Der Hundeflüsterer

Cesar Millan zum ersten Mal in Österreich! Damit ist die Sensation perfekt, denn weltweit ist der gebürtige Mexikaner ein gefragter Star. Viele sahen die Karriere des Mexikaners nach massiver Kritik an seinen Methoden am absteigenden Ast, doch der Hundeflüsterer ist nach wie vor ein internationaler Publikumsmagnet.

 

Warum herrscht so reges Interesse an Ihrer Arbeit?

Es gibt immer Interesse, solange es auch einen Bedarf gibt. Es herrscht Verwirrung, Chaos. Solange du in deinem Leben keine Probleme hast, ist alles in Ordnung. Wenn du Probleme hast, dann brauchst du jemanden, der dir hilft und da gibt es viele Optionen. Ich bin eine der weltweiten Optionen geworden, denn ich biete meine Hilfe im Fernsehen an. Damit habe ich eine Plattform geschaffen, bei der man sich jede Woche ansehen kann, wie ich Menschen trainiere. Ich habe das Konzept, wie man Hunde trainiert, völlig verändert. Denn zuerst müssen die Besitzer lernen Verantwortung zu übernehmen, sie müssen dazu erzogen werden und eine Unterhaltung mit ihrem Hund beginnen. Die Menschen müssen zuerst ihre Einstellung ändern, bevor sie mit ihrem Hund trainieren können. Danach passiert es, dass sie sagen: “Cesar, jetzt, wo ich mit meinem Hund länger spazieren gehe, bellt er viel weniger.” Den Menschen fehlt es am Grundverständnis, die meisten können ihrem Hund nur Zuneigung geben. Aber sie bringen ihm keine Disziplin bei oder trainieren. Also habe ich diese Formel geschaffen: Übung, Disziplin, Zuneigung.

 

Ihr Ruhm ist also ein Ergebnis der Unfähigkeit der modernen Gesellschaft, Disziplin und eine Rangordnung einzuhalten?

Wir haben verlernt, wie man ein Verhältnis zueinander aufbaut, wie man zuhört und kommuniziert. Ein Hund sagt dir, genauso wie ein Kind, was er braucht. Die Gesellschaft hat verlernt, zuzuhören. Es wird einem immer gesagt, was man zu tun hat, oder was man falsch macht. Wir haben die Verbindung zueinander verloren, also kam ich mit dem Konzept, diese verlorenen Beziehungen wieder herzustellen. Denken wir darüber nach, wie wir uns fühlen, noch bevor wir eine Kommunikation oder Beziehung zu einem Hund oder auch einem Menschen beginnen. Ich bringe den gesunden Menschenverstand zurück.

 

Ist es nicht verwunderlich, dass manche Menschen ihre Hunde besser behandeln als ihre Kinder?

Der Hund hat seine eigene Identität, manche sehen in ihm aber einen Menschen. Das ist für den Hund nicht besser, es verwirrt ihn lediglich. Für ihn ist es besser, wenn wir seine Bedürfnisse zu verstehen lernen und diese beherzigen. Damit beginnen wir, ihn gleichzeitig zu respektieren. Leider hat die Welt beschlossen, besser zu wissen was ein Hund will als er selbst.

 

Was denken Sie von Haltern, die ihren Hündchen rosa Wollpullover anziehen?

Man kann diesen Menschen zwar erklären was sie falsch machen, ich möchte sie aber lieber inspirieren. Sie müssen wissen, dass sie damit eine ungewünschte Reaktion hervorrufen können. Wenn man einem Hund Kleidung anzieht, fühl er sich beengt und erstarrt innerlich. Und der Besitzer meint dann aufgrund dieses Zustandes: “Schau‘ mal, wie süß er aussieht!” Also muss man einmal lernen, wie man einem Hund einen Pullover anzieht. Man muss darauf achten, dass er ganz ruhig ist. Klar, Hunden überhaupt etwas anzuziehen ist schon seltsam, aber man kann Menschen schwer etwas verbieten, was ihnen sehr viel Freude bereitet. Ich möchte weder diese Freude zerstören, noch, dass sich der Hund dabei unwohl fühlt.

 

Cesar MillanTraining, Disziplin und Zuneigung. Weshalb formulieren Sie Ihr Credo in dieser Reihenfolge?

In den USA will man für alles eine Formel haben, ein Rezept. Als ich nach Amerika kam, gab es keine Formel, wie man einen Hund glücklich macht. Der Irrglaube herrschte, dass man das nur durch Zuneigung, Zuneigung und noch mehr Zuneigung erreicht. Dann sieht der Hund vielleicht fröhlich aus, aber er ist nicht glücklich, denn man vernachlässigt den Körper, der benötigt Training. Und die Disziplin, das sind Regeln, Grenzen und die Rangordnung im Rudel. Die Zuneigung bekommt er dann, wenn sowohl der Körper als auch sein Geist ruhig ist. Der Hund lernt, dass durch Ruhe auch Zuneigung kommt.

 

Weshalb kommt Training vor der Disziplin?

