Der dritte Frühling von a-ha

Drei Jungs aus Norwegen werden Mitte der 1980er Jahre über Nacht zu Teenie-Idolen und Pop-Stars. Die Single „Take on Me“ machte das Trio weltweit zu Shooting Stars. Unplugged kommen a-ha nun nach Wien.

a-haDrei Jungs aus Norwegen werden Mitte der 1980er Jahre über Nacht zu Teenie-Idolen und Pop-Stars. Die Single „Take on Me“ und das dazugehörige bahnbrechende Video, in dem Realität und Zeichentrick verschwimmen, samt dem Album „Hunting High and Low“ machten das Trio weltweit zu Shooting Stars. 1994 und etliche Hits später zerbrach eine der erfolgreichsten Pop-Bands der Geschichte, zwischen 1998 und 2010 fand man zu einer ersten Reunion wieder zusammen. Seit 2015 freuen sich Morten Harket, Magne Furuholmen und Paul Waaktaar-Savoy über ihren dritten Frühling: Nach dem zehnten Studio-Album „Cast in Steel“ bereichern a-ha die „MTV Unplugged“-Serie nun auch mit ihren Pop-Klassikern. Bevor die drei Norweger – ebenfalls unplugged – im kommenden Jahr auf Tour gehen und am 2. Februar in der Wiener Stadthalle aufspielen, rief Gitarrist Paul bei !ticket an.

2015 habt ihr eure Reunion bekannt gegeben die zwei Jahre dauern sollte. Die zwei Jahre sind vorbei. Doch jetzt gibt es das neue „MTV Unplugged“-Album und jede Menge Konzerte im kommenden und damit dritten Reunion-Jahr 2018. Ist der zwei-Jahres-Plan vom Tisch?

Yeah, ich habe das ja auch nie gesagt (lacht)! Wir sind drei verschiedene Menschen. Einer sagt vielleicht ein Jahr, der andere drei. Ich denke so darüber nicht nach. Solange es sich gut anfühlt, solange es Sinn macht bin ich dabei. Ich setze mir keine bestimmte Zeitspanne, die ich dann mit der Band absitzen muss.

Ist der Hunger nach Bühnenluft von früher wieder da? Oder geht es in Zeiten sinkender CD-Verkäufe und Radio-Tantiemen ums Geldverdienen?

Nein, darum geht es nie. Geld war niemals unser Antrieb, egal, was wir auch gemacht haben. Jedes Projekt hat seinen eigenen Charme. Bei dem Unplugged-Album geht es um Songs, die wir viele Jahre lang gespielt haben und sie nun anders verpacken. Es war nett, mit den anderen im gleichen Raum zu sein und die Arrangements zu erarbeiten, so wie in unseren Anfangstagen. Das hat dem Album ein ganz neues Gefühl verliehen und ich bin schon gespannt, wie die Konzerte nur mit akustischen Instrumenten laufen werden. Man muss die Arbeit für einen selbst interessant halten, unterschiedliche Dinge tun. Im kommenden Sommer stehen dann viele Open-Airs an, mit einem anderen Line-Up von Musikern und elektrischen Instrumenten.

Zwei Alben und zwei Tourneen in zwei Jahren: War dieser Workaholic-Anfall geplant?

Wir haben das sicher bei der Reunion nicht so geplant, jeder Schritt hat sich ergeben. Wir beraten ein neues Projekt zusammen und wenn es sich nach Spaß anhört, sind wir dabei.

Ist es nicht schade, dass ihr nicht zur Hochzeit von MTV das Unplugged-Album eingespielt habt?

(lacht) Das ist wie mit den Reality-Shows. Wir machen da erst mit, wenn es alle anderen schon getan haben. Es stimmt schon … jedes Mal wenn wir gefragt wurden, sprach etwas dagegen. Unsere Songs einzuspielen ist meist Schwerarbeit, das war auch beim vorigen Album „Cast in Steel“ so. Deshalb erschien uns das Unplugged-Album eine willkommene, einfache Abwechslung zu sein. Wir mussten ja bloß alte Songs überarbeiten. Deshalb war für uns genau jetzt der richtige Zeitpunkt.

Wenn du Reality-Shows ansprichst: Wäre das „Dschungelcamp“ ein No-Go für dich?

Noch bin ich nicht so verzweifelt, aber man weiß ja nie.

Haben sich die alten Hits in den akustischen Versionen am Beginn ungewohnt angefühlt, so, als ob etwas nicht richtig ist?

