Bülent Ceylan ist der Kreatürk

In seiner Heimat Deutschland tritt der Comedian in Stadien auf und ist ein gefeierter TV-Star. Sein Vater kam vor Jahrzehnten als Gastarbeiter nach Deutschland – deshalb sind seine Protagonisten oft in diesem Milieu angesiedelt. Witze über Bülents Vater sind nicht tabu. Das neue Programm Wilde Kreatürken  führt den Star aus Mannheim für einige Dates auch nach Österreich, wo seine Beliebtheit zu Höhenflügen ansetzt. Grund genug, den Mann mit den langen Haaren zu einem kurzen Plausch zu treffen.

TICKET: Die erste Frage liegt auf der Hand. Ist Wilde Kreatürken  deine neue Berufsbezeichnung oder bloß der Name des aktuellen Programms?

Bülent Ceylan: (lacht) Das liegt daran, dass ich mehrere Charaktere im Programm hab‘, wie den Harald, den Hasan, den Momfred, die Anneliese. Das sind schon einmal Kreaturen, das steckt drinnen. Der Türke steckt drinnen, kreativ steckt drinnen, wild auch. Ich bin in der Hinsicht wild, weil die Show auch Rock and Roll ist … ich hab‘ Musik im Programm, will aber auch, dass die Comedy rockt! Dass die Menschen das Gefühl haben: Wow, der gibt alles, und hat Spaß an dem, was er macht. Ich glaub‘, das ist das Wichtigste: dass du auf die Bühne gehst, weil es dir selbst Spaß macht. Es muss eine Leidenschaft sein, die Leute zum Lachen bringen zu wollen! Man kann zwar nicht jeden erreichen und ich polarisiere auch, das ist ja normal. Dass es so sehr polarisiert, ist schön für mich! Die Menschen kommen trotzdem zu mir. In Frankfurt kommen 40.000 zu mir ins Stadion!

TICKET: In Österreich ist das Comedy-Biz ja nicht ganz so groß.

Bülent: Ich hab‘ gehört, dass ein großer Kabarettist hier vor 500, 600 Menschen auftritt. Ich fühle mich sehr geehrt, vor allem in Wien in der Stadthalle spielen zu dürfen und da kommen vielleicht 4000, 5000 Zuschauer. Das ist Wahnsinn! Ich freu‘ mich einfach darauf! Ich mag in Österreich spielen, am liebsten jedes Jahr. Ich spiel‘ aber nicht nur in Wien gerne, auch in Graz, Salzburg usw. Viele wissen ja gar nicht mehr, dass ich in Deutschland vor zwanzig Zusehern angefangen hab‘. Ich sehe den Erfolg nicht als selbstverständlich. Ich würde mir hier gerne mehr aufbauen und vielleicht zwei, drei Tage hintereinander in Wien spielen. Damit ich auch ein bisschen mehr von der Stadt sehe.

TICKET: Vor einigen Monaten traf ich Kaya Yanar. Ihr bedient ja eigentlich die gleichen Themen und das gleiche Klientel.

Bülent: Es ist schon etwas anderes, das kann man gar nicht vergleichen! Was er macht ist mehr Stand-Up auf der Bühne. Wir sprechen jetzt nicht von der Fernsehshow, sondern von der Bühnenshow. Im Fernsehen gibt es hie und da das Türkenthema, das Kaya und mich verbindet, auf der Bühne ist das ganz anders. Und das ist gut so! Nur weil wir türkische Namen haben heißt das nicht, dass wir das gleiche Programm haben. Das wäre ja schrecklich! In Deutschland war am Anfang das Schubladendenken viel krasser. Da hat es geheißen: Wir haben doch schon einen Türken.

TICKET: Hast du auch Stand-Up-Elemente mit dabei?

Bülent: Ja, klar. Als Bülent erzähle ich von meinem Vater, vom Campingurlaub, von Sachen, die mir passiert sind oder wie ich Dinge erlebe. Und es gibt die Charaktere – ich spiel‘ hier teilweise mit Requisiten. Ich hab‘ auch Musik im Programm!

TICKET: Du setzt dich gegen Rassismus ein, für Integration. Gibt es da ein Rezept? Bei uns diskutiert man über türkischen Sprachunterricht in den Schulen.

Bülent: Wir haben in Österreich und Deutschland viele Türken. Wenn man Türkisch in der Schule anbietet, dann nur, wenn man schon gut Deutsch kann und sich bemüht. Das ist der Punkt. Leider gibt es bei uns in Deutschland die Ghettoisierung, Stadtteile in denen nur Türken leben, wie Klein-Istanbul. Dann reden die auch noch nur türkisch, privat und in den Schulpausen. Da muss man schon aufpassen. Daher kommt auch der furchtbare Slang, diese Mischung aus Deutsch und Türkisch. Es ist sogar so, dass manche Deutsch schon so reden: „Ja, is okey, alter, isch schwör‘“ – das ist vielleicht ganz witzig und auch ein Charakterzug von Hasan. Der redet so. Ich zeige auch die andere Seite, den Bülent, der zwar Dialekt spricht, aber nicht im Slang. Er spricht deutschen Dialekt. In Österreich ist das Problem vermutlich das gleiche. Integration ist wunderschön, aber sie muss von beiden Seiten passen. Für mich wäre es gut gewesen, in der Schule Türkisch zu haben, denn ich kann es gar nicht so gut. Ich hätte es lernen müssen.

TICKET: Zwischen uns beiden Langhaarigen – wie viel Zeit investierst du in die Haarpflege? Und sind deine Haare versichert, wie bei Jennifer Lopez der Po?

Bülent: Kann man in Österreich Haare versichern? Ich hab’s versucht, aber Haare kann man leider nicht versichern lassen. Man darf sie nicht jeden Tag waschen, ab und zu schon, das ist klar! Man sollte ein gutes Shampoo verwenden, nicht eines aus dem Supermarkt. Und ein bisschen Öl. Öl ist wichtig am Ende nach dem Waschen oder nach dem Conditioner. Aber man sollte nicht zu viel Chemie rein tun.

TICKET: Du bist selbst Vater. Was ist das Wichtigste, das man Kindern mitgeben sollte?

Bülent: Ich hoffe für alle Kinder, dass sie eine gute Umwelt haben wenn sie mal erwachsen sind! Das allerwichtigste ist natürlich Gesundheit. Man sollte ihnen lehren, wie man mit anderen liebevoll umgeht, Respekt vor einander und keine Vorurteile zu haben. Man muss immer erst den Menschen kennen, bevor man sich eine Meinung bildet! Ich hoffe, dass die junge Generation noch offener und herzlicher miteinander umgeht. Ich kann es nicht fassen, dass es heute noch immer Nazis gibt!

Interview: Alexander Haide

Wer sich von Bülent, Hasan, Momfred und Anneliese live einen Eindruck machen will, hat ab 19. Juli in fünf österreichischen Bundeshauptstädten die Gelegenheit dazu.

 

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