Cyril Helnwein über Brüste, Guinness und Geister

Für unsere letztjährige Juni-Ausgabe hatten wir die einmalige Gelegenheit, ein kurzes Gespräch mit dem Künstler und Donald-Duck-Aficionado Gottfried Helnwein zu führen, der einer breiten Masse wohl durch seine Covermalereien für Rammstein (Sehnsucht), Marilyn Manson (The Golden Age Of Grotesque) und die Scorpions (Blackout) ein Begriff ist. Dass auch seine Kinder Mercedes, Cyril und Ali künstlerisch tätig sind, wissen viele nicht. Nach der großen Helnwein-Retrospektive in der Albertina zeigt nun auch Spross Cyril einige seiner Arbeiten in Wien.

 

Zentrum deiner Arbeiten sind bevorzugt weibliche Modelle. „Funktioniert“ der weibliche Körper als Objekt der Kunst anders als der eines Mannes?

Cyril Helnwein: Durchaus, ja. Für mich funktionieren Mann und Frau wie Ying und Yang, positiv und negativ. Klingt nach einem Klischee, aber entspricht zumindest für mich – im Rahmen der Kunst – als Tatsache.

 

Dass dein Vater, Gottfried Helnwein, einen Namen hat, brauchen wir nicht argumentativ zu untermauern. Keines seiner Kinder, inklusive deiner Person, hat einen „normalen“ Brotberuf ergriffen, sondern entschied sich auch für den Weg in die Kunst. Wie kommt‘s?

Cyril: Ich glaube, das liegt daran, weil wir nie gezwungen wurden etwas zu tun, was wir nicht wollten – und natürlich war auch das Umfeld, in dem wir aufwuchsen, dementsprechend förderlich. Für uns Kinder war es eine natürliche Entwicklung. Zudem denke ich, dass alle Kinder geborene Künstler sind – erst, wenn sie heranwachsen, verlieren sie gegebenenfalls jene Kreativität.

 

Interessant für mich ist, dass jedes von euch Kindern sich im Rahmen der künstlerischen Betätigungsfelder jeweils ein anderes ausgesucht hat: Dein Bruder ist Musiker, deine Schwester malt und schreibt, du fotografierst. Passierte dies zufällig oder ist dies der elterlichen Erziehung zuzuschreiben und gegebenenfalls geplant passiert, auf „dass sich die Kinder nicht in die Quere kommen“?

Cyril: Geplant oder auf die Erziehung zurückzuführen ist dies definitiv nicht. Mein Bruder malte als kleines Kind auch und mit dem Geld, das er sich dadurch erarbeitete, kaufte er sich seine erste Violine. Meine Schwester malte schon sehr früh Prinzessinnen und schrieb ihre Kurzgeschichten. Und darin wurde sie immer besser.

Ich nun brauchte etwas länger, um mich in meinem Feld zu „festigen“. Ich nahm die Fotografie nie sonderlich ernst, bis in meine frühen Zwanziger hinein. Davor fotografierte ich allein zum Spaß und Zeitvertreib. Den Spaß habe ich mir natürlich bis heute behalten.

Ich denke auch, dass man niemandem eine Kreativität, eine besondere Kunstform „anerziehen“ kann. Entweder, du kannst etwas gut, oder nicht, nicht mehr. Zweifelsohne kann man mit mannigfaltigen Möglichkeiten unterstützend auf ein Geschick einwirken, aber das ist eine andere Geschichte.

 

Urteilt ihr gegenseitig über eure Arbeiten, gebt ihr euch Inputs, arbeitet ihr übergreifend – sprich: adaptiert dein Bruder Themen, die du in deinen Fotos, deine Schwester in ihren Malereien oder Geschichten aufgreifen und vice versa?

Cyril: Wir stehen uns alle sehr nahe und sind natürlich stets für den anderen da, aber bei der Kunst zieht jeder mehr oder weniger sein eigenes Ding durch. Natürlich haben wir auch schon gemeinsame Projekte gehabt, aber das ist eher die Ausnahme. Jeder von uns führt doch sein eigenes Leben. Familienessen sind aber immer wieder eine gute Möglichkeit, zusammen zu kommen und sich auszutauschen.

 

Ist der Name eures Vaters Vorteil oder Bürde?

Cyril: Die einzige Bürde ist, stets diese Frage gestellt zu bekommen (lacht). Ich assistiere ihm oft, aber seine und meine Werke sind zwei komplett unterschiedliche Welten. Ich benutze seinen – unseren – Namen auch nicht als Türöffner, wenngleich man mich durch ihn entdeckt, sage ich auch nicht nein (lacht). Aber vielleicht sollte ich mir ein Pseudonym zulegen …?

