„De Mysteriis Dom Sathanas“ beim Eindhoven Metal Meeting

Eindhoven Metal Meeting

Das Eindhoven Metal Meeting geht dieses Jahr in die achte Runde. Im herausragenden Line-Up finden sich in der diesjährigen Saison mit Spezialsets von Mayhem und Moonspell, sowie Bands wie Destruction, Tiamat und Necrophagia einige Leckerbissen.

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Man kann es nicht leugnen: Die europäische Heavy-Metal-Festivallandschaft kann sich rühmen. Nirgends sonst gibt es so viel Angebot, oft auch für „geringe“ Nachfrage. Von Norden bis Süden, von Ost nach West findet man quer über aller Herren Länder Kleinodien verteilt, die vorrangig in den Frühjahrs- und Sommermonaten dazu einladen, seine wohlverdiente Erholungsphase gehüllt in Klänge von Death Metal über Thrash Metal und Heavy/Power Metal bis hin zu Black Metal und Stoner/Psych zu verbringen. Während auf der Ebene der Big Player gerade in Deutschland und Österreich insbesondere seit vorletztem Jahr ein Kleinkrieg ausgebrochen ist, der schlussendlich wohl für einige Kollateralschäden sorgen wird, finden wir auf Ebene des gehobenen Mittelstandes seit Jahren steigende Qualität und ein immer besser werdendes Preis-Leistungsverhältnis vor. Festivalschienen wie das Desertfest expandieren aus London nach Berlin, Athen und Antwerpen, das Maryland Deathfest dieses Jahr im Februar erstmalig ins holländische Tilburg, das Blastfest präsentierte als Novum dieses Jahr ausschließlich heimische – also norwegische – Bands, und über die Qualität und den künstlerischen Anspruch eines Roadburn braucht erst gar nicht diskutiert werden, Kuratoren wie in der Vergangenheit Mikael Åkerfeldt (Opeth), Ivar Bjørnson (Enslaved), Jus Osborn (Electric Wizard) und Tom G. Warrior (Triptykon, ex-Celtic Frost), sowie in der diesjährigen Saison Lee Dorian (ex-Cathedral, ex-Napalm Death, With The Dead) sprechen Bände.

In ähnlicher Liga spielt auch das Eindhoven Metal Meeting, das seit 2009 jährlich im Dezember im De Effenaar in Eindhoven in den Niederlanden stattfindet. Es handelt sich um die Weiterführung des Arnhem Metal Meeting, das 2007 eingestellt wurde. Seit 2010 findet es an zwei Tagen statt, mit einem kurzen Intermezzo 2013 mit drei Tagen. Kurz vor Weihnachten heißt es also für grob 1.500 internationale Besucher, etwa anderthalb Stunden südlich von Amsterdam einem bunten, vor allem aber handverlesenen Potpourri aus Death, Black und Thrash Metal zu frönen.

Im achten Jahr seines Bestehens darf es mit einem der besten Line-Ups in seiner Geschichte aufwarten: Über allen thront dieses Jahr das Spezialset der norwegischen Kultband Mayhem, die ihr Debüt „De Mysteriis Dom Sathanas“ (1994) in voller Länge spielen werden. Aber auch die portugiesischen Dark Metaller Moonspell werden mit der Darbietung ihres Debüts „Wolfheart“ (1995) und dem Nachfolger „Irreligious“ (1996) kein Standardset kredenzen. Für ihren Erstling wurde das Quintett 2010 übrigens durch die CTT Correios de Portugal mit einer 1-Euro-Briefmarke geehrt. Auch die Norweger Aura Noir werden ihr Debüt „Black Thrash Attack“ (1996) ausspielen.

