Der Messias ist auferstanden: Russell Brand

Der Gottkomplex. Che Guevara, Gandhi, Malcom X, Jesus Christus, Napoleon, Hitler – sie alle litten unter dieser Idee, genauso, wie zahlreiche Superschurken in Comics und Serien. Zeit wird es, dass endlich mal jemand in die Seele derartiger Charaktere eintaucht, das Warum und Wie hinterfragt. Wer könnte sich wohl besser mit psychischen Störungen auseinandersetzen als der Brite Russell Brand, denn der Schuster bleibt bei seinen Leisten.

„Ich habe keinen Gottkomplex, denn ich bin Gott. Ich sorge für dich, ich bin es, der weiß, was du dir wünscht, ich bin dein ewiges Göttliches Sein, deine Quelle, dein Ursprung, ich bin du.“ Und weil ich eben alles bin, habe ich auch Narrenfreiheit, darf den lieben, langen Tag tun und treiben, was ich will. Betrachtet man die Karriere von Russell Brand, dem britischen Comedian, so kommt man leicht in Versuchung anzunehmen, dass auch bei ihm ein latenter Fall von psychischer Störung jener Natur vorliegt, denn kaum ein anderer Comedian schafft es, derartig gehässig und respektlos durch die Weltgeschichte zu marschieren – und das ohne Kieferbruch.

Russell Brand: extrem

Russell Brands riesengroßer Vorteil ist das Kindchenschema. Nicht jenes, das es einem unmöglich macht, einem Tierbaby zu grollen, auch wenn es gerade die teure Ledercouch zerfetzt und die Manolo-Blahnik-Schüchlein zerbissen hat. Das auch kleinen Kindern anheim ist und sie deswegen mühelos Grenzen überschreiten könnten, die mancherorts vielleicht schon nach einer „gesunden Watschn“ schreien würden. Und nicht zu guter Letzt: Das Kindchenschema, das auch der Damenwelt nicht selten dabei hilft, Überzeugungsarbeit zu leisten. Nein, bei Russell Brand ist es einfach sein leicht schnöseliger, britischer Akzent und sein harmlos, beinah unbedarft-unschuldig dreinblickendes Gesicht, das glauben macht, er meine alles gar nicht so bös und man sei selbst der Schelm, wenn man Böses auffasst. Allein, dass er zwei Tage nach dem Terroranschlag von 9/11 in seiner eigenen Fernsehshow im Osama-bin-Laden-Kostüm auftauchte, darf man durchaus als Gratwanderung bezeichnen. Promiskuität, überbordender Alkoholkonsum und freilich Drogen (nachzulesen in My Booky Wook) gehören oder gehörten zu seinem Image, ebenso wie sein kontroverses Auftreten – nicht unbedingt das Bild des „perfekten Schwiegersohns“, sondern vielmehr Personifikation dessen, der vom Schwiegervater in spe bereits vor der Türschwelle ohne Gewissensbisse erschossen werden würde. Und dennoch: Irgendwie ist er unglaublich charmant und unwiderstehlich.

Russell Brand und der Messiaskomplex

Russells Charakter ist also getroffene Umlegung seines Familiennamens, Brand kann nämlich aus dem altnordischen Wort „brandr“ abgeleitet werden, was für einen heißblütigen Wilden stand. Und jener Wilde fegt also im Messiaskomplex durch die Menschheitsgeschichte, widmet sich Charakteren, die durch eine extreme Grundeinstellung auffielen – Che Guevara, Gandhi, Malcolm X oder Hitler eben. Es mag ungewöhnlich entscheiden, letzteren in jener Liste zu finden, aber, so Brand: „Wir müssen die Extreme ausleuchten, um uns mit dem Menschen selbst und seinen Gedanken auseinanderzusetzen. Hitler zu negieren ist eine Form der Identifikation.“ Es stellt sich freilich die Frage: Kann man dem Erlöser, Jesus Christus, einen Komplex attestieren, bei der sich der Betroffene nun eben für den Erlöser hält? Wäre es Vielgötterei, wenn man auf Che Guevara und Madonna steht? Wäre Gandhi ein Fan von Apple, gäbe es vielleicht gar einen Kalorienzähler namens iGhandi? Und: Haben Götter auch Makel? Was tut das Fußvolk, das sich um die Götter herum scharrt?

Russell Brand in Wien

Im März kommenden Jahres wird Russell auch Wien heimsuchen, genauer: das Gartenbaukino. Ohne seiner zuckersüßen, überheißen Ex Katy Perry zwar, aber dass es bei ihm dennoch auch um die Horizontale gehen wird, versteht sich von selbst. Und eingedenk seines Intellekts und seines regen Interesses an Politik und Kunst, wird er vielleicht auch einigen heimischen Größen der Vergangenheit oder Gegenwart auf den Zahn fühlen und für Schlagzeilen in den Tageszeitungen sorgen – und der Promiskuität frönen, wie damals, zu Mutzenbachers Zeiten.

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