 

Dein Vater ist ein großer Verehrer von Donald Duck. Dessen Onkel Dagobert besitzt nach wie vor seinen „ersten Taler“ als Talisman. Erinnerst du dich an das erste Bild, das du geschossen hast?

Cyril: Nicht wirklich. Für mich ist so etwas auch nicht wirklich wichtig. Meine erste „ernst“ geschossene Serie weiß ich aber natürlich noch, das waren Landschaften und Straßen in Irland.

 

Kojii, Captain, Cyril & Gottfried Helnwein. © W.S. Fuchs

Zahlreiche Bilder deiner aktuellen Ausstellung in Wien, Beautiful Disasters, zeigen das weibliche Hinterteil. Ist dies ein Fetisch von dir oder ist für dich selbiger mit einer „tieferen Bedeutung“ aufgeladen?

Cyril: Lustig, dass du mich das fragst – denn eigentlich stehe ich mehr auf Brüste denn auf Hintern, wenngleich ich mich aber auch als Mann bezeichnen würde, dem das „Gesamtobjekt“ wichtig ist. Das attraktivste an einer Frau ist für mich, muss ich auch sagen, aber immer noch ihr Charakter, ihre Person, und nicht der Körper, den sie bewohnt.

 

Setzt du dir eigentlich selbst Grenzen auf, zensierst du dich, deine Arbeit?

Cyril: Kunst darf zu keinem Zeitpunkt zensiert werden, auf der anderen Seite denke ich auch nicht, dass ich etwas tue, das auch nur annähernd danach schreien würde, zensiert werden zu müssen. In meinen Augen definiert der Rezipient und nicht der Künstler, was Kunst ist – der Künstler tut dies stets nur aus seiner subjektiven Sichtweise heraus, nicht allumfassend.

 

Eines meiner Lieblingswörter des Irischen – und gleichzeitig Titel eines deiner aktuellen Bilder – ist „craic“. Was bedeutet für dich „craic“?

Cyril: „Craic“ hat in Irland viele Bedeutungen, die sich wohl am besten mit „Spaß“ zusammenfassen lassen würden. Spaß bedeutet für mich in erster Linie Abenteuer, Reisen zu unbekannten Orten, Segeln am Ozean, generell, Dinge zu entdecken, Hindernisse zu überwinden, Herausforderungen anzunehmen. Aber auch das gemütliche Zusammensein zuhause mit Frau und Kindern, etwa bei einem guten Film, bereitet mir Spaß und Freude.

 

Eins deiner Bilder trägt den Titel Tap That und zeigt einen etwas anderen Zapfhahn. Was sind deine Top-5 Biere?

Cyril: Gute Frage. Ich bin jetzt nicht so der Biertrinker, aber was ich mag, ist das Budvar (Tschechien), das deutsche Kölsch und Bitburger. In Österreich trinke ich gerne Stiegl. Aber nichts im Vergleich zu einem guten Pint Guinness! Das ist übrigens wirklich schwer zu bekommen, denn hier muss wirklich alles passen – zu aller erst muss es in Irland serviert werden, weil alles, was man nicht in Irland auf den Tresen gestellt bekommt, wurde nicht in Irland gebraut sondern irgendwo auf der Welt. Dann muss derjenige hinter dem Zapfhahn auch wissen, was er tut: Es darf nicht zu schnell runtergelassen werden, zudem in einem bestimmten Winkel und wenn das Glas zu drei Vierteln voll ist, muss man es erst einmal kurz ruhen lassen.

Wichtig ist natürlich auch die Anzahl der Mittrinkenden im Pub, die Distanz zwischen Fass und Hahn, die Temperatur, wie oft der Hahn und die Leitungen gesäubert werden, und so weiter. Ich glaube, ich gehe nicht falsch mit meiner Annahme, dass Guinness eines der komplexesten Biere weltweit ist – aber wenn du ein ordentliches bekommst, dann ist die Welt in Ordnung.

 

"Eat me!" aus der aktuellen Ausstellung

„Eat me!“ aus der aktuellen Ausstellung

Du lebtest bisher in einer Vielzahl an Ländern, in Deutschland, Österreich, Irland und Amerika. Wie haben sich diese kulturell und geographisch unterschiedlichen Länder auf dich, deine Arbeit ausgewirkt?

