Der Abgesang von Stermann und Grissemann

Stermann grissemann

Im neuen Bühnenprogramm des erfolgreichen Kabarett-Duos Stermann und Grissemann dreht sich alles um die Aufzeichnung ihrer letzten Fernsehsendung – in der nur leider nichts so läuft, wie es sollte.

Stermann Grissemann Gags Gags GagsStermann & Grissemann begannen vor einem knappen viertel Jahrhundert ihre gemeinsame Erfolgskarriere beim ORF, damals noch mit der Radiosendung „Salon Helga“. 1998 erschien ihr erstes gemeinsames Buch, ein Jahr später wagte man sich auch auf die Kleinkunstbühnen – mit Kabarettprogrammen, Lesungen und Loriot-Huldigungen. Kernstück ihrer Karriere ist natürlich die allwöchentliche Sendung „Willkommen Österreich“, zur Late Night – und mittlerweile seit 10 Jahren – auf ORF eins zu sehen.

Die ersten optischen Eindrücke zu eurem neuen Programm „Gags, Gags, Gags“ erschrecken: Woher habt ihr all die Blessuren davon getragen?

Stermann: So sieht man nach so vielen Jahren im ORF und auf der Bühne eigentlich aus, wenn man nicht geschminkt ist.

Im Programm dreht es sich um die Aufzeichnung einer Fernsehshow, in der nichts so läuft, wie es sollte. Lasst ihr damit 10 Jahre „Willkommen Österreich“ Revue passieren?

Stermann: Sowohl das, wie auch eine Abrechnung mit dem, was wir machen. Die Idee dahinter war die einer „letzten Fernsehsendung“, die live vor Publikum stattfindet – mit Gästen, die nicht kommen und der Idee, dass man dann wieder zurückgeworfen ist, auf sich selbst.

Grissemann: Man zieht Bilanz, und die Schrammen im Gesicht sollen symbolhaft dafür sein, was mit einem passiert, wenn man 10 Jahre lang in der Mühle Fernsehen arbeitet. Nicht allein, was den ORF betrifft, sondern auch von Hasspostings bis hin zu angeschrien werden auf der Straße. Wenn man eine halbwegs zarte Seele besitzt, geht das nicht ganz ohne Spuren an einen vorbei. Das verprügelte Gesicht ist zudem ein schöner Gegensatz zur fortlaufenden Gagmaschine: Auch auf der Intensivstation muss noch gelacht werden.

Sind die Gäste, die nicht kommen, auch jene, die bei „Willkommen Österreich“ problematischer Natur waren?

Stermann: Nein, das sind einfach nur sehr berühmte Leute, die eingeladen sind.

Grissemann: Wir haben jetzt 345 Sendungen mit 700 Gästen gedreht, von denen haben vielleicht drei Probleme gemacht. Die anderen 697 waren zuckersüß und streichelweich.

Man ist ja gewissermaßen auch Bittsteller: Zu „Willkommen Österreich“ kommt jeder, der im Land sich oder seine Produkte verkaufen will. Versteht ihr eure Sendung als so etwas wie die Bühne des heimischen Kulturmarktes?

Stermann: Es ist für diejenigen, die etwas verkaufen wollen, nicht so doof, zu uns zu kommen. Es gibt ja nicht so viele Sendungen, wo du dein Buch oder deine CD verkaufen kannst. Aber ich glaube, sie kommen auch, weil sie Lust haben, Teil dieser Sendung zu sein – so wird es uns zumindest von ihnen verkauft. Und es ist tatsächlich auch so, dass wir uns vor und nach der Sendung in der Regel mit den Leuten gut verstehen.

Im Gegensatz zu euren Gästen seid ihr extrem öffentlichkeitsabstinent. Verkauft man mehr oder weniger Karten, wenn man nicht bei Society-Formaten auftaucht?

Grissemann: Ich glaube, man verkauft dadurch eher mehr Karten. Es gibt ja nichts Öderes, als wenn jemand ständig irgendwo auftaucht. Das machen im Regelfall auch nur die, die es notwendig haben. Hier gilt schon der alte Spruch: „Willst du gelten, mach dich selten.“ Da fallen wir ad hoc zwanzig bessere Alternativen ein, als zum Beispiel zur Filmpremiere von Serge Falck zu gehen.

