Der Intellekt-Effekt

Foto: Markus Thums für !ticket

Kreisky spricht im Interview von Kommunikationsregeln, Minimalismen oder Gruppen-DNA. Nicht trotzdem, sondern deshalb haben sie so viele Fans. Und ein Publikum, das gerne zuhört.

Radiotauglich, angepasst, weichgespült, für die Masse modelliert – all das trifft nicht auf die österreichische Band rund um Frontman Franz Adrian Wenzl zu. Mit eben ihm und Schlagzeuger Klaus Mitter führte man ein angenehmes Gespräch, in der nicht weniger angenehmen Arena. Was sie zu erzählen haben macht Sinn und leuchtet ein und all das fernab von irgendeinem nichtigen Society-Gequatsche. Und erstaunlicherweise haben sie dennoch hierzulande Erfolg und werden verstanden. Heißt das nun, dass man sein Publikum doch intellektuell herausfordern darf und nicht immer Rücksicht auf die Freud’sche Intelligenzhemmung der Masse nehmen muss? Klingt kompliziert, ist es aber anscheinend nicht. Aber hierzu lassen wir die Band selbst sprechen:

Eure Musik spricht vor allem durch ausgeklügelte Texte. Habt ihr manchmal das Gefühl, dass ihr eure Hörerschaft überfordert?

Franz: Was heißt überfordert … wir haben ja das Glück, dass wir nicht beim Eurovisions-Songcontest oder so auftreten, bei dem sich die ganze Bevölkerung dann mit der Musik auseinandersetzt und das scheiße findet. Es ist jedem offen, ob er Kreisky hört oder nicht, und das ist dann letztendlich an der Bevölkerungszahl gemessen ein sehr minimales Publikum. Aber dennoch ist es dann doch ziemlich groß für eine Band, die so eine Musik macht wie wir. Wir sehen den Hörer auch auf Augenhöhe und versuchen die Menschen auch an uns heranzuführen.

Klaus: Natürlich macht man auch Musik auf Augenhöhe mit sich selbst. Es ist uns wichtig, dass wir kein Album oder keinen Song zum zweiten Mal machen. So auf die „Malen nach Zahlen“- Art, hier eine schnelle, hier eine ruhige, hier eine epische Nummer – dieses Schema versuchen wir schon zu vermeiden. Dadurch muss man dann letztendlich auch an sich selbst arbeiten, jeder für sich und auch als Band. Man muss sich selbst auch immer wieder woanders hin hieven, auch wenn es manchmal leichter wäre, vertraute Ideen umzusetzen.

Das aktuelle, vierte Album von Kreisky: "Blick auf die Alpen". Malerisch!

Das aktuelle, vierte Album von Kreisky: „Blick auf die Alpen“. Malerisch!

Franz: Wenn man Musik macht oder auch irgendeine andere Kunstrichtung, es ist alles eine Form der Kommunikation. Wenn man ganz einfache Kommunikationsregeln beachtet, jemandem etwas Interessantes erzählt, das er nicht schon hundert Mal gehört hat, jedes Lied ein frischer Ansatz und Gedanke ist, dann interessiert ein Publikum auch sehr viel. Das sollte bitte ins Stammbuch vom ORF und vielen anderen Medienkonzernen, die den Menschen anscheinend immer nur das geben wollen, was sie eh schon hundert Mal gesehen haben.

Klaus: Man kann sich natürlich an internationalen Acts orientieren, sollte aber nicht versuchen, sie zu kopieren, sondern weiter eigenständig sein. Auf Eigenständigkeit setzen heißt aber auch, sich mit hiesigen Begebenheiten zu beschäftigen.

Franz: Man muss auch immer aufmerksam bleiben, denn es kann ja alles schnell zu einem Klischee werden. Sobald zu viele Leute etwas auf dieselbe Art und Weise machen, ist es nur noch purer Kitsch. Sind wir noch bei der ersten Frage? (lacht)

Wann wird Kreisky in Pension gehen?

Franz: Für mich ist das ein Zeitraum, an den ich eigentlich nicht denke. Ich plane nicht so voraus. Es kann auch sein, dass ein großer Masterplan einfach kippt – die Tour ist auf jeden Fall wichtig, und dann plant man weiter.