Cyril: Der Umzug nach Irland 1997 war eigentlich das, was mich dazu inspirierte, meine erste Ausstellung zu gestalten. Ich verliebte mich unsterblich in die Landschaft, die Menschen und die Kultur, und so entschied ich mich, die Insel erst einmal für eine Woche zu bereisen und alles fotografisch fest zu halten. Das Resultat war divers: von Landschaften über Alkoholiker, die sich unter einer Brücke einen hinter die Binde kippten, Tiere und diese seltsamen Paraden, die für irgendwelche Schlachten aus der Vergangenheit abgehalten werden …

Unser Schloss in Irland inspirierte mich zu meiner Ethereal-Serie. Als wir einzogen, kam es mir vor, als spuke es. Inzwischen, so glaube ich, haben wir die Geister verschreckt – oder sie sind, da ihre altertümlichen Schreckversuche bei uns keine Wirkung erzeugten, gelangweilt von dannen gezogen. Alle Bilder der Serie entstanden im Schloss oder – bis auf eines – rund herum und sind nicht manipuliert worden.

Myths & Fairytales bezieht sich in groben Zügen auf die Grimm’schen Märchen, die ich als Kind erzählt bekommen habe. Als ich das erste Mal Vater wurde, grub ich jene Geschichten wieder aus und tauchte gemeinsam mit meinem Nachwuchs in diese fantastischen Welten wieder ein.

Schließlich ist da noch die Downtown-Serie, die vom schmutzigen Downtown in Los Angeles inspiriert ist. Ich lebte dort für viele Jahre und nachts, wenn alle Etablissements geschlossen haben, war dort absolut tote Hose, damals zumindest. Ich fuhr mit meinem Motorrad herum und die Motive – Art-déco-Gebäude, vor allem – sprangen mich regelrecht an. Mittlerweile ist es dort sehr „hip“ und sehr teuer – deswegen haben sich die meisten Künstler der Gentrifizierung ergeben und sind abgewandert.

Die aktuelle Ausstellung, die gerade in Wien unter dem Titel Beautiful Disasters zu sehen ist, wurde von meinen Wiener Wurzeln inspiriert.

 

Du sagtest einmal, du könnest nicht malen, hast keine Ahnung mit Photoshop umzugehen. Du machst „was dir gefällt“. Hat also, wie du vorher schon andeutetest, tatsächlich jeder ein Talent zu „künsteln“, sofern er an sich glaubt?

Cyril: Ja, jeder hat das Potenzial dazu. Allerdings glaube ich nicht, dass es vielen an Selbstvertrauen mangelt …

 

In deinen Bildern, denke ich, ist es auch weniger das Motiv selbst, sondern die Farben und der Kontrast, die sie so beeindruckend werden lassen. Würdest du dem zustimmen?

Cyril: Zu einem großen Teil, ja. Ich kümmere mich beinahe gar nicht um die zahlreichen Fragen, wie ein Bild „gut“ werden kann. Was ich jedoch weiß: Ohne richtigem Kontrast und ohne einer Farbwirkung hast du verloren.

 

Wie erziehst du deine Kinder? Computerspiele und Fernsehen, so heißt es ja, zerstören die Kreativität, das Vorstellungspotenzial …

Cyril: Ich versuche, ein möglichst liberales Elternteil zu sein und überlasse ihnen, möglichst ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Meine Aufgabe ist es, ihnen die Optionen offen zu legen, zu erklären – was sie draus machen, ist dann ihre Sache. Kinder sind auch Menschen und Eltern vergessen diese Tatsache gern einmal und versuchen, zu viele Entscheidungen für sie zu treffen.

Zu viel vor dem Bildschirm, egal ob Computer oder Fernseher, zu hocken, kann sich tatsächlich nachteilig auf die Kinder auswirken. Kinder brauchen viel mehr exaltierte, kreative Aktivitäten, Orte, an denen sie ihre Energie entfalten können, einfach nur herumrennen beispielsweise. Sitzen sie einfach nur blöde herum, fressen sie Energie – und geben selbige nicht ab.

 

"Nutrimentum Spiritus" aus "Ethereal"

„Nutrimentum Spiritus“ aus „Ethereal“

Du hast bereits deine Serie Myths & Fairytales angesprochen, und dass du gemeinsam mit deinen Kindern wieder in diese Welt eingetaucht bist. Einigen Märchen wurden alternative Enden verpasst, damit den „Kleinen“ nicht gleich das ganze Unheil vor den Latz geknallt wird. Ist dies der richtige Weg, Kindern Erzählungen vorzuenthalten, wo vergiftet wird, Menschen gegessen werden sollen?

