Der Rock als Hosenrolle?

Frauen & Rockmusik – eine ebenso seltene wie schwierige Beziehung. Aber woran liegt es, dass die härtere Gangart nach wie vor eine Männerdomäne ist?

 

Es fängt ja schon damit an, dass man, wenn man männliche Zeitgenossen nach Frauen im Rock fragt, Antworten wie „scharf“, „leiwand“ oder „wie kurz?“ bekommt. Ziemlich lustig halt, das andere Geschlecht. Okay, ist auch ein bisschen lustig. Denkt man dann aber etwas genauer darüber nach, ist es gleich gar nicht mehr so lustig, denn irgendwie will meinen Gegenübern einfach keine Rockband in weiblicher Besetzung, oder einfach nur mit weiblicher Frontfrau einfallen, oder zumindest keine, die sie in ihre Top-Ten-Rock-Bands-aller-Zeiten-Liste einfügen würden. Nun, woran liegt das? Traditionell gesehen war dem wohl immer schon so, aber wir befinden uns in einer Zeit, wo einige Traditionen veraltet sind beziehungsweise einer Generalsanierung bedürfen. Fernab von motzen und dem klassischen „wäh, ich will all das können, was ein Mann auch kann“, begeben wir uns auf die Suche. Denn eines ist klar: Musik kann von allen gleichermaßen ausgeübt werden, dazu muss man nicht besonders stark oder groß sein, oder eben besonders Mann oder Frau.

Attitüde

Kylie Minogue

Kylie Minogue kommt am 23. Oktober in die Wiener Stadthalle

Geht man vom Rockgenre als solches aus, ist dies sicherlich kein sehr sanftes oder auch leises. Trotz mindestens einer Ballade auf fast jedem Rockalbum steht  dennoch eine gewisse Aggressivität und Lautstärke im Vordergrund. Ein Rocksong soll einfach ordentlich fetzen und dennoch melodiös abgestimmt sein. Die ausufernde Diskussion zu führen, dass eine Frau genauso aggressiv und hart wie ein Mann sein kann, lassen wir an dieser Stelle mal zur Seite, das wäre der klassische Äpfel-Birnen-Vergleich und eigentlich ist es doch ganz gut, dass frau/man nicht so oder so sein muss, sondern im großen Ganzen gesehen einfach unterschiedlich ist. Deshalb eine gewagte Fragestellung: Ist man als Frau einfach zu weich, um Rock zu machen? Prinzipiell widerspricht die klassische weibliche Geschlechterrolle der Wahrnehmung eines Rockmusikers – man denke da beispielsweise an ein richtiges „Rumdreschen“ auf einem Schlagzeug. Oftmals werden Frauen deshalb „nur“ als Sängerinnen eingesetzt beziehungsweise entfernen sich vom härteren Rock und nähern sich eher dem, was gemeinhin als Pop bezeichnet wird. Dies sieht auch die irische Sängerin Wallis Bird ähnlich, obwohl sie zumindest ein kleines Licht am Ende des Frauenrockhorizonts sieht: „Rock ist mehr „cock and balls“. Es ist ein bisschen beängstigend, wenn eine Frau „cock and balls“ zeigt. Aber das ändert sich definitiv im Moment, da auch Männer heute femininer sein müssen. Um Frieden, Gemeinsamkeit, Familie zu verstehen. Da sehe ich eine große Bewegung: Es gibt eine viel größere Gleichheit als je zuvor.“ Die Degradierung von Frauen in die klassische Sexrolle ist aber auch für sie ein Thema, mit dem sie sich immer wieder auseinandersetzen muss: „Es wäre toll, wenn Frauen nicht Sex verkaufen würden, um gesehen zu werden. Ich würde gerne die Möglichkeit haben, mein Top während eines Gigs auszuziehen, wenn es mir zu heiß wird. Ich habe mich dazu entschieden, mich nicht nach diesen Unterschieden zu verhalten und sie auszuklammern. Denn ich denke, es sollte keinen Unterschied machen, und je weniger wir den Fokus darauf richten, desto mehr können wir uns davon entfernen. Ich habe nie Sexismus erlebt, weil ich niemandem je die Möglichkeit gegeben habe zu denken, dass ich anders wäre als jeder Typ. Ich glaube jedoch: Frauen sind zum stärksten Element in der populären Musik geworden. Seit 2000 gibt es viel mehr weibliche Künstler als männliche. Ich denke, das kommt und geht in Phasen. Auch in der Politik treffen Frauen derzeit die wichtigsten Entscheidungen: zum Beispiel Hillary Clinton oder Angela Merkel.“

Parade der Beispiele

Patti Smith: Kult pur!