Klaus: Man muss ja auch realistisch bleiben. Wir setzen uns mit jedem Album mehrere Ziele, die wir erreichen wollen – sie sind aber dennoch nicht unrealistisch. Wenn man sich unerreichbare Ziele setzt und sich diese wie eine Karotte vor die Nase hält, dann ist man in einer permanenten Frustschleife gefangen. Nach dem Album ist vor dem Album. Es muss einfach funktionieren – man muss dafür sorgen, dass es weitergehen kann.

Franz: Wir werden auch weiterhin die Lust am Musikmachen behalten und die Musik, die in unserer Gruppen- DNA drin ist, weitermachen – dann haut das hin! Wenn es einen Rückschlag gäbe und keiner mehr unsere Musik hören würde, könnte man damit leben. Es ist zwar nicht schön, aber es ist nicht so ein Beinbruch, als wenn man sich mit irgendeiner unsäglichen Musik total verbiegt und dann haut es nicht mal hin.

Zur Gruppen-DNA – die stimmt bei euch?

Franz: Relativ, eigentlich schon. Wir haben ein Bild vor Augen, wie es sein sollte, und die Richtung ist meistens unisono. Letztendlich hat dann eh jeder selbst so ein musikalisch ausgeprägtes Vokabular, dass das eigentlich passt.

Klaus: Es gibt Reibungspunkte – natürlich ist ein Vertrauen zueinander vorhanden, aber wenn es keine Reibung gäbe, wäre es langweilig.

Ist eigentlich bei euch schon jemand mal von der Bühne geflogen?

Klaus: Der schönste Bühnensturz – es ist zum Glück alles gut ausgegangen – ist dem Martin, unserem Gitarristen passiert. Bei unserer Schlussnummer, die wie jahrelang auf Konzerten gespielt haben „Die Menschen sind schlecht“, gibt es ein sehr ekstatisches Finale, bei dem Martin immer in seinem sehr eigenständigen Tanz und Stil zu nah an den Bühnenrand kommt, und von diesem ist er dann auch gefallen. Das war zwar nicht sehr hoch, aber der Bereich zur Wand war sehr schmal. Er ist also auf dem Rücken da drin gelegen und konnte sich nicht mehr selbst befreien. Er hat dann das Konzert wie ein Käfer am Rücken liegend zu Ende gespielt. Ich habe das von hinten beobachtet und es war sehr schwierig für mich, dass ich nicht selbst vom Stuhl falle – das war einfach ein starkes Bild!

Bitte erzählt mir doch noch eine weitere lustige Anekdote …

Franz: Am Ende einer Tour ist es ja manchmal so, dass die Stimme nicht mehr ganz so kraftvoll ist. Bei einem Abschluss-Konzert in Ebensee bekam ich den Hausmittel-Tipp, dass mit Schnaps alles besser wird. Das ist gar nicht so schlecht, damit habe ich auch schon sehr gute Erfahrungen gemacht. In Ebensee gab es dann Zirbenschnaps. Der hat sich wirklich sehr positiv auf die Stimme ausgewirkt, allerdings negativ auf die Ansagen, die dann die übliche Launigkeit schon weit überschritten haben (lacht).

Klaus: Die Ebenseer sind bekannt dafür, dass sie Gäste abfüllen. Und noch dazu mit Zirbenschnaps, der geht ja runter wie nix.

Franz: Mich haben sie gar nicht abfüllen müssen, ich hab das brav selbst gemacht. Ich hab mir dann eine ganze Flasche bestellt und sie am Bühnenrand stehen lassen – nach jedem Lied gab es dann ein Stamperl. Es war aber wirklich lustig und auch ein super Konzert. In meiner Erinnerung war das das beste Konzert, das wir jemals gespielt haben – es war aber auf jeden Fall auch das fehlerreichste, aber die Stimmung war am Kochen. Die Ebenseer, die sind halt auch eines der besten „Publikümer“, die es gibt.

 

Reibungspunkte live: Ab 4. April u.a. in Linz, Steyr und Wien!

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