Cyril: Ich glaube, hier wird von vielen Eltern ein zu großes Tam-Tam gemacht. Viele münzen ihre eigenen Probleme der erwachsenen Vorstellung auf die kindlichen Gedankengänge von Kindern um – und das ist falsch. Natürlich wäre es Blödsinn, einen 5-Jährigen Horrorfilme ansehen zu lassen, davon würde er nur Alpträume bekommen. Anders jedoch Märchen: Hier kommt es darauf an, wie man diese den Kindern transportiert. Natürlich kann man ein Schwein sein und den Kindern mit Märchen auch Angst machen, muss man aber nicht.

 

Ein Teil der Familie residiert in Los Angeles, während du in Irland zuhause bist. Neben Los Angeles ist New York das zweite große Kulturzentrum Amerikas. Wodurch unterscheiden sich Ost- und Westküste?

Cyril: Um das zu beurteilen kenne ich New York zu wenig. Ich vermute aber, dass New York, weil es näher an der „alten Welt“ liegt und auch selbst älter als Los Angeles ist, eine stärkere Verbindung zu Europa hat. In Los Angeles ist immer noch sehr stark der Wilde Westen zuhause (lacht).

 

Du hast Marilyn Manson und deinen Vater zusammengebracht. Daraus resultierte einerseits eine sehr produktive, aber auch eine provokative Zusammenarbeit. Du meintest, er sei, sowohl von künstlerischer, wie auch aus musikalischer Perspektive, einer deiner bevorzugten Künstler. Welche anderen Künstler und Musiker inspirieren dich?

Cyril: Uff. Für diese Liste bräuchte ich mehr als nur eine Seite und es wäre auch irgendwie unfair, wenn ich nun den einen nenne, den anderen aber ausspare oder einfach nur vergesse. Wichtig für mich ist die Abwechslung, und je nach Stimmung habe ich Lust auf dies oder jenes. Wenn man meinen iPod auf Shuffle stellt, könnte man meinen, er gehört mehreren Personen – da folgt Bluegrass auf Heavy Metal, dann setzt eine Oper ein und hierauf ein Gangster Rap aus den Neunzigern. Dann wiederum hast du Gypsy Klezmer oder Tuwinische Musik laufen. Dann: Stille – und ein irisches Traditional kommt aus dem Nichts.

 

Wenn du dir mal eine Platte kaufst, wie wichtig ist dir dann das Cover?

Cyril: Ich muss gestehen, ich habe weder viel Zeit, noch bin ich sehr statisch, daher habe ich das meiste in iTunes. Im digitalen Zeitalter gehören coole Plattenhüllen leider beinahe der Vergangenheit an, was heute zählt, sind die Videos. Das beste Gefühl ist aber immer noch, auf ein Konzert zu gehen – oder zumindest, sich das Album in voller Lautstärke reinzuziehen.

 

"Cock Tease" aus der aktuellen Ausstellung

„Cock Tease“ aus der aktuellen Ausstellung

Aber dennoch: In der Vergangenheit gab es noch die Wertigkeit von Plattenhüllen. Hast du hier einige Schmankerl?

Cyril: Auch das ist bei mir sehr stimmungsabhängig. Auf jeden Fall würden sich aber in dieser Liste Houses Of The Holy von Led Zeppelin, London Calling von The Clash, Angeldust von Faith No More und Sepulturas Roots finden. Marilyn Manson hatte, wie auch Captain Beefheart, Tom Waits und die Rolling Stones einige großartige Covers. Als Teenager stand ich voll auf die von Megadeth und Iron Maiden, das Debüt von Rage Against The Machine, für welches sie das Photo von Thích Quan Duc verwendeten, war auch super. Nicht zu vergessen Rammsteins Sehnsucht – nicht, weil es von meinem Vater ist, sondern weil es eigentlich aus fünf verschiedenen Coverbildern besteht.

 

„Das beste Gefühl ist immer noch, auf ein Konzert selbst zu gehen.“ – geht das überhaupt noch, mit einem „bekannten Gesicht“?

Cyril: Das habe ich nicht – wobei: Kürzlich wurde ich von einem Flughafen-Sicherheitsbeamten angesprochen. Er erkannte mich und sagte, er sei ein großer Bewunderer. Irgendwie war das … seltsam und unerwartet für mich.

 

Dein Lieblingsbuch und –film?

Cyril: Eins? Das ist … unmöglich! Da müsste ich zumindest von Bulgakov Der Meister und Margarita und von Bram Stoker Dracula nennen, sowie auch Tolkiens Hobbit, den ich als junger Erwachsener nahezu verschlungen habe. Bei Filmen wird es noch schwerer, da wüsste ich nicht, wo anfangen …

 

Wie entsteht eigentlich eines deiner Fotos?

Cyril: Ich ziehe Inspirationen von so vielen Dingen – da gibt es keine Methode oder Regel dahinter. Bei Beautiful Disasters kamen die Titel zuerst, und dann entstand darum herum das Bild.