Patti Smith: Kult pur!

All-time-favorite-Rockröhren sind auf jeden Fall Patti Smith, Debbie Harry und Joan Jett. So unähnlich sie einander waren, so wichtig waren sie, um aufzuzeigen, dass man schlussendlich auch als Frau im Vordergrund stehen und ordentlich rotzen kann! Dennoch, man nehme da Joan Jett teilweise aus, bestanden ihre Bands aus Männern. Da musste man dann am populären Rockhimmel schon bis zu den 4 Non Blondes warten, um eine rein weibliche Partie auf der Bühne stehen zu sehen.
Band männlich, Stimme beim ersten Mal hören auch, optisch dann doch weiblich: Von Guano Apes, angeführt von der Röhre von Sandra Nasic, kann man halten was man will. Dennoch konnten sie sich in den 90er-Jahren ziemlich gut am von H-Blockxx und Konsorten dominierten Rockolymp durchsetzen. Dennoch, man kann es drehen, wie man will, der weibliche Anteil auf Rockbühnen ist noch immer einer der geringsten überhaupt! Man sehe sich nur das Line-up der Festivals an, die heuer in hiesigen Gefilden stattfinden. Und? Fündig geworden?

Gegensatz

Im Gegensatz dazu gibt es in der U-Musik ein paar Genres, in denen der Frauenanteil immer mehr wächst, wenn nicht schon dominiert. Im Pop poppten vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten immer mehr Sternchen auf – Lady Gaga, Rihanna, Pink und auch ältere Kaliber wie Madonna oder Kylie Minogue füllen noch immer Konzerthallen. Es scheint also um die Frauenquote im Rock am allerschlechtesten zu stehen. Einer, der es wissen muss, da er zurzeit einen Spagat zwischen Pop, Hip-Hop und Rock macht, ist Jan Delay: „Ich find Frauen in Hosen nicht so geil, ich find Frauen im Rock viel besser (lacht). Im Ernst, es ist tatsächlich nicht sehr viel los, was Frauen und Rockmusik betrifft. Keiner weiß wieso, keiner weiß, woher das kommt. Na ja, vielleicht weil man denkt, dass Rock so eine harte Ellbogengesellschaft ist und es für Frauen fünfmal so schwer ist, sich da durchzusetzen. Mir fällt gerade keine Rockröhre ein, die ich für mich persönlich so einstufe, dass sie mir so viel bedeutet wie Queens Of The Stone Age oder Wolfmother. Im Pop allerdings gibt es so viele tolle Frauen und Sängerinnen. Ich würde sogar fast sagen, dass es im Hip-Hop noch mehr Frauen gibt, die was reißen, als im Rock. Das ist echt krass.“
Schlussfolgerung daraus? Mädchen, schnappt euch Instrumente, und dann mal rauf auf die Bühne! Einfach den Klischees trotzen und somit eine neue Ära eröffnen, wäre doch mal nicht schlecht.

 

Meena Cryle, ihres Zeichens erfolgreiche österreichische Bluesmusikerin, zum Thema Frauen in der Rockmusik:

Meena_Cryle CD Cover„Meine Band ist ausgeglichen. Füher waren wir immer frauendominiert und jetzt sind es zwei Männer und zwei Frauen. Ich glaube, grundsätzlich ist es in der Musik so, dass man es als Musikerin in gewissen Punkten sogar leichter hat. Weil eine Frau mit einer Gitarre ist schon weitaus cooler als ein Typ mit einer. Im Blues fall’ ich dann aber doch auf. Wir haben auf der ersten europäischen Blues Challenge gespielt, und ich war die einzige weibliche Teilnehmerin, da war ich dann auch sehr verwundert. Im Business an sich hat man als Frau aber auch mit Sexismus zu kämpfen. Es ist auch interessant, wenn ich auftrete: Ich bin doch eine starke Frau und ich habe oft das Gefühl, dass Männer aus dem Publikum sich nicht trauen, mich anzusprechen. Von Frauen höre ich nach Konzerten, dass sie sich von mir sehr inspiriert oder gestärkt fühlen.“ (Meena Cryles neue CD „Tell Me“, die gemeinsam mit der Chris Fillmore Band aufgenommen wurde, wird am 5. Juni im Wiener Chaya Fuera präsentiert.)

 

[highlight color=”yellow”]Zahlreiche weibliche Musikerinnen haben sich auch in unserem Ticket-Shop eingefunden. Stöbert![/highlight]

Tickets bei oeticket.com

Der Beitrag gefällt dir? Jetzt teilen!