das neue Highlight: der Blick über den See von unserer neuen Dachterasse aus.

Heuer wird mit „Anatevka“ ein Musical gespielt. Kam die Entscheidung dazu durch die Publikumsbefragung?

Auch, aber das ist ja keine Erfindung von mir. Es gab ja 2009 schon „My Fair Lady“. Und das wurde damals schon gewünscht und es war ein Erfolg. Es passen aus meiner Sicht nicht so viele Musicals auf diese Bühne, aber in größeren Abständen finde ich das schon in Ordnung. Wir bleiben allerdings schon die Heimstätte der klassischen Operette. Das ist mir wichtig. Man muss natürlich auch die richtigen Stücke finden, die lange nicht waren. Meine Aufgabe ist es natürlich auch, bei den Produktionen genau den Nagel auf den Kopf zu treffen, was unser Publikum will. Die kaufen auch das Stück, gar nicht irgendwelche Stars.

Wie fiel die Entscheidung, dass Sie heuer selbst mitspielen?

Das war nicht meine Entscheidung, weil ich brauche das nicht unbedingt. Aber es ist genauso wie die Ansagen letztes Jahr, die ich eigentlich nicht machen wollte und dann doch gemacht habe in dieser tollen Atmosphäre. Und ich wurde auch vom Publikum gefragt, ob ich auch einmal singen werde. Es kam dann vom Regieteam, dass es auf der Hand liegt, wer Golde singt. Und ich tue dies ja auch noch an anderen Häusern – zuletzt auch in Baden, auch nächstes Jahr wieder –, es ist also nicht so, dass ich hier eine Torschlusspanik habe. Es wurde vom Vorstand sehr begrüßt, dass die Chefin sich auf der Bühne präsentiert. Auch heuer werde ich wieder vor der Vorstellung durchs Publikum gehen, mache die Begrüßung, und dann habe ich genau sechs Minuten Zeit, bevor ich auf der Bühne stehe.

Heuer jährt sich der Fall des Eisernen Vorhangs zum 25. Mal. Anlässlich dieses Jubiläums gibt es auch in Mörbisch einen großen Galaabend mit dem Titel „Operette kennt keine Grenzen“. Wie haben Sie diese Zeit damals erlebt?

Ich lebte damals noch im Osten. Und an dem Abend, als die Mauer fiel, stand ich auf der Bühne der Komischen Oper in Berlin. Es war kurz vor halb zehn zu Ende und ich habe schon in der Oper auf den Gängen was gehört. Ich lief dann Richtung Alexanderplatz und da war schon viel los. Weil Richtung Brandenburger Tor fuhr ja damals eigentlich nichts, das war ja Schutzzone. Ich kam nach Hause, machte den Fernseher an und wollte es gar nicht glauben, was ich da hörte. Ich bin dann noch einmal raus und bis 4 Uhr früh hautnah dabei gewesen. Es war nicht ungefährlich, denn es war noch nicht klar, was da jetzt passiert. Von Westberlin kamen die Leute, aus Ostberlin kamen die Leute schon an, weil sie nicht wussten, ob es diese Chance nur in dieser einen Nacht gibt. Und in der Mitte die überforderten Grenzbeamten, die selbst nicht wussten, was da passiert. Das war schon eine brisante Stimmung. Ich hatte natürlich das Glück, durch meinen Beruf schon vorher immer reisen zu dürfen, war Mitte der 1980er-Jahre zum Beispiel schon in Wien an der Volksoper. Ich hatte auch Angebote, im Westen zu bleiben, aber das ging nicht: Ich hatte ja eine Tochter, die ich nie mitnehmen durfte, die war sozusagen das Pfand. Als ich 2004 dann in Mörbisch zum ersten Mal gesungen habe, bin ich mit dem Fahrrad herumgefahren und habe Geschichte geschnuppert. Das war schon sehr bewegend für mich. Und es war für mich klar, dass es zu dem 25-jährigen Jubiläum gerade in dieser Gegend etwas geben muss.

[highlight color=”yellow”]Über “Anatevka”[/highlight]

Das Musical „Anatevka“ (10. Juli bis 23. August, Seefestspiele Mörbisch) erzählt die Geschichte des jü̈dischen Milchmanns Tevje und seiner Familie im Russischen Reich um 1905. Als die drei ä̈ltesten Töchter ins heiratsfä̈hige Alter kommen und sich, nach Tevjes Ansicht, in vö̈llig unpassende Mä̈nner verlieben, wird seine traditionsbewusste Lebensweise komplett auf den Kopf gestellt. Nach anfänglichem Hadern mit den Heiratswü̈nschen siegt am Ende aber doch die Liebe, und die drei Mädchen heiraten ihren jeweiligen Auserwählten.