Aber auch die übrigen bisher angekündigten Bands versprechen schon jetzt, dieses Jahr wiederholt das Eindhoven Metal Meeting für Genre-Connaisseure zu einer ganz besonderen Angelegenheit reifen zu lassen: So findet man nicht nur die schwedischen Mitbegründer des Gothic Metals, Tiamat, im Billing, sondern neben den bayrischen Toxic Thrashern Toxic Waltz auch mit Destruction jene Ur-Thrash Heroen aus Deutschland, die soeben mit „Under Attack“ ein bärenstarkes und überaus aggressives Album via Nuclear Blast veröffentlich haben. Ebenfalls mit neuem Album (der gigantische Hassbatzen „Ode To The Flame“) via Nuclear Blast am Start: das deutsche Duo Mantar, das den altbekannten Slogan gegen die Überbevölkerung („Don’t risk it, fist it“) mehr als nur wörtlich nimmt. Batushka aus Polen sind (neben ihren Kollegen von Mgla) wohl die größte Neo-Hoffnung im Black Metal, während mit Enthroned altbekannte Belgier aufscheinen: da heißt es munter „towards the skullthrone of Satan“ giftig gekeift! Seltene Erscheinungen hierzulande sind die amerikanische Kultformation Necrophagia, die dereinst sogar Phil Anselmo von Pantera und Down in ihren Reihen vermelden durfte, sowie die Schlächterdoktoren (mit Stockholmsyndrom) General Surgery, sowie die deutsch-schwedischen Protector, die Anfang der Neunziger unter anderem mit „A Shedding of Skin“ für hammerharte Thrash Metal-Scheiben verantwortlich zeichneten. Eine Band aus Österreich ist aktuell auch bereits am Start: Harakiri for the Sky, aus dem Bifröst- und Karg-Dunstkreis, die eine ganz eigene Transzendenz kredenzen werden. Gleich ob sanft in verträumter Melancholie, schmerzerfüllt oder in purer Aggression: es ist ein wahnwitziges Gefühlskarussell, das sich zu drehen beginnt – ein „Harakiri“, das nicht danach trachtet, den einen Schmerz, den seelischen, mit dem anderen, dem körperlichen, zu ersetzen, sondern ein „Harakiri“, das schlichtweg Schalen bricht, auf dass das Innere wurzeln kann, den Kopf ins Licht streckend Teil des Universums wird. Oder, um Liturgys Hunter Hunt-Hendrix zu zitieren: „Der einzige Weg, um mit der Leere und dem Chaos umzugehen, ist, es einfach zu bejahen. Spirituelle Ekstase.“

Seien wir gespannt, wer sich in die in Auszügen genannten Reihen in den nächsten Wochen noch einmeldet! (Auf unserer Christkind-Wunschliste haben wir einstweilen einmal Demolition Hammer, Cancer, Darkthrone, Bolth Thrower, Autopsy und Satyricon vermerkt.)

 


 

Um für euch etwas mehr über den wohl würdigsten Abschluss dieses Jahres zu erfahren, haben wir uns mit Eindhoven Metal Meeting-Initiator Roman Hödl, der auch in Wien und Innsbruck für einige Leckerbissen verantwortlich zeichnet, getroffen, und ihn mit einigen Fragen rund um das Eindhoven Metal Meeting gelöchert: An welchen Bands ist Roman Hödl bisher stets gescheitert? Mit welchen, manchmal doch sonderlich abstrusen Bandwünschen muss er sich bisweilen herumschlagen? Kommt das Eindhoven Metal Meeting nach Österreich? Warum hat Schweden so viele talentierte Bands? Diese und viele Fragen mehr – natürlich auch die, warum man überhaupt aufs Eindhoven Metal Meeting kommen sollte und wie wohl man sich dort fühlen wird – sind im Gespräch gefallen. Aber, lest selbst!

 

Was kann man sich als Newbie vom Eindhoven Metal Meeting und der Location, dem De Effenaar, erwarten?

