Das große Fressen

„Saufen und fressen werden die Leute wohl immer, egal wie schlecht es ihnen geht“: Wohl wahr, wohl wahr, denn auf lukullische Genüsse möchte man auch in der Wirtschaftskrise nicht verzichten. „Brot und Spiele“ hieß schon der Schlachtruf im antiken Rom, ein Motto, das sich auch das Satireheftchen Bananenblatt in seiner Sonderausgabe in Fleisch und Knorpel gemeißelt hat.

 

Das Bananenblatt ist ein Wiener Magazin, das sich seit Herbst 2010 vierteljährlich „der Satire und den komischen Künsten“ verschrieben hat. Soeben erschien – nach bisherigen illustren Themenschwerpunkten wie Frank Strohsack, Bildung im ORF, Fußball und Baumeister Mörtel – das „Kulinarik Spezial“. Die mit „Das große Fressen“ untertitelte Sonderausgabe versammelt fünf der begabtesten Nachwuchscartoonisten des deutschen Sprachraumes, Henning Christiansen (Stern, Titanic), Teja Fischer (Titanic, Eulenspiegel), Björn „Huse“ Chiesinski (Flachwissen), Dorthe Landschulz (Stern) und Oliver Ottitsch (Stern, Titanic, Eulenspiegel). Vorangestellt ist eine Einleitung von Cartoonistengott Til Mette (Stern), die sich im Grunde als Rechtfertigung liest: „Essen und Trinken ist so elementar, dass sich der gesamte bekloppte menschliche Kosmos mit Cartoons zu diesem Thema erklären lässt.“

Karnivoren, Herbivoren, Omnivoren

Doch eine Rechtfertigung jenes Heftchens zwar mageren Umfangs, dafür wohlfeilen Inhalts tut eigentlich nicht sonders Not; Denn wer kann sich schon der schmackhaften etymologischen Aufklärung einer „Sauce Hollandaise“ verwehren? Wer mokiert sich nicht gerne über hochnäsiges Bio-Rind, das vermeint, besser als die „Economy-Fleischklasse“ zu sein? Welchem Vegetarier schmilzt nicht das Herzchen, sobald er erstmals jenes süße Tierchen erblickt, aus dem der geschmacksabstinente Tofu hergestellt wird?

Nicht zu vergessen ist auch, dass nicht nur wir Menschen, sondern auch die Küchengerätschaften immer mehr an Gesellschaftskrankheiten zu leiden haben. Ein Leid, auf das in unserer humanozentrierten Clique nur zu gern vergessen wird! Während bei Kuh und Hendl die Schützer gar schnell auf die Barrikaden klettern, sind Herd und Kühlschrank bisher unvertreten vor dem Gesetz. Stellen Sie sich mal vor, Sie als Mensch werden „einfach so“ einmal angemacht, bekommen salopp eine Tiefkühlpizza eingeschoben. Sauerei!

Omnomnomnivoren

Bananenblatt 16Gerade jetzt, wo man allerorts fleißig in den Fitness-Tempeln strampelt, um den Stoffschwund des letztjährigen Bikinis wettzumachen, ist natürlich auch das Adipositas-Spezial samt angehängtem Verdauungs-Extra überaus hilfreich geraten. Was rein muss, muss auch wieder raus – und während Österreich mit einer Wurst sich international in der Musikbranche vertreten sieht, gibt es derer natürlich auch allerlei andere Würste, auf die nicht vergessen werden darf: Gleich ob „der längste Aal der Welt“, Babywürste oder ein Aderlass, Wurst ist nicht allein ob der Erzeugung (Fleischgatsch in Darm! Lecker!) ein Hochgenuss. Apropos Erzeugung: Bitten Sie einmal Ihren Barkeeper des Vertrauens um einen „Handshake“!

Ein bisschen ungustiös wird es dann, wenn wir Stechmücken bei der Nahrungsaufnahme beobachten dürfen, wenn Vibrator und Stabmixer verwechselt werden (Aua!) oder wenn ein fesches Madl um einen Eierlikör bittet. Aber immerhin werden derartige Gruselmomente wieder wettgemacht, wenn erklärt wird, warum dem Schneemann eine Karottennase verpasst wird und der Speiseplan von Godzilla unter die Lupe genommen wird.

Alles in allem ein vergnüglicher Zeitvertreib, der lachen und hungrig macht. Aber, lassen wir doch final einen Promi zu Wort kommen: „Mahlzeit!“ (Das kleine Arschloch)

 

Erhältlich ist jene Ausgabe unter bananenblatt.org für Euro 3,99, wo Sie auch ein Abo erwerben können, wenn Sie mögen (Euro 14,99). Das nächste Bananenblatt erscheint dann im September 2014.

 

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