Daheim unterwegs

Die einen werden im Tourbus nicht wach, die anderen sind froh, endlich einen zu haben. Madsen kommen aus Deutschland, Friska Viljor aus Schweden. Und trotzdem haben sie ein gemeinsames Zuhause: die Band.

 

Als ich die Nummer des Managements wähle, antwortet mir ein freundlicher Schwede am anderen Ende der Leitung. Es ist Daniel Johansson persönlich, die eine Hälfte der schwedischen Indie-Band Friska Viljor. Die andere Hälfte, Joakim Sveningsson, begleitet mich entspannt in den Backstage-Bereich. Die beiden blonden Bandmitglieder sind zusammen in einer Kleinstadt in Südschweden aufgewachsen. „Wir sind nur zwölf Tage auseinander geboren, seitdem wir sechzehn sind, machen wir gemeinsam Musik – wir haben superviel gemeinsames auf dem Buckel!“ meint Daniel. Klingt für mich nach einem eingespielten Team, wie eine Langzeitbeziehung. Ist es auch. Wie geht sich das aus? Immerhin haben die Burschen ein ganzes Leben zusammen verbracht. Joakim erklärt: „Wir haben vor Jahren beschlossen, total ehrlich miteinander zu sein und alles geradeheraus zu sagen. Wir sind selten uneins. Richtig gestritten haben wir noch nie! Und solange es Spaß macht, machen wir gemeinsam Musik.“ So eine Beziehung, freundschaftlich wie musikalisch, will gepflegt werden. Friska Viljor haben es geschafft, Kreativität zu organisieren. Für soziale Kontakte abseits von Familie und Band bleibt kaum Zeit. Besonders nicht, wenn man sechs Monate lang ein Album einspielt. Privat abhängen ist für Joakim und Daniel nicht oft möglich. „Aber wir haben den Luxus, gemeinsam an der Musik zu arbeiten!“ Im Oktober geht es für die Burschen aus dem Norden wieder auf Tour. Zu lange von daheim fort sein wollen sie nicht, zwei bis drei Wochen maximal.  „Aber wir sind froh, nun endlich einen richtigen Tourbus zu haben, nicht mehr den Minibus und selber hinterm Steuer sitzen zu müssen!“

Auch Madsen sind froh über den Tourbus. Sebastian und Sascha fällt es manchmal schwer, wach zu werden „weil es da drinnen schön kühl und dunkel ist“. Nach zwei Wochen auf Tour kann Sascha daheim gar nicht richtig einschlafen, „Mir fehlt das Wackeln! So stell ich mir das bei einer Schiffsreise vor.“ Eine thematische und musikalische Reise verspricht auch der neue Albumtitel „Kompass“. Orientieren könnten sich die beiden mit einem echten Kompass wohl eher nicht, gestehen sie mir. „Das Album kannst du aber wunderbar mit in den Urlaub nehmen und als eine Art Zuhause betrachten. Es ist etwas, woran man sich festhalten kann, wenn es mal turbulent wird. Die Texte sind nicht immer angenehm, „es reibt sich hier und da“. Bequem soll es aber auch nicht sein. Der Song „Sirenen“ ist ein Weckruf, ein Spiegelbild unserer Generation. Sind wir zu desinteressiert, will ich wissen: „Es ist sehr leicht, alles zu ignorieren, was unangenehm ist. Man sitzt daheim vor seinem Rechner und guckt Filme in HD, in denen schreckliche Dinge passieren, und das ist o. k. Sobald es aber in den Nachrichten irgendwie Wirklichkeit wird, habe ich den Eindruck, ist es für viele unangenehm, sich das anzuschauen.“ Das Zuhause in der Musik. Für Madsen eine Frage der Organisation. Nicht alle Bandmitglieder wohnen in derselben Stadt geschweige denn Land. Sascha wohnt in Wien. Er fliegt, Sebastian fährt mit dem Auto, jeder kommt aus einer Richtung und irgendwo trifft man sich, um Musik zu machen. „Manchmal treffen wir uns auch einfach zum Grillen und Musik machen, für zwei Wochen oder so, um das Bandgefühl zusammenzuhalten“ meint Sascha. Sebastian stimmt ihm zu.  „Wir sind eine Band! Wir müssen auch miteinander abhängen! Es darf nicht nur Business sein. Gerade weil wir auch so verteilt sind.“ Nicht nur in der Band fühlen sich die Jungs zu Hause und gut aufgehoben. Madsen gibt es seit zehn Jahren. Dieses Jahr waren sie zum 4. Mal in der Bandgeschichte am Nova Rock. „Das ist wie ein Klassentreffen. Man trifft die anderen Bands jedes Jahr und man ist mal eine Stunde nur mit Hallo-Sagen beschäftigt.“

 

Vom schwedischen Charme der Jungs von Friska Viljor kann man sich im November überzeugen. Am 3. im Salzburger Rockhouse, am 4. in der Arena Wien, am 5. im Grazer ppc und schließlich am 6. im Linzer Posthof im Rahmen des Ahoi Pop Festivals.

Aber auch Madsen sind ganz schön umtriebig! Am 4. November bespielen sie das Münchener Backstage, am 5. die Wiener Arena. Weiter geht es im Dezember, und zwar am 12. im Linzer Posthof und am 13. im Grazer Orpheum.

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