Unerfreulich komisch – Christoph & Lollo

Seit knapp 20 Jahren packen Christoph und Lollo kritische und komische Texte in charmante Melodien. Nun erscheint ein neuer Tonträger der Wiener Liedermacher. Er heißt „Das ist Rock ’n’ Roll“.

Ihre Schispringerlieder aus 1999 sind legendär, ihre Musikvideos fabulös! Christoph und Lollo versprühen mit ihren sozialkritischen und komischen Liedern Charme und Sympatie. Und eines scheint festzustehen: Schweigen werden die beiden nie!

Wie unterscheidet sich euer neues Album zu seinen Vorgängern?

Von außen ist es erstmals farblos, also schwarz-weiß, das ist neu. Um es zu produzieren, haben wir länger gebraucht als beim Vorgänger, wir geben uns nicht mehr so leicht zufrieden mit den Ergebnissen und basteln ewig an Kleinigkeiten herum. Außerdem ist es das erste Album auf unserem eigenen Label “Kazuyoshi Records”, wir müssen also mehr arbeiten, dürfen uns dafür aber auch das ganze Geld behalten. Alles in allem sind wir uns jedenfalls treu geblieben, wir machen Lieder über Themen.

Glaubt ihr, dass es in Österreich besonders einfach ist, Geschichten über die hiesigen Gegebenheiten zu schreiben?

Einfach? Meistens. Erfreulich? Selten.

Was ist für euch der Unterschied zwischen Satire und Kabarett?

Satire ist eine lebensnotwendige Kulturtechnik, um sich mit Spott gegen die Zumutungen der Wirklichkeit zu wehren. Kabarett sollte sich dieser Technik bedienen, darf und soll aber durchaus auch hin und wieder einfach nur blöd und tief sein.

Ist es manchmal frustrierend, Probleme musikalisch aufzuarbeiten?

Nein, eigentlich ist es einfacher und befriedigender weil zur sprachlichen auch noch die musikalische Ebene hinzukommt, die es sowohl dem Künstler als auch dem Publikum erleichtert sich nicht nur intellektuell sondern auch gefühlsmäßig auf das Thema einzulassen. Außerdem kann man Lieder besser auswendig lernen als Prosa.

Das ist Rock 'n' Roll ist bei Kazuyoshi Records erschienen.

“Das ist Rock ‘n’ Roll” ist bei Kazuyoshi Records erschienen.

Politisiert ihr im Privatleben auch viel?

Kann vorkommen. Bandintern unterhalten wir uns aber am liebsten über Kochrezepte, Haushaltsführung und Kindererziehung.

Versucht ihr der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten?

Gewissermaßen schon. Wir versuchen aber auch, geile Musiker, lustige Komiker und reiche, schöne Großgrundbesitzer zu sein. Klappt halt nicht.

Gibt es Themen, die ihr nicht besingen würdet, die für euch tabu sind?

Wenn wir den Eindruck haben, jemandes Gefühle zutiefst zu verletzen, überlegen wir lieber zwei Mal. Wenn wir aber außerdem den Eindruck haben, dabei einen wichtigen Punkt zu treffen, müssen wir leider hart bleiben.

Bei welchen Menschen eckt ihr mit eurem Humor an?

Alle, die sich und ihre Ansichten, Vorlieben und Überzeugungen sehr wichtig nehmen, haben wohl früher oder später ein Problem mit uns und unseren Liedern. Damit müssen wir leben.

Seid ihr schon verklagt worden?

Nein, noch nicht passiert.

Wollt ihr mit euren Geschichten/Songs etwas verändern? Was könnte man eurer Meinung nach als „Privatperson“ tun, um sich gegen Missstände zu wehren?

Wenn man die Leute, die die Lieder hören, zum Nachdenken anregen kann, ist das schon super. Im Alltag hilft es beispielsweise, gegenüber Mitmenschen, deren Meinung man blöd findet, nicht zu schweigen und schon gar nicht zu nicken, sondern seinen eigenen Standpunkt darzulegen. Dafür braucht man aber Mut. Auf der Bühne braucht man den übrigens nicht so.

Worüber habt ihr das letzte Mal so richtig gelacht?

Keine Ahnung, aber es waren vermutlich Kinder im Spiel.

Christoph & Lollo touren ab 7. Oktober quer durch Österreich:

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