Ich habe schon viele Konzerte und Festivals organisiert und es hat sich herausgestellt, dass Events, die schwierig zu erreichen sind, nie der volle Erfolg wurden. Es ist wie am Immobilienmarkt – die Location und die Lage sind essenziell. Eindhoven ist im südlichen Holland gelegen, nur 40 Kilometer von der belgischen und 90 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, und von allen Seiten mit dem Auto, dem Zug und dem Flugzeug gut erreichbar. Von Städten wie Dublin, London oder Mailand fliegen die Fans direkt mit Billiglinien nach Eindhoven. Vom Flughafen in Amsterdam fährt jede halbe Stunde ein Zug nach Eindhoven – die Fahrtdauer beträgt nur 90 Minuten, ohne Umsteigen, quasi direkt vom Gate vor die Festivallocation!

Die Location ist in Eindhoven schräg gegenüber vom Hauptbahnhof. Es gibt am Gelände auch einen Parkplatz für Autos. Das Gebäude selbst besteht aus zwei Sälen: Einer hat Kapazität für 1.200, der andere für 400 Leute. Es gibt einen Bereich für Merchandise und einen Marktplatz, bei dem ein paar wenige Händler ihre Stände haben werden. Außerdem gibt es im Effenaar auch noch ein wirklich gutes Restaurant. Da wir in der Küche dort für Bands, Crew und Publikum kochen, gibt es meist nur ein Menü und kein À la Carte – aber auch ein eigenes für Vegetarier und Veganer! Sollte das nicht reichen, sind die ersten Restaurants und Bars etwa 50 bis 100 Meter vom Club entfernt. Die Hotels sind alle in der Nähe, es gibt durch die Industrie in der Stadt ein Überangebot an Unterkünften und daher kann man auch recht günstig selbst in gehobenen Hotels nächtigen.

Die Aftershow-Party findet im bekannten Dynamo-Club statt, der innerhalb von fünf Minuten zu erreichen ist.

 

Du könntest also eine zweite Location auch noch bespielen?

Könnte ich, aber das Dynamo ist selbstständig und hat nichts mit dem De Effenaar zu tun. Manche sehen sie als Konkurrenz, aber das hängt oft auch mit mangelnder Kommunikation untereinander zusammen. So gibt es wochenends oft Metal-Konzerte in beiden Locations, obwohl sie fast nebeneinander liegen. Das De Effenaar ist jedoch kommerziell und wird vier bis fünf Mal die Woche bespielt, das Dynamo ist ein Jugendclub mit freiwilligen Helfern.

 

Wie steht es um das Personal im De Effenaar?

Das ganze Personal hier ist bezahlt – wir arbeiten nicht mit freiwilligen Helfern. Das sind alle Profis, und deshalb ist das Ganze natürlich auch etwas teurer für mich als Veranstalter, aber …

 

… dafür muss man sich speziell als Besucher keine Sorgen machen, dass man vom Barpersonal beschissen wird oder Securities überreagieren?

Richtig. Als ich damals in Arnheim anfing, haben wir viel mit eigenen Teams gearbeitet, aber heute bin ich überzeugt, dass Leute, die schon immer in Clubs gearbeitet haben, idealer sind. Ich arbeite sehr gerne mit dem lokalen Team zusammen, außer sie verlangen einen unrealistisch hohen Preis, aber hier im De Effenaar kennen sie sich untereinander und sind gut und eingespielt. Es ist kein Geheimnis, dass der Security-Stundensatz in Holland bei 35 Euro liegt und da kann ich nicht zum lokalen Biker-Club gehen, sondern muss auch Leute holen, die professionell und offiziell geschult sind. Es sind etwa neun Securitys vom Club und noch mal doppelt so viele externe – von mir gibt es jeden Tag ein Briefing, dass zum Beispiel bei einem Moshpit die Leute natürlich nicht vor die Tür gesetzt werden. Sie sind strikt, aber werden nicht störend auffallen. Es gibt in gewissen Bereichen auch Kameras, wo kontrolliert wird, dass nichts abgeht, was nicht sein sollte, weil ich sage auch ganz klar: Wenn sich jemand bei mir daneben benimmt, kriegt er eine gelbe Karte, wenn noch mal etwas ist, fliegt er raus.