Ihr habt eure Karriere beim Jugendsender FM4 begonnen, aktuell sendet ihr zur Late Night auf ORF 1: Wann wäre ein Wechsel zu ORF 2 oder Ö1 ehrlicher?

Grissemann: (lacht) Ich verstehe den Wink mit dem Zaunpfahl. Der Wechsel zu Ö1 ist nicht möglich, weil die Lebenskosten mittlerweile so hoch und die Gagen bei Ö1 derart erbärmlich sind. ORF III wäre noch eine Möglichkeit, aber ich glaube, mein Leben endet in ORF 1. Auch PULS 4 und ServusTV sind keine möglichen letzten Stationen für mich.

Stermann: Ich schaue tatsächlich ausschließlich ORF III und genieße es sehr, dass ich dort nicht vorkomme, weil ich schaue mir selber nicht gerne zu.

Für „Willkommen Österreich“ greift ihr auf Gagschreiber zurück, eure Programme schreibt ihr selbst. Wie hart seid ihr als Korrektiv?

Stermann: Zu unseren Gagschreibern haben wir leider ein sehr stiefmütterliches Verhältnis, was jedoch nicht an ihnen, sondern an uns liegt – weil wir es nicht schaffen, einen regelmäßigen Kontakt aufrecht zu erhalten und zu den Sitzungen zu gehen. Die fühlen sich glaube ich ein bisschen allein gelassen von uns. Unser Gegenüber als Korrektiv ist gerade wieder eine ganz tolle Herausforderung, weil wir schon länger nichts mehr gemeinsam geschrieben haben.

Grissemann: Unsere Gagschreiber sind glaube ich die besten, die man in Österreich kriegen kann. Wenn es bessere gebe, würden wir die natürlich gerne engagieren. Das sind schon gute Leute, aber es ist immer schwierig, einen Witz von jemand anderen zu interpretieren, den zu deinem eigenen zu machen. Aber es funktioniert ganz gut, wir kriegen etwa 100 Witze pro Woche, und von denen wählen wir dann vielleicht zehn aus. Die schreibt man sich dann auch noch mundgerecht um, das funktioniert im Regelfall ganz gut.

Oft wird nach dem „psychohygienischen Mehrwert“ des Kabaretts gefragt, also nach dem, was ihr für die Gesellschaft leistet. Viel interessanter ist jedoch: In wie weit ist euer Beruf – ähnlich wie bei Funny van Dannen die „menschenverachtende Untergrundmusik“ – eine Form der Katharsis?

Stermann: Da Kabarett eine traumatisierte Form von Lebenswirklichkeit ist, ist es intensiver. Mein eigentliches Leben ist ganz normal, so wie das von jedem anderen auch. Auf der Bühne oder vor der Kamera bist du geeicht darauf, dass du sobald das Rotlicht angeht möglichst wach bist. Das musst du die restliche Zeit über nicht sein. Ich benutze das Kabarett weniger psychohygienisch, sondern physiohygienisch – dass ich einmal wach bin.

Grissemann: Im Regelfall haben wir nach der Aufzeichnung alles wieder vergessen, sowohl die Witze, als auch die Gäste. Ich könnte dir jetzt auch nicht mehr sagen, wer vor zwei Wochen da war. Es ist eine Leistung des Gehirns, sich für diesen Tag, die Stunde der Aufzeichnung, fit zu machen – aber dann ist es sofort wieder gelöscht. Dass wir einmal in der Woche wach sein müssen, das schaffen wir gerade noch, aber sonst hat das Kabarett überhaupt keine Auswirkung auf mein Leben.

Stermann: Bei Bühnenauftritten musst du die ersten dreißig oder vierzig Mal wach sein. Dann hast du das Stück verinnerlicht und automatisiert. Ab dann kannst du auf der Bühne auch an andere Dinge denken.

Im Zuge der letztjährigen Bundespräsidentenstichwahlwiederholung habt ihr beide Kandidaten parodiert. Seid ihr aus parodistischer Sicht glücklich darüber, dass letztlich Alexander Van der Bellen das Rennen machte?