 

Arbeitest du in Stille oder mit Musik, geplant oder eher spontan?

Cyril: Alles von deinen genannten Möglichkeiten. Die Aufnahmen selbst sind meistens geplant. Viele davon sind kleine Theatermomente, wenn du so willst: Sie brauchen Stunden, um aufgebaut zu werden, wenige Minuten, bis sie geschossen und im Kasten sind und noch weniger, bis das ganze Setting dem Erdboden gleichgemacht ist.

 

"Booty Call" aus der aktuellen Ausstellung

„Booty Call“ aus der aktuellen Ausstellung

Rückblickend betrachtet, wie war es für dich als Kind, in einer Künstlerfamilie aufzuwachsen? Warst du daher im „normalen“ Umfeld eher der Sonderling, oder „cool“? Warst du, denkst du, anders als die anderen Kinder, die sich mit den üblichen Spielereien begnügten, während du für deinen Vater Modell standest und Andy Warhol trafst?

Cyril: Um meine Kindheit mit einem Wort zu beschreiben: fantastisch! Ich hatte viel Spaß und fühlte mich eigentlich nie als komischer Außenseiter, ich hatte immer sehr viele Freunde.

 

Wir hatten vorher das Thema eures Spukschlosses und deiner Serie Ethereal. Glaubst du tatsächlich an Geister, das Jenseits?

Cyril: Absolut. Ich hatte zu viele Erfahrungen, die mich das glauben machten. Eine lustige Erzählung dahingehend: Ich war vier oder fünf und war mit meinem Vater in irgendeinem Restaurant essen. Wie üblich war ich unter dem Tisch oder bin irgendwo im Restaurant herumgelaufen, während er bestellt hat. Als das Essen dann kam, warf ich einen Blick drauf und meinte: „Oh, das habe ich schon gegessen, als ich einst ein alter Mann in Russland war.“ Mein Vater war, um es gelinde auszudrücken, natürlich verwundert. Ich hatte keine Ahnung, was da am Tisch stand, und ein kleiner Junge hat natürlich auch relativ geringes Wissen über die russische Küche. Lustigerweise verspüre ich auch eine starke Verbindung nach Russland, obwohl ich bisher noch nie dort war …

 

Einige Künstler greifen gerne auf Drogen zurück, um in eine kreative Welt einzutauchen …

Cyril: Reine Dummheit. Allein die Vorstellung, dass du Drogen brauchst, um deine Kreativität anzusprechen ist absoluter Blödsinn und nichts weiter als eine ziemlich clevere Falle! Eigentlich braucht man nur seine Augen aufzumachen und mal zu schauen, wie viele Künstler wegen Alkohol und Drogen zu früh gestorben sind …

 

Dennoch: Die Serie von Bryan Lewis Saunders, der zahlreiche Selbstporträts auf unterschiedlichen Drogen gemalt hat, geriet ziemlich … interessant.

Cyril: Muss ich mir einmal anschauen …

 

Von wegen gestorben: Was würdest du dir auf deinen Grabstein geschrieben wünschen?

Cyril: „Hier ruht Cyril Helnwein, mit Gesicht nach unten, sodass du ihn leichter am Arsch lecken kannst!“ (lacht)

 

Köstlich. Und wie würdest du dich am liebsten aus dem Diesseits verabschieden?

Cyril: Keine Ahnung, darüber habe ich noch nicht wirklich nachgedacht. Ich glaube aber, ich möchte verbrannt werden, auf dass meine Asche übers Meer verstreut werden kann. Ich will nicht, dass mein Grab zur Pilgerstätte für meine Anverwandten wird. Oder, noch besser: Ich will, dass meine Leiche an einen gigantischen Neujahrskracher gebunden wird und dann: „Ka-boom!“ Verteilt mich über die ganze Stadt (lacht)!

 

„Cream Of The Crop“ aus „Beautiful Disasters“

Noch bis 1. Februar kann man in Yoshi’s Artgallery in der Wollzeile 17, 1010 Wien, die Ausstellung Beautiful Disasters besuchen.

Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Freitag zwischen 11 und 19 Uhr, sowie am Samstag zwischen 11 und 18 Uhr.

Mehr Informationen auf www.theworldofyoshi.com.

Der Ausstellungskatalog ist auch via Amazon.com erhältlich.

Einen tieferen Einblick in die Welt von Cyril erhält man auf seiner Website, die auch die Fotografien der oben angesprochenen Serien nebst zahlreichen anderen Fotos enthält. Reinschauen lohnt sich!

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