Mein eigenes Team hat nur mit den Bands zu tun. Ich miete den Club, buche die Bands, mache die Werbung und bin auch zu 100 Prozent verantwortlich für das Resultat – das Eindhoven Metal Meeting ist eines der letzten unabhängigen Festivals, ich habe keine bestimmenden Sponsoren und muss beim Booking auch nicht auf die Namen der Plattenfirmen achten. Mir ist es schließlich wichtig, dass alle gut behandelt werden: das Publikum, die Presse, die Bands und auch meine ganze Crew.

Bei mir gibt es für die Bands auch kein „Pay to Play“: Ich habe selbst in Hobbybands gespielt und weiß, wie schwierig das ist. Sie müssen bei mir auch keine Tickets verkaufen und jeder kriegt zumindest Spritgeld – keiner spielt für Null. Wenn ich einer Band 10.000 Euro Gage oder mehr zahle, dann wird sich für eine kleine Band wohl noch ein ordentliches Benzingeld ausgeben. Sparen tue ich wenn dann bei den größeren Bands.

 

Mayhem RehearsalMayhem kürzlich bei der Bandprobe (Foto: Finn Ronny Roger Ballann)

 

Was waren in deiner Booker-Karriere eigentlich die abstrusesten Wünsche von Bands, abseits vom typischen „Ich brauche ein Kilo Gras!“?

Danzig wollte einmal eine Sightseeing-Tour, geführt von einem 18- bis 25-jährigen Mädchen mit Hochschulabschluss, die zudem noch single sein musste. Gorgoroth wollten in Arnheim einmal einen Tischler, der ihre satanischen Kreuze reparieren kann, sollten sie während der Show brechen (lacht). Das sollte wohl ein Witz sein, aber solche Sachen streichen wir dann raus. Persönliche Sachen kommen oft drauf, nicht nur Zigaretten oder diverse Tabletten aus der Apotheke, ich habe auch schon einmal eine Hämorrhoidensalbe holen müssen, aber da nennen wir jetzt keine Namen (lacht). Bei mir gibt es für das Eindhoven Metal Meeting im Normalfall auch nur einen Festivalrider, an den sich alle halten müssen, aber der ist auch wirklich sehr gut. Ich bin selber als Tourmanager viel herumgekommen und wenn jeder nur annähernd so einen Rider hätte, wären alle viel glücklicher. Wir haben von der Backline her viele Amps, Material von mehreren Schlagzeugfirmen, verschiedene Gitarren und für die Headliner auch In-Ear-Monitor-Sachen oder solches Zeugs. Ich kann aber nicht für alles garantieren und manches wird mit der Gage verrechnet – überhaupt wenn die Wünsche sehr spät eintrudeln. Gutes Essen und unlimitiert Getränke backstage ist bei mir aber eine Selbstverständlichkeit. Allerdings habe ich hinten nur die großen Fässer, die können nicht so leicht raus in den Nightliner gekarrt werden (lacht).

 

Du hast ein sehr internationales Billing – wie sieht das bei den Besuchern aus? Aus welchen Nationen kommt das Publikum und wie sieht dort die Gewichtung aus?

Es ist überraschend international: Mehr als 50 Prozent der Tickets wurden letztes Jahr außerhalb Hollands verkauft. Vielleicht kaufen die Holländer auch prinzipiell immer erst spontan, sie haben ja nicht so eine weite Anreise. Der Fußballklub PSV Eindhoven ist sehr populär, vielleicht sind auch deshalb so wenige Karten in Holland verkauft, weil die ein Heimspiel haben? Ich weiß es nicht. In Holland sind die Metaller normalerweise keine Fußballfans, im Gegensatz zu zum Beispiel Deutschland: Dort wird als erstes gefragt, wo du herkommst und welches Team du unterstützt. In Holland interessiert sich nur ein kleiner Prozentsatz für Fußball. Musik und Kunst haben mit Sport hier wenig zu tun. Wir haben schon seit jeher viele Bands, aber auch Besucher aus Irland, England und Schweden hier, aber das liegt natürlich an den billigen Flügen von Ryan Air.