Grissemann: Für das Land ist es ein glücklicher, eh klar. Ich bin aber auch selbst froh, die Rolle des Norbert Hofers losgeworden zu sein, weil sowas klebt dann doch sehr lange an einem. In dem Fall hätten mich dann die Leute auch auf der Straße als Norbert Hofer angesprochen und da bin ich schon ganz froh, dass das vermieden werden konnte. Die drei, vier Spots waren genau das richtige Pensum – aber ich überlege mir jetzt schon eine Johanna Mikl-Leitner-Parodie.

Ob das weniger widerwärtig ist?

Grissemann: (lacht) Ja, stimmt. Ich glaube, im Zweifelsfall bin ich eher noch für Mikl-Leitner zu haben.

Während ein Drittel der österreichischen Bevölkerung aber durchaus seine Stimme für Norbert Hofer abgab, fand sich kaum ein namhafter Künstler auf dessen Seite.

Grissemann: Norbert Hofer ist in allem was er tut und ist – um das Wort „ekelhaft“ zu vermeiden – unsympathisch, und seine politischen Ziele auch nicht gerade das Wahre. Für mich ist es ein zutiefst menschlicher Zugang, dass man Van der Bellen – einen weltoffenen und sympathischen Menschen – lieber an der Spitze des Landes sieht. Die zweite Hälfte des Landes, die Norbert Hofer tatsächlich gewählt hat, mit der haben wir in unseren Kreisen sowieso nichts zu tun.

Stermann: Im Publikum schon, natürlich.

Grissemann: Es gibt keinen ausgewiesenen Hofer-Fan, der zu uns kommt!

Stermann: Der Unterschied ist natürlich auch der, wenn du als Künstler arbeitest, ist die FPÖ unserer Erfahrung nach auch eher bereit, zu verhindern, was du machst …

Siehe eure Zwangsbeurlaubung, die von FPÖ-Generalsekretär Peter Westenthaler erwirkt wurde, der in einem eurer Zitate einen „Aufruf zum Mord an Jörg Haider“ interpretierte.

Stermann: Genau, ein Alexander Van der Bellen oder auch ein Heinz Fischer lassen leben – ob sie das jetzt lustig finden oder nicht. So wie uns geht es ja vielen, von daher gibt es quasi keine Künstler, die rechts sind – nur so groteske, wie diese eine Pop-Art-Künstlerin, die die Strache- und Hofer-Porträts gemalt hat, aber dafür sonst kein Mensch kennt, und Odin Wiesinger oder die John-Otti-Band. Das sind die einzigen Staatskünstler, die ausschließlich bei der FPÖ auftreten und aus Steuergeldern finanziert werden.

Grissemann: Es wird schon einige Blasmusikkapellen geben, die das anders sehen, aber relevante Künstler gibt es wohl keine.

In Deutschland ein Mario Barth vielleicht.

Stermann: Ich glaube, auch ein Mario Barth würde jetzt nicht explizit für die AfD auftreten. Mario Barth ist zwar dumm in dem, was er tut und er ist wahrscheinlich tendenziell rechter als wir, aber auch nicht so dumm. Man sieht das ja auch bei Trump: Der musste für seine Angelobung auf bizarre Mormonen-Chöre zurückgreifen. Man muss aber auch sagen: Ob sich Künstler dahingehend verwehren, ist den Leuten auch wurscht. Es gibt heute nichts Öderes als dass ein Künstler sagt: „Vorsicht, der ist rechts. Bitte nicht wählen!“

Dirk, du lebtest ja lang mit dem Laster, Teil der in Österreich unbeliebtesten Bevölkerungsschicht zu sein – der der Exildeutschen. Haben euch mittlerweile die „syrischen Wirtschaftsflüchtlinge“ von dieser Spitze abgelöst?

Grissemann (lacht vergnügt)

Stermann: Ich glaube, still und heimlich sind wir noch immer Spitzenreiter. Sonst hätte Norbert Hofer die Wahl gewonnen.

Bleiben wir bei der Politik, wechseln nur von der blauen zur roten Seite: Ihr beide seid nicht nur zwei der dienstälteren, sondern dabei auch prominentesten Aushängeschilder des ORF. Wie steht ihr zur Gebührendebatte?

