„Der Kaufmann von Venedig“: das Publikum entscheidet

Bei der Eröffnungspremiere des Wiener Volkstheaters Anfang September ist das Publikum gefragt: Wer soll den Juden spielen? Wir verlosen Karten für Shakespeare zum Mitbestimmen.

Der stärkere Applaus gewinnt

Der Kaufmann von Venedig gilt aufgrund von Antisemtismus-Vorwürfen als William Shakespeares dunkelste Komödie. Oftmals wird das Theaterstück, 1598 am Theater der „Lord Chamberlain’s Men“ uraufgeführt, wegen seiner negativen Darstellung der jüdischen Titelpartie scharf kritisiert, nicht selten wird die Frage gestellt, weshalb das Werk überhaupt auf einem Spielplan steht. Noch-Intendantin Anna Badora thematisiert in der Eröffnungsinszenierung deshalb nicht das ‚Jüdischsein‘, sondern  spürt im „Kaufmann“ Klischees und „gesellschaftlichen Zuschreibungen im Allgemeinen“ (orf.at) nach. Das Publikum darf dabei selbst Stellung beziehen und mittels „Applausometer“ darüber entscheiden, wer die Titelpartie des jüdischen Shylock am jeweiligen Abend verkörpert.

„Ring frei“ für Anja Herden, Rainer Galke und Sebastian Pass

Zur Wahl stehen Anja Herden, Rainer Galke und Sebastian Pass. Am Spielbeginn verkörpern die DarstellerInnen drei Varianten derselben Figur: Herden die dunkelhäutige, strenge Geschäftsfrau, Galke den Kapitalisten von der Börse und Pass den kumpeligen Leopoldstädter. Der- beziehungsweise diejenige mit dem meisten Zuspruch mittels Applaus darf Shylock spielen. Aber nicht zu früh gefreut! In der Mitte des Stücks, beim bekannten Shylock-Monolog, weist sich mittels erneuter Wahl zum „Shylock des Abends“, ob das Publikum mit seiner Wahl zufrieden war oder einen neuen Shylock wünscht.

Und was hat er für Grund! Ich bin ein Jude. Hat nicht ein Jude Augen? Hat nicht ein Jude Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen, Leidenschaften? Mit derselben Speise genährt, mit denselben Waffen verletzt, denselben Krankheiten unterworfen, mit denselben Mitteln geheilt, gewärmt und gekältet von eben dem Winter und Sommer als ein Christ? Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? Wenn ihr uns kitzelt, lachen wir nicht? Wenn ihr uns vergiftet, sterben wir nicht? – Shylock (gutenberg-spiegel.de)

Menschliches Fleisch als Pfand

Shylock, der Jude von Venedig, vergibt Kredite an alle, die es nötig haben. In Venedig sind das viele, hier wird auf Pump gelebt, gespielt, gezockt. Man wird reich durch Spekulation oder verliert alles beim Roulette. Casinokapitalismus! Nur Shylock ist seriös, ein Bankier alter Schule, er borgt Geld und nimmt Zinsen. Auch Dank würde er nehmen oder wenigstens Respekt, aber die venezianische Schickeria zahlt ihm seine Dienste mit Verachtung heim, allen voran Antonio, ein Kaufmann im neuen Stil, ein Glücksritter und Hasardeur. Antonio hat Shylock auf offener Straße bespuckt und als „Hund“ beschimpft, jetzt braucht er Geld in harter Währung. Nicht für sich, sondern für seinen Liebhaber. Der ist pleite und will heiraten. Das Objekt der ehelichen Begierde: die Milliardärstochter Portia. Wer um eine reiche Frau werben will, muss selbst reich sein – oder wenigstens so tun. Antonio geht zum von ihm verachteten „Judenhund“ und verlangt Kredit. Ein Vertrag wird aufgesetzt: Für den Fall, Antonio kann das Geld bis zum vereinbarten Zeitpunkt nicht zurückzahlen, darf Shylock ein Pfund Fleisch aus seinem Leib schneiden. Was folgt, ist ein Spiel des Zufalls. Wer gewinnt, wer verliert? Fortuna entscheidet, die Göttin des Glücks, ihr Rad dreht sich, die Kugel rollt, Fortuna kennt weder Gnade noch Recht.

Wie entscheiden Sie? Wir verlosen Tickets!

Wir verlosen 3×2 Tickets für Der Kaufmann von Venedig am 14. September im Wiener Volkstheater!

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Bilder: © Lupi Spuma
Textquellen: orf.at, Volkstheater Wien, Projekt Gutenberg

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