 

Gab es ein Line-Up, auf das du ganz besonders stolz bist und umgekehrt eines, das dir noch heute Bauchschmerzen bereitet?

Auf dem ersten Arnheim-Metal-Meeting-Shirt stand auf der Rückseite „No Fillers, Just Killers“ (lacht). Das war die Devise, die bis heute noch gilt. Ich hoffe immer, dass die Leute auch neue Bands kennenlernen und sie zu schätzen wissen. 2010 hatte ich mit Immortal, Kreator, Death Angel, Katatonia, Pestilence und St. Vitus aber schon ein Hammer-Line-Up, das ich so schnell wohl nicht mehr hinkriegen werde. Auch eine Band wie Repugnant, mit dem einen bekannten Sänger (Papa Emeritus von Ghost, Anm.) zu haben, war toll. Und auch das Line-Up von 2014 war mit At The Gates, Triptykon, Asphyx, Urfaust, Primordial, Blasphemy und Morbid Angel famos, zudem In Solitude bei uns ihre allerletzte Show spielten, weil sie sich kurz danach auflösten. Im Grunde war ich aber mit jedem Line-up zufrieden, auch wenn es sich nicht jedes Jahr gänzlich so entwickelt, wie ich eigentlich ursprünglich wollte.

 

Obwohl du selbst bei deinem Festival viel zu tun haben wirst – gibt es heuer Fixpunkte, die du unbedingt sehen musst?

Ich möchte mir fast alles ansehen, aber das wird natürlich nicht möglich sein. Wo ich mir auf jeden Fall zumindest Teile des Sets geben werde, sind Moonspell, Mayhem, Tiamat, Caronte und Aura Noir. Ich buche ja grundsätzlich nur Sachen, die mir auch gefallen.

 

Vor drei Jahren hast du aber auch ein wenig experimentiert …

Bingo, erwischt (lacht). Ich versuchte damals, am Donnerstag mehr traditionellen Metal einfließen zu lassen. Grundsätzlich ist das bei uns willkommen, ich hatte auch W.A.S.P. für letztes Jahr im Gespräch, aber nachdem sie im November ohnehin auf Tour waren hatte das dann im Dezember keinen Sinn mehr, weil der Exlusivfaktor weg ist. Hätte das funktioniert, hätte ich auch Lizzy Borden, Raven und Flotsam & Jetsam dazugestellt. Jedenfalls hatten wir 2013 am Donnerstag Accept, Death Angel und Sabaton – es war gut besucht, aber dennoch ein großes Minus für mich. Ich wollte das Festival vom musikalischen Standpunkt immer schon breiter machen. Ich will nicht immer die 08/15-Bands spielen lassen, aber das ging schon öfters in die Hose. Ich buche zwischendurch gerne mal Exoten, hatte zum Beispiel schon mal Heaven Shall Burn, aber die haben nichts gezogen. Sie sind eine großartige Band, aber nicht für unser Stammpublikum. Bei den Deathstars war es ähnlich. Vielleicht fanden 2013 die Leute drei Tage aber auch einfach nur zu viel. Andere Experimente, wie vorletztes Jahr Blasphemy, haben hingegen super funktioniert. Die habe ich extra nur für diese eine Show aus Kanada einfliegen lassen.

 

Gab es auch Bands, die du unbedingt wolltest, aber trotz mehrmaligem Versuch nicht bekommen hast?

Ja, Bolt Thrower versuche ich schon seit zehn Jahren zu bekommen. Ich hatte sie schon mal gebucht und bestätigt, aber damals wurde kurz vor der Veröffentlichung bekannt, dass Sänger Karl genau an dem Wochenende Vater werden sollte – was dann auch tatsächlich so passierte – und die Band hat ihren Auftritt zurückgezogen. Ich hoffe immer noch, dass es irgendwann mal passieren wird. Die zweite Band ist Autopsy, da hat es aus diversen Gründen nie geklappt. Burzum habe ich auch schon mal angefragt. Varg hat mir sogar geantwortet: Kein „Fuck You!“, aber ein „Nein, danke!“ (lacht).