Stermann: Ich wurde neulich am Markt von NEOS-Leuten angesprochen, ob ich das Begehren nicht unterschreiben wolle, da habe ich vehement mit ihr diskutiert, weil ich für eine Gebührenerhöhung bin. Öffentlich-rechtliches Fernsehen gehört gestärkt, und zwar weit mehr, als man es jetzt tut. Das Problem ist ja weniger, dass der ORF die Gelder kriegt, sondern dass sich die Landeshauptleute diese einstreifen. Für mich, der ich ja nur ORF III schaue, hat das Privatfernsehen überhaupt nichts gebracht. Das Privatfernsehen ist der Grund dafür, dass die Leute so verkommen geworden sind. Ich fand die Zeiten besser, als man bei „Club 2“ eingeschnarcht ist oder teilweise überhaupt nicht verstanden hat, was die Gäste da von sich gaben, als heute, wo du im Fernsehen nur noch Leute auftreten siehst, die noch weniger Ahnung haben als du selbst. Da wirst du auch kein besserer Mensch. Heute lief an einer Autobahnraststätte bei einer Kaffeepause auf oe24.TV eine Sendung mit zwei Frauen, die über „Das Dschungelcamp“ diskutiert haben – das ist das Kaputteste, das ich jemals gesehen habe: Zwei Vollidiotinnen, die über Vollidioten herziehen.

Grissemann: Ich bin ausgewiesener „Dschungelcamp“-Schauer, halte das Format für großartig und finde auch nicht, dass das Privatfernsehen so wahnsinnig verkommen ist, das stimmt so nicht. ORF 1 unterscheidet sich von Pro7 jetzt nicht sonderlich. „How I Met Your Mother“ kann ich hier wie da schauen.

Stermann: Genau das meine ich ja: Damit das Öffentlich-rechtliche Programm nicht herunternivelliert wird, gehört es gestärkt. Wenn der ORF unabhängiger von Quoten wäre, wäre es gut.

Grissemann: Und mit Gebührenerhöhung schafft man das?

Stermann: Ich glaube schon.

Grissemann: Ich weiß gar nicht, wie hoch die Gebühren derzeit sind und was die konkret bringen. Ich habe keine Haltung dazu.

Abgesehen von der Verdammung des ORF als „Rotfunk“ vermeint man auch oft, es gebe außer Ski- und Motorsport, sowie Fußball nichts, das die breite Öffentlichkeit interessiert. Ist das der Öffentlichkeitsauftrag?

Stermann: Naja, es gibt immer noch die Information auf ORF.

Grissemann: Die ist bei RTL aber auch nicht schlechter.

Stermann: Das mag sein, aber gerade wenn es um Wahlen geht, würde ich immer noch auf die öffentlich-rechtlichen Programme setzen. Natürlich stimmt es nicht, dass auf den Privaten alles scheiße ist. Ich fand zum Beispiel die Wahldiskussionen auf PULS4 besser als die im ORF, das schon. Dennoch gehört das albern-seriöse gestärkt. Oe24.tv ist einfach nur postfaktisch. Wieso schaut man sich sowas an? Das ist Sozialporno, um dich selber nach unten zu ziehen.

Euer erstes gemeinsames Buch trug den wunderschönen Titel „Als wir noch nicht von Funk und Fernsehen kaputt gemacht worden sind?“ …

Grissemann: Das war jetzt nicht darauf bezogen, dass man fernschaut, sondern im Fernsehen arbeitet. Und da macht es überhaupt keinen Unterschied, ob man bei ORF arbeitet oder bei Sat1. Du wirst ohnehin von einer Produktionsfirma gemacht – und da gibt es gute und schlechte gleichermaßen.

Welche Zukunft hat das Fernsehen überhaupt jetzt, wo Netflix und Co als beste Alternativen durchgehen, „Wetten dass…?“ sich ebenso verabschiedet wie Stefan Raab und Harald Schmidt?

Grissemann: Alle sehen das Fernsehen am Sterbebett, wenn ich mir die Zahlen jedoch anschaue, muss ich das Gegenteil entdecken. Es gibt immer noch Sendungen, die wahnsinnig hohe Quoten haben. Vielleicht schauen auch nur noch die Alten Fern, und der Vierzehnjährige nur mehr im Netz. Im Grunde ist das Medium an sich ja auch egal. Solange wir leben wird aber, glaube ich, der große Flatscreen ein Bestandteil der Wohnzimmer bleiben.

