Das GLOBE WIEN – Marx Halle

Globe Wien

„Die ganze Welt ist eine Bühne“ sagte William Shakespeare. Im GLOBE WIEN / Marx Halle wird dieses Zitat zur Realität – dank der Energie und Leidenschaft von Michael Niavarani und Georg Hoanzl.

Globe WienDer Kabarettist, Schauspieler und Autor Michael Niavarani und Georg Hoanzl von der gleichnamigen Agentur haben vor zwei Jahren Österreich – und speziell die Bundeshauptstadt – um eines der singulärsten Theaterkomplexe reicher gemacht: Ihr GLOBE Wien / Marx Halle im Bezirk Landstraße erinnert an Shakespeares historisches Globe Theatre. Als erste Eigenproduktion der neu gegründeten Niavarani & Hoanzl GmbH lief nach „Reset – Alles auf Anfang“ im Stadttheater Berndorf ab Herbst 2014 im neuen Haus „Die unglaubliche Tragödie von Richard III.“ – mit überragendem Erfolg. Seitdem begeisterte man nicht nur mit dem Nachschlag, der Ehe-Tragödie von „Romeo & Julia“, sondern öffnete das „elisabethanische Vergnügungszentrum“ auch modernerem Zeitgeist. Wir haben Georg Hoanzl getroffen, um ihn über sein ambitioniertes Projekt zu befragen.

Man fährt ziemlich sicher damit, Sie als eine der wichtigsten Schlüsselfiguren der heimischen Kabarettszene der letzten Jahrzehnte zu bezeichnen – die nicht auf der Bühne steht. Wie witzig ist Georg Hoanzl?

Meine Tochter meint: Gottseidank müssen wir nicht von meinem Schmäh leben. Trotzdem lachen wir viel zuhause. Ich sehe mich als Teil einer großen Gruppe, die seit Jahrzehnten versucht, dem österreichischen Kabarett Öffentlichkeit zu erarbeiten.

Was verbindet Sie mit Michael Niavarani, sodass Sie sich auf das Projekt einer gemeinsamen Produktionsfirma, eines Verlages und eines eigenen Theaters einließen?

Eine innige Freundschaft und viele lustige Stunden.

Unbestreitbar ist der „Niavarani-Effekt“, der Häuser schneller ausverkauft, als der Bäcker ums Eck frische Semmeln am Sonntag: Wie wichtig ist „Namedropping“ mittlerweile, wie gesättigt die Branche – laboriert zumindest der Musikmarkt an einem Gedränge und Überangebot?

Namedropping ist seit Adam & Eva wichtig, baut aber seit jeher auf Talent, Können und gute Inhalte auf. In der Musik kenne ich mich ehrlicherweise nicht aus, liebe aber die Vielfalt der österreichischen Musikszene.

Alle Paare der Kulturgeschichte funktionieren mittels Spannungsfeld zweier Extreme – salopp: Der eine ist Dick, der andere Doof, der eine ist ein Montague, die andere eine Capulet. Wodurch lebt die Dualität Hoanzl-Niavarani und wie verteilen sich die Aufgaben?

Auf der Bühne ist Nia, dahinter ich. Schreiben tut Nia, hektisch „checken“ tu ich. Lachen und Jammern tun wir gemeinsam.

Als Sie sich an das gemeinsame Großprojekt machten, wurde Ihr Partner oft mit der Frage konfrontiert: „Braucht Wien ein neues Theater?“ Wie hat sich das GLOBE seither in den Kulturbetrieb und den Mitbewerb – von Theater- bis zur Kabarettbühne – integriert, oder sehen Sie das Globe tendenziell und sukzessive immer mehr als stetig wachsendes „Gallisches Dorf“?

Ohne Subvention Theater zu machen hat schon was von einem gallischen Dorf. In Wirklichkeit gibt es ganz viele integrative Aspekte des befruchtenden und kooperativen Miteinanders mit vielen Künstlern, Theatern und Kabarettbühnen.

Das Projekt war nicht nur ob des „Mitbewerbs“, auch ob des Zeitgeschehens ein Risiko: Profitiert die Veranstaltungs- und gerade die Kabarettbranche von (Wirtschafts)krisen?

Die unkorrumpierte Gegenöffentlichkeit, die Kabarett und Theater im Idealfall in die Gesellschaft einbringen, hat in schwierigen Zeiten noch größere Bedeutung und Resonanz. Das ist kein ökonomischer Faktor, sondern geht weit darüber hinaus.

Im Gegenteil: Woran laboriert „Ihre“ Branche, der Kunstbetrieb?

An den global bestimmten digitalen „Geschäftsmodellen“ und deren Unterwanderung durch illegale Nutzung. Das heißt: jede Form von Inhalt – egal ob journalistisch oder künstlerisch – wird wertlos oder nahezu wertlos und kann sich dadurch fast unmöglich ohne massiver Subvention refinanzieren. Besonders wenn es sich um regionale Inhalte handelt, da die „Geschäftsmodelle“ der Konzerne auf weltweite Nutzung ausgerichtet sind.

Wie nachteilhaft sehen Sie die Lage des GLOBE außerhalb des Stadtkerns?

Im Idealfall erweitert sich der Stadtkern über das GLOBE WIEN hinaus, so wie es in London passiert ist – ob ich das noch erlebe? Durch die gute öffentliche Anbindung durch die U3 ist das GLOBE quasi mitten in der Stadt und für über 50 Prozent unserer Besucher, die von außerhalb Wiens kommen, liegt es sowieso verkehrsgünstig.