Um Disziplin zu lehren, muss man das Gehirn erreichen. Das erreicht man am besten, wenn der Körper entspannt und ohne Energie ist, also nach dem Training. Erst dann kann man den Hund formen.

 

Weshalb verwenden Sie statt gesprochener Kommandos Laute?

Man muss berücksichtigen, dass nicht alle Menschen sprechen können, es gibt ja auch stumme, die niemals mit einem Hund kommunizieren könnten. Wichtiger als Kommandos ist es, Zuneigung auszustrahlen und erst danach den Hund zu berühren. Wenn ein ängstlicher Mensch Zuneigung zeigen will, dann käme das bei einem Hund nicht richtig an, er wird zurückweichen. Wichtig ist es, den Geisteszustand des Hundes zu erkennen. Geräusche oder Kommandos sind da zweitrangig. Ein blinder Mensch kann den Hund nicht sehen, aber spüren. Ein Gehörloser kann ihn nicht hören, aber spüren. Sprechende Menschen haben die Angewohnheit, weniger mit dem Gefühl zu arbeiten. Sie reden lieber, ohne vorher nachzudenken. In den USA glauben die Menschen sogar, dass, wenn man sich einen Hund aus Deutschland holt, dann muss man mit ihm auch deutsch sprechen.

 

Sie werden immer wieder kritisiert, Hunde unterzuordnen, was sich allerdings am natürlichen Rudelverhalten orientiert.

Das meiste resultiert aus mangelhafter Recherche meiner Arbeit. Wenn man über die Mensch-Hund-Beziehung spricht, ist es einfach zu sagen, er gehört zur Familie. Wenn wir über Pferde sprechen, sagen wir auch Herde zu ihnen, bei Fischen nennen wir es Schule. Bei freilaufenden Hunden spricht man von einem Rudel. Wenn ich den Begriff Dominanz verwende, dann haben viele damit ein Problem und verstehen darunter eine Art Diktatur. Wenn man im Sport von Dominanz spricht, ist das wiederum für alle völlig okay. Da gibt es eine ganze Menge von Missverständnissen. Viele sehen sich nur kurze Videosequenzen im Internet an und beurteilen meine Arbeit, ohne das Ganze zu sehen.

 

Cesar MillanSie verwenden Elektroschock- und Stachelhalsbänder, die in Österreich übrigens verboten sind.

In vielen Ländern sind E-Halsbänder nicht verboten und die Menschen verwenden sie. Nur setzten sie sie falsch ein. Ich mache auf keinen Fall Werbung für die Nutzung von E-Halsbändern oder Stachelhalbändern, auf keinen Fall! Ich möchte den Menschen beibringen, wie ihr Hund ihnen vertraut. Wenn ich einen Fall bekomme, wo ein E-Halsband verwendet wird, wurde der Fehler bereits gemacht, dieses überhaupt einzusetzen. Die meisten Menschen wissen nicht einmal, wie man eine Leine richtig einsetzt oder wie man um das Füttern ein Ritual gestaltet.

Man muss auch damit aufhören, gewisse Hunderassen zu dämonisieren. Das Image drücken ihnen Menschen auf, das von der Angst vor diesen Rassen geprägt ist. Ich stehe für die Rechte von Tieren ein. In den USA arbeite ich an einem Gesetzesvorschlag, der das Töten von Streunern schwieriger macht, denn bei uns werden vier bis fünf Millionen Hund pro Jahr getötet!

 

Sie haben in Ihrem Leben eine schwierige Phase inklusive einem Selbstmordversuch durchgemacht…

Manchmal ist man auf dramatische Veränderungen, die plötzlich eintreten nicht vorbereitet und weiß nicht, wie man damit umgehen soll. Ich habe ja nicht um meine Scheidung gebeten, mir wurde sie einfach vor die Nase gehalten. So etwas zu verarbeiten kann man auch nicht in der Schule lernen, das lehrt einem das Leben. Ich fühlte mich damals als Versager. Ich hatte das „Warum geschieht mir das?“-Gefühl. Ich war zornig auf Gott. Man bewegt sich dann in einer Spirale bergab die darin endet, dass man den Sinn des Lebens selbst hinterfragt und kein Licht mehr sieht, keine Möglichkeiten. Diese Phase war wichtig für mich, denn seither kommen immer mehr Mensch auf mich zu und danken mir, dass ich über meinen Selbstmordversuch gesprochen habe. Das Schlimmste ist, nicht über so etwas zu sprechen. Die größte Stärke kommt von der Ehrlichkeit zu sagen: Ich brauche Hilfe, denn ich weiß nicht mehr weiter! Als mein Selbstmordversuch misslang erkannte ich, dass Gott das so entschieden hat. So habe ich meinen Glauben wieder und ins Leben zurück gefunden. Ich habe mich mit Menschen umgeben, denen ich wirklich wichtig bin. Die wichtigste Eigenschaft ist, dass ich ehrlich bin. Ich sage, was ich mir denke, du bekommst genau, was du vor dir siehst.

 

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