Weil du gerade die Zahlen angesprochen hast: Kürzlich sind die Vorjahrescharts des ORF veröffentlicht worden, in den Top-15 finden sich gleich sieben „Willkommen Österreich“-Aufzeichnungen, darunter die mit Stefan Petzner auf Platz 3. Was macht eure Sendung so erfolgreich?

Grissemann: Wir machen es nicht wie Barbara Stöckl. Nicht falsch verstehen, sie ist eine geschätzte Kollegin, bereitet sich auch gut vor und spricht dann beispielsweise mit der Mounteverst-Bezwingerin Gerlinde Kaltenbrunner darüber, ob sie bei 7.000 Höhenmetern noch Luft bekommen hat. Und wir fragen Frau Kaltenbrunner halt was anderes. Auch durch den Alkohol, der ausgeschenkt wird, herrscht bei uns eine lockere Atmosphäre, als die Steifheit, die normalerweise geboten wird. Das ist wie Ina Müllers Format: So wie Menschen tatsächlich miteinander reden würden, wenn sie nicht von Kameras begleitet werden. Ich glaube, das macht es aus. Das mag nicht immer schön sein, aber es spiegelt das echte Leben, Beschimpfungen inklusive. Alles, was aus frisiertem Fernsehen normalerweise schön ausgeklammert wird, findet bei uns statt. Deswegen schaut man „Willkommen Österreich“ lieber als den geschleckten Latz.

Weil du gerade Barbara Stöckl angesprochen hast, führen wir uns doch einmal weitere Formate des ORF näher zu Gemüte: Die „Millionen Show“.

Grissemann: Fantastisches Format, schaue ich gern.

Stermann: Ich finde, die „Millionen Show“ ist ein unglaublich spannendes Format, aber ich war noch nie ein Assinger-Fan.

Die „Brieflos Show“.

Grissemann: Fantastisch. Immer noch eine der besten Sendungen im ORF – zwar mit billigsten finanziellen Mitteln, aber vor allem durch Peter Rapp, einem Giganten des Entertainments in Österreich, immer noch eine pfiffige Sendung. Das ringt mir Respekt ab.

Stermann: Rapp ist ein Unikum, er ist mit Sicherheit der größte Profi im ORF, scheißt sich gar nichts und das ist vergötterungswürdig.

„Frisch gekocht“.

Grissemann: Ich mag beide ehrlich gern, sie sind sehr sympathisch und haben Kultpotential, weil sie so seltsam sind. Ich sehe Kochsendungen ja weniger gern.

In deinem Kühlschrank befindet sich ja auch selten etwas.

Grissemann: Stimmt, aktuell eine sehr schwarze Banane und ein halb aufgegessenes Joghurt.

„ZiB 24“.

Grissemann: Ich halte Roman Rafreider abseits seiner fast schon blendenden Schönheit für einen sehr kompetenten Mann, Lisa Gadenstätter sowieso.

„Was gibt es Neues?“.

Grissemann: Da hängt es immer von der Besetzung ab. Wenn Michael Niavarani dabei ist, muss man es sehen, wenn er nicht dabei ist, muss man es nicht sehen (lacht).

Stermann: Ich finde, dass Günther Lainer auch sehr lustig ist.

„Dancing Stars“.

Grissemann: Das finde ich als Format wahnsinnig gut, weil es sehr breitenwirksam ist, ohne auf den Ekelfaktor zurückgreifen zu müssen – obwohl ich Ekelfernsehen auch gerne schaue. Für mich war es immer faszinierend, weil es auch die Großmütter begeistert, wenn die Leute tanzen. Wenn daraus eine quotenträchtige Sendung entwächst, finde ich das schön. Ich finde es auch gut besetzt, auch, dass es in der Jury auch immer einen „Beißer“ gibt. Gut moderiert auch von Eberhartinger und Weichselbraun.

Stermann: Mich persönlich würde es nicht interessieren, Leuten beim Tanzen zuzuschauen.

„Alltagsgeschichten“.

Grissemann: Als ausgewiesener Ulrich-Seidl-Fan genieße ich auch die Leidvariante von Elizabeth Spira in den „Alltagsgeschichten“ sehr. Sie ist eine wahnsinnig tolle Frau, sehr verdienstvoll. Jede Sendung von ihr würde ich mir auch noch ein zweites Mal anschauen, weil sie so gelungen sind.

