Der Wiener Mandelbaum Verlag

Der Wiener Mandelbaum Verlag ist, gleich bei welcher Programmsparte man zugreift, ein Verlag der Liebhaber für Liebhaber. Wie Phönix aus der Asche entstieg er 1996 aus der Krise des Grafikstudios von Michael Baiculescu, heute Verleger. Das Ziel: „Verborgene Schätze zu bergen und Verstecktes sichtbar zu machen.“

 

„Feine Gourmandisen“ ist zwar nur eine der Reihen – eine liebevoll gestaltete Serie rund um das „leibliche Wohl“ –, könnte man gleichermaßen aber auf jede der präsentierten Sparten umlegen: gleich ob Geschichte, Reisen und Politik, Literatur, Psychologie oder Künstlerfabrikate, und allein die Tatsache, dass die Hörbuchreihe nicht schnöde abgewertet, sondern zu Recht als „Klangbücher“ aufgewertet wird, zeugt von Erzeugnissen, die selbst gestrengste Connaisseure zufrieden stellen müssen.

HaggisIch muss gestehen, ich bin kein Freund von Kochbüchern, von Rezepten – hier fühle ich mich als Knackwurst in Korsagen gepresst, wie Oh Dae-su in Oldboy eingekerkert. Nur wenige konnten bisher – zuletzt Werner Grubers Genussformel und Stermanns Frische Fische – Geist und Gaumen anregen. Auch der Streifzug mit dem schottischen Nationaldichter Robert Burns durch die schottische Kulinarik – Haggis, Whisky & Co. – ist ein solches Produkt geworden. Gerade der gefüllte Schafsmagen Haggis – wohlbemerkt neben Fisch, Rind, Wild und Gemüse nur eines der Kernthemen der schottischen Küche – genießt hierzulande eine große Abneigung, ist aber (richtig zubereitet) ein immenser Gaumenkitzel: „If Ye wish her gratefu prayer, gie her a Haggis!“, dichtet Burns in seinem Adress To A Haggis.
Die Zubereitung der sechzehn mehrgängigen Speisenfolgen, darunter auch das klassische „Burns Supper“, ist feinstens beschrieben, stets mit einer Whisky-Empfehlung angereichert. Dies, dies ist nicht nur eine kulinarische Inspiration, sondern vielmehr eine Wanderung durch die Geschichte und Landschaft eines der bezauberndsten Flecken dieser Erde!

ArtmannWie auch schon mit dem fabelhaften Dracula Dracula von H.C. Artmann, welches in unserer letzten November-Ausgabe für Begeisterungsstürme sorgte und wehmütig an die Karpaten-Reise im Porgy & Bess denken ließ, ist den Herren Steinhauer, Graf, Rosmanith und Pinkl mit Flieger, grüß mir die Sonne erneut ein mehr als nur astreines Kleinod gelungen. Alleine, um Steinhauer – Eine Stimme, die man zu sich ins Bett nehmen möchte, während es draußen herbstelt! – „Bondieu!“ sagen zu hören, rechtfertigt diese Anschaffung. Es verwundert nicht, dass natürlich auch die Groteske über den Protagonisten mehr als nur schmunzeln lässt: Jener ist von der Natur rabenmütterlich behandelt, wünscht sich dennoch nichts sehnlicher, als einem Dandy gleich durchs Leben zu schweben. Dies funktioniert, wie der Titel andeutet, kurzweilig durchaus nach Wunschdenken, doch gleich dem Ikarus folgt zwangsweigerlich auch hier schließlich der Fall.
Steinhauer schnurrt sich durch dieses fein nuancierte Vergnügen, als wäre er ein Cruiser auf der Route 69, mit offenen Hemdknöpfen, weißem Hut und braungebranntem Arm aus dem Fenster baumelnd. Die musikalische Untermalung durch das altbekannte Trio sorgt wie gewohnt für einen Begleitschritt, aber auch Kontrastierung gleichermaßen, sodass selbst das „Klangbuch“ zu kurz greift – dies ist ein Stimmungskörper, weltmusikalisch wirkungssicher, intelligent, mit Witz und einnehmendem Organ.

Mehr zum Mandelbaum-Verlag und seinem wunderbaren Programm erfahren Sie hier.

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