Cannes The Cannes

Der Glanz und das Elend des Filmbusiness ist beim 67. Festival in Cannes angesagt: Arroganz, Hysterie und Magie geben sich in der sonst so malerischen Côte d’Azur die Klinke in die Hand.

 

Von 14. bis 25. Mai tummeln sich zum bereits 67. Mal Stars und solche, die es einmal werden wollen – und noch mehr, die es nie werden können – an der Croisette. Wenn die 72.000 Einwohner, soweit es ihnen möglich ist, aus der Stadt an der Côte d’Azur flüchten und sie den rund 10.000 angereisten Filmbranchen-Vertretern überlassen, dann ist Festivalzeit. Sie flüchten nicht nur vor den etwas hysterisierten Journalistinnen und Journalisten („Ich MUSS in diese Vorstellung, ich muss einfach!“), nicht nur vor den Schaulustigen, die allabendlich das Palais du Festival belagern, um den einen oder anderen Star zumindest aus der Ferne zu bewundern, sondern auch vor dem Verkehrskollaps und den Preisen in Geschäften, Cafés und Restaurants, die alljährlich zu Festivalbeginn regelrecht explodieren. Ein karg möbliertes Loch, das mehr einer Gefängniszelle als einem Hotelzimmer gleicht, kostet dann schon mal 300 Euro, während man sonst nur 80 Euro dafür berappt. Und Cannes ist laut: Der Geräuschpegel während des Festivals ist enorm: Die ganze Nacht Highlife, das hat seinen Preis, auch akustisch, und Betrunkene, die zu ihren Hotels wanken, treffen auf die ganz Eifrigen, die schon zur ersten Vorstellung im Grand Théâtre Lumière des Palais eilen. Diese beginnt zwar erst um um 8.30 Uhr, es schadet aber nicht, wenn man schon um 7.45 Uhr da ist. Dann hat man, die enstprechende Akkreditierung vorausgesetzt, gute Chancen auf einen Platz in dem 2.300 (!) Besucher fassenden Auditorium.

Rituale und Skandale

Was wäre Cannes zum Beispiel ohne seine mega-arroganten Türsteher? Die haben es zwar einerseits nicht leicht mit all den Wichtigtuern, die in die Säle drängen, zum anderen legen sie aber auch eine Attitüde an den Tag, die Schreiduelle und (ja, auch das gibt es) Faustkämpfe, Tumulte und Gerangel geradezu provozieren. Auch die eine oder andere Glastür musste schon dran glauben. Auch auf den Straßen wird einem nicht fad: Da fliegen schon einmal in einem noblen Straßencafé die Stühle, oder Autos gehen in Flammen auf. Polizei und Feuerwehr haben alle Hände voll zu tun. Zu den Ritualen gehört auch, dass vor der abendlichen Vorführung im Salle Debussy immer jemand „Raoul!“ ruft, dass Ennio Morricones himmlische Musik aus Terrence Malicks „Days of Heaven“ erklingt und sich der Vorhang öffnet – die Magie des Kinos kann sich endlich entfalten.

 

Unser Kooperationspartner ray bloggt jeden Tag vom Festival.

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!