Ich habe letztes Jahr auch versucht, Laibach mit einem härteren Set zu bekommen, aber sie wollten auf keinem reinen Metal-Festival spielen, was ich auch respektiere. Viele Metaller kennen die Band nicht, für die stilistische Breite hätte mir das dennoch gut gefallen. Ich kann mir erlauben, pro Festivaltag ein, zwei Bands zu nehmen, die ganz anders sind. Ich bin damit zwar schon ein paar Mal auf die Fresse gefallen, aber das macht ja nix.

 

 

Wie sieht es insgesamt mit der Metalszene in Holland aus?

Die Eventszene ist super, weil es sehr viele Clubs gibt, die, vom Staat subventioniert, nur für Livemusik gebaut wurden. In Nijmegen gibt es zum Beispiel einen neuen Klub, da wird der Nightliner auf einen Lift gestellt und umgedreht, damit er wieder leichter rausfahren kann. Toll nicht? Für Musiker ist Holland ein Valhalla, man darf quasi an jeder Ecke spielen und es gibt in jeder Stadt Musikclubs. Schweden hingegen hat extrem viele Talente, aber keine Clubs, die vom Staat bezahlt werden. Dafür bekommen die Musiker gratis Musikunterricht und Rabatte auf Instrumente und Proberäume – deshalb gibt es auch so viele talentierte schwedische Bands. Livespielen ist dort aber schwierig, weil genauso wie in London, Paris oder auch Wien die Clubs alle gemietet werden müssen. Das ist dann eine Kostenfrage: Als Anfängerband wirst du nicht gebucht und kannst dir nur selten leisten, selbst etwas auf die Beine zu stellen – in Holland gibt es dieses Problem nicht. In Amsterdam selbst ist die Metalszene hingegen klein, dort gibt es mehr Technopartys und Gothic-Musik.

 

Hast du dir jemals überlegt, so ein Festival wie das Eindhoven Metal Meeting nach Österreich zu tragen? Es vielleicht in Wien zu machen?

Wir überlegen uns, das Konzept im Frühjahr 2017 nach Wien zu übertragen. Für den 8. April (Samstag) ist bereits die Arena reserviert, wir werden zwei Bühnen bespielen. Der aktuelle Arbeitstitel lautet auf „Vienna Metalfest“. Wem etwas besseres einfällt, sich bei uns unter info@district-19.com meldet und uns überzeugt, bekommt auf jeden Fall gratis Eintritt!

 

Warum machst du das Festival eigentlich im Dezember – hat das einen besonderen Grund?

Es gab einfach schon sehr viele Sommerfestivals und ich hatte ein paar Jahre lang das Elsrock, das war ein Open-Air im Osten von Holland, und mit dem wollte ich klarerweise nicht konkurrieren. Wenn es in so einem kleinen Land fast schon jede Woche ein Festival gibt, wollte ich mich nicht mit noch einem dazugesellen – das hat auch mit Respekt den anderen Veranstaltern gegenüber zu tun. Außerdem gibt es alle zwei Jahre eine Fußball-EM oder Fußball-WM, und in der Zeit brauchst du nichts machen. Die großen Zugpferde wie Wacken oder Summer Breeze würden nie etwas verschieben, aber die kleineren müssen sich da schon etwas überlegen … Außerdem regnet es in Holland auch extrem oft, von daher habe ich keine tollen Erfahrungen mit Open-Airs gemacht.

 

Hast du einen bestimmten USP, der dich und dein Festival im Vergleich zu allen anderen irgendwie besonders macht?

