Der Film macht die Musik, die Musik den Film

Was wäre ein Horrorfilm ohne Suspense-Klänge, was ein Liebesfilm ohne Schmusesong? Musik spielt hier den Emotionsträger – und das mit Recht.

Und am Anfang stand das Wort … oder eher nicht. Im Filmbusiness müsste das durch die Musik ersetzt werden, denn lang bevor man stimmliche Ergüsse diverser Schauspieler auf seine Ohren einwirken lassen musste, waren Filme schon mit Musik hinterlegt.

Stumm, aber nicht tonlos

Ende des 19., respektive Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der sogenannte Stummfilm seine Blütezeit. Zu seinen Anfängen war das Publikum ob der Stille und der rein visuellen Eindrücke etwas irritiert, so hinterlegte man cineastische Werke schon bald mit Geräuschen und Musik – meistens mit pianistischen Klängen, die live vor Ort dazu gespielt wurden. Im Jahre 1927 wurde der erste Tonfilm entwickelt, die Zeiten der Live-Filmmusiker waren vorbei. Eine neue Ära begann: Man konnte nun die musikalische Filmuntermalung viel besser steuern und dem jeweiligen Inhalt besser anpassen. Und genau diese Art, Filme zu untermalen, hat sich bis heute, trotz Film mit Sprache, nicht verändert.

Band und Film

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Filmmusik zu gestalten. Einerseits werden bereits bestehende Stücke herangezogen, andererseits wird Filmmusik auch direkt für einen Film komponiert – und das nicht nur beim „James Bond“ -Soundtrack oder instrumentaler Musik à la Harold Faltermeyer. Die enge Zusammenarbeit einer Band mit einem Regisseur ist nicht ungewöhnlich, aber dennoch selten. Eine Band, die es wissen muss, ist die deutsche Independent-Band The Notwist. Durch die Kollaboration und Freundschaft mit Regisseur und Drehbuchautor Hans-Christian Schmid konnte man so einigen Filmen durch Musik den richtigen Schliff verleihen. Sänger Markus Acher gab uns einen kurzen Einblick: „Die Zusammenarbeit entstand durch einen Bekannten, der Regisseure zur Filmmusikauswahl berät. Er hat Hans- Christian Schmid bei seinem Film „Crazy“ beraten und uns vorgeschlagen. Wir haben dann extra für den Film ein Stück komponiert, und das kam gut an. Er hat uns dann gefragt, ob wir nicht mal Lust hätten, einen kompletten Soundtrack für einen Film zu machen. Wir haben es dann geschafft, sozusagen eine eigene Sprache miteinander zu entwickeln – auch wenn das jetzt etwas hochgeschraubt klingt. Hans-Christian Schmid weiß einfach, was wir machen, und wir können uns auch gut vorstellen, was er von uns erwartet und wie das dann auch mit den Bildern funktioniert. Das klappt immer besser. Bei den Filmen, zu denen wir die Musik geliefert haben, haben wir zuerst das Drehbuch bekommen und dann noch den Rohschnitt, somit konnten wir im Zuge dessen schon Ideen sammeln und Sachen aufnehmen. Bei „Lichter“ zieht sich zum Beispiel ein Thema durch den ganzen Film, das konnte man gut verwerten. Bei „Sturm“ war das schon komplizierter. Da musste man sehr genau auf die Bilder eingehen, da braucht man dann schon einige Anläufe, bis man ankommt und es funktioniert. Extrem wichtig sind natürlich die Emotionen, und das war auch das, was uns am schwersten gefallen ist. Es darf auf keinen Fall zu viel sein – die Musik darf die Bilder und die Emotion des Films nicht zumüllen. Hier mussten wir noch lernen, dass man sich nicht zu sehr in die Musik reinziehen lässt.“

Alles Kunst

Bela B bye2 (c) Konstanze HabermannDer Zusammenhang zwischen Musik und Film ist auch auf den zweiten Blick ein ganz logischer, schlussendlich ordnet man beide Gattungen der Kunst zu. Die Verankerung ist hier teilweise noch stärker als in anderen Genres gegeben, denn heutzutage würde ein Film kaum ohne Musik bestehen, eine Band nur selten ohne visuelle Aufzeichnung, ob in Form eines Live-Mittschnitts oder Musikvideos, wahrgenommen. Wie auch schon in unserer letzten Ausgabe beleuchtet, gibt es mittlerweile immer mehr Künstler, die sich als Multitalente auf den verschiedensten Parketten der Kunst tummeln. Dass der Tanz auf den verschiedensten Kunst- Kirtagen ein höchst sinnvoller ist und sich manchmal einfach aus Logik so ergibt, weiß Mr. Multitasking Bela B.: „Es sieht immer nur von außen so aus, als wären es unterschiedliche Sachen. Ich bin Texter, lese privat auch Bücher – nicht nur Comics (lacht) – dementsprechend ist dann zum Beispiel ein Hörbuch einzulesen nicht so weit weg. Ich singe, trage also mit meiner Stimme Dinge vor, dann kann ich auch lesen. Vom Hörbuch zum Synchronisieren von Filmen ist es dann auch nicht weit. Zur Schauspielerei wiederum kam ich über die Filmmusik. Irgendwann wurde ich auf einmal als Schauspieler angefragt und nicht als Filmmusiker. Es sind große Herausforderungen, aber einfach Dinge, die Spaß machen und nicht weit weg von meinem Leben sind. Natürlich ist Film etwas anderes als Musik, aber es greift schon alles ineinander. Einer der ersten Filme, für den ich Musik geschrieben habe, war übrigens ein österreichischer, „Kaliber Deluxe“, da habe ich dann auch mitgespielt. Das war Auftragsarbeit, ich habe auch ein bisschen Score gemacht, also alles, was im Kontext Rock ist. Streichernoten kann ich nicht schreiben. Aber ich mache das nicht hauptberuflich (lacht).“
Beim nächsten Mal Filmschauen empfehlen wir, sich etwas mehr auf die Musik im Hintergrund zu konzentrieren , diese wertzuschätzen und versuchen zu verstehen, warum Musik den Film macht.

 

The Notwist spielen am 12. April im Linzer Posthof, am 1. August in der Wiener Arena.

Tickets bei oeticket.com

Bela B. ist mit neuem Album im Gepäck am 16. Mai im Linzer Posthof und am 18. Mai in der Wiener Arena.

Tickets bei oeticket.com

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