Stermann: Sie hat bei einer „Alltagsgeschichte“ für mein Lieblingszitat gesorgt: Da hat sie auf einem Markt eine alte Frau, die gerade Knochen gekauft gehabt, gefragt, ob sie denn einen Hund hätte. Die Frau bejahte und Frau Spira hakte nach, was für eine Rasse er denn sei und bekam als Antwort: „Einen Dorsch“. Das war für mich der größte Fernsehmoment, den ich mir vorstellen kann.

Das ist fast schon dadaistisch. „SOKU Donau“.

Grissemann: Ich bin zwar ein großer Fan von Gregor Seberg, aber keiner von Krimis. Aber die Besetzung mit Dietrich Siegl, Stefan Jürgens und Lilian Klebow ist wirklich gut.

Stermann: Ich fahre wahnsinnig gerne Boot, fahre aber nie Boot, weil das so teuer ist. Und ich liebe die Donau, deswegen genieße ich, dass die immer mit dem Boot fahren dürfen. Auf die Handlung achte ich da nicht.

„Tom Turbo“.

Grissemann: Auch da ist das Land gespalten: Die einen sagen, Christine Nöstlinger muss auf die Kinder losgelassen werden und wenn es Thomas Brezina liest, wird es verdorben. Das glaube ich nicht: Ich glaube, dass Kinder Brezina mehr als Nöstlinger schätzen, die lesen nur die Eltern.

Stermann: Ich finde es bei ihm faszinierend, dass man das Gefühl hat, er sei wie eine riesige Maschine – mit Milliarden an Büchern. Das finde ich ein bisschen unheimlich.

So wie Michael Jackson, nur ohne Begrapschen?

Grissemann: Hoffentlich (lacht)!

„Seitenblicke“.

Grissemann: Fixtermin, aber schwierige Beginnzeit: 20:04 Uhr ist nicht die Zeit, zu der man üblicherweise wie von der Tarantel gestochen zum Fernseher hastet. Mich fasziniert es, dass die da in Beiträge mit 1:40 Minuten vier oder fünf Interviewpartner packen. Das muss man erst einmal hinkriegen, und zudem immer auch mit einer leisen, aber feinen Ironie versetzt.

Stermann: „Seitenblicke“ ist aber trotzdem ein Mitgrund dafür, dass ich nicht mehr zu Premieren gehe, weil ich keine Lust mehr auf diese lustigen Fragen habe. Ich kann nicht mehr antworten drauf.

„Harry liebste Hüttn“.

Grissemann: Harry Prünster ist einer der unterschätztesten im Fernsehen, wahnsinnig sympathisch. Wenn man gerne wandert, hat der den geilsten Job der Welt: Immer nur Speck jausnen und ein Schnäpschen dazu.

„Im Zentrum“.

Stermann: Schwierige Sendung. Da hängt es wahnsinnig davon ab, wenn die als Gäste haben. Zum 850. Mal die Frau Karmasin als Gast haben, die zu irgendeinem Thema etwas zu sagen hat, ist halt langweilig. Ich glaube, es ist relativ undankbar, das zu moderieren – da tat es der Sendung glaube ich ganz gut, dass zumindest die Moderatorin einmal neu ist.

Grissemann: Ingrid Thurnher ist schon gut, aber man hat gegen Schluss hin schon gemerkt, dass sie nimmer konnte und wollte. Von Claudia Reiterer halte ich aber auch sehr viel, das ist einfach straigh gemachtes Polit-Fernsehen.

Als Rahmen zum Anfang: „Gags, Gags, Gags“ greift auf eure letzte Show vor: Was soll bei der letzten „Willkommen Österreich“-Sendung passieren?

Grissemann: Am besten wäre ein tatsächliches Begräbnis von uns beiden. Das fände ich schön, wenn zwei Särge in vier Meter Tiefe gehoben werden und Kathi Zechner für uns das Kreuzzeichen macht. Lotte Tobisch und Otto Schenk sollen das dann moderieren.

 

„Gags, Gags, Gags“, das neue Programm von Stermann & Grissemann, premiert am 23. März im Globe Wien, es folgen Auftritte in ganz Österreich. Beide Herren erlebt man zudem in der Loriot-Lesung “Das Ei ist hart!”, sowie mit Magdalena Kropiunig in “Sonny Boys”.

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