Der Hut brennt

Seine Saitenhiebe zählen zu den besten der Rockgeschichte. Mit seinem dritten Soloalbum „World on Fire“ beweist Guns-N’-Roses-Legende Slash, dass er noch längst kein Rocksaurier ist – obwohl ihm diese Bezeichnung vermutlich sogar gefallen würde …

 

Mit Guns N’ Roses schrieb Slash Musikgeschichte, tänzelte mit „Mr. Brownstone“ nicht selten gefährliche Tänze nahe des Abgrunds und galt in den späten Achtzigern neben Zakk Wylde als das Aushängeschild für die Gitarrenfirma Gibson. Nach dem medienträchtigen Aus der Band verschwand selbige bis heute ins Abseits, der „Mad Hatter“ sorgte jedoch weiterhin – vorerst mit Slash’s Snakepit, später mit Velvet Revolver und schließlich „solo“ – für Hardrock, der zwar die ungebändigten Exzesse von damals missen lässt, sich aber dennoch „gewaschen“ hat. Von seinem Spiel – aber auch Myles Kennedys Organ – lebt auch das aktuelle Album „World on Fire“.

 

Was war zu Anbeginn am wichtigsten: Ruhm, Geld, Mädchen, Drogen – oder die Musik?

Definitiv die Musik. Ich hatte kein wirkliches Gieren nach den anderen von dir benannten Dingen – sie kamen natürlich mit der Zeit dazu, das will ich gar nicht abstreiten (lacht). Diese Leidenschaft zur Musik ist bis heute meine Motivation und Antrieb.

 

Wenige wissen, dass du ein Fachmann für Dinosaurier bist – wodurch auch die grüne Urzeitechse auf „World On Fire“ erklärt wäre …

Wie bei vielen begann diese Leidenschaft bei mir in frühester Kindheit: Dinosaurier, Reptilien – und Monster. Ich musste einfach jedes Wochenende zu „meinen“ prähistorischen Tieren ins Londoner Museum. Meine Suchhistorie am Computer besteht überwiegend aus einschlägigen Seiten, befreundete Paläontologen versorgen mich regelmäßig mit Updates. Erst kürzlich fanden sie in Argentinien einen neuen Vertreter der Titanosauria, einem Sauropoden. Es ist ein gigantischer Vierbeiner mit einem Hals wie Brontosaurus.

 

Investierst du demnach auch in eine eigene Fossilien-Kollektion?

Nein, so fanatisch bin ich dann auch wieder nicht, meine Sammelleidenschaften habe ich mittlerweile abgelegt. Als meine Frau mit unserem Sohn London schwanger war, hatte ich ja auch über 80 Schlangen. Heute ist es nur mehr eine.

 

Welcher Dinosaurier ist dir besonders ans Herz gewachsen?

Der Spinosaurus und der Deinonychus faszinierten mich schon immer. Generell bin ich eher bei den kleineren Sauropoden und den Raptoren zu Hause, besonders bei den Raptoren.

 

Kennst du andere Musiker, die ein ähnliches Faible haben?

Für Dinosaurier nicht, nein. Aber einige wie Kerry King von Slayer oder Henry Rollins sammeln Reptilien.

 

Metallica sorgten kürzlich für Schlagzeilen, nachdem bekannt wurde, dass James Hetfield als Sprecher für eine Bärenjagd-Doku der BBC gewonnen wurde. Würde dich so was in deinem Fachgebiet reizen?

Du wirst lachen, man hat schon bei mir dahingehend angeklopft (lacht). Reizen würde es mich schon, aber dazu müsste ich auch einmal die Zeit finden – seit letztem Oktober arbeite ich fast durchgehend an „World on Fire“, da bleibt nicht viel Spielraum, denn die übrige Zeit bist du auf Tour und promotest das Album. Mir wurde sogar angeboten, dass ich mit einer Gruppe von Paläontologen mitreisen könnte, an den Grabungen selbst teilnehmen hätte dürfen – du kannst dir vorstellen, wie schwer es mir gefallen ist, so eine einmalige Chance auszuschlagen! Aber vielleicht finden sich eines Tages Zeit und Gelegenheit …

 

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„Nothing Left to Fear“ war der erste Film, den deine Firma Slasher Films produziert hat. Gibt es schon etwas neues in der Pipeline?

Ja, wir sind gerade in den Vorbereitungen zum Remake des Spaghetti-Western-Klassikers „Cut-Throats Nine“ von 1972. Mads Mikkelsen und Harvey Keitel werden wohl dabei sein.

 

Könntest du dir eine Zusammenarbeit mit Rob Zombie vorstellen?

Es wäre naheliegend, aber … Ich kann das jetzt nicht wirklich dingfest machen, aber bisher hat er mir noch kein Script vorgelegt, wo es bei mir „Klick!“ gemacht hat.

 

In „Scary Movie“ wird gefragt: „What’s your favorite scary movie?“

„Das Omen“, das Original von 1976 mit Gregory Peck. Ich stehe aber auch voll auf Lon Chaney in Tod Brownings „London After Midnight“.

 

Nicht erst seit „Kirk Von Hammett’s Fear Festival“ weiß man, dass der Metallica-Gitarrist ebenfalls dem Horrorfilm zugetan ist. Rob Zombie arbeitet zurzeit an „31“. Wo siehst du die gestalterischen Parallelen zwischen Rock und Horror?

Es ist durchaus nichts Neues, dass Rock und Metal mit Horror und Science-Fiction Hand in Hand gehen. Ich glaube, es liegt sowohl in der Düsternis und der Rebellion beider Kunstformen begründet, dass sich hier oft Interessensgebiete überlappen. Es ist gewissermaßen eine gemeinsame Gegenbewegung zum Trendigen.

 

„The Unholy“ ist für dich eines der Kernstücke am neuen Album, da du hier versuchtest, deine „typische Hard-Rock-Schreibweise“ mit jener verschmelzen zu lassen, die du für Film-Scores verwendest. Kannst du das etwas näher ausführen?

Die Denkweisen bei Film- und Rockmusik differieren klarerweise. Bei „The Unholy“ versuchte ich einen Brückenschlag, das Resultat ist vielleicht etwas „theatralischer“, wenn du so willst, als ein typischer Rocksong.

 

Weißt du, welcher deiner Songs derjenige ist, der am meisten als Hintergrundmusik in den weltweiten Schlafzimmern läuft?

Zumindest in den späten Achtzigern und Neunzigern war „Sweet Child O’ Mine“ sicher einer derjenigen Songs, der neben denen von vielen anderen Bands oft für das nötige Rhythmusgefühl sorgte (lacht).

 

Das Cover von „World on Fire“ erinnert stark an das Triptychon von Hieronymus Boschs „Garten der Lüste“. Das Original stammt von Ron English, allerdings wurde sein „Cerebral Celebration“ minimal adaptiert. Die Verweise auf McDonald’s flogen beispielsweise raus …

Da war meine Plattenfirma ein bisschen paranoid, ja. Sie hatte Angst, dass wir vor allem in Europa Ärger mit McDonald’s bekommen würden, also musste da etwas nachgebessert werden.

 

Geblieben sind jedoch die Simpsons-Zitate, Matt Groening ist ja bekanntlich ein großer Fan von Guns N’ Roses. Jedoch: Ein Cameo-Auftritt steht noch aus …

Stimmt, ich war noch nie „in Springfield“. Es heißt, Busfahrer Otto sei teilweise von mir inspiriert – aber ich war bisher noch mit niemandem von der Show in Kontakt, um das be- oder entkräftigen zu können …

 
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