Der bayerische Anarchist Hans Söllner

Rot für das Blutvergießen und die Morde an den verschleppten Sklaven, Gold für den Reichtum, den man den Sklaven gestohlen hat und Grün für das gelobte Mutterland Afrika, das die Heimkehr der Verschleppten erwartet. Wenngleich Hans Söllner erst „spätberufener“ Rastafari ist – im August 1993 trat er aus der römisch-katholischen Kirche aus und suchte auch am Papier das Seelenheil in Jamaika – so „lehrte“ und lebte er deren Lehre schon zuvor: Der Mensch ist ein Individuum, die Gedanken sind frei, Grenzen werden negiert.

Aus System mach Sissdem

Dass in einem Rechtsstaat wie Bayern das starke Rechtsbewusstsein von Hans Söllner, der sich zwar auch mal gern eine gewisse Staude reinzieht, dabei aber kein Blatt vor den Mund nimmt, nicht unbedingt immer „leiwand“ aufgenommen wird, versteht sich von selbst. Hausdurchsuchungen, Gerichtsvorladungen und Anwaltskosten prägen Söllners Lebensalltag, ein bisserl unfreiwillig genießt er permanenten Polizeischutz. Dass dabei nicht er vor der bösen Umwelt, sondern die Umwelt vor dem bösen Söllner bewahrt werden soll, ist nur ein kleines Detail am Rande.

Wenn man bösartig wäre, könnte man in Versuchung geraten zu meinen, dass schlappe vier Akkorde auf der Klampfe und ein bisserl Getüdel auf der Mundharmonika ohne einer kritischen Grundhaltung, die sich in den Texten teilweise mehr als explizit zu Buche schlägt, ohnehin keine Maus hinter dem Ofen hervorlocken würde. Bei Söllner ist’s aber kein Marketinginstrument, das gezielt eingesetzt wird, um ordentlich CDs abzusetzen, sondern private Überzeugung, die schlichtweg in der Öffentlichkeit nicht vertuscht wird. Und manchmal, da ist dann auch noch die Begleitband dabei, damit es ein bisserl mehr musikalische Abwechslung gibt, und die heißt eben Bayaman’Sissdem.

Saufroh, dass alle da sind

Auf der Bühne lebt Hans Söllner, nicht anders, als er im eigenen Garten leben würde – er braucht sich nicht zu inszenieren, die Schäfchen kommen, um zumindest einmal aus dem „System“ ins „Sissdem“ einzutauchen, und wenigstens für wenige Stunden ein bisserl Freiheit zu spüren. Und weil der liebe Hans alle Menschen, egal ob schwarz oder weiß, zottelig oder nicht zottelig, gern hat, ist er wirklich „saufroh“, dass alle da sind. Nicht, weil’s Kohle bringt, sondern wegen des bekannten Spruches: Kumm her, dann samma mehr. Kommen Sie, staunen Sie!

 

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