Das sollen andere beurteilen. Ich bin jedenfalls Perfektionist und nie zufrieden. Die Line-ups von 2010 und 2014 waren schon fast perfekt für die Größe des Klubs. Das Zusammenstellen eines Billings ist ja immer wieder schwierig: Viele Bands wollen nicht live spielen, spielen schon woanders, sind gerade im Studio oder es scheitert an den finanziellen Verhandlungen. Ich probiere, es jedem Recht zu machen. So habe ich zum Beispiel seit vier Jahren den gleichen Eintrittspreis, obwohl alles drumherum immer teurer wird, die Flugkosten, Gepäck, Hotels für die Bands, etcetera. Ich kann da nicht noch mehr Geld generieren. Mir wurde auch schon eine größere Halle angeboten, aber die hat eine beschissene Akustik. Dort findet auch das Speedfest statt. Da passen zwar 4.000 Leute rein, aber ich weiß schon vorher, dass alles, das schneller ist als Mid-Tempo, einen Staubsaugersound mit Echo und Hall haben wird. Im De Effenaar haben wir zwar keinen perfekten Sound, aber er ist sehr, sehr gut – da bin ich durchaus kritisch.

 

Also kann sich der Besucher sowohl musikalisch auf ein starkes Festival freuen, wie auch sich seines leiblichen Wohls sicher sein und mit massig Merchandise eindecken …

Korrekt. Außerdem haben sich schon einige namhafte Musiker als Besucher angekündigt,viele wie zum Beispiel Anders von Unleashed sind ja regelmäßig privat bei uns zu Gast. Und sollte sich unter den Besuchern Musiker finden: Labelmenschen sind auch immer sehr viele zu Gast: Networking ist also garantiert!

 

Hast du dir schon einmal überlegt, einen Mitschnitt des Festivals als Erinnerung auf DVD anzubieten?

Wir machen ein Aftermovie mit ganz kurzen Sequenzen. Manche Bands verbieten das Mitfilmen und das Filmen im Backstagebereich, bei anderen liegt das Problem bei den Publishing-Verträgen, nicht einmal an der Band: Bei Sepultura war das etwa so – da sind die Rechte an verschiedenste Ecken verstreut und dann darfst du einfach nicht mitfilmen, egal was die Band sagt. Oder man darf zwar filmen, aber nicht verkaufen. Es gibt aber inoffizielle, wirklich feinste HD-Aufnahmen vom Eindhoven Metal Meeting auf YouTube.

 

Was ist die „Eindhoven Metal Academy“?

Eine Initiative vom Dynamo. Den Club gibt’s ja schon ewig. Die haben 1986 das erste Dynamo veranstaltet, ab 1987 dann Open-Air. Das war früher ein Jugend- und Fitnessclub für problematische Jugendliche. Die haben immer viel Metal gemacht und sehr aktiv mit Leuten gearbeitet, die in irgendeiner Art benachteiligt waren. Es ging auch darum, die Kriminalität einzudämmen und den Leuten etwas zu bieten. Es wurden immer wieder Konzerte organisiert, damit Aktivitäten stattfinden. Jedenfalls haben sie dort vor zwei Jahren die Metalakademie gestartet. Das sind ein paar Leute, die selbst ein Instrument spielen, und die geben Coachings zu Songwriting, Studiotechnik und Livepräsenz. Ich war aber noch nie dort und kann nicht beurteilen, wie das dort genau gehandhabt wird. Einerseits ist es für Anfänger sicher eine tolle Hilfe, andererseits kriegt man alles vorgekaut und darunter kann die Eigenständigkeit leiden. Ich kenne Künstler, die hatten den gleichen Gitarrenlehrer und klingen tatsächlich auch gleich. Irgendwann muss man sich dann auch selbst weiterentwickeln.

Nach dem Freitagabend beim Eindhoven Metal Meeting werden sie das Programm im Dynamo selber gestalten.

 

Eindhoven hat angeblich die längste Pub-Straße Hollands.

Das könnte durchaus hinkommen. Viele Städte haben das auf einem Platz angeordnet, nicht auf einer geraden Straße. Dort gibt es für die Fleischesser auch ein gutes Steakhouse, die Ribs Factory. In der Pub-Street sind ab 1 oder 2 Uhr sehr viele Besoffene unterwegs, da würde ich ein bisschen aufpassen. Wenn dich da wer blöd anredet, würde ich nicht kontern, weil da fängst du sonst sofort eine. Es gibt auch viel Polizei dort. Die Stimmung ist schon gut, aber es sind nicht von ungefähr auch 200 Polizisten unterwegs, wovon die Hälfte inkognito ist. Empfehlen kann ich vor allem das „The Jack“, da gehen viele Metaller hin.