Georg Hoanzl und Michael Niavarani

Georg Hoanzl und Michael Niavarani

Shakespeares Globe ist nach 14 Jahren abgebrannt, etwas, das Sie zu verhindern werden wissen: Welche mittel- und längerfristigen Ziele haben Sie sich daher für das GLOBE und das „Drumherum“ gesetzt?

Viele Feuerlöscher an den richtigen Stellen (lacht).

Insbesondere: Welches Verhältnis zwischen Fremd- und Eigenproduktionen ist angedacht, und wird jede zweite Saison ein neuer Shakespeare aufgelegt werden?

Eine interessante Frage, an deren Beantwortung wir gerade arbeiten. Diese Antwort wird uns die Realität geben, hier lassen wir uns von der Lebendigkeit oder Trägheit unserer Arbeit überraschen.

Wie weit fließt hier euer beider persönliches Humorempfinden als maßgeblicher Entscheidungsträger mit ein – und wie weit erlaubt man sich Gegenläufigkeit zur Wirtschaftlichkeit?

Natürlich unser Humorempfinden und das unseres gesamten Teams (wessen auch sonst), das wird aber bei jeder Veranstaltung vom Publikum überprüft. Wenn wir diesen Test bestehen, haben wir neuerlich eine Chance, uns mit dem Zukünftigen zu beweisen. Wenn sich diese Rechnung nicht ausgeht, müssen wir zusperren. Deshalb ist jede inhaltliche Behauptung auch eine wirtschaftliche.

Die Produktionsfirma hat es sich zum Ziel gesetzt, „Produktionen auf die Bühne zu bringen, die den Menschen zur Freude gereichen“. Was macht für Sie eine gute Komödie aus?

Belebte, berührte, erfreute Menschen während und nach der Vorstellung.

Niavarani sagte einmal, er stünde für Unterhaltung, Shakespeare (heute) für Hochkultur – welche Gratwanderung erlaubt man sich im GLOBE?

Ich kenne dieses Zitat nicht, empfinde es aber als große Herausforderung für uns alle im GLOBE WIEN und mit Motiven von Shakespeare und seinen Zeitgenossen zu arbeiten. Innerhalb dieser Arbeit gibt es wie bei jeder künstlerischen Arbeit eine Gratwanderung, das ist so normal wie eine Gratwanderung beim Bergsteigen. Ohne dieses Risiko kommt man über keinen Berg.

Welche Vorteile, welche Stolpersteine birgt das elisabethanische Bühnenkonzept?

Der Vorteil ist sicher die Poesie und die Reduziertheit der Bühne. Stolpersteine wollen mir jetzt keine einfallen.

Abschließend: Wie viel Wahrheit steckt in Petronius‘ „Quod fere totus mundus exerceat histrionem“ („Die ganze Welt ist eine Bühne, / Und alle Männer und Frauen sind nur Spieler.“ ), dem originären Globe-Motto?

Vielleicht soll gerade dieses Zitat unsere Selbstbestimmtheit wachrufen und uns dort, wo dieses Prinzip herrscht (und es herrscht sicher) nachdenklich machen.

 

Folgend die Veranstaltungen im GLOBE WIEN / Marx Halle der nächsten Monate, weitere Termine folgen laufend. Mehr Infos auf der Website des GLOBE WIEN / Marx Halle, alle Tickets für das GLOBE WIEN / Marx Halle sind bei oeticket.com erhältlich.

Paul Pizzera – Sex, Drugs & Klei`n`Kunst
3. Dezember, 26. und 27. Jänner, 18. Februar und 30. März

Still – mit Otto Lechner, Klaus Trabitsch & The Bethlehem Allstars
7. Dezember

Kaya Yanar – Planet Deutschland
9. bis 11. Dezember

Viktor Gernot & His Best Friends – X-Mas is Here
12. Dezember

Zum Tod Lachen – Benefiz
13. Dezember

Romeo & Julia – Eine Komödie von Michael Niavarani
14. und 15. Dezember, 21. Dezember, 22. Jänner, 24. und 25. Jänner, 28. bis 30. Jänner, 2. und 3. Februar

Silvester-Special mit Jaus, Lainer & Niavarani
18. Dezember, 28. bis 31. Dezember

Otto Schenk & Michael Niavarani im Gespräch
20. und 29. Dezember

Stipsits & Rubey – Gott und Söhne
30. Dezember

Die Hektiker – 200 Jahre
6. und 7. Jänner

Harry G – #HarryDieEhre
9. Jänner

Michael Mittermeier – Wild
10. bis 13. Jänner

Lukas Resetarits – SCHMÄH (Dernière)
14. Jänner

Tricky Nicki – PartnerTausch (Dernière)
19. Jänner

Andreas Vitásek – Sekundenschlaf
20. Jänner

Klaus Eckel – Zuerst die gute Nachricht
23. Jänner und 25. Februar

RebelComedy – Lach matt
31. Jänner

Otto Jaus – Fast fertig – Ein musikalischer Amoklauf
15. Februar

Thomas Maurer – Der Tolerator
21. Februar

Senna Gammour – Liebeskummer ist ein Arschloch!
22. März

Stermann & Grissemann – Gags, Gags, Gags!
23. März und 5. April

Gerhard Polt und die Well-Brüder aus’m Biermoos
11. Mai

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