Leading Team: Karl Absenger (Regie), David Levi (Dirigent), Walter Vogelweider (Bühnenbild), Roland Gawlik (Choreo­grafie)

Besetzung: Gerhard Ernst (Tevje), Dagmar Schellenberger (Golde, Tevjes Frau), Bele Kumberger (Zeitel, älteste Tochter), Elisabeth Ebner (Hodel, 2. Tochter), Iris Graf (Chava, 3. Tochter), Maria Mallé (Jente, Heiratsvermittlerin)

Gala „Operette kennt keine Grenzen“: 13. August, Gala-Programm mit Festakt, 14. August, Gala-Programm. Es singen u. a. die ungarisch-österreichische Sopranistin Ildikó Raimondi (Staatsoper Wien) und der slowakische Tenor Pavol Breslik die schönsten Melodien aus Operette und Musical. Die Moderation liegt in den Händen von Dagmar Schellenberger und Frank Hoffmann, dazu gibt es prächtige Balletteinlagen.

An die 500 Leute sind bei den Seefestspielen Mörbisch involviert. Für das Orchester gibt es den Auftrag, dass 70 bis 80 Prozent der MusikerInnen aus dem Burgenland stammen müssen. Die Seefestspiele Mörbisch sind ein Verein, der nicht subventioniert wird. Jeder Cent der ausgegeben wird, muss durch Kartenerlöse und Sponsoren eingespielt werden – so schlägt auch Dagmar Schellenberger oft die Werbetrommel bei internationalen Tourismusmessen.

 

[highlight color=”yellow”]Es gibt eine schier unglaubliche Anzahl an Produktionen im Sommer, aber diese wird sich die !ticket-Redaktion definitiv anschauen:[/highlight]

„Flashdance – Das Musical“: Musical Sommer Amstetten, 6. bis 30. August
Alex Owens, ein Mädchen aus Pittsburgh, träumt davon, professionelle Tänzerin zu werden. Tagsüber arbeitet sie in einem Stahlwerk, abends als Tänzerin in einer Bar. Der Song „What a Feeling“ wurde zum Kassenschlager. Die Regie führt Werner Sobotka, die Choreo­grafie stammt von Rames Nair.

„La Canterina / Lenardo und Blandine“: Teatro Barocco in Stift Altenburg, 10. bis 27. Juli
Intendant Bernd Roger Bienert geht seit 3 Jahren erfolgreich zu den Ursprüngen historischer Theaterkunst zurück und lässt auf diesen Grundlagen heutiges Theater entstehen.

„Zerbinettas Befreiung“: Theatersommer Haag, 2. Juli bis 9. August
Der neue Intendant Christoph Wagner-Trenkwitz entführt mit dieser venezianischen Maskenkomödie von Fritz von Herzmanovsky-Orlando ins Venedig Anfang des 18. Jahrhunderts.

„Theaterfestival Steudltenn“: Uderns/Zillertal, 23. April bis 28. Juni
Unterschiedlichste Produktionen, viele davon für Kinder und/oder Jugendliche erwarten das Publikum in der unvergleichlichen Lokalität eines umgebauten Stadels.

„Oliver“: Sommermusical Bad Leonfelden, 17. Juli bis 2. August
Der Musicalklassiker nach Oliver Twist erzählt die Geschichte des Waisenjungen Oliver. Mit dabei sind die Florianer Sängerknaben.

„Der Graf von Luxemburg“, „Gigi“ und „Die Kaiserin“: Lehár Festival Bad Ischl, 12. Juli bis 31. August
Der gewohnte Mix aus klassischer Operette und Musical wird auch heuer wieder das Publikum verzaubern.

„Vienna Summernight Classics 2014 – Erwin Schrott, Ramón Vargas & Guests”: Wiener Riesenrad/Kaiserwiese, 4. September
Eine neue Veranstaltungsreihe vor der eindrucksvollen Kulisse des Wiener Riesenrads wird unvergessliche, klassisch-populäre Musikveranstaltungen bringen.

 

[highlight color=”yellow”]Nicht nur die Seefestspiele Mörbisch, auch zahlreiche andere Sommertheater-Veranstaltungen findet man direkt bei uns im Shop:[/highlight]

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