 

Kann man in Eindhoven auch irgendwas erleben, abseits von Musik und Alkohol?

Normale Klamotten kaufen ist dort generell gut, weil es mehr Angebot gibt als in Wien und die Sachen auch billiger sind. Von vielen Metalheads wird auch das Holland-Casino besucht. Mit schönen Jeans und Turnschuhen kommt man schon rein, es kostet etwa 5 Euro Eintritt. Eindhoven ist halt eher auch eine Industriestadt, es gibt schon moderne Kunst und auch das alte Philips-Gebäude, das wie ein Ufo ausschaut, aber sonst gibt es wenig Kulturelles zu sehen.

 

Infos:

Es wird bereits einen Tag vor dem Festival, also am 15. Dezember (Donnerstag) im De Effenaar eine Pre-Party geben. Es kann sein, dass eine bereits angekündigte namhafte Band sogar auf diesen Tag vorverlegt werden muss. Es lohnt sich also, nicht erst am ersten Festivaltag anzureisen! Am Donnerstag öffnen die Türen für nach aktuellem Stand drei Bands um 19 Uhr. Am Freitag, dem ersten offiziellen Festivaltag, öffnen die Türen um 16 Uhr, am Samstag um 15. Uhr. Die Afterparty im Dynamo beginnt am Freitag um 1:30 Uhr. Die letzte Band wird das Eindhoven Metal Meeting am Sonntag um 2:30 in der Früh beschließen. Das komplette Line-Up wird in den nächsten Wochen stehen.

Auch dieses Jahr wird es wieder einen Marktplatz im De Effenaar geben, wo man von Vinyl über CDs und Shirts bis hin zu Accessoires alles einkaufen kann. Es ist ein kleiner aber feiner Markt, bei dem es auch Raritäten gibt. Außerdem gibt es in der Location 200 Locker-Rooms, man muss also nicht alles gleich ins Hotel schleppen.

Bezahlt wird in der Location (Bar, Merchandise, Restaurant) ausschließlich mit Bargeld, es gibt kein Bonsystem.

Hauptbier im De Effenaar ist das Dommelsch, das aus Brabant, dem Bundesland, in dem auch Eindhoven liegt, kommt. Es gibt aber an der Bar noch weitere Biersorten. Man muss sich aber bewusst sein: Das Bier ist in Holland etwas teurer als in Österreich, dafür sind die Gläser kleiner.

Im Effenaar herrscht Rauchverbot, es gibt aber einen Raucherraum. Zusatzinfo: Es wird dich sowohl in der Location wie auch auf der Straße niemand blöd anreden, wenn du etwas anderes rauchst als normalen Tabak, auch nicht die Polizei. Eindecken mit den nötigen Substanzen sollte man sich aber besser in Amsterdam, denn es ändern sich in Rest-Holland stets die Gesetze, ob du als Tourist in einen Coffee-Shop darfst oder nicht. Dass man über die Grenze, egal mit welchem Verkehrsmittel man angereist kommt, nichts mitführen sollte, versteht sich ohnehin von selbst.

Achtung: Während das Kiffen erlaubt ist, darf man in der Öffentlichkeit (das betrifft auch zum Beispiel den Zug) keinen Alkohol konsumieren. Für das Pinkeln an Hausmauern oder Bäume zahlt man übrigens grob 100 Euro Strafe. Dies sollte man sich also auch sparen.

Die Bahnhofsgegend, in der sich das Effenaar befindet, wird nächtens gern auch von zwielichtigem Gesindel bevölkert. Achtet also auf eure Wertsachen! Solltet ihr mit dem Auto anreisen, parkt lieber in einer der Parkgaragen – die kosten zwar, sind aber dafür bewacht.

Tickets sind bei oeticket.com erhältlich.

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