Cartoons und unnützes Wissen über Wien

„Wien, Wien nur du allein, sollst stets die Stadt meiner Träume sein!“ dichtete der Komponist Rudolf Sieczynski und wenngleich gerade in den Bundesländern die Bundeshauptstadt gerne als gefährliches Pflaster mit einer übermäßigen Ansammlung an Minderbemittelten angesehen wird, so gilt Wien doch als „lebenswerte Stadt“ – mit eigenem Charakter.

 

Über die Wiener, ein buntes Potpourri verschiedenster Nationen, und die Stadt selbst ließen sich Bände füllen – und gerade literarische Streifzüge wie von Tex Rubinowitz (Das staubige Tier) oder in Kürze Georg Biron (Hai Society), wie auch die wunderbare Sammlung von Eva Menasse (Wien, küss die Hand, Moderne) erlauben einen etwas anderen Blick auf den Dschungel zwischen Schönbrunn und Oper, Zentralfriedhof und Hundertwasser-Fernwärme, Donauturm und Kahlenberg – mit lauter „Begegnungszonen“ dazwischen.

Aber nicht nur für die Damen und Herren aus den Bundesländern sind Wien-Informationen nützlich, wenn sie sich doch einmal in die große Stadt (zum Besuche eines Musicals, oder eines Rock-Konzertes) wagen müssen. Auch für die deutschsprachigen Nachbarn, die sich eigentlich durch die gemeinsame Sprache einen Startvorteil erhoffen, kann es zu Stolpersteinen kommen. Seit Jahren zirkuliert die Anekdote von einer naiven deutschen Studentin, die sich von ihren Wiener Bekannten mit einem frohgemuten „Sakalaa!“ zu verabschieden begann. Sie soll die mürrische Abschlussfrage der Supermarkt-Kassierinnen, „Sackerl aaa?“ („Auch eine Tüte?“) für eine Grußformel gehalten haben.

Auch Dirk Stermann, der grau-melierte Düsseldorfer, der dereinst nach Wien auszog, um schließlich gemeinsam mit Christoph Grissemann dem Anstand das Fürchten zu lehren, beschreibt in seinen Büchern, insbesondere 6 Österreicher unter den ersten 5, die Hürden, die der Deutsche, wenn er auf die zähnefletschende Herzlichkeit der Wiener und Wienerinnen trifft, zu überwinden hat. Immerhin gibt es im Wienerischen annähernd so viele Worte für das Quälen seiner Mitmenschen, wie der Eskimo für den Schnee hat: Von „sekkieren“ über „häkeln“, „pflanzen“, „tratzen“ und „buserieren“ haben wir, die selbsternannten Könige der Bauern, doch zahlreiche Möglichkeiten, Mitmenschen „auf den Senkel zu gehen“.

Damit der unpersönliche „man“ (wobei dies selbstverständlich für beide Geschlechter und für alle Unentschlossenen auch gilt) sich leichter in Wien und leichter mit den Wienern tut, präsentiert der vor Ort ansässige Holzbaum Verlag zwei durchaus hilfreiche Büchlein, die den Feldversuch zwar nicht ersetzen, aber doch behutsam vorbereiten vermögen:

Unnützes WienWissenZum einen erschien kürzlich mit Unnützes WienWissen ein Nachschlagewerk, das sich auch Einheimische ins Bücherregal stellen dürfen. Denn wenngleich es hinlänglich bekannt sein mag, dass Wien an der Donau liegt, der Gürtel nicht enger geschnallt wird und der Rathausplatz so sauber ist, weil „der Michi immer mit an Fetz’n drübergeht“, so bietet das ansehnliche Bändchen die Informationen, die zwar auf den ersten Blick unwichtig erscheinen mögen, auf Dauer gesehen aber im Gespräch brillieren lassen: Unnützes Wissen ist die neue Bildung. Dies meint auch Calina Fontanesi, Geschäftsführerin des Onlineportals stadtbekannt.at, wenn über acht Kapitel verteilt jene Informationen feilgeboten werden, die sicherlich nicht im Baedeker zu finden sind. Oder wussten Sie, dass der Magdalenengrund in Mariahilf früher unrühmlich „Im Saugraben an der Wien auf der Gstätten“ hieß? Oder dass in Wien-Liesing die Zahnpasta in der Tube erfunden wurde? Dass unsere Kaiserin tätowiert war und einen Hang zu Kokain und Veilcheneis verspürte?

Denken Sie doch beim nächsten Besuch der Wiener Stadthalle daran, dass Michael Jackson seinen Earth Song im Wiener Hotel Imperial schrieb, oder die wüsten Rocker Guns N‘ Roses ziemlich perplex darüber waren, dass die Loos Bar, die sie samt Tross (60 Leute) besuchen wollten, selbst für Superstars nur Platz für 27 Personen bietet!

Cartoons über WienEinen etwas anderen Ansatz verfolgt die Ausstellung Cartoons über Wien, die seit 21. Februar und noch bis 4. Mai in der Galerie der Komischen Künste im Wiener MuseumsQuartier (täglich von 11 bis 18 Uhr) zum herzhaften Lachen einlädt. „Der Himmel voller Geigen, die Straßen voller Arschgeigen“, schreibt der Pressetext, und selbst der Wiener wird hier eifrig nicken: So kennt man Wien.

Mit überaus komischen Bildern – von namhaften, vorrangig nicht wienerischen Karikaturisten – wird die Donaumetropole durchleuchtet. Schier unglaublich, auf wie viele verschiedene Arten man den „Tod, der Wiener sein muss“ auftreten lassen kann! Oder wie man, kurz nach dem Opernball, den „Wiener Walzer“ auch interpretieren kann – und dass, wenn wir schon beim Kaiserlichen Tanz sind, aufgedeckt wird, dass der Kaiser seinen Namen wahrlich furzen konnte!

Belesenen Menschen ist vielleicht bekannt, dass während der „Sadismus“ von Marquis de Sade kommt, der „Masochismus“ nach dem Österreicher Leopold von Sacher-Masoch (Venus im Pelz) benamt wurde. Nichts mit der Befriedigung am Schmerz hat jedoch die Sacher-Torte zu tun, auch wenn es einiges an Pein kosten mag, die Kalorien wieder von den Hüften zu trainieren.
Apropos Kulinarik: Während der Türkenbelagerungen 1529 und 1683 standen die Türken vor den Toren Wiens, mittlerweile sind sie a) einer Theorie nach nun in Wien verteilt (die Buden, wo man sich eine Eitrige einipfeiffen kann, gibt es aber nach wie vor zur Genüge) und b) einer anderen Theorie zur Folge unter Wien in Permafrost eingefroren: der Klimawandel das Trojanische Pferd der Wiener. Dafür standen, das verheimlichen die Geschichtsbücher an den Schulen, lange vor den Osmanen bereits die Ottomanen vor unseren Toren!

Ein kleiner Tipp am Rande: Leckermäulchen mit empfindlichem Magen sollten sich nicht anschauen, wie Mozartkugeln hergestellt werden. Winterkirschen waren gestern! Allen anderen sei jedoch die Ausstellung – und das begleitende Buch – mit den überaus komischen Illustrationen von Bruno Haberzettl (Kronen Zeitung), Ari Plikat (Stern, Titanic, FAZ), Benedikt Kobel (Die Presse, Die Bühne), Bernd Zeller (SZ, Die Welt), Gerald Mayerhofer (New York Times) und vielen, vielen mehr wärmstens empfohlen.

In dem Sinne: Herr Ober, ein Fluchtvierterl bitt‘ schön!

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