Die meisten Lieder wurden vorwiegend mit einer Akustikgitarre und mit ein wenig Klavier komponiert, man kann ihnen also einfach einen neuen Sound überziehen. Am Beginn unserer Karriere haben wir auch nur jene Instrumente verwendet, die gerade im Studio verfügbar waren und haben daraus etwas gemacht. Aber egal welches Instrument du auch verwendest, uns geht es um den Vibe, um das Feeling in einem Song, um die Essenz. Es hat sich für uns also niemals falsch angefühlt. Wir haben einen Arrangeur angeheuert, der einen ganz anderen musikalischen Background hat. Es war interessant zu sehen, dass er oft unsere Intentionen erkannt hat, aber auch schon mal kräftig daneben lag. Unsere Songs sind da sehr empfindlich, sie brauchen eine ganz bestimmte Sound-Umgebung um zu wirken.

War es nicht schwierig, die typischen a-ha-Hooks und -Melodien, die meist mit dem Keyboard gespielt werden, akustisch umzusetzen?

Da geht es nur um das Arrangement, das war nicht so schwierig.

Hast du jemals deine E-Gitarre vermisst?

Nein, nicht wirklich. Es war sogar beinahe angenehm, wenn man sein übliches Instrument nicht zu Verfügung hat und sich umgewöhnen muss. Das Schwierige dabei ist, eine Dynamik nur mit akustischen Instrumenten aufzubauen. Wenn man da nicht aufpasst, wirkt es rasch statisch und wird langweilig. Man muss in einem ganz anderen Umfeld arbeiten.

Wenn du die Arbeiten am Studio-Album „Cast in Steel“ und an „MTV Unplugged“ vergleichst – was war mehr Arbeit, mehr Spaß, anstrengender, nerviger?

„Cast in Steel“ war eine Menge Arbeit, wirklich eine Menge, das hat uns viel abverlangt. Deshalb war es nett, anschließend das Unplugged-Album zu machen. Im Vergleich zu „Cast in Steel“ war das super-easy.

In „Take on Me” gibt es die Textzeile „I am slowly learning that life is ok”. Gab es einen Zeitpunkt in deinem Leben, an dem du das empfunden hast? Eine Art Angekommensein?

Es war eine wirklich lange Reise. Wir kamen aus Norwegen, haben die ersten zwei, drei Jahre versucht, etwas in England auf die Reihe zu bringen. Dann passierte eines nach dem anderen, du gehst nach Amerika … Es ist eine lange Reise und gleichzeitig wirst du auch noch erwachsen. Es dauert eine ganze Weile, bis du deinen Platz in der Welt gefunden hast. Ich glaube, das ist aber eine Entwicklung die niemals aufhört.

Demnächst steht die Unplugged-Tournee an. Wie funktioniert das akustische Set?

Wir haben großartige Musiker für die Saiteninstrumente dabei und fürs Klavier, die meisten Songs brauchen nicht viel um zu funktionieren. Eine Hookline da, eine Harmonie dort. Es wird interessant zu sehen, wie sich das in einer ganz normalen Konzertsituation entwickelt. Das haben wir noch nie gemacht.

Kann das in den großen Hallen überhaupt funktionieren?

Das wird eben interessant, denn im Grunde ist das Ganze eine intime Sache. Bei den Aufnahmen zum Album waren ja nur zweihundert Menschen dabei, jetzt geht es in die großen Hallen. Es wird spannend in einem größeren Setting.

Unplugged ist wohl altersgerechter, sowohl für euch Musiker als auch die Fans: Sitzkonzert statt Pop-Party.

Ja, schieb’ mich bitte mal auf die Bühne (lacht)! Es wird am Beginn schräg sein, denn normalerweise gehen wir raus und machen eine Pop-Show. Dieses Mal müssen wir versuchen, das intime Gefühl des Albums in eine große Halle zu übertragen. Aber im Sommer gibt es wieder vollelektrische Konzerte bei den Open-Airs, eine ganze Tournee.

Ganz ehrlich: Vermisst du manchmal die verrückten Anfangstage als Teenie-Idol, die Mädchen, die euch belagert haben und hysterisch kreischten?

Das hat am Beginn ziemlich viel Spaß gemacht, aber wir hatten unseren Anteil. Das reicht. Ich wünsche mir das nicht zurück. Es hat Spaß gemacht, es war aufregend. Aber es war auch Zeit, dass es sich beruhigt.

Morton baut in seiner Freizeit Schiffe, Magne macht Kunst. Hast du gar keinen Bedarf an einem Kreativ-Ventil abseits der Gitarre?

Was ist meine zweite Leidenschaft? Hilfe, ich brauche eine! Vielleicht sollte ich auch etwas bauen? Nein, im Ernst: Ich habe meine andere Band, Savoy (nach Pauls zweitem Nachnamen, Anm.), und ich habe noch viele andere Projekte und nehme viel auf. Ich bin neben a-ha ganz gut beschäftigt und am 12. Jänner kommt schon das nächste Savoy-Album heraus. Das ist mein Hobby. Meine Frau macht Filme, da helfe ich ihr oft, das ist genug. Meine andere Leidenschaft abseits der Musik ist eigentlich Tennis.

a-ha kommen am 2. Februar in die Wiener Stadthalle. Tickets gibt es bei oeticket.com.

 

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